Im Regen stehen gelassen, jetzt verzweifelt gesucht: Lokführer im Ländle. Foto: Joachim E. Röttgers

Im Regen stehen gelassen, jetzt verzweifelt gesucht: Lokführer im Ländle. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 433
Politik

Farce auf Schienen

Von Arno Luik
Datum: 17.07.2019
In seinem Heimatland Großbritannien gilt Go-Ahead als "das schlechteste Bahnunternehmen". Ein Ruf, der offenbar auch in Baden-Württemberg verpflichtet, wo der Konzern seit Juni auf einigen Strecken fährt. So schlimm ist die Lage, dass Verkehrsminister Hermann mit dem Geld seiner Bürger nun einen "Lokführer-Pool" schaffen will – in ganz Europa sucht er dafür das Personal.

Bis vor Kurzem war das so: Man sah überall auf dem Land, also dort, wo es noch Schienen gibt, die roten Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn. Jetzt, seit Anfang Juni, geht es auf den Schienen in Baden-Württemberg etwas bunter zu: Man sieht nun im Nah- und Regionalverkehr um Stuttgart gelbe Züge mit der Aufschrift Go-Ahead und Abellio. Das sind börsennotierte Unternehmen. Abellio ist eine Tochter der niederländischen Staatsbahn und Go-Ahead ist ein britisches Konsortium, das in vielen Ländern primär Busse fahren lässt, und bei dem die SNCF, die französische Staatsbahn, mitbeteiligt ist.

Und warum sind diese Gesellschaften nun hier aktiv? Etwa zwischen Stuttgart und Mannheim, Pforzheim, Tübingen, Ulm, Aalen, Karlsruhe? Wegen des grünen Verkehrsministers Winfried Hermann. Aber vor allem deswegen: Weil sich hier sehr leicht sehr viel Geld verdienen lässt – dank Unterstützung des Steuerzahlers.

Erklärung: Seit 1996 sind die Länder verantwortlich für den Personennahverkehr auf den Schienen. Der freie Markt – so der Gedanke dahinter – soll den Wettbewerb anfachen, und private Bahnbetreiber sollen der Deutschen Bahn Konkurrenz machen. Jedes Land bestimmt seither, auf welchen Strecken die Züge fahren und welches Unternehmen die Züge fahren lassen darf. Der Bund stellt den Ländern dafür pro Jahr knapp zehn Milliarden Euro zur Verfügung. Die Länder machen für ihre Strecken dann Ausschreibungen – und am Ende erhält diejenige Gesellschaft den Zuschlag, die das beste Angebot macht. Was ja gut wäre, wenn es nicht meist als das billigste interpretiert werden würde. Und dieses Unternehmen darf dann für acht, zehn oder 15 Jahre den Nahverkehr betreiben – hat also für eine ziemlich lange Zeit ein Monopol. Die Verträge mit Go-Ahead und Abellio laufen bis 2032. Von wegen Wettbewerb.

Hermanns Rache an der Bahn

Viele Jahre war es so, dass die Bahn fast automatisch diese lukrativen Aufträge bekam. Dafür sorgten ihre Strippenzieher, die seit Mehdorn an allen Fronten agierten und zum Teil noch agieren: Ex-Politiker, Landes- und Bundesminister, Oberbürgermeister und Staatsbeamte, gut zwei Dutzend gut dotierter Berater.

Diese Zeiten sind (fast) vorbei. 

Jetzt kommt es immer häufiger vor, dass die Bahn AG bei diesen Ausschreibungen leer ausgeht, zuletzt spektakulär in Baden-Württemberg. Da hatte die Bahn  dem Land das günstigste Angebot unterbreitet, aber sie stümperte beim Ausfülllen der Formulare so sehr, dass Hermann es wegen Formfehler ablehnte. Als Go-Ahead und Abellio den Zuschlag erhielten, war die Bahn sehr erzürnt. Ihr seien Fehler unterlaufen, man müsse die Ausschreibung wiederholen, per Gericht wollte die Bahn sich durchsetzen. Aber das gelang ihr nicht.

Und der Verkehrsminister Winfried Hermann freute sich sehr. Er vergab die Verträge an die beiden ausländischen Unternehmen.

