Breymaier verzichtet auf eine erneute Kandidatur. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 399
Politik

Circus Castellucci

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 21.11.2018
Die Südwest-SPD stürzt sich selber in die größte Führungskrise ihrer Geschichte. Amtsinhaberin Leni Breymaier gewinnt die Kampfabstimmung um den Landesvorsitz, tritt aber zurück. Ganz als gäbe es keine Krise, behauptet Kontrahent Lars Castellucci, die SPD sei "zurück in der Manege".

Da sitzt sie in einem ihrer roten Sakkos, gefasst, auch wenn sie den Boden unter den Füßen verloren hat. Vor sieben Wochen hat Lars Castellucci, der langjährige Vorstands-Vize des gebeutelten baden-württembergischen Landesverbands, seine überraschende Gegenkandidatur erklärt. An guten Tagen glaubte Leni Breymaier daran, sowohl sich, als auch ihre linke Generalsekretärin Luisa Boos durchsetzen zu können beim Parteitag in Sindelfingen. Ursprünglich stand dort eine simple Wiederwahl der früheren Verdi-Bezirksleiterin an. Erst vor zwei Jahren hatte sie sich als Retterin in der Not beknien lassen für die Übernahme eines Jobs, zu dem sie sich nicht gedrängt hatte. Jetzt, nach einer Mitgliederbefragung, die kein Problem gelöst, sondern alle vorhandenen drastisch verschärft hat, steht am kommenden Samstag eine ungeahnte Zerreißprobe bevor.

An schlechteren Tagen war ihr klar, dass es eng werden könnte. Zu scheitern oder nur ganz knapp vorne zu liegen. Wie es am Ende kommen sollte, das stand trotzdem nicht in ihrem Plan A, der keinen Plan B kannte. "Ich muss echt sagen, ich hatte ein anderes Gefühl", berichtet sie am gestrigen Dienstag vor den zahlreich erschienen Medienvertreterinnen. Die Partei sei eben waidwund, "daran ist auch die Führung schuld, und ich bin ein Teil der Führung". Leni Breymaier wird am kommenden Samstag nicht mehr als Landesvorsitzende antreten. "Damit", kommentiert Heidi Schaft, die Landessprecherin der Linken Baden-Württemberg, "wurde genau die Vorsitzende nicht ausreichend unterstützt, die vor allem für die Interessen der abhängig Beschäftigten, Rentner*innen und Erwerbslosen sowie für soziale Gerechtigkeit innerhalb der SPD gekämpft hat und damit in ihrer Partei offensichtlich keine Mehrheiten fand."

Vorgeworfen werden ihr unter anderem die elf Prozent für die SPD im jüngsten Baden-Württemberg-Trend – fast zwei Prozentpunkte weniger als bei ihrem Amtsantritt. Unter den Tisch fallen bei dieser Betrachtung allerdings die fast 17 Prozent bei der Bundestagswahl vor einem Jahr, in die Breymaier die Südwest-SPD als Spitzenkandidatin führte. Das war mit früheren Maßstäben gemessen alles andere als ein gutes Ergebnis. Bei der SPD ist aber nicht mehr viel mit früheren Maßstäben zu messen. Im Netz machen auch nicht belegte, gar unzutreffende Vorhaltungen die Runde, bis hin zu dem Gerücht, sie habe bei einer Landesvorstandssitzung Kritikern ins Gesicht gespuckt.

Die SPD zwischen Main und Bodensee ist tief gesunken. Inzwischen ist Allgemeingut, dass einige ParteifreundInnen Breymaiers Sturz von langer Hand planten. Viele NetzerwerkerInnen tauchen wieder auf, Angehörige jener parteinternen Truppe also, die seit den Zeiten von Ute Vogt das Sagen hat. Es sind fast eineinhalb Jahrzehnte, die Castellucci als stellvertretender Landesvorsitzender in der engsten Führungsspitze im Land sitzt – und bisher eher nicht als attraktiver Leistungsträger auffiel. Eine Zeitspanne, in der die SPD ihre absoluten Stimmenzahlen im Südwesten von zwei Millionen auf knapp 1,2 Millionen fast halbierte.

