Christoph Reisinger, Chefredakteur der "Stuttgarter Nachrichten", ist 100-prozentig zufrieden. Fotos: Lichtgut/Achim Zweygarth und Joachim E. Röttgers. Montage: Röttgers

Ausgabe 265
Medien

Die blaue Brille

Von Josef-Otto-Freudenreich (Interview)
Datum: 27.04.2016
Die StZN liegen seit drei Wochen auf dem Tisch, und ihre Chefs sind begeistert. Christoph Reisinger von der StN geht den Neuen Stuttgarter Weg in der Gewissheit, dass die Kundschaft ihn so will. Die Brille der Leser sei auch seine, sagt er, und die Leser seien nicht blöd. Ein Streitgespräch.

Herr Reisinger, Sie laden Ihre Truppe zum fröhlichen Umtrunk in den neuen Newsroom ein, den Sie "Maschinenraum" nennen. Es steht zu befürchten, dass Sie das ernst meinen.

Völlig richtig. Im Maschinenraum sitzt ein wesentlicher Teil des Getriebes, das dafür sorgt, dass ein Rad ins andere greift. Die Arbeit muss um sechs in der Früh anfangen und bis 24 Uhr geleistet werden. Das läuft natürlich auf ein Schichtsystem hinaus, aber es ist kein Fließband, kein hämmernder Rhythmus.

Wir haben einmal gelernt, dass Kreativität in Redaktionsstuben entsteht, bei frei flottierenden Gedanken.

Der gesponserte Denkerclub ist leider nicht die zukunftsfähige Daseinsform von Redaktionen. Ich fände die auch schöner, aber ich habe den Sponsor nicht. In diesem Newsroom sitzen Journalisten mehr denn je zusammen und entwickeln Ideen. Das sind keine Schrauber, die ihrer Arbeit entfremdet sind. Hier wird entschieden, was für welche Leserschaft angeboten wird. In der gedruckten Zeitung und im Netz. Das gilt es richtig abzumischen. Das ist eine zutiefst journalistische Aufgabe. Wenn Sie Print und Digital zusammenbringen wollen, führt kein Weg an einem solchen Großraum vorbei.

Der richtige Inhalt zur richtigen Zeit auf dem richtigen Kanal. Diesem Ziel seien sie, so schreiben Sie in Ihrer Einladung zum Umtrunk, ein "gutes Stück" nähergekommen.

Sie mögen das belächeln. Aber wir sind inzwischen in der Lage, den User morgens in der Straßenbahn oder abends auf dem Sofa mit aktuellem Stoff zu beliefern.

Vielen Kolleginnen und Kollegen bereitet allein der Gedanke an diesen Arbeitsplatz schlaflose Nächte. 35 haben es vorgezogen, zu gehen.

Wir haben extrem viel Mühe darauf verwandt, dass Aufgabe und Person zueinanderpassen. Aber bei mehr als 200 Mitarbeitern werden sie immer den einen oder die andere haben, bei dem Sie Aufgabengebiet, Selbsteinschätzung und Qualifikation nicht in totale Übereinstimmung kriegen.

Wenn der Opernkritiker ins Vermischte muss, ist das so ein Fall.

Mir ist die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter nicht gleichgültig. Ich kann die Ängste, die Verunsicherung, auch den Frust, verstehen. Aber wenn Sie solche Umwälzungen haben, können Sie nicht alle 100-prozentig zufrieden stellen.

Sie selbst sind 100-prozentig zufrieden?

Ja, weil ich nur zwei Möglichkeiten habe. Ich kann mich der Tatsache verschließen, dass sich ein Teil der Leserschaft ins Digitale verschiebt, und alles lassen, wie es war. Dann kann ich die Uhr danach stellen, wann die Veranstaltung hier zu Ende ist. Ich kann diese Herausforderung aber auch annehmen, und dann muss ich meine Redaktion so zusammensetzen, dass sie auch diese Leser erreicht und dauerhaft an uns bindet. Ich wüsste nicht, wie ich den Fortbestand der StN anders sichern könnte.

Sie hätten eine Zeitung machen können. Und die richtig gut.

Da sage ich mit fester Stimme: Wir haben zwei sehr gute gedruckte Zeitungen. Schauen Sie sich die Blätter in anderen Ballungsräumen an. Dahinter muss sich keine StN und keine StZ verstecken. Ich weiß, dass wir als Zeitung nur mit Qualität überleben. In dem Ozean der Gratismedien werden wir untergehen, wenn wir uns nicht abheben. Eine Zeitung dichtmachen wäre die schlechteste aller Möglichkeiten gewesen, weil wir sauber voneinander getrennte Leserschaften haben.