Für Hermann war diese etwas kostspieligere Vergabe womöglich ein kleiner Akt der Rache. Für all die Demütigungen, die er in den vergangenen Jahren von der Bahn in Sachen Stuttgart 21 erduldet hat. Für die Deformierungen, die er hingenommen hat, um im Amt zu bleiben: diese Wandlung vom S-21-Gegner zu einem Minister, der dieses nicht zu rechtfertigende Untergrundprojekt mitträgt. "Kritisch-konstruktiv" wie der ehemalige Technikchef der Bahn, Volker Kefer, immer wieder süffisant betonte.

Vom Regen in die Traufe

Hermanns mentaler Befreiungsschlag von der Bahn AG brachte den Bahnreisenden bisher wenig, sieht man vom zunehmenden Ärger ab. Sie kamen vom Regen in die Traufe. Denn dem neuen Anbieter gelingt es bisher, fast noch unfähiger zu agieren als die Deutsche Bahn: Wie zu DB-Zeiten fallen wieder Züge aus, sie kommen verspätet, Lokführer fehlen, Züge sind defekt, oder der Interregio-Express, der von Stuttgart nach Aalen fahren soll, schafft es "wegen eines Computerdefekts" auf unbestimmte Zeit bloß nach Schwäbisch Gmünd. Halt die alte DB-AG-Malaise.

Go-Ahead heißt bei vielen Pendlern inzwischen Go-Slow, Go-Back, Go-Home. Bei den württembergischen Fahrplankonferenzen 2017 und 2019 (da sind alle am Bahnverkehr Beteiligte vertreten, also auch das Verkehrsministerium) gab es den warnenden Hinweis, dass Go-Ahead in seinem Heimatland als "the worst TOC (train operating company) in Britain" gilt, also als das schlechteste Bahnunternehmen.

Abgesehen davon, was die Kunden nicht unbedingt interessieren muss, steckt hinter den neuen Betreibern eine aufwendige Bürokratie: Sie haben ein eigenes Management, eigene Tarifverträge, sie müssen eigene Wartungsstätten aufbauen (was die DB AG häufig in fast kindischer Art behindert). Also all die Strukturen, die früher die Bahn als quasi natürlicher Monopolist hatte, müssen neu erschaffen werden. Das kostet. Und das überfordert sie.

Es herrscht nun eine Art Notstand. Bei den Betreibern. Und im Verkehrsministerium. "Die wissen nicht mehr, wie sie den Personennahverkehr aufrecht erhalten sollen", sagt dazu Bahndirektor a.D. Eberhard Happe, der früher bei der Bahn "Dezernent für Zugförderung" war, also ein Fachmann.

Da lacht das Kapital: Landeshilfe für börsennotierte Firmen

Es hat in der Tat eine groteske Dimension, wie das Land Baden-Württemberg agiert: Es schafft die Züge an, die sie dann an Go-Ahead und Abellio vermietet. Und um das zu machen, hat das Land extra ein "Fahrzeugfinanzierungsmodell" ersonnen, das die neuen Betreiber sehr erfreut: Da das Land finanziell gut dasteht, kann es zu deutlich besseren Konditionen Kredite aufnehmen, um Neufahrzeuge zu finanzieren, als es diesen auf den Nahverkehrsmarkt drängenden Unternehmen möglich ist. Eine wahrhaft putzige Starthilfe des Landes für zwei börsennotierte Unternehmen, an denen, wie gesagt, ausländische Staatsbahnen beteiligt sind. Da lacht nicht nur das Kapital.

In Württemberg geht es aber noch grotesker: Da den neuen Bahnmonopolisten Personal fehlt, vor allem Lokführer, und es deswegen häufig zu Zugausfällen kommt, handelt Hermann. Ende Juni erfahre ich durch Zufall, dass Hermann auf Landeskosten einen "generellen Lokführerpool" schaffen möchte, um Personalausfälle bei Go-Ahead und Abellio auszugleichen.

Eine, sagen wir es freundlich: kryptische Idee. Es sei "irre", was hier passiert, meint etwas unfreundlicher der Bahnexperte Happe.

Am 8. Juli stelle ich wegen dieses Irrsinns folgende Anfrage an das baden-württembergische Verkehrsministerium: "Verkehrsminister Winfried Hermann hat unlängst angekündigt, wegen der Personalprobleme bei Go-Ahead und Abellio, auf Landeskosten einen 'generellen Lokführer-Pool' zu bilden. Was heißt das konkret? Wie füllt sich dieser 'Lokführer-Pool'? Bildet das Land nun in Eigenregie Lokführer aus? Und sind diese Lokführer dann Landesbedienstete? Werden diese Lokführer dann an Go-Ahead und Abellio ausgeliehen?"

