Ausgabe 242
Medien

Krieg? Nein, Frieden!

Von Gerhard Manthey
Datum: 18.11.2015
Nach dem Anschlag von Paris ist keine Zeit für Krieg. Es ist hohe Zeit für Frieden. Meint unser Autor, der tagelang vor Fernseher, Computer und hinter Zeitungen, von "Bild" bis zur "New York Times", gesessen und das Säbelrasseln satt hat.

Die westliche Wertegemeinschaft schlägt zurück: Krieg! François Hollande: Krieg! Bundespräsident Joachim Gauck: Eine neue Art von Krieg! Die NATO: Noch kein Krieg! Ist Letzteres ein winziger Lichtblick oder nur eine Frage der Zeit, weil der Westen und das US-amerikanische Militärbündnis den russischen Präsidenten Wladimir Putin (noch) nicht verärgern wollen oder noch brauchen?

ARD und ZDF folgen dem breiten Meinungsstrom der Politik. Es wird auch schon erwogen, dass das westliche Verteidigungsbündnis auch ohne UN-Mandat den totalen Krieg gegen die Dschihadisten des IS (Islamischer Staat) führen könnte. Denn: "Der kleine 9/11-Anschlag" in Paris am Freitag, den 13. November, mit so traurig stimmenden Toten und Verletzten, trifft uns ins demokratische Mark. Menschen, die gewaltsam sterben müssen, das ist immer traurig, wo immer es ist und wie viele es sind. "Der Terror ist nah. Terror in unserer Nachbarschaft!", trommeln tagelang unsere Medien.

Paris – drei Stunden mit dem TGV von Stuttgart entfernt. Polizeikontrollen in Straßburg, Frankreich für drei Monate im Ausnahmezustand. Hektische Fahndungsaktionen in Brüssel, in den Vierteln, die sonst nie ein Politiker besucht und wo die Ausgegrenzten und mutmaßlichen Attentäter lebten oder leben, wo die Dschihadisten eine Basis haben sollen. Und aus Frankreich kommen die Kommentare: Zornige indoktrinierte Jugendliche greifen zur Bombe, bestens geschult und als Waffe gegen ihr eigenes Volk missbraucht.

"Wir sind betroffen", "wir weinen für Frankreich", "unsere Demokratie wird angegriffen!" Die ersten Kommentare der Politiker.

Die Frage, die wir uns alle stellen müssen, ist aber: warum? Wer fing an, die Feinde der Assad-Regierung mit Waffen zu beliefern? Wen haben Präsident Barack Obama, die saudischen absoluten Herrscher, die EU und die Türkei herangezüchtet, und wer hat wieder einmal zu spät bemerkt, dass die Falschen bewaffnet wurden? Jene, die sich heute IS nennen. Wie verhandelt man mit diesen? Wie können ihre Interessen wirtschaftlich und gezielt bekämpft werden? Wenn die Europäische Union ein Wirtschaftsembargo erfolgreich gegen die russische Wirtschaft in Gang setzt, dann kann sie auch die Waffenlieferungen aus Deutschland an die Saudis unterbinden oder jene des NATO-Partners Türkei an den IS.

Dürre Sätze sind es, die Obama oder ehemalige Militärs an US-amerikanischen Universitäten als kleines Schuldeingeständnis da und dort zur Lage in Syrien äußern. Vergessen wurde wohl, dass im Irak das zerbrechliche Zusammenleben von Sunniten und Schiiten gewaltsam zerstört wurde. Dass das Militär und die Parteigänger Saddams Hussein wissentlich von der "Demokratisierung" des Irak ferngehalten, dem IS in die Arme getrieben wurden. Und so wiederholen sich die gleichen Fehler wie in Afghanistan.

Dagegen steht die andere Wertegemeinschaft, Iran und Russland, die andere Interessen hat als die rohstoffschützenden Weltmächte USA und EU und die religiösen Dogmenverwalter aus Saudi-Arabien. Der "Westen" liefert Waffen an alles, was sich Opposition gegen Assad nennt. Und Russland bombt für seinen Verbündeten Assad.

