Das Suso-Gymnasium in Konstanz sieht so aus, wie man sich Schulen vorstellt. Historische Fassade, verwinkelte Flure, breite Treppenaufgänge. 1911 gebaut, ist es das älteste Gymnasium der Stadt. Mehr als 600 Schüler:innen lernen hier. Es gibt eigene Klassen für Hochbegabte, man kann hier Latein und Altgriechisch lernen, aber eines können Schüler:innen hier kaum – Demokratie praktisch im Schulalltag erleben.
Bei allem Guten, was man über die Schule auch sagen kann, ist das für Elaine Payer dann doch ein Problem. Gerade erst habe es so einen Fall gegeben: "Wir haben intensiv über die Handynutzung an unserer Schule diskutiert, aber am Ende wurde doch anders entschieden, als wir angeregt hatten. Da hatten wir nicht das Gefühl, dass unsere Bemühungen gehört und wertgeschätzt wurden", sagt die 17-Jährige, die sich seit Jahren in der Schülervertretung ihrer Schule engagiert.
Das Konstanzer Suso-Gymnasium ist da kein Einzelfall. In einer Umfrage unter Konstanzer Schüler:innen hatte kürzlich fast jede:r zweite Befragte gesagt, sich in der Schule machtlos und ausgeliefert zu fühlen. Das passt zu den Ergebnissen deutschlandweiter Untersuchungen. Jugendstudie um Jugendstudie belegt: Junge Menschen fühlen sich nicht gehört. Das Problem: Menschen, die sich nicht wahrgenommen fühlen im öffentlichen Diskurs, werden unzufrieden und wenden sich ab.
Demokratie lernt man, indem man sie übt
Das war auch der Grund, weshalb Lena Knapp irgendwann dachte, so kann es nicht weitergehen. Sie ist Lehrerin an der Peter-Thumb-Schule, einer kleinen Gemeinschaftsschule in Hilzingen (Kreis Konstanz). "Wir müssen unseren Kindern zeigen, was Demokratie bedeutet. Nicht nur theoretisch im Politikunterricht, sondern ganz praktisch im Alltag", findet Knapp. Lernen durch eigenes Erleben: Das sei der Schlüssel, um demokratische Werte nachhaltig weiterzugeben. Wie funktioniert Teilhabe, wie kann man in Demokratien mitgestalten, "das zu vermitteln, finde ich zentral in Schulen", sagt Knapp.
Deshalb hat sie auch eine der Jugendkonferenzen des baden-württembergischen Kultusministeriums an ihre Schule geholt. Ein Dienstag im Juni. Rund 60 Schüler:innen sitzen an mehreren Tischen verteilt in der Turnhalle der Schule. Die Stimmungslage? Irgendwas zwischen aufgekratzt und angespannt. Für die meisten ist nicht so ganz klar, was sie an dem Vormittag erwartet.




0 Kommentare verfügbar
Schreiben Sie den ersten Kommentar!