Die Hälfte macht nicht mit

Bei der ersten Auszählung der insgesamt 18 990 eingegangenen Stimmen, deutlich weniger als erhofft – die Landes-SPD hat knapp doppelt so viele Mitglieder –, zeichnete sich in der Nacht von Montag auf Dienstag das denkbar knappe Ergebnis ab. Die nächsten Scherben türmten sich auf den Haufen. Bastian Fleig etwa liefert kurz nach Mitternacht die erste Interpretationshilfe frei Haus. "Wow", twittert der Ex-Sprecher des einstigen SPD-Finanz- und Wirtschaftsministers Nils Schmid. Für Fleig ist schon allein die Tatsache, dass die Stimmen noch einmal ausgezählt werden mussten, "ein großer Erfolg" für Castellucci, dem dieses Abschneiden "kaum jemand zugetraut hatte".

Viele derer, die da vor und hinter den Kulissen in den vergangenen Wochen die Strippen gezogen haben, wissen es besser. Alte NetzwerkerInnen sind wiedererstanden, junge Kreisvorsitzende moserten gegen Breymaier und ihre Generalin, Fans outen sich eher auf GZSZ-Niveau, etwa Isabel Cademartori. Die 30-Jährige ist Vorsitzende des Ortsvereins Mannheim-Innenstadt/Jungbusch, des größten in der Stadt. Sie hat viel zu tun an der Basis im kommunalen Vorwahljahr, denn die dortige SPD lag 2016 mit 20 Prozent zwar über dem Landes-, aber unter dem Durchschnitt in der Stadt. Dafür kamen die Grünen in der roten Hochburg auf fast 40 Prozent.

Seit zwei Jahren sitzt Cadematori im Landesvorstand. Bei ihrer Wahl versprach sie, "insbesondere die Erfahrungen der sozialdemokratischen und bunten Stadt Mannheim, die geprägt ist vom Zusammenhalt und Miteinander der Einwohnerinnen und Einwohner, in die Waagschale zu werfen". Konkrete Ergebnisse sind nicht überliefert, dafür aber reichlich Ergebenheitsadressen an den Herausforderer. Cademartori ist es auch, die eine Hundertschaft Unterstützerinnen für Castellucci organisiert hat. Prominente wie Vogt oder Katja Mast sind mit von der Partie. Immerhin sind sie ehrlich genug, um zu bekennen: "Es geht um eine Richtungsentscheidung für die SPD Baden-Württemberg."

Da ist was dran. Professor Castellucci hat sich etwas Eigenartiges in den Kopf gesetzt: Geht es nach ihm, gibt es demnächst keine Flügel und Strömungen in der Landes-SPD mehr – sie werden abgeschafft! Sein "Sofortprogramm" fordert in Punkt zwei aber versöhnlich: "Wunden heilen." Viel Politlyrik – "Wir wollen das Land aus den Städten und Gemeinden heraus gewinnen" – und das Versprechen, "ab Tag eins" an einem neuen Selbstverständnis, einem neuen Selbstbewusstsein und einem neuen Auftreten zu arbeiten".

Die KontrahentInnen trennen 0,21 Prozentpunkte

Während er an seinem Sofortprogramm bastelte, saß die Parteilinke Breymaier im Bundestag und enthielt sich – gemeinsam mit der ebenfalls nicht mehr für die Führungsspitze kandidierenden Ulmerin Hilde Mattheis – der Zustimmung zum sogenannten Zwei-Prozent-Ziel der Nato und damit einer Aufstockung von Rüstungsausgaben. "Wir waren ein sehr unterschiedliches Angebot", sagt Breymaier am gestrigen Dienstag über sich und ihren Widerpart Castellucci.

Und natürlich spielt mehr oder auch weniger unterschwellig die Frauenfrage eine Rolle. Aus einem weiblichen Duo könnte ein männliches werden. In der jüngeren Geschichte spielten die GenossInnen vor allem Politikerinnen übel mit, etwa Heide Simonis 2005 in Schleswig-Holstein oder Andrea Ypsilanti 2008 in Hessen.

