Alle Realos fliegen hoch. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 301
Politik

Zugpferd und Zumutung

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 04.01.2017
Die Situation ist paradox: Winfried Kretschmann, der für viele Grüne zu sehr nach der CDU und der Wirtschaft schielt, soll als Zugpferd im Bundestagswahlkampf bis hoch in den Norden Stimmen holen. Und im Extremfall damit Rot-Rot-Grün ermöglichen.

Eine gute Woche haben die 61 000 Mitglieder der Grünen noch Zeit, per Urwahl die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zu bestimmen. Wäre es nach Kretschmann gegangen, hätte es den Mitgliederentscheid "Basis ist Boss" in dieser Form womöglich gar nicht gegeben. Im vergangenen April, nach dem zweiten historischen Wahlerfolg seiner Partei im Südwesten, sprach sich der Oberrealo für die Abkehr von der Doppelspitze aus. Die Ämterteilung sei "überholt", die Wählerschaft wünsche sich "eine eindeutige Personalisierung". Er sieht sich selbst als besten Beweis für die Richtigkeit der These.

Es sind solche Zwischenrufe aus Stuttgart, an die sich die Bundespartei zuerst gewöhnen musste, um dann eine Gegenstrategie zu entwickeln. Gelassenheit statt Abwehrreflex, lautet die Devise. Die Doppelspitzen-Debatte ist im Sand verlaufen: Wie eh und je werden die Grünen im kommenden Herbst mit einem Duo in den Wahlkampf ziehen. Dem derart pragmatischen Umgang mit dem neben Joschka Fischer erfolgreichsten Grünen sind allerdings Grenzen gesetzt.

In der Steuerpolitik ist Kretschmann nicht mehrheitsfähig

In einschlägigen Papieren wird der Dissens, etwa in der Steuerpolitik, offenkundig. Kretschmann spreche sich gegen die Vermögensteuer aus, heißt es auf der Homepage der Bundesgrünen, denn er "befürchtet, dass sie den Mittelstand schwächen würde, der 'eine der stabilsten Säulen gegen den Raubtierkapitalismus' sei". Und nur ein paar Absätze später: "Wir wollen eine höhere Reichenbesteuerung einführen. (...) Selbstverständlich legen wir dabei besonderen Wert auf den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Innovationskraft von Unternehmen." Aber diese Art der Einheit in der Vielfalt würde aus dem Wahlprogramm eine Multiple-Choice-Liste machen. Also müssen steuer- oder wirtschaftspolitische Konflikte spätestens bis zum entscheidenden Bundesparteitag Mitte Juni in Berlin ausgefochten sein. Dass der Mann aus Laiz bei Sigmaringen bis dahin mehrheitsfähig wird mit seiner Position, ist so gut wie ausgeschlossen.

Muss er aber auch nicht, sagen nicht nur Parteistrategen, die auf seine Strahlkraft setzen. In einem der vielen Interviews zum Jahreswechsel hat der Tübinger Politikwissenschaftler Josef Schmid analysiert, wie Kretschmann "selbst hoch im Norden sehr beliebt ist" - wiewohl kaum einer wisse, "wofür er wirklich steht". Aber: "Sein Image funktioniert." Gerade die Bundespräsidenten-Debatte habe gezeigt, "wie populär er ist und wie er in weiten Kreisen geachtet wird".

Dazu sitzt ein Wahlkampffuchs quasi Tür an Tür im Staatsministerium. Rudi Hoogvliet, Regierungssprecher seit 2011 und engster Mitarbeiter seit 15 Jahren, hat in der Vergangenheit gleich drei Mal Stuttgart vorübergehend den Rücken gekehrt, um in Berlin die Kampagne der Bundespartei zu managen. Nach dem ersten Triumph im Land war er enttäuscht, dass sich die Parteispitze in der fernen Hauptstadt nicht mehr interessiert für das Erfolgsrezept aus dem Südwesten. Selbst republikweit lagen die Grünen damals bei 20 Prozent, erinnert er sich. Es sei aber kein Versuch unternommen worden, diese Menschen zu halten. Hoogvliet ist überzeugt, dass weiterhin mindestens 15 Prozent erreichbar sind - mit der richtigen Politik und der richtigen Ausstrahlung.