Die jetzt mit demselben Inhalt beliefert werden.

Eine erstaunliche Wahrnehmung. Wenn ich mir die letzten drei Wochen anschaue, haben wir uns stärker unterschieden als in den vergangenen fünf Jahren.

Eine erstaunliche Einschätzung. Wir finden dieselben Texte in beiden Zeitungen, nur anders aufgemacht. Neu ist tatsächlich, dass StZ-Autoren bisweilen das halbe Blatt bei Ihnen zuschreiben. Das ist verwirrend.

Vielleicht für Sie. Die Normalleser sind ganz anders unterwegs. Wir haben gerade mal 50 Doppelleser im Abonnement. Unsere Leser finden die StN doch jetzt nicht schlecht, weil gute StZ-Autoren auftauchen. Sie freuen sich, wenn Paul Kreiner einen Klasseartikel über die Papstenzyklika liefert. Das ist oberer Rand, das schmückt uns. Kein Leser wird sagen, ich bestelle die StN ab, weil ein guter Text von einem StZ-Autor in seinem Blatt steht. Für die StZ gilt umgekehrt dasselbe.

Sie argumentieren ständig von den angenommenen Bedürfnissen der Leser her.

Dafür bin ich doch da. Wir machen hier keinen Selbsterfahrungstrip.

Nein, wir reden vom Prinzip der Presse- und Meinungsvielfalt. Dafür reichen Wolfgang Molitor und Joe Bauer nicht.

Mein Credo lautet: Die Brille ist nur richtig aufgesetzt, wenn's die Brille der Leser ist. Der Kollege Dorfs von der StZ hat hier dieselbe Sichtweise. Wir haben jahrzehntelang eine Sonntagszeitung gemeinsam gehabt, und keiner hat deswegen abbestellt. Und wenn Fritz Kuhn den Fassbieranstich auf dem Wasen macht, muss ich das nicht in einer StN- oder StZ-Lesart berichten. Bei der Kommentierung einer grün-schwarzen Regierung werden wir uns dagegen strikt unterscheiden. Wir müssen die Kräfte bündeln und dafür sorgen, dass wir die Luft haben, um ein anständiges Angebot auch für die Leser im Digitalen zu haben. Zum Verleger zu gehen und 50 Journalisten mehr zu fordern ist nicht sehr erfolgversprechend.

Wann kommt die nächste Sparwelle?

Mein Eindruck ist, dass die Sparwellen hier nicht aus Jux und Dollerei ausgelöst wurden. Sie hatten klar erkennbare wirtschaftliche Hintergründe. Jetzt ist es wichtig, für jeden Mitarbeiter eine gewisse Sicherheit zu bieten.

Früher haben 240 Kolleginnen und Kollegen zwei Zeitungen gemacht. Jetzt arbeiten sie im Grunde für ein Produkt. Die Hälfte zu viel, würde der Unternehmensberater sagen.

Nochmals: Wir machen zwei unterschiedliche Zeitungen, und dafür brauchen wir die 200 dringend. Zu unserem extrem anspruchsvollen Programm gehören außerdem zwei Websites, diverse Apps und weitere digitale Angebote. Sie alle wollen mit sauber recherchierten Geschichten gefüllt sein.

Und die gedruckte Zeitung wird zum Altpapier, das schnell entsorgt wird.

Auf keinen Fall. Wir dürfen im Gedruckten keine Abstriche machen. Sie werden von mir nie den Satz hören: Das Bedrucken toter Bäume ist out. Wir werden auch noch in 30 Jahren Zeitungen verkaufen. Aber die Wünsche des Publikums werden immer differenzierter, und darauf gilt es zu reagieren.

Finden Sie das alles gut?

Das ist nicht die Frage. Ich könnte auch sagen: Ich verlasse unter Protest die Branche. Das haben viele gemacht, ist aber nicht mein Weg. Umstände ändern sich, Zeiten ändern sich, und ich versuche das Beste draus zu machen.

Keine Restzweifel im Hinterkopf?

Wenn ich nicht ständig voller Restzweifel wäre, wäre ich naiv. Ich mag ja vieles sein, aber das nicht. Keiner hat das fertige Geschäftsmodell, wie wir den Leser digital an uns binden können, wie das früher beim Papier der Fall war. Ich sitze aber nicht da, verschränke die Arme und sage: Die Leser sind blöd und undankbar. Wenn's irgendwann eine Rückschau auf die Amtszeit Reisinger gibt, sollte dort stehen: Er hat sich wirklich angestrengt.