Noch ehe die Zweit- und dann auch noch die überprüfende Drittauszählung abgeschlossen war, wollte Breymaier zusammen mit ihrem Noch-Vize den gemeinsamen Rückzug verkünden. Der Ausweg aus dem Dilemma sollte darin bestehen, einen Dritten zu suchen und zu finden, in der Hoffnung, der könne "die Partei einen". Castellucci, der den Wahlkreis Rhein-Neckar im Bundestag vertritt, sagte dazu Nein und verfolgt jetzt einen ganz anderen, atemberaubenden Plan. Wiewohl er nur ein Viertel der Mitgliedschaft für sich mobilisieren konnte, will er am Samstag auf dem Parteitag antreten. "Wir sind zurück in der Manege, die Baden-Württemberger dürfen gespannt sein, was sie noch von uns zu hören bekommen", und dass kein "Kai aus der Kiste" oder ein "Dritter Mann" von Nöten sei. "Keine Hinterzimmerdeals. Schluss", assistiert Cademartori abermals im Netz. Der Parteitag müsse jetzt entscheiden.

Irgendwann wurde dann doch das Endergebnis bekanntgegeben: 0,21 Prozentpunkte trennen die Kontrahentinnen. Der Landesvorstand muss jetzt von seinem Recht zurücktreten, die Siegerin dem Parteitag vorzuschlagen. Er habe ja auch viel erreicht, schlüpft Castellucci flugs in die Rolle des Newcomers, für einen, den vor sechs Wochen noch niemand auf dem Zettel hatte. Da saß Breymaier schon im Zug nach Berlin in einem ihrer roten Sakkos, Markenzeichen auch bei den vielen kämpferischen Fernsehauftritten, die sie, wie Ex-Innenminister Reinhold Gall treffend feststellte, zum einzigen bekannten Gesicht der Südwest-SPD gemacht haben.

Genutzt hat es nicht viel, gerade nicht an der eigenen Basis. Die 9176 von insgesamt gut 36 000 Mitgliedern dieses heftig schlingernden Landesverbands, die ihr jetzt folgten, waren zu wenig. Ein Plus von 39 Stimmen kann nicht einmal ein laues Lüftchen entfachen. Um sich innerparteilich gegen den Sturm zu stellen, wäre deutlich mehr von Nöten gewesen. Und wer holt jetzt das Kehrblech?


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21 Kommentare verfügbar

  • Esther Rothenhöfer
    am 25.11.2018
    Was für ein einseitiger Bericht! Missgünstiges Foto, lächerliche Titulierung. 60% der SPD-Mitglieder haben abgestimmt, bei den meisten Bürgermeisterwahlen wäre man über eine solche Beteiligung glücklich. Castellucci hat davon aus dem Stand fast die Hälfte hinter sich versammelt, wenn das kein Ruf nach Wechsel ist!
    Die unzähligen kämpferischen Auftritte von Breymaier im ZV müssen an mir vorbeigegangen sein, von Stochs Fraktion hört und liest man kaum etwas. Dafür kenne ich Castelluccis hervorragende und integrierende Arbeit im Wahlkreis.
    Nun hat Castellucci in Sindelfingen knapp verloren. Die Pressuregroup aus Württemberg hat obsiegt, Kontext haut in die gleiche Kerbe.
    Warten wir ab, ob Stochs Arbeit als Vorsitzender erfolgreicher ist als im Fraktionsvorsitz.
    • Jörg Tauss
      am 26.11.2018
      Verstehe ja, dass Sie als Castellucci- Fangirl traurig sind. Und den letzten Satz lasse ich gerne gelten.... De erfolglose Landtafsfraktion hat jetzt die erfolglose Partei gekapert.

