Wer spricht eigentlich noch über das Klima? Gute Frage. "Wenn ich mich so umgucke, habe ich den Eindruck, es gibt doch noch viele, die sich für das Thema interessieren", sagte am Montagabend Kontext-Mitgründer Josef-Otto Freudenreich zur Begrüßung vor dem Kontext-Podiumsgespräch. Was einigermaßen untertrieben war: Im Kulturcafé Merlin war kein Platz mehr frei, auch die Stehtische waren belegt, selbst die "Geheimplätze" auf der Treppe in den ersten Stock waren besetzt und gar nicht wenige mussten unverrichteter Dinge wieder gehen, weil voll.
Vor ein paar Tagen hat US-Präsident Donald Trump die sogenannte Gefährdungsfeststellung zurückgenommen, sagt Freudenreich, eine Einstufung von Treibhausgasen. Somit sind etwa CO2 und Methan nun als nicht mehr schädlich für den Planeten deklariert und die Wirtschaft kann damit machen, was sie will. Das ist – nach dem US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen – richtig übel für den Planeten. Trump hat sich dafür schon von der nordamerikanischen Kohle-Lobby mit einem Preis auszeichnen lassen. "Ganz so schlimm wie in den USA ist es bei uns noch nicht", sagt Moderator Stefan Siller zum Beginn, dennoch verschwinde das Thema Klima aus den politischen Diskussionen, "das finden wir nicht gut". Und die vier Gäste auf dem Podium auch nicht. Mit dabei: Samuel Bosch, 23 Jahre alt, Baumbesetzer, Klimaaktivist und aktuell auch Kandidat zur Ravensburger Oberbürgermeisterwahl am 8. März. Werden will er das auf keinen Fall, aber wer kandidiert, setzt Themen, über die alle anderen sprechen müssen – in diesem Fall das Thema Klima.
Einfach und effektiv: Tempo 30
Ebenfalls auf dem Podium: Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Auch er sei ein Baumbesetzer, Anfang der 80er Jahre, berichtet er, habe er so in Friedrichshafen einen neuen Uferweg quer durch einen geschützten Baumbestand verhindert. Noch heute ende der Weg an "seinem Baum", berichtet Resch nicht ohne Stolz. Und schiebt die neueste Klage nach, die seine Umwelthilfe und er just an diesem Tag gewonnen haben: In Berlin und München dürfen nun Tempo-30-Zonen nicht in Tempo-50-Zonen umgewandelt werden. Für alle anderen Städte gilt das nun auch – das ist der Kniff der Umwelthilfe: Musterklagen. Solche, die Grundsätze klären und damit den Weg freimachen für weiterführende oder spezifischere Klagen durch andere. Das Bundesverwaltungsgericht hatte das Klagerecht der DUH gerade erst bestätigt: Die CDU hatte versucht, der DUH Klagerechte und Gemeinnützigkeit zu entziehen.




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