Dumm nur, dass das Geld immer noch mit dem Gedruckten verdient wird und das Digitale Miese macht.

Es ist doch wunderbar, dass wir zwei wirtschaftlich kerngesunde Zeitungen haben und uns in dieser Position auf die Veränderungen einstellen können. Auch im Digitalen wird inzwischen Geld verdient, wenn auch zu wenig. Ob es am Ende reicht, weiß kein Mensch. Aber als Allgäuer antworte ich mit einer alten Bauernweisheit: Man muss in die Kuh erst mal viel Gras reinstecken, bevor unten Milch rauskommt.

Für "Sonntag Aktuell" hat's offenbar nicht mehr gereicht. Das Blatt ist weg. Erste Zahlen aus dem Pressehaus sagen, es hätten nur 20 abbestellt. Erstaunlich wenig, wenn's stimmt.

Es sind mehr, aber deutlich weniger als ich befürchtet habe. Der Schmerz vieler Leser über den Verlust war groß. Auf der anderen Seite haben wir weit über 2000 positive Reaktionen auf unser neues Wochenendangebot bekommen. So sehr ich "Sonntag Aktuell" auch nachtrauere, ist das ein Anhaltspunkt für mich, dass die Leser unser neues Angebot honorieren und merken, dass es keine Mogelpackung ist. Es genießt bereits eine sehr hohe Wertschätzung und wird helfen, über den Abschiedsschmerz hinwegzukommen.

Dank der Texte, die Sie von der "Süddeutschen Zeitung" übernehmen?

Dank einer hoch kreativen StN/StZ-Truppe. Dank einer Geschäftsführung, die bereit war, so groß einzusteigen, und dank der "Süddeutschen", die auch künftig in der Regel die Aufmacher liefern wird. Unterm Strich bleiben auf 38 Seiten drei bis vier Geschichten aus München.

Eine kleine Kompensation für die großen Löcher, die der Kauf der SZ in die Stuttgarter Kassen gerissen hat.

Den Kauf haben nicht die Redaktionen eingefädelt. Im Übrigen hat es für mich eine Logik, wenn ein Unternehmen wie die Südwestdeutsche Medienholding ganz bewusst auf Qualität setzt und die "Süddeutsche" kauft. Generell gilt aber der alte Spruch: Wenn man vom Rathaus kommt, ist man klüger.

 

Christoph Reisinger, Jahrgang 1961, hat 2010 als Chefredakteur der "Stuttgarter Nachrichten" angefangen, "Sonntag Aktuell" verantwortet und leitet seit April 2016, zusammen mit Joachim Dorfs (StZ), die gemeinsame Redaktion. Der promovierte Historiker hat als freier Autor für "Bild" und den Deutschlandfunk und zuletzt als Leiter der Nachrichtenredaktion der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gearbeitet. Reisinger stammt aus Leutkirch im Allgäu. Er ist Oberstleutnant der Reserve, entsprechend spezialisiert auf Außen- und Sicherheitspolitik.


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15 Kommentare verfügbar

  • Demokrator
    am 03.05.2016
    Das Netz vergisst in der Tat nichts!

    "Klartext", "Paul Peter" und "Degerlocher" beispielsweise sind ganz gewiss noch nicht vergessen.

    Da passt einer, der sich hier schon seit Wochen wichtig macht und dann auch noch wortgenau die Märchen der S21-Trolle nachbetet, wie die Faust auf's Auge.
  • Kornelia
    am 03.05.2016
    Lach..... Obwohl "das netz nichts vergisst" möchte der couch potato Sie @demokrator zum Suchen losschicken....
    Ist da jmd zu faul zum Suchen?

    S21Bau und -planung selber machen!
    Also los runter von der Proler-Couch, Ideen, Bauüberwachung, Stadtplanung, neue Formen der Sozial-Demokratisierung und Medien entwickeln!
    Unser aller Stadtsäckle bietet gerade für 200 000 Euro Laberveranstaltungen an....
    aber viel wichtiger fände ich .... aus eigener Tasche, mit eigener Spucke gemachtes, gedachtes......