      Die hervorragende Arbeit des stv. Landesvorsitzenden Castellucci blieb mir allerdings in meinen SPD- Jahren irgendwie verborgen. Sie muss dann außerhalb von Landesvorstand und Präsidium stattgefunden haben ;)
    • Matthias Fahrner
      am 26.11.2018
      Eine klassische Netzwerker*innenantwort: Nach dem Dolch ist vor dem Dolch. Man ist gespannt, ob Andreas Stoch einen breiten Rücken mit besserem Panzer für den in ca. 1-2 Jahren zu erwarteten neuen Netzwerkerangriff hat. Denn dann geht es um die Listenplätze für die drohende 5%-Hürde. Ideen hat Castellucci noch nie gehabt, von warmen Worten wird kein Obdachloser satt, auch nicht vom völligen verdrängen durch schlichtes: pardon - Gelaber.
    • Wolfgang Weiss
      am 26.11.2018
      Ich kenne ja Castellucci nicht, aber ich weiss, dass "andere Köpfe" nur Kosmetik sind und nichts wirklich ändern, wenn nicht damit eine echte Kehrtwende um 180° verbunden ist. Deswegen verweise ich auch gern nochmal auf mein Statement von
      Vor 5 Tagen 5 Minuten bzw. Vor 1 Tag 4 Stunden ;-) !
  • Eberhard Brinkmann
    am 25.11.2018
    Ein Beitrag zur Debatte - Binnen-I oder was?
    Es führt kein Weg daran vorbei: Wenn Frauen und Männer gemeint sind, sind auch beide zu nennen, Damen und Herren, Leserinnen und Leser usw. Für sprachökonomische Formulierungen im weiteren Verlauf gibt es zahlreiche Möglichkeiten:: von Schrägstrichvarianten über adjektivische Bestimmungen und Passivkonstruktionen bis hin zu geschlechtsneutralen Partizipalkonstruktionen, Pluralformen, Substantiven, Substantivierungen, Pronomen u. v. m.
    Was nicht geht, sind Formen, die nicht der geltenden Rechtschreibung entsprechen (Binnen-I, *). Diese lassen sich entweder nicht vorlesen und/oder diskriminieren Männer. Auf diese Art des Sprachwandels sollte man doch verzichten und diese Debatte beenden, denn die Möglichkeiten für eine geschlechtergerechte Sprache sind vorhanden.
    • Wolfgang Weiss
      am 25.11.2018
      Also mir gefällt das sogenannte "Gender-*" ;-) ! Außerdem kümmere ich mich schon lange nicht mehr um die "neue deutsche Rechtschreibung". Aber das kann ja jede/r alles so halten, wie er/sie/es will :-)
  • Claus Stroheker
    am 25.11.2018
    Die SPD schafft es im Bund nicht, und in Baden-Württemberg gleich mehrmals nicht, ihre Kernbotschaften den Wählerinnen und Wählern so zu vermitteln, dass die Botschaften nicht nur ankommen, sondern auch verstanden werden.

    Hinzu kommt, dass die SPD Baden-Württemberg vom Bund keine Rückenstärkung, sondern eher orkanartige Stürme von vorne abbekommt. Ich will's nur mit Stichworten andeuten: Schröder's "Reformen" haben das Vertrauen in die SPD und zu ihr zerstört, und die (Regierungs-) Politik der SPD hat seither nichts dafür getan, Vertrauen wieder herzustellen und aufzubauen; eher im Gegenteil.