In Beirut mordet der IS zur selben Zeit – ein Nichtereignis

In Beirut waren am 13. November 2015, nur einige Stunden früher, die Dschihadisten des IS mit Bomben zur Stelle – wie in Paris: 49 Tote, 240 Verletzte. ARD und ZDF berichten nur über Paris. Nur wenige Zeitungen informieren über den Anschlag in der libanesischen Hauptstadt. Unter den dort ermordeten Kindern, Frauen, Jugendlichen, Männenr waren kaum Christen, und Beirut ist weit weg.

"Was weit entfernt ist, beunruhigt uns nicht. Was uns nahe ist, berührt uns", erklärt zu später ZDF-Stunde der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen aus Tübingen, und der hauseigene "Terrorexperte" Elmar Theveßen meint, die Morde des Dschihad in Beirut würden "kaum eine Rolle spielen für unser Zusammenleben hier". So werden Nachrichten gewichtet, so kommen Ereignisse vor oder kaum oder gar nicht.

Und wieder fragt der Leser, Seher und Hörer: Aber was ist, wenn der ausgebombte Syrer, Libanese, Libyer, Jemenite als Mensch ohne Dach über dem Kopf, als vertriebener Jeside, Kurde, Alawit oder Schiit bei uns um Asyl ersuchen muss? Und "wir das nicht mehr schaffen"? Dann haben wir die Folgen der deutschen, der europäischen und US-amerikanischen Politik zu wenig ernst genommen. Denn wenn wir dort wirtschaftlich und mit Waffen Einfluss nehmen, aus den verschiedensten machtpolitischen Gründen unseres Exportes der westlichen Wertegemeinschaft, dann muss auch die von uns losgetretene Schäuble'sche "Lawine" irgendwann hier ankommen.

Es ist keine Zeit für Krieg! Es ist hohe Zeit für Frieden – und zuerst in Syrien, Jemen, im Irak, Libanon. Je schneller, desto besser, damit mit unserem Geld dort die Städte wieder aufgebaut werden können. Mit von den Bürgern gewählten Regierungen, auch wenn diese nicht unserem Geschmack entsprechen. Dann brauchen wir auch keine Seehofers, die den Zuzug von Flüchtlingsfamilien verhindern wollen.

Eine Szene auf dem Treffen der Politiker aus den 20 führenden Staaten dieser Welt in Antalya hat mir etwas Hoffnung gegeben: Barack Obama und Waldimir Putin haben, zumindest vom Augenschein her, ernsthaft miteinander gesprochen. Das ist ein Anfang. Ein weiterer wäre, wenn die mit solider und stiller Tatkraft arbeitende Oberbürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, mit ihren Bürgermeister-Brüdern und -Schwestern von Beirut, Aleppo, Brüssel und Bagdad zusammenkäme und ein Zeichen für Frieden und Integration setzen würde: "Wir sind Beirut."

Einen guten Anfang hat der französische Karikaturist Joann Sfar gemacht: "Freunde auf der ganzen Welt, danke für den Hashtag Pray for Paris", hat er geschrieben, "aber wir brauchen nicht mehr Religion – unser Bedürfnis geht nach Musik, Küssen, Leben, Champagner und Freude." Und wir gehen nach den Anschlägen in Beirut und Paris auf die Straßen. Alle, für den Frieden überall.

 

Gerhard Manthey war lange Mediensekretär bei Verdi und vertritt die Gewerkschaft weiterhin bei dem deutsch-französischen TV-Sender Arte, dessen Hauptsitz in Straßburg ist. Er ist auch Mitglied im Kontext-Vorstand.