Einige Stunden später reagiert das Ministerium mit einer allgemeinen Presseerklärung, und die hat es in sich: "Um Zugausfälle aufgrund fehlender Lokführer zu reduzieren", heißt es da, "wird das Land an verschiedenen Standorten in Baden-Württemberg entsprechende Personal-Pools aufbauen." Und weiter: "Eine entsprechende europaweite Ausschreibung ist jetzt vom Verkehrsministerium veröffentlicht worden."

Hermann im O-Ton: "Wir sorgen quasi für einen weiteren Sicherheits-Puffer, damit die verschiedenen Eisenbahnunternehmen im Bedarfsfall schnell auf zusätzliches Personal zurückgreifen können. Mit diesem Service helfen wir, ärgerliche Zugausfälle zu vermeiden." Und: "Im Interesse der Fahrgäste gehen wir diesen bundesweit einmaligen und ungewöhnlichen Weg unternehmensübergreifend. Wer zu knapp kalkuliert hat, kann Personal kostenpflichtig ausleihen."

Panik im Verkehrsministerium?

Was Hermann hier sagt, ist skandalös. "Da herrscht im Verkehrsministerium wohl die blanke Panik", sagt dazu Happe. Es werden also vom Land "Personal-Pools" aufgebaut. Und die Menschen dafür werden nun in ganz Europa zusammengesucht. Finanziert wird dieser "Standby-Pool der Triebfahrzeugführer", so die offizielle Bezeichnung, vom Land. Also vom Steuerzahler. Es ist eine Einladung an diese Unternehmen, möglichst wenig zu investieren.

Im Klartext: Der Bürger subventioniert fragwürdige Bahn-Spielchen. Denn Go-Ahead oder Abellio müssen sich, falls sie auf diese mobilen Lokführer-Einsatzkommandos zugreifen, an den Kosten, wie es heißt, nur "beteiligen".

Ganz rational gefragt: Warum betreibt das Land, wenn es schon so freizügig ausländischen Unternehmen hilft, nicht gleich in eigener Regie den Schienenpersonennahverkehr?

Das ganze Konstrukt ist, etwas krass ausgedrückt, eine Ausbeutung von Steuergeldern, um einen Pseudowettbewerb auf Schienen zu inszenieren und zu unterhalten. Eine gesellschaftspolitische Farce: Diese Bahnbetreiber sind hoch alimentierte Kostgänger des Landes. Und des Staates. Denn über die sogenannten "Regionalisierungsgelder" des Bundes ist ihr Zugbetrieb ja zum großen Teil finanziell abgesichert.

Mit dieser (Verkehrs-)Politik wird geradezu beispielhaft realisiert, was Unternehmen von der Privatisierung des öffentlichen Sektors erwarten. Der amerikanische Ökonom James K. Galbraith hat dies in seinem Buch "Der geplünderte Staat oder was gegen den freien Markt spricht" so beschrieben: Der Staat habe ein Umfeld zu schaffen, das den Unternehmen möglichst viel Profit einbringt, ihre Macht am wenigsten einschränkt und ihnen, "falls etwas schief geht", auch noch die Rettung garantiert.

Baden-Württemberg aber geht unter der grün geführten Landesregierung noch viel weiter: Mit dem Geld seiner Bürger unterstützt es ausländische Konzerne, die in direkter Konkurrenz zum Staatskonzern Deutsche Bahn stehen, der ebenfalls vom Bürger jährlich mit zig-Milliarden alimentiert wird.

Irre. Da hat der alte Bahnmann Eberhard Happe recht.


Der Text ist eine gekürzte Fassung eines Kapitels aus Arno Luiks Buch "Schaden in der Oberleitung. Das geplante Desaster der Deutschen Bahn", das am 2. September im Westend-Verlag erscheinen wird.


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20 Kommentare verfügbar

  • Wolfgang Prestel
    am 21.07.2019
    Mehrere Kritikpunkte:
    Die Fahrzeuge werden vom Betreiber beschafft, an das Land weiterverkauft und an die Betreiber zurückvermietet. Das geschah mit den Triebwagen Bombardier Talent 2 im Gäu-Murr-Netz, Betreiber DB Regio in den Netzen 3a und 3b um die es hier geht und im Netz 12 ebenso und bei der S-Bahn Breisgau geschieht das ebenso. Die Betrieber dort sind: DB Regio und SWEG wie im Netz 12. Bei der SWEG ist das eh egal, weil die zu rund 95% dem Land gehört und der Rest den zwei Landkreisen Sigmaringen und Zollernalb, ist also quasi landeseigen.

