Karikatur: Kostas Koufogiorgos

Ausgabe 197
Debatte

Wir sind Charlie

Von unserer Redaktion
Datum: 07.01.2015
Auch Kontext erklärt sich solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen bei der französischen Zeitung "Charlie Hebdo". Über die Trauer hinaus geht es um die Verteidigung der Meinungs- und Pressefreiheit. Mitgetragen wird die Erklärung von alternativen Medien in Baden-Württemberg: Seemoz (Konstanz), Neue Rottweiler Zeitung (Rottweil), Rheinneckarblog (Mannheim) und Blix (Aulendorf).

Der gezielte Mordanschlag auf die Mitarbeiter des Satire-Magazins "Charlie Hebdo" in Paris wird als der Beginn des Krieges zwischen den Salafisten und ihren Widersachern auf europäischem Boden in aktuellen Talkrunden gedeutet. 

Es ist ein Anschlag auf die Presse- und Meinungsfreiheit. Deshalb schweigen wir eine angemessene Zeit und solidarisieren uns – und machen unerschrocken weiter. "Nous sommes CHARLIE", wir sind "Charlie Hebdo".

Das Prinzip der rückhalt- aber nicht rücksichtslosen Berichterstattung gilt es gerade in diesen Zeiten an jeder Stelle zu verteidigen. Unsere einzige Waffe gegen die Erzeuger von Populismus, Dummheit und Gewalt ist eine ständige, wahrheitsgemäße und an die Grenzen gehende Berichterstattung.

Nicht eine weit gefasste Meinungsfreiheit gefährdet den Frieden einer Einwanderungsgesellschaft, sondern eine schlechte Politik, die den Aufgaben der Migration und der mitverursachten Kriege in der Welt nicht gerecht wird.

Die Folgen von Welt- und Großmachtpolitik werden von den Terroristen jetzt in unsere Länder zurückgetragen. Gewalt gegen Gewalt ist ihre Logik, während die BürgerInnen in den Städten Deutschlands und Europas gleichzeitig um die Integration und die Ausgrenzung von Fremden und Andersgläubigen streiten. Unsere Aufgaben sehen wir darin, nach den Ursachen dieses Hasses im Namen von Religion zu fragen, sowie Fanatismus und Gewalt entschieden zurückzuweisen.

Geben wir den Menschen also weiter zu denken und zu diskutieren, als JournalistInnen und als AutorInnen. Wie etwa Michel Houellebecq in seinem neuen Roman "Unterwerfung", der kommende Woche seine Leser finden soll. Lesen wir gemeinsam, reden wir miteinander und sind friedlich – auch wenn uns die Meinung der Andersdenkenden nicht gefällt.

Wir sind Charlie. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir machen weiter.

Oder mit Karola Bloch gesprochen: "Unsere Aufgabe ist es, unaufhaltsam aufzuklären, das Bewusstsein der Menschen wachzurütteln. Andere Waffen haben wir nicht."


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10 Kommentare verfügbar

  • By-the-way
    am 12.01.2015
    @ Stephan Becker 11.01. 15.38 Uhr
    Danke für das Einstellen Ihres Cartoon zum 11.09.2001.
    Ich würde mal sagen, der passt exakt zum Anlaß und zwar gleich in doppelter Hinsicht:
    Satire und die Wahrheit dahinter!

    @ Schwabe 12.01. 14.46 Uhr
    Da liegen Sie richtig, das riecht förmlich nach der CIA!

    Seltsam, das "Top-Terroristen" einen Ausweis in Fluchtauto legen, quasi als Visitenkarte ;-))
    Sieht aus, wie wenn das Jemand inszeniert hätte, eine Spur, so breit wie eine Autobahn...

    Auch seltsam, dass ausgerechnet Obama bei den Trauerfeierlichkeiten nicht dabei war
    - oder eben auch nicht seltsam ....

