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Schorlau und Sieker beim Neuen Montagskreis

Krimiautor Wolfgang Schorlau und sein Rechercheur Ekkehard Sieker berichten am Montagabend, 18. Dezember, über ihr neues Buch "Der große Plan - Denglers neunter Fall", das im März 2018 erscheinen wird. Diesmal geht es um Griechenland, genauer darum, wie die EU, allen voran Wolfgang Schäuble, die Griechen in den Würgegriff genommen hat. Schorlau kann aktuell auch von seiner Reise in die Türkei erzählen, wo er in der vergangenen Woche Gast des Goethe-Instituts in Ankara war. Veranstaltet wird der Abend (Beginn 19.30 Uhr) vom Neuen Montagskreis im Stuttgarter Theaterhaus. Moderator ist der frühere SWR-Chefredakteur Michael Zeiß.


Klatsche für die AfD

Die "Alternative für Deutschland" (AfD) hat ihre vorübergehende Spaltung im baden-württembergischen Landtag zur Einsetzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses "Linksextremismus in Baden-Württemberg" nutzen wollen. Ihr dies zu verwehren, war nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs vom Mittwoch rechtens. Zwar sei der Ausschuss im August 2016 wie gefordert von zwei – wenn auch nur vorübergehend bestehenden – Fraktionen aus AfD-Mitgliedern beantragt worden, heißt es in der Begründung. Als der Landtag im November 2016 allerdings über die Einsetzung abstimmte, habe es nur noch eine Fraktion gegeben.

Die AfD war mit großen Hoffnungen vor Gericht gezogen und mit der Argumentation, es sei nicht möglich rückwirkend Rechte abzuerkennen. Besonders peinlich für die Rechtspopulisten ist, dass entscheidende Fristen versäumt wurden, um im angestrengten Organstreitverfahren erfolgreich zu sein. Wie das Gericht erläuterte, hätte der Antrag bis zum 10. April 2017 gestellt werden müssen. Sei aber erst am 9. Mai 2017 eingegangen.

Der frühere Innenminister und parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion sprach von einem "Sieg für den Parlamentarismus", der verdeutliche, dass "die AfD im Unrecht war und die öffentlichen Unterstellungen ausschließlich dazu dienen sollten, das Parlament zu verunglimpfen", sagte Reinhold Gall. "Wir waren von Anfang an der Meinung, dass die AfD nicht von einem Minderheitenrecht Gebrauch machen kann", erinnerte der Grünen-Fraktionsvize Uli Sckerl. Die Frist zu versäumen, stelle zudem "wieder einmal die unprofessionelle und schlampige Arbeitsweise" der AfD-Fraktion unter Beweis. (13.12.2017)


Demo gegen Abschiebungspolitik und Rassismus in Stuttgart

Am vergangenen Mittwoch fand wieder eine Sammelabschiebung nach Afghanistan statt, und obwohl seit dem Bombenanschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai nur noch "Gefährder, Straftäter und hartnäckige Mitwirkungsverweigerer" (Bundesinnenminister Thomas de Maizière) abgeschoben werden sollen, waren unter den 27 Afghanen an Bord des in Frankfurt gestarteten Flugzeugs auch einige, auf die diese Kriterien nicht zutreffen. Um gegen die Abschiebungs- und Abschottungspolitk Deutschlands und der EU sowie die fortschreitende Verschärfung der Fluchtursachen zu protestieren, haben Organisationen aus ganz Baden-Württemberg zu einer Demonstration am Samstag, den 9. Dezember, in Stuttgart aufgerufen, das Motto: "Für eine Welt, in der niemand fliehen muss". Den Veranstaltern geht es dabei auch darum, gegen Rassismus und Racial Profiling zu demonstrieren. Denn "Tag für Tag sind geflüchtete Menschen aufgrund äußerer Zuschreibungen mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert, ob bei Behörden, bei der Einreise an den Grenzen oder in ihrem Lebensalltag", sagt Karoline Schneider vom Offenen Treffen gegen Krieg und Militarisierung Stuttgart.