    Was hat der Aufbau einer Lokführerbereitschaft mit Hilfe für die Unternehmen zu tun? Ein wegen Personalmangel ausgefallener Zug kostet den Betreiber dem Hörensagen nach rund 30€ je Kilometer. Wenn der sich nun einen Reservelokführer ausleiht, spart er die 30€, kriegt seine 12€ für die Fahrt und zahlt rund 20€ für den Leihlokführer. Macht unterm Strich eine lockere Einsparung von 22€ je Kilometer. Ausgefallene Züge werden nämlich nicht vergütet. Es ist für die Unternehmen also weitaus billiger eigenes Personal zu haben. Der Pool soll lediglich die Folgen für die Benutzer abmildern.

    Im Übrigen fallen auch bei DB Regio viele Züge wegen Persoinalmangel aus. Es fallen immer die Züge aus, bei denen der Ausfall am billigsten für DB Regio ist, das ist die S-Bahn Stuttgart und da die Schusterbahn und Kirchheim-Oberlennungen. Der Verband Region Stuttgart hat nämlich amateurhaft verhandelte Verträge mit der DB Regio.

    Und natürlich laufen die Vergaben an die SWEG auf eine Eigenerbringung raus. Aber die SWEG hat nach der Übernahme der HzL nun rund 1300 Mitarbeiter, davon geschätzt die Hälfte im Bahnbetrieb und die andere Hälfte im Busbetrieb. Das in einem Gebiet vom Bodensee bis in Kraichgau. Darunter auch anspruchsvolle Netze wie die Breisgau-S-Bahn, den Ringzug, die Zollernalbbahnen 1 + 2, die Ortenau-S-Bahn. Da liegt einfach eine schnelle Übernahme des gesamten Verkehrs nicht drin. Aber ich sehe da das Land auf dem richtigen Weg. Wobei man sagen muss, DB-Regio Baden und erbringt richtig gute Leistungen, nur Württemberg und DB ZugBus Regional-Verkehr Alb-Bodensee sind schwach, sehr schwach sogar.

    Auffällig übrigens, dass die HzL die Übernahme zur Reichsbahn 1920 überstanden hatte, aber das war ja Preußen gewesen.
  • schwa be
    am 21.07.2019
    Sehr informativer Artikel - vielen Dank an Arno Luik!

    Alles wichtige wird in dem Artikel genannt - nur die m.E. richtigen/logischen Schlussfolgerungen nicht!

    So z.B. dass DB gegen Go-Ahead/Abellio die Wahl ist zwischen Pest und Cholera - da alle der radikalen Profitlogik unterworfen sind.
    Da die radikal profitorientierten Unternehmen jetzt durch die Gründung eines Lokführerinnen - Pools mit Steuergeldern auch noch finanziell unterstützt/entlastet werden (was bei neuen Ausschreibungen durch die Unternehmen ausgenutzt werden kann, so nach dem Motto - was ich vergessen habe anzubieten/bzw. was ich nicht im Stande bin zu leisten zahlt der (dumme) deutsche Michel.

    Radikale Profitorientiertheit - egal ob von privaten Unternehmen oder von einem pro kapitalistisch regierten Staat (wie der deutsche), steht in unversöhnlichem Gegensatz zum Bedarf z.B. des Fahrgastes, Verbrauchers, Patient, etc.. Also, um im Bereich der schiene zu bleiben, im unversöhnlichen Gegensatz zu einem ordentlichen Betrieb des Schienenverkehrs.