    Rathaus mieten kostet nur schlappe 2000 Euro....und während ja beim Widerstand - laut Proler- nur Arbeitslose sind und beim Prolerverband nur Überstunden Klotzende.....müsste der Mietsalär ja nen klax sein...... Also los jetzt!
    Oder geht nur mähkern?
  • Müller
    am 03.05.2016
    @Demokrator
    Wenn die Argumente ausgehen schnell die LGNPCK- Schublade rausholen.

    Das Netz vergisst nichts. Also, bitte mir einen Link von einer Demonstration vor Baubeginn rausholen.

    Und @ adebei, ja es ging um die Unabhängigkeit von Kontext:
    Und da hat ein Forist die Frage gestellt, ob man unabhängig ist wenn man von den Spendengelder einer kleinen Minderheit lebt.
    Wenn man in hunderten Ausgaben nicht ein mal den Mut besitzt, einen neutralen Artikel zu schreiben über das größte Stadtentwicklungsprojekt. Einmal ohne Scheuklappen nach vorne schauen.
  • adabei
    am 02.05.2016
    @müller

    S21 scheint Sie mehr zu bewegen als mich.
    Das Thema hier war die Presselandschaft und deren (Pseudo)-Unabhängigkeit speziell hier in Stuttgar, wenn ich nicht irre.
  • Kornelia
    am 01.05.2016
    @adabei....mit Müller einen Dialog führen zu wollen ist sinnlos!

    Jahrzehntelang hat er auf der Couch gesessen und gesagt: die da oben wissen schon was sie tun.......dann kam 2010 die fundierten Kritiken auf die Strasse und er erwachte von der Couch...
    und ..... beschimpfte der Widerständler21.......jetzt wirft er von der couch den Widerständlern vor in der Beobachtungsecke zu sitzen.....
    In einem Medien welches die Widerständler neben vielem Anderen innovativen "Gedöns" geleister haben!! Wenn das nicht couch potato manieironie ist!!!

    Und die Abnicker und cukunft sager.... Haben wir mal von @Müller oder @Kommentator ideen, innovatives, selbst-Gedachtes gelesen, gesehen, oder aufgeführt bekommen? Ich nicht! Die warten immer das "die da" was machen....

    Und die IG bürger?? Wo sind sie? Immer da wo sie finanzielle und logistische Unterstützung von oben bekamen waren sie zu sehen und zu hören.... Seitdem geht bei diesen "unser Projekt ist toll" nix mehr, tote Hose!

    Und Mutbürger-tum ...auch Fehlanzeige! Denn dann würden sie sich reihenweise beim "Mobil", Infomobil, Rathausausstellung, Turmaustellung oder "bezug" einbringen.... Schliesslich gibt es da nur einseitige "alles ist suppiii" Jubelartikel.....bezahlt von allen... im Gegensatz zum von den Widerständlern21 bezahlten Kontext!!!!!

    Ich habe jetzt für die bahn, für die stadt, für das projekt etc pp zig tausend stunden eingesetzt..... Ich finde, die wir-sind-supiiii couch potatos sollen mal ran!
  • Demokrator
    am 01.05.2016
    Soso, "niemand" hat bis zum eigentlichen Baubeginn von S21 dagegen demonstriert.

    Und das Wesen der Propaganda ist es, eine Lüge so lange zu wiederholen, bis sie geglaubt wird?
  • Müller
    am 01.05.2016
    @adabei
    Sehen Sie, das meine ich. Kontext und die Leserschaft trauen sich nicht die Zukunft zu gestalten.
    Man trägt das S21-wird-nicht-gebaut-Mantra vor sich her.
    Dagegen hat der Vatikan einen größeren Realitätsbezug.

    Es ist nunmal so, dass S21 eines der größten Stadtentwicklungsprojekte unseres Planeten ist.
    Und ja, es gibt noch jede Menge Gestaltungsspielraum.

    Aber mitgestalten ist gefährlich. Dann sitzt man ja plötzlich mit im Boot.
    Dann lieber doch den anderen zuschauen wie die Zukunft geplant und zur Gegenwart wird.

    Dann kann man dann wieder schimpfen und demonstrieren wenn die Bagger kommen. Zugucken wie die anderen schaffen und über den Bauzaun gucken und schimpfen. Supi.

    So war es bei S21, als beim symbolischen Baustart sieben Gegner demonstriert haben. Damals hieß es auch:"... Ach, das ist nur ein Bluff. S21 wird nicht gebaut..."
    Und als dann die Bagger kamen war die Verwunderung groß und erst dann begann der Protest auf der Straße.