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14 Kommentare verfügbar

  • Peter S.
    am 24.11.2015
    Danke an gast und schwabe.
    Solange die USA in ihrem hemmungslosen und brutalem Expansionsdrang auf Kosten Europas die Strategie von Regime Change im Nahen Osten (und der Ukraine) vorantreibt, bleibt der Ruf nach Frieden naiv.
    Eine IS entseht nicht über Nacht und kannn sich ohne massiven und nachhaltigen Support auch nicht ausbreiten.
    Wie finanziert sich denn der IS?
    Woher bekommt er die Waffen?
    Wer kauft ihm sein Öl ab?
    Ausser den Saudis+Co ist unser lieber Nato Partner Türkei eine Schlüsselfigur. Da kann man die PKK gleich mit im Zaum halten. Und daß tausende mit gefälschten türkischen Pässen nach Europa kommen, was solls.
    Und die verlogene Politik der USA bzw der CIA?
    Man bekommt in Jahren nicht hin was die Russen in ein paar Wochen erledigen? Wie nett.
    Ist eben nicht leicht eine IS zu bekämpfen, die man nicht bekämpfen will und dazu noch die braven Terroristen ausrüstet, deren Ausrüstung dann leider wieder bei der IS landet.
    Tatsache ist, daß ausser den Russen keiner ein Mandat in Syrien hat.
    Das gilt auch für Frankreich, wenn sie sich nicht mit der immer noch offiziell gewählten Regierung Assad abstimmen.
    Zu Assad mag man stehen wie man will, aber die Syrer fürchten mehr den Zustand ohne ihn als mit ihm.
    Libyen ist eine gute Blaupause was der Westen gerne hinterlässt.
    Und dann wundern wir uns, dass Flüchlingsströme entsehen und Terror in unsere Städte kommt.
    Wenn wir weiterhin die kriegsfördernde Politik unterstützen, wird das was wir gerade erleben nur der Anfang sein.

    Zur Beerdigung von Helmut Schmidt heute noch ein Zitat von ihm von 1981 "Mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag"
  • Schwabe
    am 19.11.2015
    Wenn man meint es kann nicht noch schlimmer kommen, setzen unsere regierenden Politiker immer noch eins drauf. Mein entsetzen ist grenzenlos darüber was sich de Maiziere erlaubt öffentlich zu sagen:
    1. „Eltern sollten Radikalisierung melden“
    Bundesinnenminister Thomas de Maizière appelliert an Eltern in Deutschland, mögliche Radikalisierungstendenzen ihrer Kinder zu unterbinden. Jeder Vater, jede Mutter, jeder Nachbar, Arbeitskollege oder Mitspieler im Fußballverein dürfe vor eventuellen Radikalisierungen nicht die Augen verschließen.
    Niemand sollte sich schämen, wenn er auf verdächtige Veränderungen von Menschen hinweise, sagte der Innenminister bei der Herbsttagung des BKA in Mainz. „Es ist kein Verrat am eigenen Sohn, an der eigenen Tochter, an der eigenen Familie, am eigenen Kollegen, kein Verrat am Mitschüler, sondern ein Ausdruck von Sorge und ein Zeichen von Liebe und Gemeinschaft, wenn man dafür sorgt, dass solche Radikalisierungsprozesse abgebrochen werden“, so der CDU-Politiker weiter.
    Quelle: ZDF heute

    Anmerkung C.R.: Ist das, was der Bundesinnenminister hier fordert nicht eine Art „Stasi light“? Eigentlich sollte man meinen, dass in Deutschland die Zeiten von Denunzianten – insbesondere innerhalb von Familien – vorbei waren/sind.

    Das geht m.E. weit über "Stasi light" hinaus! De Maiziere demokratisiert sozusagen die Stasimethoden und spaltet und verunsichert die Bevölkerung in Deutschland damit auf übelste Art und Weise.

    Weiteres Anheizen der m.E. bewußten Verunsicherung der Bevölkerung in Deutschland durch de Maiziere:
    2. Denkwürdige Absage
    Das ist eine denkwürdige Pressekonferenz nach der kurzfristigen Absage des Länderspiels in Hannover gestern Abend gewesen. Da wartet der Bundesinnenminister geduldig, bis auch die ARD ihr Tonkabel gefunden und angeschlossen hat, um dann ein Statement abzugeben, bei dem vermutlich auch die NSA ihre Schwierigkeiten hätte, irgendeinen speicherbaren Inhalt festzustellen.
    Der Minister bat um einen Vertrauensvorschuss und entgegnete auf die Nachfrage von Journalisten, die wissen wollten, was da eigentlich in Hannover passiert war: „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“. Ein Satz, wie gemalt für die nächste Verkehrskontrolle oder Kabarettsendung. Das Schlimme ist nur, dass unsere Medien den Vertrauensvorschuss auch gewähren und melden, dass da irgendwas gewesen sein muss. Nur was? Das erfährt der verunsicherte Bürger nicht.
    Quelle: TauBlog