Für Letzteres ist der Ministerpräsident zuständig, weit über die Landesgrenzen hinaus. Kein anderer Regierungschef hält sich derart anhaltend in der Spitzengruppe der beliebtesten Politiker Deutschlands. Im letzten Politbarometer des Jahres 2016 liegt er vor der Kanzlerin, vor Wolfgang Schäuble, vor Sigmar Gabriel ohnehin und vor Horst Seehofer erst recht. Nur zum Vergleich: Kretschmann kommt auf der bis fünf reichenden Skala auf den Wert 2,0 und der Bayer bundesweit gerade mal auf 0,3.

"So, du altes Arschloch, treff i di au mol wieder"

Natürlich werden die Grünen im Wahlkampf wuchern mit diesem Pfund, zumal der 68-Jährige auch noch seine Talkshow-Abstinenz überwunden hat. Nach Sandra Maischberger gab er gerade erst Markus Lanz die Ehre, plauderte aus, dass er noch schlechter Englisch spricht als Oettinger oder dass ihm die Weltläufigkeit für das Amt des Bundeskanzlers fehle. Selbst der Schwäbisch-Testlauf auf großer Bühne gelang. Wenn seine Landsleute sagten, "So, du altes Arschloch, treff i di au emol wieder!", sei das "gar nicht böse gemeint". Der Applaus war riesig. Und alle Grünen bundesweit, die wegen eines Kretschmann-Auftritts in ihrem Gäu angeklopft haben, hoffen auf eine Zusage.

Programmiert sind angesichts solcher Höhenflüge immer neue Konflikte im Verhältnis zum ohnehin schwierigen Koalitionspartner CDU. Auch deren Bundesspitze muss auf Baden-Württemberg schauen. Immerhin steuerte der Südwesten 2013 fast 46 Prozent zum Ergebnis bei, während die Grünen sogar hierzulande bei elf Prozent hängenblieben. Thomas Strobl versucht eine Profilierung eher am rechten Rand seiner Partei, obwohl alle Analysen des Landtagswahlergebnisses erbracht haben, dass Kretschmanns Schulterschluss mit der Kanzlerin Gold wert war.

Die Diskussionen um eine Sammelabschiebung nach Afghanistan vor Weihnachten war da nur der Anfang. Der CDU-Landeschef und Innenminister bleibt dabei, dass im kommenden Jahr rund eine halbe Million Menschen aus der Bundesrepublik in ihre alte Heimat abgeschoben werden müssen. Davon entfielen rein rechnerisch 65 000 auf Baden-Württemberg und damit mehr als sechsmal so viele wie 2016. Das werden nicht nur die Fundis im grünen Landesverband nicht mitmachen. Und noch ein Dauerbrenner droht: Stuttgart 21. Der Regierungschef würde die immer neuen Probleme am liebsten ignorieren, während Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Verkehrsminister Winfried Hermann, aktuell in Sachen Anhydrit, wenigstens Aufklärung in allen Details von der Bahn verlangen. Wenig genug.

Die Frage ist, wie viel Kretschmann seiner Partei zumuten kann

Kretschmann war schon in den fünf Jahren Grün-Rot kein Freund immer neuer Machtworte. Im Bundestagswahlkampf wird ihm aber nicht erspart bleiben, hinter den Kulissen Tacheles zu reden mit Strobl und den Seinen. Und er wird austarieren müssen, wie viele programmatische Alleingänge er seiner Partei eigentlich zumuten kann. Zentrale Beschlüsse der vergangenen Bundesdelegiertenkonferenz haben unterstrichen, dass die Realos im Landesverband nicht nur in der Steuerfrage alleinstehen.

Ein wichtiges Beispiel, gerade mit Blick auf Rot-Rot-Grün, ist der Umgang mit Arbeitslosen: "Wir wollen ein Ende der Praxis von Androhung und Bestrafung, die in vielen Job-Centern und Arbeitsagenturen Realität ist und setzen stattdessen auf Motivation, Anerkennung und Beratung auf Augenhöhe". Hartz IV-Sanktionen seien ein Hindernis dafür, dass sich Fallbearbeiterinnen und Arbeitssuchende auf gleicher Augenhöhe begegnen könnten und gefährdeten zudem ein menschenwürdiges Existenzminimum: "Daher wollen wir sie abschaffen."

