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"Generation Deutschland" in Donzdorf

Actionspiele in Zeltlagern

"Generation Deutschland" in Donzdorf: Actionspiele in Zeltlagern
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Am Sonntag, 14. Juni gründete sich in der Kleinstadt Donzdorf der baden-württembergische Landesverband der neuen AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" (GD). Während draußen Hunderte dagegen demonstrierten, gab es drinnen eine Überraschung bei der Wahl des Vorsitzenden.

Vermutlich hatte es sich die AfD ein wenig anders vorgestellt. Und wollte in aller Ruhe als letzten den Landesverband der AfD-Jugend im Südwesten gründen. Der Gründungsort Donzdorf liegt abgelegen am Rand der Schwäbischen Alb, die Kleinstadt im Landkreis Göppingen hat keine Zuganbindung. Trotzdem demonstrierten am Sonntag insgesamt etwa 700 Personen gegen die Gründung der AfD-Jugend. Davon 250 direkt an der Stadthalle. 

Bereits früh am Morgen waren die Demonstrierenden angereist. Vor und hinter der Stadthalle hatte das "Offene Solidarische Treffen Filstal" je eine Gegenkundgebung organisiert. Die Versammlungsleitung hatte sich dabei den Ort für den Gegenprotest hinter der Stadthalle in Donzdorf erst auf dem Klageweg per Eilentscheidung beim Verwaltungsgericht Stuttgart erstreiten müssen. Die von der Stadt Donzdorf und der Polizei dagegen angeführte Gefährdungsprognose bewahrheitete sich am 14. Juni nicht. Es kam zu keinerlei Zwischenfällen. Während hinter der Stadthalle also etwa 20 Personen demonstrierten, standen rund 200 davor. Hier sorgte ein Wagen mit großen Lautsprechern für Dauerbeschallung, die sicherlich auch im Inneren der Stadthalle zu hören war.

Mehr Jugend draußen als drinnen

Auf dem Westplatz am Schloss versammelten sich ab 11 Uhr 500 Personen zu einer Kundgebung. Dazu aufgerufen hatte die Grüne Jugend mit Unterstützung von IG Metall, Verdi, der evangelischen Kirche, des Kreisjugendrings und von "Kreis Göppingen nazifrei".

In der Stadthalle versammelten sich währenddessen etwa 120 Menschen. Darunter waren auch mindestens 15 Bundes- und Landtagsabgeordnete der AfD. Die meisten dürften ob ihres Alters der Generation Deutschland (GD, vormals Junge Alternative) nur als Fördermitglieder angehören und waren somit ohne Stimmrecht. Am Ende waren lediglich knapp über 80 Jungalternative mit Stimmrecht anwesend.

Durch den hohen Anteil an Älteren bei der AfD wirkte selbst das Gründungstreffen der Jugendorganisation alles andere als frisch und jung. Vor der Halle war die Zahl junger Menschen um einiges höher. Unter den Jüngeren bei der AfD dominierten klar Männer vom Typ Anzugträger. Junge Frauen waren deutlich in der Minderheit. Nicht selten waren oder sind diese Jungmänner bereits Mitarbeiter eines Abgeordneten und hegen wohl oft auch Berufspolitiker-Ambitionen. Einzelne entsprachen nicht diesem Dresscode, einer trug ein rotes Basecap im MAGA-Stil mit der Aufschrift "Make Germany great again", bei einem anderen war die Tätowierung "EISERN" auf der rasierten Kopfhaut gut erkennbar. Vereinzelt waren sie auch vermummt, um nicht auf Fotos der Journalist:innen vor Ort zu landen. Zwei hatten sich mit Masken der Trickfilmfiguren Minions getarnt.

Vorstandswahl mit Überraschung

Obwohl er die Unterstützung des Landesvorstands besaß, verlor der frisch gewählte AfD-Landtagsabgeordnete Chris Hegel knapp die Wahl zum Landesvorsitzenden der GD. Stattdessen wurde Benjamin Götz aus Ilshofen gewählt. Er war seit 2022 stellvertretender Landessprecher der Jungen Alternative (JA) Baden-Württemberg und steht damit für die Kontinuität von JA und GD. Zu seinen Stellvertretern wurden der AfD-Landtagsabgeordnete Maximilian Gerner aus Reutlingen und Tim Demuth aus Esslingen gewählt. Zum Finanzbeauftragten wurde Karl Schwarz aus Freiburg gewählt, zu seinem Stellvertreter Samuel Kaufmann, Sohn des AfD-Bundestagsabgeordneten Malte Kaufmann. Beisitzer-Posten gingen an Dennis Wittmann und Marco Rohn.