Die Demo beginnt um 14 Uhr in der Lautenschlagerstraße, gegenüber dem Hauptbahnhof, und geht nach einer Zwischenkundgebung am Schlossplatz zur Abschlusskundgebung an der Paulinenbrücke. Unter den RednerInnen sind Seán McGinley vom Flüchtlingsrat BW, der Geflüchtete Sadiq Zartilla aus Afghanistan, der Linken-Bundestagsabgeordnete Tobias Pflüger und die Asylpfarrerin Ines Fischer. Weitere Infos zur Demo gibt es hier. (8.12.2017)


Haus der Geschichte: Geburtstag mit einem Geschenk für alle

Für einen ganz besonderen Tag wartet das "Haus der Geschichte Baden-Württemberg" mit einem ganz besonders Angebot auf: Es feiert am kommenden Mittwoch, den 13. Dezember 2017, seinen 15. Geburtstag - mit freiem Eintritt für alle Interessierten und vielleicht auch für jene, die bisher noch nie ihren Fuß über die Schwelle der Einrichtung gesetzt haben. Kunststaatsekretärin Petra Olschowski spricht von einem "Herzensanliegen". Seit Amtsübernahme sucht sie nach Wegen und Möglichkeiten, "die Museen und Sammlungen im Land einem breiten neuen Publikum zugänglich zu machen". Eine grundsätzliche Lösung für möglichst viele Häuser im Südwesten ist bisher, trotz sprudelnder Steuereinnahmen, allerdings an der Finanzierung gescheitert (Kontext berichtete). Erreicht hat Olschowski immerhin, dass das Landesmuseum Württemberg seine Schausammlung das ganze Jahr 2018 über für Besucher und Besucherinnen öffnet, ohne Eintritt zu verlangen. Untersucht wird parallel, auch dank des finanziellen Engagement der Würth GmbH, wer das neue Angebot warum annimmt. Auf Basis dieser Erkenntnisse will die Staatssekretärin einen weiteren Vorstoß unternehmen, um mehr Häusern die Chance zu bieten, "Barrieren zu senken". Und sie verspricht ein Gesamtkonzept der Landesregierung "zur Öffnung für ganz neue Zielgruppen". (7.12.2017)


Reuter und Hunger sprechen – nicht über VW

Das Reizvolle an dem Abend dürfte sein, dass die Beteiligten wissen, wovon sie sprechen. Anton Hunger, der lesende Autor, war früher Journalist, unter anderem bei der "Stuttgarter Zeitung", danach oberster Öffentlichkeitsarbeiter bei Porsche. Edzard Reuter, der fragende Autor, war einst Daimler-Chef, danach hat er Bücher geschrieben, unter anderem über seine Kaste, die darin nicht so gut weg kam. Und Journalisten kann er eigentlich nicht leiden.

Vor diesem Hintergrund werden die beiden über Hungers neues Buch "Der Pakt mit dem Teufel" (Klöpfer & Meyer) reden, in dem es um Geldwäsche, Korruption und Waffenschieberei geht. Kritisch untersucht vom Journalisten Tom Schollemer, der nicht nur die georgische Mafia, sondern auch noch einen blöden Chefredakteur aushalten muss. Goutiert im Übrigen von Matthias Müller, dem Boss von VW, der das Buch laut "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" mit großem Gefallen gelesen habe – nachdem klar war, dass der Krimi nicht in Wolfsburg angesiedelt ist.

Inwieweit Anton Hunger seine Erfahrungen als Porsches PR-Leiter verarbeitet hat, verrät er nicht. Vielleicht sagt er's seinem Gesprächspartner Edzard Reuter, der ihn gewiss zur Wahrheit ermahnen wird: Beide sitzen im Beirat von Kontext und im Kuratorium der Reportageschule Reutlingen. (3.12.2017)

Termin: Dienstag, 5. Dezember, 19 Uhr, Stiftung Geißstraße, Geißstraße 7 in Stuttgart.


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Die Ärzte Niklas Gebele (links) und Markus Löble. Fotos: Joachim E. Röttgers

Die Ärzte Niklas Gebele (links) und Markus Löble. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 340
Gesellschaft

Therapie gegen Rechts

Von Anna Hunger
Datum: 04.10.2017
Göppingen und seine Umgebung sind braunes Pflaster. Immer wieder haben Neonazis in der alten Arbeiterstadt zu Aufmärschen aufgerufen. Am Rande der Stadt, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum Christophsbad sitzen ein Psychiater und ein Psychologe, die das Übel an der Wurzel packen wollen.