    Die logische, m.E. richtige, da gesellschaftspolitisch sinnvollste Schlussfolgerung daraus wird (leider) nur als Frage formuliert:
    "Ganz rational gefragt: Warum betreibt das Land, wenn es schon so freizügig ausländischen Unternehmen hilft, nicht gleich in eigener Regie den Schienenpersonennahverkehr?"
    Die Antwort darauf wird etwas weiter unten auch gleich mitgeliefert:
    "Mit dieser (Verkehrs-)Politik wird geradezu beispielhaft realisiert, was Unternehmen von der Privatisierung des öffentlichen Sektors erwarten. Der amerikanische Ökonom James K. Galbraith hat dies in seinem Buch "Der geplünderte Staat oder was gegen den freien Markt spricht" so beschrieben: Der Staat habe ein Umfeld zu schaffen, das den Unternehmen möglichst viel Profit einbringt, ihre Macht am wenigsten einschränkt und ihnen, "falls etwas schief geht", auch noch die Rettung garantiert."
    Und die deutschen neoliberalen Regierungen, allen voran die Bundesregierung, kommen der Aufforderung unternehmerfreundlich zu regieren über jeglich vertretbares Maß hinaus war (aus gesellschaftspolitischer Sicht).

    Gesellschaftspolitisch richtig und anständig (demokratisch möchte ich formulieren) wäre es, die Bereiche der Daseinsvorsorge nicht der Profit-/Kapitallogik zu unterwerfen bzw. diese zu entprivatisieren sondern unter die demokratische Kontrolle der Bevölkerung zu stellen. Doch dazu bedurfte es Regierungen, die zumindest in den Bereichen der Daseinsvorsorge nicht den Unternehmenswünschen folgen.