Die Wahl von Benjamin Götz dürfte eine Überraschung in der auch in Baden-Württemberg zur Funktionärspartei mutierten AfD gewesen sein. Im Schattenvorstand war jedenfalls Hegel für den Vorsitz vorgesehen gewesen. Der anwesende Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete Emil Sänze kritisierte in Medienberichten auch gleich die "relative Reaktivität" des neu gewählten GD-Landesvorsitzenden Götz im bisherigen Landesvorstand. Er habe dort keine Akzente gesetzt. Umstritten ist Götz nicht nur in der AfD, sondern auch bei den Behörden. So verweigerte ihm im August 2025 das Landratsamt Schwäbisch Hall den kleinen Waffenschein, der für Schreckschusswaffen benötigt wird.

Alter Wein in neuen Schläuchen 

Um die Stadthalle und den Gegenprotest in Donzdorf herum bewegte sich eine Clique rechter Jugendlicher von etwas mehr als zehn Personen. Zum Outfit gehörten Deutschlandfahne und Bundesadler auf dem T-Shirt, einer der Jugendlichen trug sichtbar die extrem rechte Szene-Marke "Thor Steinar" mit dem alten, zeitweise verbotenen Runen-Logo. Solche Cliquen lassen sich vielerorts beobachten, auch in Baden-Württemberg: sehr jung, unorganisiert und eine Mischung aus politisch und unpolitisch.

Dieses "Potenzial" zu erschließen gelang der Jungen Alternative in der Vergangenheit nicht, und es ist fraglich, ob es der GD gelingen wird. Die GD wird, was die Mitgliederzahl angeht, wie die Vorgänger-Organisation im Südwesten vermutlich erst einmal im niedrigen dreistelligen Rahmen verbleiben. Bundesweit setzt man statt auf Masse eher auf Elite, auch weil für mehr schlicht die Personalstärke fehlt. 

Allerdings könnte die GD in Baden-Württemberg unter ihrem Vorsitzenden von diesem elitären Ansatz abweichen. Dass der neu gewählte Benjamin Götz von Beruf KfZ-Mechatroniker ist, zeigt eine eher unübliche Repräsentanz in der GD. Dazu passt auch, dass bisher nicht bekannt ist, dass eines der Mitglieder des GD-Gründungsvorstands in Baden-Württemberg Mitglied in einer Studentenverbindung ist. In anderen GD-Landesverbänden fungieren gerade Burschenschaften aus dem Dachverband "Deutsche Burschenschaft" (DB) als ausgelagerte Nachwuchsschmieden von AfD und GD. Das korrespondiert mit dem eher kleinbürgerlichen Charakter der neuen AfD-Landtagsfraktion. In dieser sitzt auch keine Person mit nachgewiesener Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung. Auf Bundesebene eine eher unübliche Ausnahme. 

Götz verkündete laut Medien, einen rechten Literaturkreis und "Actionspiele" in Zeltlagern organisieren zu wollen. Es wird sich zeigen, ob es damit gelingt, die Brücke zwischen rechter Jugend auf dem Land und schlipstragenden Nachwuchspolitikern zu schlagen. Die ideologische Ausrichtung der Generation Deutschland in Baden-Württemberg wird sich vermutlich kaum unterscheiden zu anderen Landesverbänden. Die GD ist eindeutig im faschistischen Kreis um Björn Höcke angesiedelt.

Auffällig ist ein starker Bezug auf die sogenannte "Konservative Revolution". Hinter dem Begriff verbirgt sich der nachträgliche Versuch, aus unterschiedlichen antidemokratischen rechten Vordenkern in der Weimarer Republik eine eigene Tradition jenseits des Nationalsozialismus – und somit scheinbar "unbelastet" – zu konstruieren. Dafür verantwortlich war der aus der Schweiz stammende, gescheiterte Waffen-SS-Freiwillige Armin Mohler (1920 bis 2003), der die "Konservative Revolution" quasi im Rückblick auf die Weimarer Republik erfand, um die extreme Rechte in Deutschland aus dem Schatten des Nationalsozialismus herauszuführen. Diese "Neue Rechte" versuchte sich sowohl von der alten Rechten abzugrenzen, als auch vom etablierten Konservatismus. Das ändert aber nur wenig an ihrem antidemokratischen Gehalt, der besonders bei ihrem radikalen Flügel deutlich sichtbar ist. Dieser Flügel ist organisatorisch unabhängig von der AfD, versorgt aber die faschistische Parteiströmung beständig mit ideologischem Nachschub.

Veranstaltungen der radikalen "Neuen Rechten" besuchten mit Maximilian Gerner, Karl Schwarz, Tim Demuth und Marco Rohn nachweislich vier der sieben Mitglieder des Gründungsvorstands der Generation Deutschland in Baden-Württemberg.

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