Oft gehen auf Parteitagen die Rechenschaftsberichte von Schatzmeister:innen unter, weil direkt vor ihnen die jeweiligen Landesvorsitzenden sprechen. Am Wochenende in Ulm nahm der glücklose SPD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl Andreas Stoch seinen Abschied als Chef der Südwest-SPD, mit stehenden Ovationen bedacht in einer Mischung aus Anerkennung und Mitgefühl. Danach dankte auch Karl-Ulrich Templ ab, ein Urgestein der SPD im Südwesten mit fast zwei Jahrzehnten als Kassenwart auf dem Buckel. Die gute Nachricht: Es sind noch Rücklagen da. Die schlechte: Sie reichen noch genau für einen einzigen Wahlkampf.
Schon heute, mahnt der frühere Vizedirektor der Landeszentrale für politische Bildung eindringlich, sei die Organisationskraft der Partei in der Fläche in Frage gestellt. Die Aussichten auf die kommenden Jahre sind laut Templ so düster wie noch nie. Denn nach den schlechten Ergebnissen bei Bundes- und Landtagswahl gibt es nur noch wenig Geld aus der staatlichen Parteienfinanzierung. Und noch ein Alarmsignal: 70 Prozent der Mitglieder sind zwischen 50 und 90 Jahre alt.
Templs "Bericht aus dem Maschinenraum" wurde mit warmem Applaus quittiert. Seine Botschaften erreichen aber das Publikum nicht. Bestes Beispiel ist seine Nachfolgerin Tamara Hübner, im Hauptberuf Zweite Bevollmächtige der IG Metall in Stuttgart. Sie greift keine einzige der Warnungen auf – zu den wegsterbenden Mitgliedern, zu den von Ort zu Ort beträchtlichen Unterschieden im Beitragsverhalten der Mitglieder, zu den allmählich kollabierenden Binnenstrukturen. Ohne jeden Kommentar dazu und ohne Finanzkonzept wird Tamara Hübner von fast 90 Prozent der Delegierten dennoch zur neuen Schatzmeisterin gewählt. Nach einer Werbung für sich selbst in dieser Tonlage: nahe bei den Menschen sein, nicht immer laut, sondern wirklich, nicht abgehoben, sondern auf Augenhöhe, "und wenn ihr euch darin wiederfindet, bitte ich euch um euer Vertrauen".




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