    Die Daseinsvorsorge erstreckt sich z.B. auf die Bereiche Öffentlicher Personenverkehr, Gesundheitssystem, Energieversorgung, Bildung, Rente, etc..
  • Philipp Mayle
    am 21.07.2019
    Go Away brachte es sechs (!) Wochen nicht zustande, zwischen Crailsheim und Aalen den Betrieb aufzunehmen und hat stattdessen einen Bus-Ersatzverkehr fahren lassen. Offiziell hat man behauptet, es liege an einem Computerproblem. Unter der Hand wurde gesagt, der Saftladen hat schlicht nicht genügend Personal gehabt, um die Strecke zu bedienen.
    Das Netz rund um Augsburg geht ab 2022 ebenfalls an Go Away. Da kann man sich auch in Bayern auf ein Desaster gefasst machen.
    @ Christoph Dürk: Ich habe die Türen der Doppelstockwagen von DB Regio nicht als besonders eng oder unbequem empfunden. Witzigerweise hat ja nun der Fernverkehr für die IC Züge solche Doppelstockwagen ...
  • Christoph Duerk
    am 18.07.2019
    Ich war letzten Sommer (2018) sehr oft, fast täglich, zwischen Stuttgart-Cannstatt und Lorch , also Richtung Aalen unterwegs und dieses Jahr wieder, weil ich im Sommer gern am Badesee-Plüderhausen bin. Im letzten Sommer, noch mit der deutschen Bahn, gab es sehr viele Störungen, Verspätungen die Regel, Pünktlichkeit die Ausnahme, regelmässig gab es auch die Meldung: 'Zug fällt aus.' - Ausserdem waren die DB-Züge für die Fahrrad-Mitnahme sehr unbequem. Der Zugang zu den Fahrrad-Abteilen war schwierig, - man musste jeweils zum Anfang oder Ende des Zuges rasen, um das Fahrrad-Abteil zu erwischen. Es war eine Tortur, das Fahrrad durch die engen Türen erst hoch , dann hinein- und später dann hinaus- und hinunter-zuwuchten. - Mit den neuen Zügen habe ich fast nur gute Erfahrungen gemacht. Einige kleinere Verspätungen. Die Fahrrad-Mitnahme ist sehr einfach geworden, weil es durchgängig Stellplätze gibt und man ganz leicht in die Züge hineinkommt. Die wichtigste Verbesserung: die Züge fahren jetzt im halb-Stunden-Takt, früher nur im 1-Stunden-Takt. - Also für mich eine positive Erfahrung und - sorry, - ich habe meine Zweifel, ob dieser Artikel etwas taugt.
    • Christoph Duerk
      am 19.07.2019
      Hier noch eine Ergänzung. In dem Artikel wird Go-Ahead als "das schlechteste Bahnunternehmen" in Großbritannien bezeichnet - eine Information, die sicher relevant ist - wenn ich eine Bahnreise in Großbritannien plane ! - aber ich will ja meistens nur von Cannstatt nach Plüderhausen und das - so scheint es mir - funktioniert deutlich besser als früher.
  • Kuno Klecksel
    am 18.07.2019
    Guten Abend ,
    der Bericht ist Ihnen sehr gelungen Herr Luik .
    In Baden Württemberg hat es der Verkehrsminister immerhin schon gemerkt das Lokführer gebraucht werden damit ein Zug fährt.
    Gespannt bin ich auf die Reaktionen bundesweit weil in ganz Deutschland Lokführer fehlen und das nicht seit gestern.
    Der Bund will die Bahn nicht ausbauen setzt ganz besonders auf die digitale Schiene und wer davon am meisten begeistert ist hat die wenigste Ahnung von der Eisenbahn Herr Pofalla.
    Die Rechnung geht nicht so ganz auf das Züge bald alleine fahren.
    Slow Ahed kämpft auch unheimlich damit Personal zu bekommen aber mit der Unterbezahlung bekommt auch das Unternehmen nicht die Creme vom Arbeitsmarkt.
    Erst wenn die Lokführergehälter auf mindestens 5000 € Netto/Monat steigen dann könnte das was werden aber im Schwabenland geht's ja auch nur ums Geld.
    Der Stellenwert der Eisenbahn ist derart gesunken allein geschuldet das die Autoindustrie regiert besonders in Baden Württemberg.
    Ich wünsche mir die Behördenbahn wieder die keine Gewinnorientierung hatte ein geordnetes Durcheinander war aber funktioniert hat und kein Zug ausgefallen ist.
    Die Zeiten waren die besten die wir nie mehr bekommen werden.
    Ich freue mich auch auf ihr Buch Herr Luik und auf die vielen anderen Bücher von Thomas Wüpper und das Buch von Winfried Wolf und Bernhard Knieriem.
    Schöne Grüße von dem Lokführer
  • Jörg Haase
    am 18.07.2019
    Meinen großen Respekt für diesen ausgezeichneten Artikel. Ich hatte schon den glauben an einen guten Journalismus verloren und freue mich das er doch noch "lebt"
    Herrn Happe als wirklichen Fachmann zu Wort kommen zu lassen bestätigt eine gute Recherche. Was in anderen Medien zu diesem Thema als selbsternannte Experten
    präsentiert wird, ist teilweise absurd. Meine Spitzenreiter sind in diesem Fall einige Herren von Pro Bahn, bei denen ich mich immer Frage, woher die Qualifikation dieser Herren stammt. Herr Happe hat sie, das steht ausser Zweifel.
    Seit 44 Jahren bin ich mit Herz und Seele Eisenbahner und habe mit Einführung der Bahnreform, wie viele Kollegen, vor einem Chaos gewarnt. Leider sind unsere schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen worden.
    Der jetzt eingeschlagene Weg der Privatisierung führt in keinem Fall zu dem funktionierenden Verkehrssystem, dass aus Umweltschutzgründen nun dringend geboten wäre.
    Als erste Maßnahme müsste eine neue staatliche Organisation gegründet werden
    in der kein Politiker und keine andere Altlast zu finden ist.
    Die Fahrzeugbeschaffung ist zur Zeit untragbar und muss in alte Systeme zurückgeführt werden.
    Die Beschaffung einheitlicher Bundesweit eingesetzter Fahrzeuge, minimiert die Kosten exorbitant. Die Sereinreife muss wieder durch Mitarbeit guter Fachleute mit Eisenbahn
    Betriebskenntnissen erreicht werden. Befindlichkeiten und krumme Ideen einiger selbsternannter Regionalfürsten haben bei der Beschaffung von zuverlässigen Fahrzeugen keinen Platz! Der Kunde möchte pünktlich und sicher von A nach B fahren und da spielt die Farbe und sonstiger Mist, wie Flyer Kästen, keine Rolle.
    Auch ist die Höchstgeschwindigkeit für den Kunden völlig uninteressant!
    Der Zug muss zur Fahrplanmäßigen Ankunfszeit am Ziel sein, das ist wichtig.
    Grundgeschwindigkeit im Nahverkehr 120 km/h und Höchstgeschwindigkeit 160 km/h,
    zum ausfahren der eventuellen Verspätungen, das ist es.
    Taktfahrplan nach Vorbild der Schweiz u.s.w.
    Ich könnte hier noch Seitenweise schreiben.