Sozialminister Manfred Lucha hatte auf dem Parteitag im Münster wortreich dagegen gekämpft und verloren. Auch er kann Rot-Rot-Grün wenig abgewinnen. Die Konstellation ist nach der Demoskopie zurzeit ohnehin wenig wahrscheinlich. Es könnte aber sogar insgesamt eng werden. Und vielleicht muss der "Star der Grünen" (Markus Lanz) seine ganze Reputation für eine Regierungsbeteiligung in die Waagschale werfen. Denn in der ersten Umfrage im neuen Jahr - durchgeführt vom Erfurter Institut INSA, das bei den kleinen Parteien und der AfD oft richtig liegt - hätte Schwarz-Grün im Bund aktuell keine Mehrheit, weil die Union danach mit 32 Prozent extrem schwächelt.

Die eigene Mitgliedschaft will der Bundesverband mit dem Mitgliederentscheid in einen ersten Vorwahlkampfschwung bringen. Den Frauenplatz hat Katrin Göring-Eckhardt mangels Gegenkandidatin bereits fest. Bei den Männern dürfte Cem Özdemir das Rennen machen, womit die Grünen einen der alten Grundsätze über Bord geworfen hätten. Die Spitzenkandidaten wären beide Realos, der linke Flügel bliebe - was bisher unüblich war - unberücksichtigt.

Özdemir schlägt auf die Frage, was die Grünen eigentlich aus dem enttäuschenden Wahlergebnis 2013 gelernt haben, schon mal den Bogen zum Erfolgsgaranten aus dem eigenen Landesverband: "Wir brauchen eine begeisternde Sprache, die gerade bei denen ankommt, die sich nicht jeden Tag mit Politik beschäftigen." Kretschmann habe gezeigt, dass es darum gehe, den Kopf und das Herz der Wähler und Wählerinnen zu erreichen. Oder wie sagt die Heidelberger Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner: "Der Winfried" sei nicht zu kopieren, "aber man kann seinen Erfolg kapieren". Welchen Preis die Grünen dafür zu zahlen haben, wird sich zeigen.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

12 Kommentare verfügbar

  • andromeda
    am 10.01.2017
    Vielen Dank @ Fritz , mß ich gar nix hinzufügen .
  • Schwabe
    am 07.01.2017
    "Zugpferd und Zumuntung"? Recht hat sie Frau JHW - aber so ist es halt mit bürgerlich neoliberaler Politik. Ob nun umgesetzt von Weibchen oder Männchen, ob durch Grün, rot, schwarz, gelb oder blau/braun macht für die Bevölkerungsmehrheit (lohnabhängig Beschäftigte unterer, mittlerer und etwas höherer Einkommen) keinen Unterschied.
  • Heinz Greiner
    am 06.01.2017
    Tja lieber vermeintlich linker Illoinen ,

    das über der BBG ist zu versteuern oder etwa nicht ?
    Somit werden zwischen 30 und 40 % an den Scheible abgeliefert oder sehe ich das falsch ?
    Der GKV Beitrag ist um die 15 % .
    Wie hoch ist der Freibetrag denn , was deckt der denn ab ?
    Wieviel zuwenig im Fond der GKV ?