    Im Ländle hat die SPD das Problem, dass "ihre" Landtagsfraktion ein Eigenleben führt, wobei ich nicht sicher bin, ob der Begriff "Eigenleben" richtig ist - denn von Leben spürt man im Großen und Ganzen nichts.
    Was ja nicht wundert; wer keine Machtaussichten hat, weiß, daß er nur für den Papierkorb arbeitet - wer macht das schon gerne?
    Dann ist es doch befriedigender, Intrigen zu spinnen, um so vielleicht das eine Pöstchen, das es aus der Opposition denn vielleicht doch mal zu besetzen gibt, für sich zu ergattern.
    • Wolfgang Weiss
      am 25.11.2018
      Zitat: "Hinzu kommt, dass die SPD Baden-Württemberg
      vom Bund keine Rückenstärkung, sondern eher orkanartige Stürme von vorne abbekommt. Ich will's nur mit Stichworten andeuten: Schröder's "Reformen" haben das Vertrauen in die SPD und zu ihr zerstört, und die (Regierungs-) Politik der SPD hat seither nichts dafür getan, Vertrauen wieder herzustellen und aufzubauen; eher im Gegenteil."
      Genau das ist eines der Kernursachen und deren aktuelle Wirkung. Als Ergänzung: seit 2009 hat es die sPD nicht geschafft (oder gewollt?) einen glaubwürdigen Kandidaten aufzustellen, der nicht in marktkonformen System verstrickt ist. Ob Steinmeier (als Staatsminister im BK-Amt mit verantwortlich für die Agenda2010 und den Fall Kurnaz) ob Steinbrück ("Als Bundeskanzler verdiene ich zu wenig") oder Chulz, der von den eigenen Beratern ausgebremst wurde, wenn es zu "sozial" wurde. Sehr lesenswert dazu : "Die Schulz-Story" von Markus Feldenkirchen .
      "Inges Frikadellen brennen" https://www.zeit.de/kultur/2018-04/martin-schulz-markus-feldenkirchen-die-schulz-story-deutschstunde?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.twitter.ref.zeitde.share.link.x
      Das sagt einiges über den Gesamtzustand der sPD Stand heute aus.
  • Peter Cuenot
    am 23.11.2018
    Es ist doch alles viel einfacher!
    Der Großteil der Wählerinnen und Wähler interessiert sich doch gar nicht dafür, was Vertreter/innen der politischen Parteien an Absichtserklärungen herausposaunen.
    Der Großteil der Wählerinnen und Wähler geht für die Wahlentscheidung ausschließlich danach, ob die zur Wahl Stehenden (relativ) jung , ob sie redegewandt und gut aussehend sind - wobei alle drei Eigenschaften natürlich eine gewisse Bandbreite beinhalten, je nach subjektiver Einschätzung der wählenden Person.
    Außergewöhnliche Ereignisse spielen dann noch zusätzlich eine nicht unwichtige Rolle.
    So wären die Grünen damals ohne Fukushima wohl kaum an die Macht gekommen.
    Diese für die Wahlentscheidung Vieler stehenden Tatsachen mögen dem Ein und Anderen, der sich für politische Inhalte wirklich interessiert, sauer aufstossen, dies ändert allerdings Nichts an den geschilderten Umständen.
    Sollte es also der SPD BW gelingen, solche Leute wie z.B. die beiden Vorsitzende der Grünen - Frau Baerbock und Herr Habeck - ins Feld schicken zu können, dann würden die Resultate der SPD BW meiner Ansicht nach schnell ganz anders aussehen.
    A. Baerbock und R. Habeck sind auch zusätzlich bisher mit keinem Verlierergen infiziert worden.
    • Wolfgang Weiss
      am 25.11.2018
      Ja-ABER : das kann nicht pauschal auf den Großteil der Wähler*innen heruntergebrochen werden, finde ich. Viele merken schon, ob der Inhalt hält, was die "Verpackung" verspricht. Oder anders gesagt, ob es authentisch und ehrlich gemeint ist. Das trifft aktuell gerade auch auf die sPD zu, im Ländle und im Bund.
      Es macht schon einen Unterschied aus, ob jemand mit gutem Aussehen wie Frau Barley auf dem "Debattencamp" Anfang November eifrig versichert, "das wir progressive Ideen unbedingt im Parteivorstand diskutieren wollen" , aber sich z.B. bei der Abschaffung des §219a dann genau nichts tut.
      Dasselbe gilt für mich bei den "Höhenflug-Grünen" . Mich interessiert die redewandte, gutaussehende Annalena Baerbock und der "Störtebeker-Verschnitt" :-) Habeck erst mal nicht , sondern wirklich relevant ist für mich, wie sie sich beispielsweise zu Konzernspenden an die "Grünen" oder Bundeswehr-Kriegseinsätzen im Ausland verhalten. Alles andere ist Kosmetik.
  • M. Stocker
    am 23.11.2018
    Phantastisch. Knapp die Hälfte der Mitglieder interessiert sich einen gepflegten Dreck dafür, ob irgendwelche politischen Nullnummern die SPD vollends in den einstelligen Abgrund reißen dürfen, oder ob ein zaghafter Versuch fortgesetzt werden darf, diese komatöse Partei mit einem Hauch sozialdemokratischen Restverstandes eventuell, unter Umständen, es könnte ja immerhin sein, für ein paar Wähler wenigstens, wieder wählbar zu machen. Viel bezeichnender als die mangelnde Unterstützung für Breymaier/Boos ist das Desinteresse eines großen Teiles der Parteimitglieder. In einem Betrieb würde man sowas 'Zustand der inneren Kündigung' nennen. Die Situation entspricht exakt der zu erwartenden stürmischen Zustimmung der Wähler für die Partei der Castelluccis und Konsorten.
    • Jörg Tauss
      am 23.11.2018
      Der Vergleich der "inneren Kündigung" ist gut gewählt. So begründeten einige Nochmitglieder im Bekanntenkreis mit deren Nichtbeteiligung an der Abstimmung . Meine Einschätzung "ideenlos" (Breymaier) gegen "ideenlos und farblos" (Castellucci) wurde voll geteilt. Und die mögliche, selbst angepriesene, Alternative Stoch/ Binder aus der Versager- Landtagsfraktion stößt auf ebenso große Begeisterung...
  • Waldemar Grytz
    am 21.11.2018
    Dass jemand, der sich als Vorstandsmitglied über Jahre nicht sonderlich profiliert hat, bei einer Mitgliederbefragung fast 50% Unterstützung erhält, sagt doch einiges über den Zustand der SPD aus. Seine Parole "Ich kenne keine Flügel mehr , ich kenne nur noch ... (was denn?)" dürfte den alten Herren im Landtag und manchen "Netzwerkern" sicher gefallen.
  • Wolfgang Weiss
    am 21.11.2018
    Zustimmung @Jörg Tauss ! Dasselbe gilt im übrigen auch für die Bundes-sPD in weiten Teilen. Das Chaos ist sozusagen "hausgemacht" ! Hat sich durch die fatale "ProGroko"-Entscheidung nur noch verstärkt.
    Ergänzung: nur eine radikale Kehrtwende (im Sinn von Radix-zu den Wurzeln zurück!) könnte der sPD eventuell noch helfen. AGENDA 2010 incl. HartzIV canceln, sich für den Stopp von deutschen Rüstungsexporten global(!) einsetzen, Auslandseinsätze der Bundeswehr abbrechen, Vorratsdatenspeicherung stoppen, Glyphosat verbieten, klar gegen CETA/JEFTA/TISA/TTIP und Fracking positionieren, sich für einen Mindestlohn von 15 € Minimum einsetzen, den frauenfeindlichen $219a abschaffen, faire Mieten und sozialen Wohnungsbau durchsetzen, die Lobbyisten in ihren Ministerien rausschmeissen wäre ein guter Anfang.
    Oder einfach mal als ersten Schritt die GroKo verlassen und auf einem vorgezogenen Parteitag noch in diesem Jahr(!) wirkliche fähige Sozialdemokrat*innen wie Simone Lange, Kevin Kühnert, Hilde Mattheis oder Marco Bülow in verantwortliche Positionen wählen. Gern auch als Doppelteam. Dann würde ich das "s" im Namen auch wieder groß schreiben ;-) !
    Btw.: Im neuen Bundeshaushalt sind ca.43 Milliarden für Aufrüstung vorgesehen. Habe bisher noch niemand gehört, der sagt: "Dafür ist kein Geld vorhanden!" (Wie z.B. bei Forderungen für beitragsfreie Kitaplätze, marode Schulen oder kostenfreien ÖPNV)
    Wer oder was hindert die SPD eigentlich, sich da quer zu stellen und dagegen zu stimmen ?
    Sagt ein (ehemaliger) SPD-Wähler (bis 2002) !
  • Jörg Tauss
    am 21.11.2018
    Tja. Was sollte man zur Manege im Zirkus Castellucci da noch anfügen? Alles gesagt.