    3. Mit Sicherheit verunsichert
    Nur wenn die Bürger genug wissen, können sie mit der Terrorgefahr richtig umgehen. Die Behörden haben gute Gründe, vieles für sich zu behalten. Die Angst bleibt. […]
    Doch jede Information zu verweigern, noch dazu mit dem Hinweis, das würde nur beunruhigen, sorgt nicht für Vertrauen in die Arbeit der Polizei und der Geheimdienste. Im Gegenteil. Eine demokratische Öffentlichkeit basiert auf der Idee, dass sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. Doch dafür muss er die Fakten kennen. Vertrauen allein genügt nach diesem Konzept nicht.Schließlich wirkt es eher kontraproduktiv, jegliche Information zur Absage eines Fußballspiels zu verweigern, noch dazu mit dem Hinweis, das würde nur beunruhigen. […]
    Allein in diesem Jahr wurden aufgrund von Terrorhinweisen mehrere große Veranstaltungen abgesagt. Zum Beispiel der Schoduvel, der Karneval in Braunschweig. Nach einer Terrorwarnung für das Zentrum der Stadt wurden Zehntausende nach Hause geschickt. Hinterher konnte die Polizei keine Belege finden, dass wirklich eine Gefahr bestanden hatte. Ähnlich war es bei der abgesagten Pegida-Demonstration im Januar in Dresden oder bei den Terrorwarnungen im März in Bremen. Gründe wurden auch im Nachhinein von den Sicherheitsbehörden nicht genannt. Dabei würde es allen die Möglichkeit geben, die Entscheidungen zu verstehen, es würde sie nachvollziehbar machen. Auch dann, wenn sich die Warnungen als unbegründet erwiesen haben.
    Quelle: Zeit Online

    4. Der trainierte Terror
    Wie bereits berichtet (Paris, der Terror und die Übungen), fand am Morgen der Anschläge in Paris eine Notfallübung statt, bei der ein Szenario trainiert wurde, das dem glich, was wenige Stunden später Realität wurde: Angriffe einer „bewaffneten Gruppe“ an „mehreren Orten in Paris“, inklusive einer hypothetischen „Massenerschießung“, wie Dr. Mathieu Raux, ein leitender Pariser Notarzt erklärte. Laut Raux hatte so gut wie jeder Pariser Notarzt, der Freitagabend im Dienst war, auch an der Übung am selben Tag teilgenommen, was eine rasche und koordinierte Reaktion auf die Anschläge nochmals verbessert hätte.
    Eine Anfrage an den französischen Rettungsdienst SAMU, wie oft solche Übungen stattfinden, blieb zunächst unbeantwortet. Laut eines Berichtes gab es seit den tödlichen Angriffen auf die Redaktion der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ im Januar diesen Jahres „regelmäßige Übungen“ der Pariser Notfallkräfte.
    Die Gleichzeitigkeit für sich genommen ist wohl kaum mehr als ein ungewöhnlicher Zufall. Eine weitergehende Prüfung ergibt allerdings, dass vielen der bekanntesten Terroranschläge der letzten 15 Jahre in westlichen Metropolen (Paris 2015, Boston 2013, Norwegen 2011, London 2005, Madrid 2004, New York und Washington 2001) Notfallübungen unmittelbar voraus gingen, die oftmals auch noch einem Szenario folgten, das ganz ähnlich dann Realität wurde.
    Quelle: Telepolis

    Die Beiträge 1. - 4. sind alle aus den www.Nachdenkseiten.de entnommen (Hinweise des Tages)
  • Maria Peters
    am 18.11.2015
    passend hierzu der Vortrag von Michael Lüders:

    Wer den Wind sät… Was westliche Politik im Orient anrichtet | Michael Lüders | SWR Tele-Akademie

    https://www.youtube.com/watch?v=syygOaRlwNE

    Veröffentlicht am 15.04.2015
    http://www.tele-akademie.de - (ungeschnittene Orginalversion)

    Beginnend mit dem inszenierten Putsch gegen die Regierung von Mossadegh 1953 analysiert Michael Lüders die Folgen westlicher Politik in der arabisch-islamischen Welt.
  • Klaus
    am 18.11.2015
    Frieden durch Krieg?

    Das klingt schon bei George Orwell nicht richtig - und wird auch heute nicht funktionieren.