    Mal nachgedacht , auch darüber ob´es die PKV überhaupt gäbe in der Form würde nicht der Staat 70 % der Kosten übernehmen für die Erstligaversorgung seiner Edlen nicht für die GKV Sätze übernehmen ?
    Fast 800 Mio im Kretschmannland , Beihilfe sogar zur Pflegeversicherung der WICHTIGSTEN , die niedrigere Beiträge ohnehin hat .
    StZ lesen , machmal gibt's auch dort gute Artikel .
    Nachdenken dann .
  • Zaininger
    am 05.01.2017
    "Diese GRÜNEN von heute haben mit den Parteigründern von damals NICHTS mehr gemein."
    ... aber wo warst Du, lieber Gerd Rathgeb zusammen mit W. Hoss und anderen, als die heute Amtierenden, jeden als Fundi und Öko-Sozialisten diffamierten, der Kritik an ihrem durchsichtigen Machstreben anmeldeten?
  • Illoinen
    am 05.01.2017
    Der einzig für mich wahre "Grüne" verkörperte Ströbele, alle anderen sind mehr an den oberen 10% interessiert, als am Volk, im Allgemeinen. Nicht zu vergessen, wer hat die unsägliche Agenda 2010 mitgetragen? Wer hat den Aufbau des größten Niedriglohnsektor in Europa mitgetragen? Wer hat sich an Völkerrechtswidrigen Kriegseinsätzen beteiligt? Heute tut man überrascht, wenn man angeblich bei Maybrit Illner erfahren muss, dass ein sog. Eck-Rentner in Österreich rund 800€ mehr im Monat, als ein deutscher Eckrentner hat, und das trotz oder wegen dem von allen Beteiligten incl. Mainstream, verteufelte Umlageverfahren? Das auch trotz "Mindestlohn" auf dem man auch noch so Stolz ist, und nicht einmal für alle gilt, man mindestens 63 Jahre eingezahlt haben muss, um am Ende auf Grundsicherungs-Niveau zu landen? Bis heute hat man den Eliten nicht klar machen können, oder wollen, dass nicht die Zahl der Einzahler, sondern die Produktivität in erster Linie ausschlaggebend war und ist. Auch die unsäglichen Beitragsbemessungsgrenzen wurden und werden bisher nicht angetastet, obwohl genau das eines der Gründe für die höheren Renten in Österreich, Schweiz, Skandinavien und anderen reichen Ländern sind, welche alle eine Beitragsbemessungsgrenze nicht kennen. Deutschland gehört bis heute zu eines der wenigen Länder, außer noch Mexico, welches sich ein Rentensystem leistet, wo die Höhe der Einzahlungen, die zukünftige Rente bestimmt?
  • Friedrich Grimm
    am 05.01.2017
    Kretschmann müsste für Grüne und Sympathisanten kaum mehr wählbar sein. Für mich persönlich ist Kretschmann eine einzige große Enttäuschung. Gerd Rathgeb führt in seiner Lesermeinung all das auf, was mich zu dieser Meinung gebracht hat.
  • CharlotteRath
    am 05.01.2017
    Zitat 1, hier aus dem Artikel:
    "Zentrale Beschlüsse der vergangenen Bundesdelegiertenkonferenz haben unterstrichen, dass die Realos im Landesverband nicht nur in der Steuerfrage alleinstehen. Ein wichtiges Beispiel, gerade mit Blick auf Rot-Rot-Grün, ist der Umgang mit Arbeitslosen: "Wir wollen ein Ende der Praxis von Androhung und Bestrafung, die in vielen Job-Centern und Arbeitsagenturen Realität ist und setzen stattdessen auf Motivation, Anerkennung und Beratung auf Augenhöhe"."

    Zitat 2, aus dem aktuellen Editorial:
    "Wolfgang Reinhart, der CDU-Fraktionschef, bemüht den Kirchenhistoriker Adolf von Harnack mit dem gewiss richtigen Satz: "Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt".

    Liebe Frau Henkel-Waidhofer:
    Wer ist denn da nun ein Realo, wer ist ein Fundi?
    Bzw.: Wie wäre es angesichts der Bundestagswahl, nicht den Etikettenklebern auf den Leim zu gehen, sondern Inhalte und Strategien der Parteien gründlich zu durchleuchten?
    Wer gefällt sich in Oberfächenkosmetik?
    Wer benennt Probleme sachgerecht und bietet tragfähige Lösungen an?
  • Gerd Rathgeb
    am 04.01.2017
    Die Artikelüberschrift trifft es genau. Um an die Macht (Mächtle!) zu kommen...und zu bleiben... braucht es wohl ein Zugpferd. Und das ist Kretschmann allemal. Das mit Abstand beste Pferd im Grünen-Stall. Darüber zu streiten ist überflüssig. Zugpferd heißt in unserer "modernen Demokratie" Lächeln, wenns sein muss richtig schwäbeln, schweigen, wenn reden angesagt wäre, wichtige Themen ausblenden und für die Kanzlerin beten. Alles Merkmale von Zugpferden. Doch wo bleiben die Inhalte bei Zugpferden?