    Jörg Haase
  • Ruby Tuesday
    am 18.07.2019
    Die von Mehdorn in Gang gesetzte Privatisierung wird von Hermann lückenlos weiter verfolgt. Ob das nun Go Ahead, Hohenzollernsche Landesbahn oder Abellio heißt. Das ist wie auf dem Wohnungsmarkt. Erstmal moven, alles privatisieren und dann weiter sehen. Der Traum ist aus, die Jubelorgie vorbei und die Leidtragenden sind auf Jahrzehnte die Fahrgäste. Man sollte auch mal die Beteiligungen der DB hinterfragen.
    Es sind meist die Maulhelden, die viel versprechen und nichts halten. Inzwischen klagen die Hohenzollern auf Immobilienrückgabe, Rückführung tausender, teils national bedeutsame, Kunstwerke und Entschädigungen in Millionenhöhe. Es sollte mich nicht wundern, wenn sie noch Eigentumsanteile an der Deutschen Bahn hätten.
  • Markus Hitter
    am 18.07.2019
    Blättert man zu Ausgabe 304 dieser Zeitung zurück, findet man dort ganz ähnliches Geschimpfe auf den bundeseigenen Verkehrsbetrieb DB Regio, "Chaos auf Schienen":

    https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/304/chaos-auf-schienen-4157.html

    Zurecht, denn mit der Deutschen Bahn ging es auch alles Andere als glatt und obendrein war es noch ziemlich teuer. Noch davor gab es den Grossen Verkehrsvertrag, über den auch schon Herr Luik geschimpft hat. Noch teurer und noch bescheidenere Qualität, insbesondere bei den Fahrzeugen.

    Was Arno Luik auch übersieht: baut das Land eigenes Personal auf, ist das ein erster Schritt hin zu den landeseigenen Verkehrsbetrieben, die er fordert. Genauso bei den Fahrzeugen: gehören die Fahrzeuge dem Land, verschwinden die nicht am Ende des Vertrages, sondern stehen eben dem Land zur Verfügung. Das ist bei den vorherigen Verträgen nicht der Fall.

    Die landeseigenen Betriebe SWEG und (naja, inzwischen bei der SWEG eingemeindet) HzL nehmen übrigens ebenfalls an diesen Verkehrsausschreibungen teil und haben auch einige Lose gewonnen. Hermann ist dem Eigenbetrieb alles Andere als abgeneigt. Nur: vorgeschrieben per EU-Verordnung sind Ausschreibungen.

    Und Eins noch: die DB Regio hat nicht überteuert angeboten, sondern war der günstigste Anbieter. Nur eben zu doof, eine Excel-Tabelle korrekt, d.h. ohne Änderung der Vorgaben, auszufüllen. Man könnte meinen, die wollten den Vertrag gar nicht haben. Der zuständige Manager ist dann auch gleich danach zu einem der beiden neuen Anbieter.
    • Norbert, N.
      vor 1 Woche
      ... ist der verantwortliche Manager nicht. Er ist jetzt Chef der DB Regio-Tochter, der S-Bahn Stuttgart und sorgt auch dort für viele, heitere Momente.
  • Thomas Albrecht
    am 17.07.2019
    war es nicht so, dass die DBAG die Ausschreibung verloren hat, weil sie zu blöd war, die Ausschreibungsbedingungen zu lesen und zu erfüllen? Meines Wissens war die DBAG sogar der günstigste Anbieter. Ich will damit die Probleme der neue Anbieter nicht klein reden und finde sie sehr ärgerlich, aber ob hier überteuerte Angebote die Taschen von ausländischen Konzernen oder deutschen Bahnvorständen füllen, halte ich für die zweitwichtigste Frage.
    • Wolfgang Prestel
      am 20.07.2019
      Genauso war es. Die DB Region war in allen drei Losen der billigste Bieter und wurde wegen der Veränderung von Ausschreibungsunterlagen vom Vergabeverfahren ausgeschlossen. Das trieb man bis zum Urteil des Vergabesenats beim OLG Karlsruhe. Die DB Regio hatte die Werkstattkosten auf 0€ gesetzt, was aber dann wegen anderweitiger Verstöße keine Rolle mehr spielte. Es kamen als in beiden Ausschreibungen nur der zweit- oder, wegen der Loslimitierung, drittbilligste Bieter zum Zuschlag. In anderen Ausschreibungen z.B. Gäu-Murr hatte die DB Preise hingelegt, die alle Anbieter erschauern ließen.