    Und jetzt? "...S21 kommt nicht ... Das sind doch nur Vorarbeiten... die Stadtteile werden nicht gebaut... Der Kopfbahnhof bleibt..."
    Hey Leute, Aufwachen!

    Zum hundertsten Mal: Kommt raus aus der Beobachterecke und macht mit. Stuttgart braucht euch. Vor was hat Kontext: Angst?
  • adabei
    am 29.04.2016
    Verehrter bekennender S21-Befürworter: Dass Sie S21-Kritiker als "vor Wut schäumende" Masse ansehen, war von Ihnen gar nicht anders zu erwarten.
    Doch was erwarten Sie jetzt eigentlich von der KONTEXT? Wollen Sie hier jetzt auch noch jene Jubelarien lesen, mit denen das Propaganda-Büro (unter Leitung eines früheren StN-Redakteurs) die Welt bereits reichlich versorgt? Falls Sie jemals Pressemeldungen aus diesem Hause in Händen hatten und dann den nahezu wortgleichen Text in den SWMH-Medien wiederfinden, würden Sie dann noch immer an eine "neutrale, sachliche" Berichterstattung glauben? Mir jedenfalls fällt das ziemlich schwer.
    Aber den Glauben an die Chancen einer Stadtentwicklung will und werde ich Ihnen nicht nehmen.
  • Kommentator
    am 29.04.2016
    Ich bin nicht so naiv zu glauben, eine Zeitung als Wirtschaftsunternehmen könnte völlig unabhängig sein.

    Es stört mich allerdings, wenn Kontext ständig behauptet, die bessere,weil angeblich unabhängige Zeitung zu sein und dabei zu unterschlagen, dass es eine ganz klare politische Vorgabe gibt, die ja auch in den meisten Beiträgen klar ablesbar ist. Was davon abweicht, erweckt jedesmal den Eindruck eines Betriebsunfalls bzw. wird so von den Lesern kommentiert (siehe Echokammer Phänomen)

    Die Meinungsvielfalt in der STZ/STN ist jedenfalls deutlich größer als bei Kontext, aber sicher nicht so weit in eine Ecke gestreckt.
    Der Informationsgehalt in der STZ/STN geht im übrigen weit über das hinaus, was Kontext leisten kann. Kontext arbeitet sich übrigens auch an den gedruckten Blättern ab d.h. es ist geradezu Voraussetzung für Kontextleser die STZ oder andere Blätter zu lesen.

    Auch Kontext hat keine Antwort auf die digitale Revolution. Lokalzeitungen werden wohl nur noch als Monopolisten überleben, überregionale Blätter werden als gedruckte Ausgaben dagegen immer weniger gefragt sein.
    Aus den wirtschaftlichen Zwängen eine "Demontage der demokratischen Presse" d.h. eine gewünschte Entwicklung abzuleiten ist reichlich kühn.
    Ich bin sicher die STZ würde viel lieber mehr gedruckte Auflage machen, wenn es denn möglich wäre.
  • Wolfgang Hoepfner
    am 28.04.2016
    Wenn ich in Stuttgart eine Tageszeitung lesen will, bestelle ich sie -mangels Alternative - nicht ab, weil jetzt die Sonntagsausgabe fehlt. Das ist wohl das Kalkül von Blattmachern wie Herrn Reisinger - Journalist kann man ihn wohl nicht nennen.

    Und wenn er ernsthaft behauptet, daß jetzt sogar mehr unterschiedliche Berichte in den zwei Ausgaben StZ und StN wären, muß er an einer ernst zu nehmenden Wahrnehmungsstörung leiden. Vom Hauptteil über Wirtschaft bis Lokal sind in beiden Ausgaben tupfengleiche Beiträge zu lesen.
    Früher habe ich als StZ-Abonnent durchaus auch mal zu bestimmten Themen eine StN dazugekauft, um unterschiedliche Sichtweisen von Themen zu bekommen. Das ist jetzt vorbei.
    Der Einheitsbrei - bis hin zu den indentischen Agenturmeldungen - macht das überflüssig.
    Und die ach so tolle Wochenendbeilage wandert bei mir idR wegen offenkundiger Belanglosigkeit nach kurzem Überfliegen als erstes ins Altpapier.
    Herr Reisinger, man kann zwar unterschiedlicher Meinung sein, aber (wahrscheinlich nicht nur) ich mag es überhaupt nicht, derartig für dumm verkauft zu werden, wie sie das mit Ihrer schönfärberei tun.
  • Müller
    am 28.04.2016
    Der Kommentator hat nicht unrecht.
    Nehmen wir doch mal das Lieblingsthema S21.
    In der STZ gab es u.a. das Dou Nauke/Braun, die hunderte kritische Artikel zu S21 schrieben.