    Die Zumutungen betreffen die Inhalte grüner Politik, in die wir unsere Hoffnung gesetzt haben.
    - Schweigen, wenn die Autoindustrie verbrecherisch handelt
    - Pseudomassnahmen wenn es um den Feinstaub geht
    - Ruhig bleiben, wenn baden-württembergische Firmen Kriegsgeräte in alle Welt liefern
    - Weiterwursteln in der Stadt- und Abrisspolitik
    - Zulassen von Mega-LKWs, wohlwissend, dass damit noch weniger Güter auf die Bahn kommen
    - Keine Kommentare zu den immer größeren Spritfressern, die unsere Strassen verstopfen und das Zugpferd lieber mit Daimler-Chef Zetsche am Steuer eines LKW zeigen
    - Zuschauen, wenn die Landschaft weiter versiegelt wird und das Artensterben zunimmt
    - Die "Reichen" schonen, möglichst das Wort Vermögenssteuer nicht in den Mund nehmen und hinnehmen, dass die Kinderarmut im Lande zunimmt
    - Laufen lassen, bei S 21, wohlwissend, dass das Gesamtsystem nie funktionieren, aber weitere Milliarden verschlingen wird....
    - für die Kanzlerin beten und gleichzeitig Menschen nach Afghanistan abschieben

    Das sind Zumutungen für Menschen und Wählern, die noch an die Umwelt, an die soziale Gerechtigkeit und an die internationale Solidarität (Fluchtursachen) denken, wenn sie von Politik reden. Leider finden sich, wenn es um diese Themen geht, immer weniger "ernsthafte" Gesprächspartner bei den Grünen. Dafür wird umso mehr dem Zugpferd zugejubelt. Keine guten Signale für das Wahljahr 2017.
  • Philipp Horn
    am 04.01.2017
    Ist Kretschmann nicht schon längst bei der CDU?
  • Heinz Greiner
    am 04.01.2017
    Der CEM triffts :

    Wir müssen nur so tun als ob und die , die nicht so genau hinschauen´, werden uns dann wählen .
    ( Unausgesprochen - dumm wie die nun mal sind ) .

    Dieses Patentrezept gilt seit vielen Jahren parteiübergreifend in der deutschen Politik . Ergänzt noch durch Sprüche dann wie - ich kann ja jeden Tag gscheiter werden , was juckt mich mein Geschwätz von gestern oder die blanke Lüge Merkelscher Art .
    Es geht drum mit der regieren zu können um sein Dasein in der Politik zu sichern . Nur dieses persönliche Motiv treibt die Herr-und Damschaften um .
    Besonders verlogen bei denen die noch vorgeben im Interesse der Bevölkerung wirken zu wollen .
    Am ehrlichsten noch die FDPler . Bei denen weiß jeder woran er ist .
  • Fritz
    am 04.01.2017
    Es wird kein Rot-Rot-Grün geben. Das ist eine Illusion bzw. eine Nebelgranate der "Volksparteien" - inkl. der CDU selber.

    Und natürlich weil man in der Presse derzeit gern das Märchen verbreitet - weil diverse Bevölkerungsschichten das gern glauben wollen - dass Frau Merkel und ihre Regierung allein mit dem Flüchtlingsthema und der Fremdenangst abgewählt werden können.

    Die Umfragewerte der Frau Merkel sind dafür aber immer noch viel zu gut.

    Denn die Dame hält sich auch weiterhin tapfer aus allen eindeutigen politischen Positionen heraus, die mit ihr als Person unmittelbar zusammenhängen könnten. Und die Bevölkerungsmehrheit "erkennt" das an. Es ist eben nur ein dummer "Zufall", dass die "Charismatikerin" Merkel dieser Regierung nicht nur angehört, sondern ihr auch noch vorsteht.

    Es wird also entweder Schwarzrot, Schwarzgrün oder Schwarz-AfD geben.

    Auf Ersteres hofft vor allem die SPD. Denn deren Regierungspersonal möchte die Partei noch gern zum eigenen Vorteil auf einstellige Umfragewerte abwirtschaften, bevor sie endgültig abtreten und andere dann die Drecksarbeit der notwendigen Reformen endlich durchführen müssen.