    Was die Aurorin nur immer wieder ignoriert ist die banale Realtiät, dass nicht Netzwerker und sonstige Grüppchen eigentlich zentrales Problem der Landes - SPD sind sondern dass es deren an Inkompetenz und Intriganz nicht zu toppenden Landtagsfraktion in Stuttgart ist.
  • Ingrid Bieger
    am 21.11.2018
    Ergänzung:

    Wie man an den Beispielen sehen kann, wird es dann auch nicht mal konsequent durchgehalten. Zuerst ein "*", dann mal kleines "i" in der Mitte und mal großes "i".

    Ein Versehen? Oder sind es einmal tatsächliich nur Frauen.

    Kontext war angetreten unabhängigen Journalismus zu machen. Durch das Hinwegsetzen über die aktuellen Rechtschreibregeln machen Sie das aber genau nicht, sondern machen schlicht Gesinnungspolitik /-journalismus.

    Ingrid Bieger
  • Ingrid Bieger
    am 21.11.2018
    "Rentner*innen", "Medienvertreterinnen", "ParteifreundInnen", "NetzwerkerInnen", "Unterstützerinnen", "GenossInnen".

    Da habe ich schon keine Lust mehr weiterzulesen, wenn die "Sprachpolizei" den Artikelinhalt überlagert. Einfach nur noch furchtbar - für mich hat das immer etwas verbissenes, erzieherisches an sich - und mich als Frau nervt das einfach unheimlich.