    Seeeeeeeeehr seltsam, das alles ....
  • Schwabe
    am 12.01.2015
    @By-the-way
    Es wäre nichts neues wenn Regierungen morden um Interessen zu wahren bzw. durchzusetzen indem sie die Bevölkerung täuschen und in Angst und Schrecken versetzen. Erst Recht dann nicht wenn die USA als Vorbild dient.
    Seit den Untersuchungen diverser Komplotte und Terroranschläge gegen Staats- und Regierungschefs wie Pazrice Lumumba, Fidel Castro oder Salvador Allende durch den Senat der USA wurden die Aktivitäten der CIA von der Öffentlichkeit argwöhnisch verfolgt. Ab 1975 ging man daher subtiler vor und infiltrierte z.B. "linke" wie "rechte" Foren.
    Bis heute ist es eine bewährte Strategie mithilfe von Fanatikern Unruhen zu schüren - einen Krieg in Kauf nehmend - um dann "ordnend" und im Namen von Demokratie und Freiheit eingreifen zu können. Als Initialzündung und offizieller Interventionsgrund dient ein passender Zwischenfall, der dem Gegner offiziell und mit Hilfe der Medien in die Schuhe geschoben wird.
    Man betrachte nur die aktuellen Unruheherde in Syrien und der Ukraine (wo der vom Westen gewünschte Machtwechsel bereits stattgefunden hat). Anschläge im eigenen Land dienten in der Geschichte schon oft dazu die eigene Bevölkerung aufzuhetzen und damit auf Kurs zu bringen.
  • Stephan Becker
    am 12.01.2015
    Im Jahr 2008 erstellte der französische Karikaturist und Kolumnist Maurice Sinet für eine französische Zeitschrift einen Artikel (und Karikaturen?) über den Sohn und die Schwiegertochter von Nicolas Sarkozy. Irgend jemand fand dieser sei beleidigend und man forderte daraufhin eine öffentliche Entschuldigung von Sinet. Der erklärte, dass er dies unter keinen Umständen tun werde. Daraufhin wurde der Karikaturist von der Zeitschrift entlassen. Die Zeitschrift war Charlie Hebdo. Kann man im Internet nachlesen.
  • Stephan Becker
    am 11.01.2015
    Wann werden wir auf die Straße gehen, um den dutzenden von Muslimen zu gedenken, die jede Woche durch westliche Kugeln/Bomben/Drohnen als "Kollateralschäden" bei der Sicherung der westlichen Rohstofflieferungen/Finanzierungsvorgänge(Mohnanbau in Afghanistan) bzw. beim Kampf gegen den "Terror" ums Leben kommen? D.h. in den muslimischen Ländern kommen jede Woche mehrere Charlie-Hebdo-Redaktionen ums Leben. Und ich rede gar nicht von den Millionen Toten in den gewaltätigen Auseinandersetzung mit westlicher Beteiligung oder Unterstützung seit 1990 (1. Golfkrieg). Das ist für uns quasi normal. Ich finde das ein bischen krank.

    Hier sind ein paar witzige Comics (Von Kaymak/Hauß) zu einem kleinen Ausschnitt aus der Geschichte der USA:

    A Short History Of Times
    http://www.medienanalyse-international.de/shorthistory.html
  • By-the-way
    am 10.01.2015
    "Ermittelnder Kommissar begeht Selbstmord"

    Im Netz gefunden:

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/01/10/terror-in-frankreich-ermittelnder-kommissar-begeht-selbstmord-2/

    Ich weiss nicht, wie seriös diese Quelle ist, aber wenn das wahr ist ...

    Alle Beteiligten TOT.
    Damit keine Aufklärung mehr möglich.

    Alles Weitere ist Staatspropaganda.
    Immer die selbe Frage, wie zum 30.09.2010 in Stuttgart:

    WER GAB DEN BEFEHL ?!!!
  • CharlotteRath
    am 10.01.2015
    Vorratsdatenspeicherung als Mittel gegen Terror?
    Zwei lesenswerte Artikel, informativ der eine, kommentierend der andere:
    http://www.sueddeutsche.de/digital/vorratsdatenspeicherung-mit-sammelwut-gegen-den-terror-1.2297201
    http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-den-anschlaegen-von-paris-die-wahre-bedrohung-der-freiheit-1.2298461

