Eigentum ist ein Leistungsanreiz und natürlich auch eine gute Altersvorsorge, gerade für die jüngere Generation. Als Friedrich Haag, Abgeordneter der FDP im baden-württembergischen Landtag, diese Worte ausspricht, stöhnen manche Zuhörer:innen im Württembergischen Kunstverein (WKV). Bei ihnen endet die Vision vom Wohnen nicht bei der Eigentumswohnung oder der Idee, mit Wohnungen seine Altersvorsorge zu sichern. Es ist Anfang Dezember, Haag ist einer von fünf Politiker:innen, die im WKV am Stuttgarter Schlossplatz zu Wort kommen. Veranstalter ist das "Netzwerk gemeinwohlorientiertes Bauen und Wohnen in Baden-Württemberg", das wissen will, wie es nach der Landtagswahl am 8. März mit der Wohnpolitik weitergehen wird.
Im Netzwerk schließen sich Genossenschaften und Wohnprojekte des Mietshäuser-Syndikats aus ganz Baden-Württemberg zusammen. Allen ist eines gemeinsam: Sie wollen nicht gewinnorientiert Wohnraum schaffen, sondern eben gemeinwohlorientiert. Neben dem Verzicht auf Gewinn heißt das, dass die Wohnungen nie mehr verkauft und somit der Spekulation entzogen werden sollen. Und wenn von ihnen gebaute Sozialwohnungen aus der Bindung fallen, wird die Miete nicht erhöht. Außerdem denken die Initiativen bei Neubauprojekten eine soziale Infrastruktur mit: barrierefreie Wohnungen, Gemeinschaftsräume für Veranstaltungen, Gewerbefläche für Arztpraxen.
Ein Beispiel: In Karlsruhe hat die Genossenschaft "MiKa" (MieterInneninitative Karlsruhe) vor der Jahrtausendwende ein altes Kasernengelände gekauft, 86 Wohnungen sind darin entstanden. Im Jahr des Einzugs zahlten die Mieter:innen 8,50 D-Mark pro Quadratmeter, heute 5,20 Euro. Woanders sind Projekte gerade in der Umsetzung, es wird noch geplant und gebaut. Insgesamt sollen so landesweit bald Wohnungen für 600 Menschen entstehen. In Tübingen allein plant die Genossenschaft "Neustart: solidarisch leben + wohnen" Wohnungen für über 300 Menschen auf dem Marienburger Areal zu bauen.
Verteilte Last auf vielen Schultern
Aber an dem Abend zeigt sich auch, dass nicht alle Projekte im Netzwerk ausschließlich günstigen Wohnraum schaffen. In Stuttgart will "gemeinsam27", ebenfalls eine Genossenschaft, in einem bestehenden Haus Wohnraum schaffen. Ein Objekt hätten sie schon im Auge, fix ist noch nichts. Derzeit kalkuliert die Genossenschaft mit 15 Euro Kaltmiete, außerdem müssten Interessierte pro Quadratmeter eine Einlage von 1.700 Euro zahlen. "Schlimm" sei das, sagt selbst die Vorständin Angela Heller gegenüber Kontext. Grund seien die hohen Kaufpreise. Das Angebot der Genossenschaft richte sich eben an jene, die nach Hellers Verständnis "ein bisschen Geld" haben, aber nicht genug für eine Eigentumswohnung.




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