    Das erwarte ich auch als bekennender S21-Befürworter von einer Lokalzeitung. Aber ich möchte auch über S21 sachlich informiert werden. Z.B. dass aktuell die TBM die zweite Röhre des Fildertunnels vorantreibt.
    All dies kann ich der Lokalpresse lesen.

    Ein neutraler, sachlicher Bericht in Kontext würde aber die Gegner vor Wut schäumen lassen und die Spenden werden versiegen. Das wäre gleichzeitig das Ende.
    Gab es in Kontext einen einzigen Artikel über die Chancen der Stadtentwicklung? Nein.
    Lieber schreibt man Phantastische Geschichten über den Erhalt des Kopfbahnhofes.
    Dann ist der Abonnent zufrieden. Und die Realität findet einfach woanders statt.

    PS: Abseits von S21 finde ich hier viele Artikel die über den Tellerrand schauen und die ich gerne lese.
    Und die S21-Artikel werden weniger. Kontext: schwimmt sich frei.

    Sehnsüchtig warte ich auf den Zeitpunkt an dem man sich traut über die Zukunft zu schreiben und versucht diese zu gestalten. Mit S21.
    Viel Zeit bleibt nicht.
  • adabei
    am 28.04.2016
    Man kann wohl davon ausgehen, dass der Kommentator "echte Unabhängigkeit", die ihm bei der Kontext fehlt, ausschließlich bei der StZN verortet. Ist das naiv oder interessengelenkt? Selbst Reisinger räumt ja seine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Anzeigengeschäft und den Vorgaben der Verlagsleitung ein. Und sogar die Interessen der Leserschaft scheinen doch eine gewisse Rolle in seinen Überlegungen zu spielen. Denn: Keine Publikation dieser Welt existiert völlig unabhängig. Aber eine Abhängigkeit von den Interessen - sprich Spenden - der Leser ist mir allemal lieber als die von den Renditeinteressen der Verlage.
  • Demokrator
    am 27.04.2016
    Vielleicht sollte der "Kommentator" in Zukunft einfach bei seinen "besseren" Publikationen bleiben?
  • Werner
    am 27.04.2016
    Man kann sein Blatt auch damit füllen, dass dienstags im Lokalteil ein halbseitiger Bericht kommt, der dann mittwochs in der Gesamtausgabe erscheint (oder umgekehrt). Das nennt sich dann wohl innovativ.

    Bei den etwas mehr als 20 Abbestellungen wegen der eingestellten Sonntag aktuell bin ich noch nicht dabei. Herr Reisinger, Sie dürfen mich ab heute dazuzählen.
  • Kommentator
    am 27.04.2016
    "Sie hätten eine Zeitung machen können. Und die richtig gut."
    Den Satz sollte sich die Kontextredaktion selbst hinter die Ohren schreiben.

    Kontext lobt sich zwar gerne selbst, kommt aber nicht an die eigenen Ansprüche heran. Bis jetzt ist Kontext einseitige, häufig schlecht recherchierte, tendenzöse Meinungsmache im Spendenauftrag der AntitS21Klientel, die ja das elektronische Blatt ins Leben gerufen hat und nach wie vor wesentliche Teile des Inhaltes mehr oder weniger direkt gestaltet.

    Es ist unüberlesbar dass diese sofort den Stöpsel aus der Badewanne, in der die Kontextredakteure als furchtlose Seefahrer agieren, ziehen werden, sobald die auch nur den Blick über den Beckenrand werfen.
    Etwas weniger Häme, persönliche Diskreditierungen und auch weniger billiges Lob und distanzloses Anhimmeln auf der anderen Seite wären notwendig. Mit anderen Worten echte Unabhängigkeit fehlt bei Kontext.

    Übrigens der Artikel der STN/STZ über den AFD "Star" Bernd Grimmer ist bisher das Beste was über die unheimlichen Erfolge der AFD geschrieben wurde. Man muss die Leute nicht fertig machen und dem Leser die Welt hübsch säuberlich nach gut und böse aufteilen, sondern es reicht, sie genau zu beobachten und zu beschreiben. Die Leser, man glaubt es kaum bei Kontext, können tatsächlich noch selbst denken!

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