    Aufklärung, Bildung, Wohlstand, gerechte Vermögensverteilung, Gewaltlosigkeit, Liebe, Weisheit, Mitgefühl.

    Das scheint mir eine bessere Mischung.

    So ließe sich vielleicht vielleicht ohne Garantie das "All-Eins-Sein" erkennen.

    Auch aber nicht nur in den zivilisierten Ländern des Westens.

    Wem nutzt die Ungleichheit, der Fanatismus usw.?

    Allein der Afghanistan-Krieg soll ja bereits 400 Milliarden USD gekostet haben. Oder auch der Geldempfänger-Seite eingebracht haben.
  • Gast
    am 18.11.2015
    Wer kauft dem IS das Öl ab? Wer liefert die Waffen? Welche Banken überweisen die staatlichen und privaten Spenden, von denen Russland anscheinend weiß?
    Wer macht aus einer Opposition eine bewaffnete Opposition und nennt diese terroristisch vorgehenden Gruppierungen dann gemäßigt, weil sie noch nicht offiziell den Kalifen anerkannt haben?
    Wer erzählt Abend für Abend Schauergeschichten über Assad den Schlächter, ohne sich im Geringsten um eine korrekte Darstellung der Entwicklung in den einzelnen Ländern zu bemühen?
    Vergleiche von Fernsehsendungen und Spiegel-Artikel aus der Zeit von vor 25 Jahren mit heutigen Exemplaren machen deutlich, was gemeint ist

    Alle diese konfliktverschärfenden Angelegenheiten erfordern zu ihrer Behebung keinen militärischen Einsatz, wohl aber den entsprechenden politischen Willen.

    Schon im Jugoslawienkrieg sind politische Fragen vom Donner der in den Abendhimmel von italienischen Flughäfen aus aufsteigenden Kampfjets übertönt worden.
    Die mangelnde Präzision in der politischen Analyse ist verdeckt worden von der Detonation sogenannter Präzisionswaffen. Verstümmelungen sind angeblich abgewendet worden durch chirurgisch präzise Bombardierungen, die höchstens Kollateralschäden hervorgerufen haben, niemals aber das massenhafte Verbrennen bei lebendigem Leib, begraben unter Trümmern.
    Die Zahl der Toten und Verwundeten ist seither noch gewaltig gestiegen. Wie lange dauert es, bis diese Grundlage von Gewalt und Terror beseitigt sein wird? Welche positive Wirkung können da Militäreinsätze haben?

    Alles blöde Fragen,ich weiß. ARD, ZDF, Brennpunkte und Talk Shows haben sie aber bis heute nicht beantwortet, die großen Printmedien auch nicht.
    Vielleicht hat diese massenhaft mangelhafte Einsicht in die vielfältigen Ursachen ja auch mit der jetzigen Situation zu tun, die sich so ganz allmählich vom "Wir schaffen das" hin zur "angespannten Sicherheitslage" verändert.
  • Kornelia
    am 18.11.2015
    Sollte auch nicht über sehen werden...
    https://www.radio-utopie.de/2015/11/16/terrorgesetze-die-eigentlich-haetten-geprueft-werden-muessen-bis-2021-verlaengert/
    "Am 5. November verlängerte der fast leere Bundestag das Artikel 10-Gesetz, das Bundesverfassungsschutzgesetz, das BND-Gesetz, das Bundeskriminalamtgesetz, das MAD-Gesetz, das Sicherheitsüberprüfungsgesetz und das Straßenverkehrsgesetz in seiner jetzigen Form bis zum Jahre 2021. Alle Gesetze wären sonst in ihrer jetzigen Form am 10. Januar 2016 ausgelaufen.

    Keiner der wenigen anwesenden Abgeordneten erwähnte das tatsächliche Ausmaß dieses Vorgangs auch nur mit einem Wort."
  • Schwabe
    am 18.11.2015
    Vielen Dank Gerhard Manthey und der Kontext Redaktion für diesen wohltuend friedliebenden Artikel der die Dinge darstellt wie sie sind.