    (Mit einer auch nur vage anderen Ausrichtung wird diese auf ein Minimum reduzierte SPD dann sowieso nur wieder systematisch als "Linkspartei" von den Medien diffamiert werden, was so wirbellosen Karrieristen a la Steinmeier und Nahles dann die Tour vermasseln würde.)

    Schwarzgrün wiederum ist der feuchte Traum "unserer" olivgrünen CDU-Ersatzpartei um ihren Frontmann Kretschmann. Das Negativbeispiel SPD interessiert diese Leute gar nicht, denn bis es bei der eigenen Partei soweit ist, konnte man zumindest mal so richtig an die Futtertröge der Macht.

    (Und die eigene, alt und reaktionär gewordene Basis wird dabei wieder genauso mitspielen, wie schon beim Abnicken von Hartz IV, Kriegseinsätzen und einer auch sonst mit der CDU nahezu unverwechselbaren Politik. Bei den Grünen stinkt der Fisch auch schon länger nicht mehr nur vom Kopf her.)

    Und schliesslich die "moderne" Option mit der deutschen Teaparty AfD. Nach dem US-amerikanischen Modell von einflussreichen und weitgehend anonym verbleibenden Drahtziehern aufgezogen. Mit dem Ziel, der CDU als williger Koalitionspartner die Fortsetzung neoliberaler Politik gegen die Gesamtbevölkerung und das Gemeinwohl zu ermöglichen. Und die Wählerschichten am rechten Rand mit ihrer offenen Ausländerfeindlichkeit zu binden.

    (Entscheidend ist bei der AfD nicht das rechtsradikale Gedöns in der Öffentlichkeit, sondern das stramme und konsequente Beharren auf der neoliberalen Politik hintenrum. Eine echte populistische Partei, wie z.B. die FPÖ in Österreich oder die CSU in Bayern, hätte viel mehr Interesse daran ihre Klientel - und sei es nur in der Selbstpräsentation - zu bevorzugen. Aber noch nicht einmal das macht die AfD.)

    Und eine "Trumpwahl" wird es bei uns sowieso nicht geben. Deutschland ist nicht die USA. Hier kann kein Quereinsteiger* gegen den Willen des Establishments und der von den Medien auserkorenen "Siegerin" gewinnen. Bei uns wird es definitiv Merklery, äh, Merkel werden. Alternativlos. Koste es uns was es wolle!


    * Einen Sanders hätten die Medien bei uns schon lange vor den Landtagswahlen als unwählbaren Linksextremisten und Spinner abgestempelt und die Volksparteien dann entsprechend rausgeekelt und/oder auf den letzten Listenplätzen "geparkt". Und Reiche und Industrielle machen bei uns schon aus Prinzip keine Politik, die lassen das nur von Lobbyisten machen. Oder gründen gleich eine Stiftung.
  • Rolf Schmid
    am 04.01.2017
    Einen Kretschmann braucht es nicht, um die GRÜNEN von heute in eine Koalition mit der CDSU zu führen, die sie längst auch ohne ihn sozusagen mit allen (Spitzen-)Kräften anstrebt.
    Diese GRÜNEN von heute haben mit den Parteigründern von damals NICHTS mehr gemein, sie streben nur noch nach Teilhabe an der Staatsmacht! Und weil dieses Ziel mit der CDSU am leichtesten zu erreichen ist, dann eben mit denen!
    Ich sehe - ausser Teilen der LINKEN um Frau Dr. Wagenknecht - keine deutsche Partei, die einen eigenständigen, vor allem an deutschen Sicherheits-Interessen ausgerichteten Kurs fahren und dafür auch auf die Teilhabe an der Staatsmacht, verzichten würde!
    Übrigens würde Herr Kretschmann im Norden den GRÜNEN vermutlich nicht mehr Stimmen bringen als sie ohnehin bekommen. Aber wenn dort auch die CSU anträte. würde das der AfD - und natürlich auch der CDU - garantiert viele Stimmen kosten.

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:















Ausgabe 453 / Die letzte Schlacht am Flächenbüfett / Alois Cleverle ErwartungsImmobilist im Vollerwerb / vor 3 Tagen 20 Stunden
Das schönste Land ist das Bau-Erwartungsland.

Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!