    Zu den möglichen Hintergründen der Tat ein dritter Artikel:
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/terror-in-frankreich-was-wir-ueber-die-attentate-in-paris-wissen-und-was-nicht-1.2298407
    Tja. Welche Perspektiven bieten wir jungen Menschen, die unverschuldet auf der 'Verliererseite' des Lebens gelandet sind?
    "In Deutschland wächst die Zahl der Kinder, die auf Hartz IV angewiesen sind. Im Mai 2014 lebten gut 1,64 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Hartz-IV-Haushalten"
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/kinderarmut-mehr-kinder-bekommen-hartz-iv-sgb-ii-13202628.html
    Und trotz der Bildungsbemühungen in den letzten Jahren verlassen noch immer jährlich rund 50.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss...
  • mental
    am 09.01.2015
    Gut, dass es die Kontext Wochenzeitung gibt.

    Viele Medien erklären sich derzeit solidarisch mit den Opfern der Bluttat, obwohl sie selbst eher wenig mutige Artikel veröffentlichen.

    Im Vergleich ist diese Zeitung eine Wohltat!
  • CharlotteRath
    am 09.01.2015
    Auf welchen Fakten baut die Feststellung auf, schon wenige Stunden nach dem Anschlag quer durch fast alle Medien veröffentlicht, dass hier militante Islamisten am Werk waren?

    So zynisch es sich zum jetzigen Zeitpunkt für manche anhören mag: Wem nutzt der Anschlag? Dem Ansehen der moslemischen Glaubensrichtungen doch wohl eher nicht.

    Ohne "Verschwörungstheorien" basteln zu wollen: Die bisherigen Informationen und spärlichen Ermittlungsergebnisse lassen mehr als nur eine Deutungmöglichkeit zu.

    Und: Mit dem Anschlag wurde nicht nur die Presse- und Medienfreiheit angegriffen. Weitere Freiheitrechte stehen nun in Gefahr, angegriffen zu werden - Religionsfreiheit, Niederlassungsfreiheit, informationelle Selbstbestimmung ... bis hin zu elementaren Menschenrechten wie dem Recht auf Leben. Front National plädiert prompt für die Todesstrafe, z.B. http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-anschlag-auf-charlie-hebdo-marine-le-pen-will-todesstrafe-wieder-einfuehren/11201422.html.
    Sind solche Reaktionen im Hinblick auf unser gemeinsames Zusammenleben, auf unser europäisches Werte- und Rechtssystem nicht mindestens so gefährlich wie das Attentat?

    Wir sollten alle sehr wachsam sein: Es darf keine Vereinnahmung der Tat durch "rechts" (oder "links") akzeptiert werden, ob populistisch, politisch oder von staatlicher Seite.

    Solidarität à la Charlie ist das eine. Das andere: Nun können die Medien zeigen, wie gut (oder schlecht) sie als "Vierte Gewalt" gegenwärtig sind. Werden sie an der Aufklärung der Tat und ggf. ihrer Hintergründe genauso intensiv dran bleiben, wie dort jüngst jeweils über das Attentat berichtet wurde?
  • Schwabe
    am 09.01.2015
    "Nicht eine weit gefasste Meinungsfreiheit gefährdet den Frieden einer Einwanderungsgesellschaft, sondern eine schlechte Politik, die den Aufgaben der Migration und der mitverursachten Kriege in der Welt nicht gerecht wird.
    Die Folgen von Welt- und Großmachtpolitik (USA, EU und Nato - Anmerkung von mir) werden von den Terroristen jetzt in unsere Länder zurückgetragen. "

    Mehr gibt es m.E. nicht zu sagen über die Vorkommnisse auf unserem Planeten!

    Um es mit den Worten von Jean Jaures (1859-1914) auszudrücken - sozialdemokratischer Abgeordneter der französischen Nationalversammlung - und aufgrund seines Widerstandes kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs hingerichtet: "Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen".
    Meines Erachtens ein weiterer zutreffender Spruch: "Die Geister die ich rief..."!
  • caesar von struwe
    am 09.01.2015
    das mannheimer Journal würde sich auch anschließen
    gez.: struwe

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