    Meine Sorge ist jetzt, dass die verabscheuungswürdigen Anschläge (insbesondere der in Paris) mit dazu beitragen werden den (Stellvertreter)Krieg in Syrien weiter zu entfachen (über die Köpfe der Bevölkerungen hinweg).
    Die westliche Welt hat es mit seiner Aggression und Provokation gegen freie und selbständige Länder des Nahen Ostens (nicht zuletzt in der Ukraine) geschafft, Russland mit in die militärische Auseinandersetzung hineinzuziehen. Wer glaubt, dass insbesondere die USA den "Regime Change (Regierungswechsel - Sturz von Assad)" in Syrien und ihren Hauptfeind Russland aus den Augen verloren hat ist naiv und unterschätzt die den Weltfrieden (zer)störenden geostrtegischen aggressiven Machtinteressen der USA - immer kaschiert mit dem Hinweis auf die demokratischen Werte der westlichen Welt. Dem sollten wir uns als Bevölkerung nicht anschließen - unsere derzeitigen europäischen Regierungen werden es jedoch tun! Darum seid wachsam und werdet/bleibt nachdenklich!

    Außerdem bin ich dafür offiziell nicht mehr vom IS (Islamischen Staat) zu sprechen, sondern vom A-IS (Anti-Islamischen Staat). Das wird denen nicht gefallen.

    Zum Schluß ein paar Links die zum nachdenken anregen sollen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=28776 Terrorismus - auch Mütter aus Bagdad, damaskus und Kundus weinen um ihre Kinder
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=28785 Wenn Krankenhäuser zum Ziel werden
  • Hartmann Ulrich
    am 18.11.2015
    Natürlich kann man darüber nachdenken, ob eine militärische Antwort jetzt wirklich erfolgversprechend ist. Aber mir fällt auf: Direkt unter diesem "Friedens"-Artikel steht "Weinheim wehrt sich". Wenn es um rechtsradikale Meinungen geht, findet man in Ihrem Blatt schnell die Forderung: "Verbieten, verhindern, einsperren..." Wenn es aber um eine Organisation geht, die Frauen nicht einmal erlaubt, ihre Nase öffentlich zu zeigen, die zahlreiche Christen kreuzigt und noch mehr Muslime ermordet, die sie für "Ungläubige" hält, die Attentate auf Menschen organisiert, die ein Rockkonzert oder ein Fußballspiel besuchen - da lauten die Reaktionen in "kontext": Toleranz, Frieden, Verständnis, Dialog.
    Hier wird Friedensliebe, zurückhaltend ausgedrückt, zu Hartherzigkeit. Erst recht bei einigen Kommentaren zum Artikel. "Zufriedene Menschen sprengen sich nicht in die Luft"? Auch unzufriedene töten sich und andere normalerweise nicht, es sei denn, sie werden dazu gebracht. In diesem Fall durch den "IS". Mit dem kann es keinen Frieden geben, weil sein Wesen der Krieg, besser: das Töten, ist.
  • Kornelia
    am 18.11.2015
    So wird "tatendürstig" (Bush machte ja Ähnliches und verursachte einen jahrzehntelangen "Flächenbrand" mit lug und betrug!)
    Die Attentäter kommen aus der Nachbarschaft, Franzosen\Belgier....
    Logische Schlußfolgerung (Achtung Zynismus!) müsste doch sein das eigene Wohnzimmer bebomt werden....

    Aber jetzt die Interessen Frankreichs in Syrien verteidigen, Kopfschütteln....


    Mit jedem widerrechtlichen DrohnenMord, mit jeder widerrechtlichen Guantánamo-Einkerkerung wird zig neuer Hass gesät....(und die sogenannte Wertegemeinschaft West heizt dazu an!)

    (Bush hat nicht "umsonst" alle Friedensinstitutionsgelder in Waffen umgewandelt!!)
    Ja, es ist Zeit für eine starke Friedensbewegung!
  • Kornelia
    am 18.11.2015
    Zur Erinnerung:
    Jens Stoltenberg, Norwegen:
    https://www.freitag.de/autoren/stefan-simon/die-stimme-der-vernunft
    "Wir sind entrüstet über das, was uns getroffen hat, aber wir werden nie unsere Werte aufgeben. Unsere Antwort wird mehr Demokratie sein, mehr Offenheit und mehr Menschlichkeit. Aber nie Naivität."
  • Ulrich Scheuffele
    am 18.11.2015
    danke Gerhard Manthey, der Artikel ist mir aus dem Herzen gesprochen. Im Grunde geht es nur darum, Waffen unters Volk zu bringen. Der größte Feind der Waffenindustrie ist der Frieden.
    Der Konflikt mit der IS kann nur intern unter den Arabischen Staaten gelöst werden. Im übrigen trauere ich auch um die Terroristen, dies sind junge Menschen, die ihr Leben für eine kranke Idee geopfert haben.
  • invinoveritas
    am 18.11.2015
    Diese Betrachtung ist nicht wohltuend, sondern ein ärgerliches, ideenflüchtiges Stammeln, das in einen nebligen Fundamentalpazifismus flieht.