Es kam schon vor, dass ein Patient mit einem Hakenkreuz-Anstecker vor ihm saß. Zu solchen Gelegenheiten sagt Markus Löble zu seinem Gegenüber, Hakenkreuze brächten ihn immer durcheinander. "Und die meisten", sagt er, "nehmen den Stecker dann ab." Zu Löble ins Besprechungszimmer kommen keine Nazis. Sondern PatientInnen. "Oft sind das zutiefst hilfebedürftige Menschen." Mit Problemen, Ängsten und einem Leben hinter der radikalen Fassade.

Markus Löble ist Psychiater, 55 Jahre alt, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Klinikum Christophsbad in Göppingen. Sein Kollege Niklas Gebele, 35, ist der leitende Psychologe des Hauses. Sie sitzen an der Quelle in einem kleinen, aber wichtigen Fachgebiet, mittendrin in politischen Debatten an den Schnittpunkten zwischen Schule, Gesellschaft, Eltern und Kindern. Beide arbeiten unter anderem zum Thema Extremismus – linkem, rechtem, islamistischem.

Bunter Arbeitsplatz: die Klinik in Göppingen.
Bunter Arbeitsplatz: die Klinik in Göppingen.

Im April hielt Löble auf einem Fachtag "Demokratie leben" in Göppingen einen Vortrag zum Thema Populismus, gemeinsam mit Hajo Funke, Rechtsextremismus-Experte, auch im NSU-Untersuchungsausschuss. Am 10. Oktober, dem Welttag der seelischen Gesundheit, veranstalten die beiden Therapeuten in ihrer Klinik einen Vortragsabend mit Diskussion unter dem Titel "Populismus und Radikalisierung aus psychiatrischer Sicht". 

"Man kann sich nicht in einer Klinik verschanzen, wenn unsere Arbeit effizient sein soll", sagt Löble. Als Jugendpsychologen begreifen sich die beiden als Front gegen die zunehmende Radikalisierung. Denn Politik greift immer am Ende einer Entwicklung an. Die Psychologie versucht, die Anfänge zu finden. 

Die Arbeiterstadt Göppingen war mal rot und wehrhaft 

Die beiden Männer arbeiten auf schwierigem Pflaster. Göppingens Ruf ist mau, und das nicht erst seit gestern. Schon 2012 bemühte sich die Stadt durch neues Corporate Design und den Claim "Landkreis Göppingen. Überraschend. BESSER." um ein anständiges Image. Um dann 2014 in einer Studie zur Sympathie, Bekanntheit, Einzigartigkeit und Schönheit von größeren Städten in Baden-Württemberg auf Platz 20 von 20 zu landen. Die Stadt ist bekannt für Handballer von "Frisch auf!", für Märklin-Eisenbahnen und für Neonaziaufmärsche.

Neonazi-Aufkleber in der Göppinger Innenstadt.
Neonazi-Aufkleber in der Göppinger Innenstadt.

Der Dritte Weg, eine rechtradikale Kleinpartei, ist dort stark vertreten, die Autonomen Nationalisten, 2014 vom Innenministerium verboten, haben in der Vergangenheit immer wieder zu Aufmärschen durch die Fußgängerzone aufgerufen. Zur Bundestagswahl hat die AfD in Stadt und Kreis überdurchschnittlich gute Ergebnisse eingefahren: 15,8 Prozent in Göppingen, Spitzenreiter im Kreis ist Uhingen mit 17,3 Prozent. Stadtrat Christian Stähle von der Linken sagt, das läge daran, dass sich vor allem die Peripherie am Fuße der Schwäbischen Alb so abgehängt fühle, unbeachtet, wie viele Gebiete im Osten.

Dabei war Göppingen, die Arbeiterstadt, mal rot und wehrhaft. SPD und KPD waren groß, das Bürgertum liberal. Als die noch junge NSDAP in den Zwanzigerjahren im Hotel "Zu den Aposteln" in der Göppinger Fußgängerzone tagen wollte, hängte der damalige Wirt ein Schild an die Tür und wies die Parteischergen ab. Während in Berlin 1933 der Fackelmarsch am Brandenburger Tor stattfand, organisierte die lokale KPD eine antifaschistische Demo.

