Dann zunächst Aufatmen: Im Februar 2024 bekam die Familie den Aufnahmebescheid vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Damit konnte sie Pässe besorgen, Afghanistan verlassen und nach Pakistan reisen, um dort bei der deutschen Botschaft Visen zu beantragen. Doch seitdem stecken Omaris Eltern, ihr Bruder mit seiner Frau und den fünf Kindern zwischen sechs und 22 Jahren in Pakistan fest. Ohne Visum und ohne Möglichkeit dort zu bleiben. Mittlerweile gab es einen Regierungswechsel und das BAMF hat seine Zusage widerrufen. Der Fall liegt bei Gericht in Deutschland.
Familie in prekärer Situation
Morssal Omari kann kein normales Leben mehr führen, so sehr belastet sie die Situation ihrer Familie. Sie lebt seit über 25 Jahren in Deutschland, ist deutsche Staatsbürgerin und beim Landratsamt Esslingen im Jobcenter angestellt. Zusätzlich arbeitet sie als Dolmetscherin für die Polizei und für Gerichte. "Ich habe zur deutschen Gesellschaft beigetragen, und ich finde es unmenschlich, wie meine Eltern behandelt werden", sagt sie.
Omari kam während der ersten Taliban-Herrschaft 1997 als unbegleitete Minderjährige nach Deutschland. Heute lebt sie mit ihrem deutschen Partner zusammen und will bald heiraten – sobald ihre Familie einreisen kann. "Ich habe Angst, meine Eltern anzurufen und nach ihrem Gesundheitszustand zu fragen", sagt Omari. Ihre Eltern sind über 80 Jahre alt und leben isoliert in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit der Familie ihres Bruders. Sie quält ein starkes Schuldgefühl, ihre Eltern nicht früher über ein reguläres Visum nach Deutschland geholt zu haben. Jetzt sei das wegen des laufenden Verfahrens nicht mehr möglich. In Pakistan kann die Familie ihren Aufenthalt kaum noch verlängern, die Kosten sind hoch, und sie hat nahezu ihr gesamtes Vermögen aufgebraucht. Omari fürchtet, dass ihre Familie nach Afghanistan zurückgeschoben wird – für sie wäre das ein Todesurteil.
Opfer des Ampel-Aus'
Das Schicksal der Familie ist auch das Ergebnis vom Ende der Ampelkoalition im November 2024 und der Verschärfung der Migrationspolitik unter dem jetzigen Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Im Januar 2025 forderte das Auswärtige Amt einen DNA-Test für die jüngste Tochter, da die Sechsjährige keine Geburtsurkunde hatte, sondern nur einen Pass und einen Personalausweis, in denen die Namen der Eltern nicht vermerkt sind. Drei lange Monate dauerte das Einholen und Prüfen des DNA-Tests. In genau dieser Zeit änderte sich die politische Lage.
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