Bekannt ist das seit Jahren, geändert hat sich aber eher wenig. Die Schule schleppte sich von Zwischenlösung zu Zwischenlösung, wurde vertröstet und hingehalten. Bis heute. Statt des dringend nötigen Erweiterungsbaus kommen jetzt erstmal wieder Container, in denen die Kinder lernen sollen. Die neuen Container sollen zumindest besser ausgestattet sein als das, was bislang auf dem Schulhof steht.
Konstanz ist in dieser Misere kein Einzelfall: Überall in Deutschland gibt es kaputte Schulen. Der Investitionsstau im Schulbau liegt bundesweit bei 68 Milliarden Euro. Und doch ist die Situation am Bodensee speziell. Vor vier Jahren hat die Stadt die notwendigen Investitionen in Schulen und Sporthallen auf rund 226 Millionen Euro beziffert.
Die Konstanzer Lösung: Hoffen auf die Zukunft
Nach den Haushaltsberatungen 2025 war wegen des Spardrucks nur noch etwas mehr als ein Zehntel davon übrig. Und das angesichts von Herausforderungen wie Rückkehr zu G9, Ganztagsanspruch an Grundschulen und stetig wachsenden Schüler:innenzahlen.
Statt bestehende Schulen auszubauen, hat die Konstanzer Lokalpolitik entschieden, den Fokus auf den Neubau zweier Schulen im neuen Wollmatinger Wohngebiet "Hafner" zu legen. Die werden aber frühestens 2031 fertig. Für die aktuelle Schüler:innengeneration zu spät. Deshalb fragen sich manche in Konstanz jetzt: Wird für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft der Bildungserfolg einer ganzen Generation geopfert?
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) dokumentiert regelmäßig den Stand beim Schulbau. Zuletzt stellten sie fest: In keinem anderen Bereich der Infrastruktur sind Investitionen notwendiger als hier. Schließlich seien funktionierende Schulbauten wesentlich für den Bildungserfolg junger Menschen.
Es ist nicht so, dass sie das in der Konstanzer Stadtverwaltung nicht auch wüssten. Man kann der Stadt nicht mal vorwerfen, in den vergangenen Jahren nicht in den Schulbau investiert zu haben. Zwischen 2017 und 2025 sind 40 Millionen Euro in Neubauten und Sanierungen geflossen. Aktuell das größte Projekt: 2031 sollen eine neue Grundschule und eine neue Verbundschule aus Gymnasium und Gemeinschaftsschule eröffnet werden. Kostenpunkt inklusive zweier Sporthallen: 116 Millionen Euro.
Die vielen Gründe der Misere
Trotzdem reicht es nicht aus. Im Frühjahr 2025 haben alle Konstanzer Schulleitungen einen Brandbrief an die Stadtverwaltung geschrieben, in dem sie die "massiven Kürzungen" bei den Schulen kritisierten. Hintergrund war der von der Stadt ausgerufene Planungsstopp bei notwendigen Erweiterungsbauten. "Ja, das war nicht gut von uns. Wir hätten die Auswirkungen der Haushaltsberatungen klarer gegenüber den Schulen kommunizieren müssen", sagt Frank Schädler, Leiter des städtischen Amts für Bildung und Sport.
Er sitzt am Besprechungstisch seines Büros, auf dem Tisch liegen ausgedruckte Grafiken zur Entwicklung des Schulbaus. Er will erklären, wie der Investitionsstau in Konstanz entstanden ist. Schnell wird klar – es gibt nicht den einen Grund, sondern sehr viele verschiedene. Die Folgen der globalen Krisen, schrumpfende Budgets für Bau und Unterhalt der Gebäude, massive Preissteigerungen im Bau, gestiegene Anforderungen bei Brandschutz, Klimaschutz und pädagogischen Konzepten sowie begrenzte personelle Ressourcen im Hochbauamt.
Ein Versprechen: Bemühen um das Beste
Letztlich seien die Fragen rund um die Finanzierung von Schulbau aber auch gesellschaftspolitische Fragen, findet Frank Schädler: "Was ist einer Gesellschaft Bildung wert? Da sind wir als kleine Kommunalverwaltung relativ weit weg, direkten Einfluss zu nehmen. Aber wir versuchen unter den Rahmenbedingungen, die wir haben, das Beste für die Schulen rauszuholen."
Ob das wirklich immer so geschehen ist, da hat Manfred Hensler so seine Zweifel. Hensler war früher Rektor einer Berufsschule in Konstanz, heute sitzt er für die FDP im Gemeinderat. Er wolle der Stadt das Bemühen nicht abstreiten, "aber der Schulbau hatte in der Vergangenheit nicht immer die höchste Priorität", sagt Hensler bei einem Kaffee in der Konstanzer Altstadt. Stattdessen fließe Geld in Projekte, die politisch gewollt, aber aus seiner Sicht nicht zwingend gewesen wären. Die Folge: Am Ende mangelte es am Geld bei den Schulen.
Pflichtpraktikum für Politiker:innen in Schulen?
Was ihm vor allem fehlt, ist eine klare Priorisierung seitens der Stadtverwaltung: "Eine Liste mit den nach Wichtigkeit geordneten Projekten im Schulbau würde dem Gemeinderat bei seinen Entscheidungen helfen und Transparenz gegenüber den Schulleitungen schaffen", ist der FDP-Mann überzeugt. Daneben helfe nur sparen: "In den guten Jahren haben wir uns Dinge geleistet, die jetzt nicht mehr drin liegen", findet Hensler. Für ihn gehören dazu: ein Fahrradparkhaus, das breite Kulturangebot der Stadt, gehypte Digitalisierungsprojekte. Weniger Gold-Lösung, mehr Pragmatismus sei gefragt.
Am Ende hat er noch einen sehr konkreten Vorschlag: "Eigentlich müssten alle Politiker:innen ein Pflichtpraktikum in einer Schule machen. Das würde Perspektiven und Prioritäten dauerhaft verändern", glaubt Manfred Hensler.
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