Auch heute gibt es Widerstand gegen die Neonazi-Szene und die Populisten der Kreisstadt und ihrer Umgebung. Die Initiative "Kreis Göppingen nazifrei" ruft immer wieder zu Gegendemonstrationen und Veranstaltungen auf, Stolpersteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Wie den Unternehmer Albert Schuler, der sich im Umfeld der "Weißen Rose" bewegte und 1943 von den Nazis ermordet wurde. Heute sind die Schuler-Werke als Zulieferer für Daimler einer der größten Arbeitgeber in Göppingen.

Göppingens Fußgängerzone, im Hintergrund das heruntergekommene Hotel "Apostel-Hotel".
Göppingens Fußgängerzone, im Hintergrund das heruntergekommene Apostel-Hotel.

Und es gibt die beiden Ärzte aus der Jugendpsychiatrie. Der Klinik-Neubau ist bunt und hell, ein freundlicher Ort für die Heilung junger PatientInnen. Bei der Bundeswehr hatte Markus Löble ein Schlüsselerlebnis. Damals, sagt er, habe er nicht verstehen können, dass ein Ex-Marinerichter wie Hans Filbinger tatsächlich Ministerpräsident werden kann. "Und so einer wollte, dass ich an der Waffe ausgebildet werde und Dienst am Vaterland tue." So wurde Markus Löble zum Linken.

Am Fuß der Schwäbischen Alb fühlt man sich abgehängt 

"Armut ist ein pathogener Faktor", sagt Löble. Pathogen heißt krankheitserregend. Denn Armut grenzt aus und löst Scham aus. Ganz oft, sagt der Psychiater, säßen Kinder in seinem Besprechungszimmer, von denen er denke: "Dieses Kind braucht keinen Psychiater, es braucht eine anständige Wohnung. Wenn das nicht gegeben ist, können manche Betroffene nicht einfach so sagen, dass es ok ist, dass der Staat Flüchtlinge aufnimmt. Wir brauchen sozialen Wohnungsbau und keine Paläste den Versicherungen." 

Löble hat einmal eine kleine Geschichte geschrieben. Es geht um zwei Mädchen, Sophia und Fatime, Freundinnen, die in den Sankt-Franziskus-Kindergarten gehen, den einzigen am Ort. Irgendwann erzählen sie der Kindergärtnerin, dass sie auch Erzieherinnen werden wollen. Die Frau freut sich und Sophia wird eine Chance bekommen. Fatime leider nicht, sie sei ja keine Christin, sagt die Kindergärtnerin, "so sind die Regeln". Auf der Vorderseite von Löbles Papier endet die Geschichte mit dem Nachhause-Weg der beiden Mädchen: "Von außen sieht man nichts Besonderes. Zwei Kinder, die nach Hause laufen. Innerlich aber, das spüren beide, laufen sie zum ersten Mal getrennt voneinander nach Hause. So ist das, wenn man älter wird." Diesen Mechanismus nenne man fachlich "Othering", sagt Löble, vom Englischen "other", anders. "Das erschafft schon früh das Bewusstsein, 'du gehörst nicht dazu'." Auf der Rückseite seines Papiers ist es egal, welcher Religion Fatime angehört, beide Mädchen haben dieselbe Chance. Der letzte Satz lautet denn auch: "Alle drei sind sich einig, dass es ein gutes Gefühl ist, einen Plan für die Zukunft zu haben."

1,5 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland stünden nur Christen zur Verfügung, sagt Löble. In kirchlich betriebenen Krankenhäusern, Kindergärten, und so weiter. "Kein Wunder, dass sich Moslems nicht mit diesem Staat identifizieren." Gebele fügt hinzu: "Das sind absehbare Mechanismen, nicht völlig undurchschaubar, das ist nicht wie ein Unwetter über uns."

Uhingen ist die AfD-Hochburg im Kreis Göppingen.
Uhingen ist die AfD-Hochburg im Kreis Göppingen.