    Vielleicht hätte Kontext mehr Unterstützer, wenn sie diesen Blösinn einfach lassen würde und wieder auf das konzentrieren würde, wofür sie angetreten waren.

    Oder um es mit Clint Eastwood zu sagen:

    "Selbstbewußte Männer und Frauen kommen wunderbar miteinander aus - das Problem sind alle dazwischen."

    Un in dieser orientierungslosen Welt scheint das "Dazwischen", allerdings nur in einem kleinen Kreis, der anderen aber vorschreiben will, was richtig ist und was nicht, immer mehr zuzunehmen.

    Da interessieren die jüngsten Äußerungen des Rechtsschreibrates scheinbar nicht.

    Ingrid Bieger
    • Liane Mayering
      am 21.11.2018
      Lieber Herr Bieger, Sie haben Recht, schreiberisch konsequent wäre die jahrhunderte alte Form! Männlich steht halt irgendwie für alles!
      Hören wir also auf -passt zu unserer Rückwärtsgewandtheit, zur Rückkehr ins Mittelalter- daran zu erinnern, dass Sprache Ausdruck ist und das Sprache das Bewusstsein verändert!


      Mein Tipp seit langem: ähnlich den Hochs und Tiefs: einfach monats- oder wochenweise weibliche oder männliche Formen verwenden!
      (Erfahrung: nur die weibliche Form zu verwenden wird zum Aufstand führen, dat mögen die -stellt Euch nicht so an- Jungs nämlich nicht!)
    • Hans Krüger
      am 21.11.2018
      Eine Frau die Clint Eastwood zitiert, das habe ich noch nie erlebt. Könnte es sein, dass Ingrid eigentlich Ingo heißt? Honi soit qui mal y pense.
  • Peter Meisel
    am 21.11.2018
    Schade, vor 100 Jahren hat die Sozial Demokratische Partei Deutschlands (SPD) die Republik und das Frauenwahlrecht verkündet und jetzt gibt sie sich auf?
    Vor 2528 Jahren hat auch eine Frau, Lukretia, eine junge Römerin, ihre Vergewaltigung durch einen etruskischen Adelssohn öffentlich gemacht (res publika)! Danach haben die Römer die Etrusker aus Rom vertrieben und in Europa über 500 Jahre erfolgreich regiert.

    Und heute? "Die Südwest-SPD stürzt sich selber in die größte Führungskrise ihrer Geschichte."
    Das ist ein Grund in den Spiegel zu schauen. Wie konnte es geschehen, daß in der Bundes-Republik die Regierenden eine "Marktkonforme Demokratie" eingerichtet haben?
    Dazu hat der SWR eine tolle Zusammenfassung produziert: http://www.ard.de/home/radio/Marktkonforme_Demokratie/4729562/index.html
    Das empfehle ich anzuhören!
    Am besten noch bevor die CDU einen Friedrich Merz von BLACKROCK zum Kanzler dieser unserer Republik durchsetz?
  • Matthias Fahrner
    am 21.11.2018
    Danke für diesen absolut treffenden Kommentar. Die SPD verdient keine Beachtung mehr. Jeder Zirkus ist nett anzusehen, aber wie schon bei den Römern: Erst kommt das Brot, dann der Circus. Wir müssen uns auf die Verteidung unseres Rechtsstaats und unserer Demokratie konzentrieren, dazu vor allem auf den sozialen Zusammenhalt, die Menschenwürde für jede und jeden. Dazu wird diese SPD das nächste Jahrzehnt nichts bitragen und beitragen können - außer wie immer bei Ute Vogt, einen falschen Hund und viele falsche Versprechungen und einlullende Lyirk und traurige Clownspiele. Jede*r der*die wirklich etwas verändern will, vergeudet dort nur Lebenszeit, die er in sozialen Organisationen, bei Linken, Grünen, gar FDP, SÖS, Piraten u.v.m. wirklich nutzen kann, oder für Freunde und Familie hat. Wer heute noch in der SPD ist, dient der sozialen Ungerechtigkeit und der ausgrenzung,auch wenn er meint, er könne sie noch von innen heraus ändern. Das werden die Neoliberal-Karriere-Netzwerker nie wieder zulassen.

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