      Eigentlich bin ich von dem Autor besser recherchierte Artikel gewohnt.
    • Bahn Leidtragender
      am 25.07.2019
      Ja, so steht es hier geschrieben: Die DB war offensichtlich nicht in der Lage die Ausschreibungsunterlagen formgerecht auszufüllen. Das lässt tief blicken - entweder sind die bei der Bahn für die Ausschreibung Verantwortlichen tatsächlich zu blöd, oder -was ich persönlich eher vermute - man hat auf alten Seilschaften DB <-> Politik vertraut. Getreu dem Motto: Wir erhalten sowieso den Zuschlag, was sollen wir uns mit dem Ausfüllen irgendwelcher Ausschreibungsunterlagen herumschlagen. Das wäre hochgradig arrogant und ist gründlich in die Hose gegangen. Im übrigen: Arroganz basiert auch auf Dummheit, womit sich der Kreis schließt.
      Vollkommen daneben ist aber, seine eigenen Fehler, Arroganz, Ignoranz, ... per Gericht Kaschieren zu wollen. Damit hätten wir (fast) türkische Verhältnisse.
  • Karl Heinz Siber
    am 17.07.2019
    Dass DB Regio bei der Ausschreibung ein "überteuertes Angebot" abgegeben hat, stimmt nach meiner Erinnerung absolut nicht. Im Gegenteil: Das Angebot der DB Regio war das billigste, aber wegen eines Formfehlers wurde es als ungültig gewertet und ausgeschlossen. Dagegen prozessierte die DB und verlor.
  • Philipp Horn
    am 17.07.2019
    Hermann hier zum alleinigen Sündenbock zu machen ,ist ja wohl total daneben!. Die Gesetzte, wie Ausschreibungen zu erfolgen haben, hat er nicht gemacht. Muss sie aber halt anwenden. Und deshalb wird halt leider der billigste & nicht der beste Anbieter genommen.
    Auch bei Murks 21 sind Andre verantwortlich! Sollte Herr Luiks wissen!
    • Michael
      am 17.07.2019
      Hermann hat ganz klar die alleinige Schuld. Es ist nicht verpflichtend den billigsten Anbieter zu nehmen. Die DB hätte diese Ausschreibungen zu 10000% verloren. Egal wie.
      Dieser Hermann fühlt sich einfach auf dem Schlips getreten. Ich hoffe das der ganze Nahverkehr bei euch in BW zusammenbricht und sich der der tolle Hermann die blöße geben darf.
    • Andrea K.
      am 18.07.2019
      Ein Ausschreibungsverfahren ist nicht ganz so simpel wie Sie vielleicht meinen. Und zunächst einmal - das ist revolutionär neu für die Bahn - muss man das Verfahren einhalten.

      Wir sehen bei S21 dass man es bei der Bahn seit Jahrzehnten gewöhnt ist, einfach seinen Stiefel durchzuziehen, alles andere richtet die Politik dann schon. Das geht von Genehmigungen bis zu Umweltgutachten - die die Bahn nicht einmal beantragt hat. Weil es in der Vergangenheit halt immer ohne geklappt hat.
    • Wolfgang Prestel
      am 20.07.2019
      Ist doch nicht mal ansatzweise wahr und das wissen sie auch. Mit Ausnahme des Ulmer Sterns, die die landeseigene HzL, heute SWEG Verkehrsbetrieb HzL, gewonnen hat, war die DB immer billigster Bieter gewesen. In den genannten Fällen wurde die DB Regio wegen unzulässig veränderter Ausschreibungsunterlagen rechtskräftig von der Vergabe ausgeschlossen und der Zuschlag an den zweit- bzw. wegen der Loslimitierung drittbilligsten Bieter vergeben.
  • Beitz Marlies
    am 17.07.2019
    Fehlende Lokführer und fehlendes Zugmaterial sind nicht die einzigen Probleme im Nah- und Regionalverkehr in BW. Die Kooperation und Kommunikation zwischen Abellio-, Go-Ahead- und DB-Personal klappt nicht mal ansatzweise. So habe ich vor einer Woche erlebt, dass Reisende in Richtung Tübingen eine Stunde Verspätung aushalten mussten, weil der Zug auf dem falschen Gleis einfuhr, nach Falschinformation durch die Digitalanzeige, ohne korrigierende Lautsprecher- Durchsage. Gestern Abend mussten im Hauptbahnhof wegen Verspätungen ebenfalls Gleise gewechselt werden und es herrschte Chaos: auf Nachfrage zu meinem Zug bekam ich drei unterschiedliche Antworten.
    • Philipp Horn
      am 17.07.2019
      Kann ich bestätigen

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