Kirchliche Arbeitgeber sollten auf die Religionszugehörigkeit verzichten, Gedanken- und Gewissensfreiheit garantieren, fordert Löble. Altersarmut bekämpfen, keine homogenisierten Krabbelgruppen, Schulen oder Arbeitsplätze, will sein Kollege. Eine funktionierende Sozialpolitik, in der auch ein Krankenpfleger seine Familie ernähren kann, keine Doppelbotschaften von der Politik. Das sind die politischen Forderungen der beiden Therapeuten für eine Gesellschaft, der man den Boden nimmt, auf der radikale Ansichten keinem können.

Niklas Gebele bezeichnet sich als "passives Kohl-Kind", war in seiner Jugend eher in der Richtung selbstverwaltete Jugendhäuser unterwegs als auf Demos. Mit Beginn seiner beruflichen Laufbahn wurde ihm bewusst, wie sehr alles zusammenhängt – Popmusik, Mainstream, Politik. Und die Psyche.

Ein Gefühl von Kränkung und Ausgrenzung

Radikalisierung, egal in welche Richtung, beschreibt er als immer gleichen Prozess der Ausgrenzung, des Nichtverstanden-Werdens. "Kinder und Jugendliche sind dem am stärksten ausgesetzt, und die leben häufig in prekären Verhältnissen. Radikalisierung ist ein sozialpsychologischer Prozess. Ein Gefühl von Kränkung, Identitätsunsicherheit, Ausgrenzung. Hetze und radikale Gruppen im Internet sprechen diese angreifbaren Leute an, bieten scheinbar Sinn, Zugehörigkeit und Identität."

Gebele hat diese Entwicklung vom Kind zum Radikalen einmal für Anakin Skywalker beschrieben, der im Star-Wars-Universum vom begabten Jungen zum Bösewicht Darth Vader wird. "Wenn die helle Seite, die für Demokratie und Menschenrechte eintritt, die Ängstlichen und innerlich Zerrissenen nicht wahrhaft annehmen will, sondern nur umerziehen, treibt sie diese der dunklen Seite mit ihren vereinfachenden Antworten direkt in die Arme." So endet Gebeles Analyse. Und so lässt sie sich auf das Heute und die Realität übertragen.

Uhlinger Antifa klebt gegen Rechts.
Uhlinger Antifa klebt gegen Rechts.

"Es geht viel um Narrative", sagt Psychiater Löble. "Darum, wie man Geschichten erzählt. Wie die AfD ihre Geschichte erzählt und die andere Seite ihre. Wenn man ein Dorffest macht, und Neonazis auslädt, sind sie ausgegrenzt. Aber wenn sie da sind, werfen sie wenigstens nicht mit Steinen. Das gemeinsame Narrativ ist dann: Mensch, sind wir ein tolles Dorf. Da können Populisten dann gar nicht anknüpfen."

"Jeder Einzelne ist in der Pflicht den Dialog zu fördern," sagt Gebele. "Ich betrachte es als Luxus, als etwas sehr Schönes, wenn man sich gegenseitig zuhören kann." Wenn man Gelegenheit habe, die Geschichte des Menschen zu hören, dann verstehe man dessen Situation oft. Wie sieht das Leben des Gegenübers aus, wie ist seine Familiengeschichte, gelingt es den Menschen dahinter zu sehen, nicht die Ideologie? "In dem Moment", sagt Löble, "entsteht eine Beziehung." Manchmal müsse man sich zum genauen Hinschauen zwingen, auch wenn es einem nicht passe. 

"Wie man sich streitet, ist wichtig", sagt Niklas Gebele. "Man muss menschenverachtenden Ideologien entgegentreten. Aber gewaltsam gegen Menschen vorzugehen, egal welcher Ideologie sie angehören, das geht nicht." Dann zitiert er den Philosophen Karl Popper: "Lasst Ideen sterben, nicht Menschen."

 

 

Info:

Der Vortragsabend "Populismus und Radikalisierung aus psychiatrischer Sicht" im Klinikum Christophsbad beginnt am Dienstag, 10. Oktober, um 17.30 Uhr mit der Vernissage der Ausstellung "Von kreativ bis kunstpirativ" in der Galerie beim Café am Park, Faurndauer Straße 6-28 in Göppingen. Mehr dazu unter diesem Link.


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