    Manthey bedient die übliche Medienschelte und datiert, um wahrheitswidrig das Ausbleiben von Berichterstattung bemäkeln zu können, den Beiruter Anschlag um einen ganzen Tag nach vorn, will Leute wie Gauck partout in die Kriegstreiberecke bugsieren, erfindet die bisher noch nirgends sonst gehörte Formel vom "totalen Krieg" und verweist uns dann auf hinlänglich Bekanntes: Waffenlieferungen, wirtschaftliche Interessen und die ihm ins Schema passenden Teile der Entstehungsgeschichte des IS.

    Das ist so atem- wie hilflos. Schafft aber die richtige Atmosphäre für seinen Posaunenstoß "Es ist keine Zeit für Krieg! Es ist hohe Zeit für Frieden".

    Man kann darüber streiten, ob der Begriff "Krieg" angemessen ist; man muss selbstverständlich alle politischen und diplomatischen Hebel in Bewegung setzen; man muss endlich mit diesen skandalösen Waffenexporten und Ölgeschäften Schluss machen; man muss sich endlich ernsthaft um die abgehängten muslimischen Jugendlichen in den europäischen Vorstädten kümmern; prinzipiell muss der reiche Westen eine weniger egoistische und heuchlerische Außen- und Wirtschaftspolitik betreiben. Was dennoch nicht geht, ist der Ausschluss auch militärischer Mittel gegen einen Feind, der derartige Massaker veranstaltet, Flugzeuge explodieren und im Übrigen keinen Zweifel daran lässt, dass er riesige Territorien im Nahen Osten und in Europa seinem wahnhaften Machtanspruch unterwerfen will.

    Mit seiner Mordlust, mit seiner Parole "Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod" macht sich der IS selbst zu einem Krebsgeschwür auf diesem Planeten.

    Als der deutsche Faschismus seine Eroberungszüge begann, hat sich die Welt gegen ihn gestellt. Das war richtig, denn auch er ließ ihr damals keine andere Wahl. Und auch Gerhard Manthey hätte anno 1941 wohl kaum vor Säbelrasseln gewarnt, Churchill als Kriegstreiber hingestellt und darüber räsoniert, wie sehr das Entstehen der Nazi-Bewegung erst so recht ermöglicht worden sei durch den Vertrag von Versailles.

    Heute aber, da es gegen den verhassten Westen geht, ist ihm jedes eskapistische Geschwurbel recht.
  • Monika Welke
    am 18.11.2015
    Ein großartiger Artikel! Ich frage mich bei all dem Kriegsgeschrei,
    was wirklich hinter den Anschlägen steckt. Die einzige Möglichkeit
    dem entgegen zu treten ist, sich für Frieden einzusetzen. Das sollten wir in großer Anzahl tun.
  • Markus Hitter
    am 18.11.2015
    Eine wohltuende Betrachtung. So schlimm die Ereignisse sind, so fehl am Platz ist jetzt Kriegstreiberei.

    Die Terroristen sprengen sich nicht in die Luft, weil sie das lustig finden. Sie betrachten es als notwendiges und sinnvolles(!) Opfer. Selbstverständlich gehen derlei Aktionen um ein Vielfaches zu weit und die Täter gehören bestraft, die Hintergründe aufgeklärt.

    Gleichzeitig sollte man jedoch nicht vergessen, auch die Ursachen dieses Hasses zu suchen, aufzuklären, zu betrachten. Die Gründe, warum mehr als ein paar Einzelne ihr ganzes Leben der Aufgabe widmen, ein paar andere Menschen möglichst effektvoll umzubringen. Dort, und nur dort, kann man Terrorismus wirksam entgegen treten. Zufriedene Menschen sprengen sich nicht in die Luft.

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