Durch den hohen Anteil an Älteren bei der AfD wirkte selbst das Gründungstreffen der Jugendorganisation alles andere als frisch und jung. Vor der Halle war die Zahl junger Menschen um einiges höher. Unter den Jüngeren bei der AfD dominierten klar Männer vom Typ Anzugträger. Junge Frauen waren deutlich in der Minderheit. Nicht selten waren oder sind diese Jungmänner bereits Mitarbeiter eines Abgeordneten und hegen wohl oft auch Berufspolitiker-Ambitionen. Einzelne entsprachen nicht diesem Dresscode, einer trug ein rotes Basecap im MAGA-Stil mit der Aufschrift "Make Germany great again", bei einem anderen war die Tätowierung "EISERN" auf der rasierten Kopfhaut gut erkennbar. Vereinzelt waren sie auch vermummt, um nicht auf Fotos der Journalist:innen vor Ort zu landen. Zwei hatten sich mit Masken der Trickfilmfiguren Minions getarnt.
Vorstandswahl mit Überraschung
Obwohl er die Unterstützung des Landesvorstands besaß, verlor der frisch gewählte AfD-Landtagsabgeordnete Chris Hegel knapp die Wahl zum Landesvorsitzenden der GD. Stattdessen wurde Benjamin Götz aus Ilshofen gewählt. Er war seit 2022 stellvertretender Landessprecher der Jungen Alternative (JA) Baden-Württemberg und steht damit für die Kontinuität von JA und GD. Zu seinen Stellvertretern wurden der AfD-Landtagsabgeordnete Maximilian Gerner aus Reutlingen und Tim Demuth aus Esslingen gewählt. Zum Finanzbeauftragten wurde Karl Schwarz aus Freiburg gewählt, zu seinem Stellvertreter Samuel Kaufmann, Sohn des AfD-Bundestagsabgeordneten Malte Kaufmann. Beisitzer-Posten gingen an Dennis Wittmann und Marco Rohn.
Die Wahl von Benjamin Götz dürfte eine Überraschung in der auch in Baden-Württemberg zur Funktionärspartei mutierten AfD gewesen sein. Im Schattenvorstand war jedenfalls Hegel für den Vorsitz vorgesehen gewesen. Der anwesende Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete Emil Sänze kritisierte in Medienberichten auch gleich die "relative Reaktivität" des neu gewählten GD-Landesvorsitzenden Götz im bisherigen Landesvorstand. Er habe dort keine Akzente gesetzt. Umstritten ist Götz nicht nur in der AfD, sondern auch bei den Behörden. So verweigerte ihm im August 2025 das Landratsamt Schwäbisch Hall den kleinen Waffenschein, der für Schreckschusswaffen benötigt wird.
Alter Wein in neuen Schläuchen
Um die Stadthalle und den Gegenprotest in Donzdorf herum bewegte sich eine Clique rechter Jugendlicher von etwas mehr als zehn Personen. Zum Outfit gehörten Deutschlandfahne und Bundesadler auf dem T-Shirt, einer der Jugendlichen trug sichtbar die extrem rechte Szene-Marke "Thor Steinar" mit dem alten, zeitweise verbotenen Runen-Logo. Solche Cliquen lassen sich vielerorts beobachten, auch in Baden-Württemberg: sehr jung, unorganisiert und eine Mischung aus politisch und unpolitisch.
Dieses "Potenzial" zu erschließen gelang der Jungen Alternative in der Vergangenheit nicht, und es ist fraglich, ob es der GD gelingen wird. Die GD wird, was die Mitgliederzahl angeht, wie die Vorgänger-Organisation im Südwesten vermutlich erst einmal im niedrigen dreistelligen Rahmen verbleiben. Bundesweit setzt man statt auf Masse eher auf Elite, auch weil für mehr schlicht die Personalstärke fehlt.
Allerdings könnte die GD in Baden-Württemberg unter ihrem Vorsitzenden von diesem elitären Ansatz abweichen. Dass der neu gewählte Benjamin Götz von Beruf KfZ-Mechatroniker ist, zeigt eine eher unübliche Repräsentanz in der GD. Dazu passt auch, dass bisher nicht bekannt ist, dass eines der Mitglieder des GD-Gründungsvorstands in Baden-Württemberg Mitglied in einer Studentenverbindung ist. In anderen GD-Landesverbänden fungieren gerade Burschenschaften aus dem Dachverband "Deutsche Burschenschaft" (DB) als ausgelagerte Nachwuchsschmieden von AfD und GD. Das korrespondiert mit dem eher kleinbürgerlichen Charakter der neuen AfD-Landtagsfraktion. In dieser sitzt auch keine Person mit nachgewiesener Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung. Auf Bundesebene eine eher unübliche Ausnahme.
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