Es ist die Art von Memento mori, die sich niemand wünscht. Vor sechs Tagen ist mein Journalisten-Kollege und langjähriger Freund Bernd Sautter im Alter von nur 59 Jahren gestorben. In seinem Urlaub in Frankreich. Wie mir berichtet wurde, ist er nach einer Etappe mit dem Rennrad durch die Cevennen am nächsten Morgen einfach nicht mehr aufgewacht. Das schmerzt mich sehr.
Bernd Sautter unternahm regelmäßig im Urlaub über mehrere Etappen führende Touren mit dem Rennrad, in ganz Europa, oft auf den Spuren wichtiger Ereignisse und an legendären Orten des Radrennsports. Häufig auch solo: ein Mann, ein Rad und unvorstellbar wenig Gepäck. Mitunter leisteten ihm auch ein oder zwei ebenso radsportbegeisterte Freunde dabei Gesellschaft. Nach nahezu jeder absolvierten Etappe schrieb er des Abends seine Erlebnisse und Eindrücke detailreich und stilistisch virtuos in einem digitalen Reisetagebuch auf, öffentlich nachzulesen im Internet auf seinen Blog-Seiten. Wenn es dort etwas Neues von ihm gab, teilte er das in den sozialen Medien mit.
Mit seinen oft sehr berührenden und humorvollen Tagebuchtexten vermittelte Bernd Sautter seiner großen Leserschaft scheinbar mühelos das Gefühl, selbst auf seiner Etappe mit dabei gewesen zu sein und ganz so wie er die Schönheit der Landschaft zu sehen oder die Schmerzen in der Wade beim Berganstieg zu spüren oder den kühlenden Fahrtwind während einer rasanten Abfahrt. Wer solche Imaginationen allein mit Worten erzeugen kann, der beherrscht eine hohe Kunst. Ich habe jeden seiner Texte mit Spannung und Vorfreude erwartet und war enttäuscht, wenn er an einem Tag mal eine Schreibpause eingelegt hatte. Seine Texte hatten stets das gewisse stilistische Etwas, das sie unnachahmlich machte.
Der VfB war sein Herzensverein
Ebenso verstand Bernd Sautter es hervorragend, über allerhand aus der Welt des Fußballs zu schreiben. In seinem 2015 aufgelegten Fußballbuch "Heimspiele Baden-Württemberg" befasste er sich in insgesamt 94 Kapitelepisoden mit unterschiedlichsten Themen zum Fußball in Baden-Württemberg. In jede dieser unterhaltsamen Episoden steckte er viel Herzblut und betrieb dazu einen enormen Rechercheaufwand. Er hat damit, wie es eine Buchkritik im "Badischen Tagblatt" vollkommen zurecht lobte, "ein höchst außergewöhnliches Werk rund um den Fußball geschaffen, was in der heutigen Zeit, in der alles schon einmal dagewesen zu sein scheint, äußerst schwierig ist". Es sollten danach noch zwei weitere Bücher folgen, eines zum Thema Fußball ganz regional in Württemberg und eines über den VfB Stuttgart, seinen Herzensverein. Das Erscheinen eines vierten Buches, ebenfalls zum Thema VfB Stuttgart, wurde bereits für den Januar nächsten Jahres angekündigt.
Darüber hinaus schrieb Bernd Sautter mehr als 13 Jahre lang für den Fußball-Blog "Propheten der Liga", den wir nach 2014 dann gemeinsam abwechselnd mit sportjournalistischen Texten versorgten. 2024 mussten wir dieses Blogprojekt leider einstellen. Bernd Sautter fehlte neben seiner freiberuflichen Erwerbstätigkeit als Werbetexter und Consultant in Sachen Public Relations schlicht die Zeit dafür. Verständlich. Lieferte er doch seit vielen Jahren auch zahlreiche Texte für einige Sportzeitschriften, wie etwa das Fußballmagazin "Zeitspiel", für das er als Kolumnist tätig war. Und seit Oktober 2025 verantwortete er dazu auch noch seine Sportkolumne hier in dieser Zeitung.
Seine Sportexpertise und vor allem sein überragendes Kommunikationstalent machten sich auch der VfB Stuttgart, das "VfB-Fan-Projekt" und die "Sport-Region Stuttgart" häufig zunutze. Sie buchten ihn gern für Texte aller Art – nicht immer allzu gut bezahlt – und auch für die eloquente Moderation und Diskussionsleitung bei ihren Events und Veranstaltungen. Mit seiner aufgeschlossenen, empathischen und zugewandten Art schaffte er es spielerisch, auch kontroverse Veranstaltungsinhalte vor Publikum souverän zu moderieren.
Bernd Sautter war außergewöhnlich. Nicht nur in dem, was er beruflich und in seiner Freizeit tat. Er war auch ein außergewöhnlich liebenswerter Mensch. Er wird aus unterschiedlichen Gründen zukünftig sehr vielen Menschen fehlen. Ganz besonders aber denen, die ihn geliebt haben. Ich hoffe sehr, dass ihnen all die Hilfe und Zuneigung zuteil wird, die sie nun so dringend benötigen.
Wie sehr Bernd mir persönlich fehlen wird, vermag ich kaum in Worte zu fassen. Sein plötzlicher Tod macht mich fassungslos, ratlos und sogar wütend. Warum zum Teufel sind es denn so oft die Guten, die viel zu früh gehen müssen?
Mir bleibt letztendlich nur, ihm sehr dankbar dafür zu sein, dass er mich ein gutes Stück meines Lebens als Freund und Kollege begleitet hat. Es war eine gute Zeit, in jeder Hinsicht!
Danke, Bernd! Für alles!
Alle Beiträge von Bernd Sautter in seiner Kolumne "Grob unsportlich" finden Sie unten.




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