"Wir müssen an die ran, die Gebäude besitzen", sagt Kohlmeyer von der Stadt. An Firmen, an städtische Baugesellschaften und so weiter, damit sie Wärmepumpen installieren. "Die fossile Verbrennung muss raus aus den Häusern und Betrieben. Es ist wichtig, dass Kommunen diese Dinge angehen, weil die Einzelnen das nicht alleine lösen können." In Deutschland sei man zu wenig vorbereitet auf eine Technologie – gemeint ist die Wärmepumpe –, die es in anderen Ländern schon seit Jahrzehnten gibt. Diese Heizungsart müsse man an "Verantwortliche" ranbringen.
Was wohl nicht so einfach ist. Wie das gesamte Thema Klima. Bosch, der Baumhausbewohner, sagt: "Ich habe bei den Fridays angefangen. Da dachten wir, wir gehen halt auf die Straße, so fünf Mal oder so und dann machen die schon." "Die", sind die, die am Drücker sitzen. Aber das hat nicht so gut geklappt. Also haben die jungen Leute ein Camp im Altdorfer Wald gebaut, gegen den Plan, den Wald für eine Kiesgrube abzuholzen. Seit fünf Jahren lebt Bosch nun auf dem Baum. "Da merkt man mal, wie wenig man braucht und auf was für einem hohen Konsumlevel unsere Gesellschaft lebt."
Das sieht Maike Schmidt etwas anders: "Die Zeit, in der Klimaschutz und Ökonomie gegeneinander ausgespielt werden, sollte längst vorbei sein." Heute heiße es immer: "Oh Gott, ein Extremwetterphänomen!" Und die Politik werfe Geld hinterher. "Bald wird es so viele Ereignisse geben, da reicht das Geld nicht." Es brauche Anpassungsstrategien, sagt Schmidt, und das schnell. Konzepte dazu sollen 2034 vorliegen. "Aber dann haben wir 3,5 Grad mehr in Baden-Württemberg, dann ist es viel zu spät. Und dann liegen ja nur Konzepte vor." Getan sei noch nichts. Sie gibt zu bedenken: Falls der Golfstrom sich tatsächlich abschwäche, würde es hier statt heiß kalt werden. "Das wissen wir alles nicht. Wenn wir Kippunkte überschritten haben, können wir nicht zurück."
Mehr Autos verkaufen ist keine Lösung
Das klinge ja nicht schön, sagt Moderator Siller. Und Schmidt antwortet trocken: "Damit es schön klingt haben Sie mich ja nicht eingeladen." Erheiterung im Saal. "Sie klagen", sagt Siller in Richtung Resch und schiebt nach: "Gibt es denn keine vernünftigen Firmen, müssen es immer Klagen sein?" Momentan, sagt Resch, "erleben wir eine unglaublich professionelle Kampagne der Fossilen. Das ist der Versuch, kurzfristige Gewinne zu sichern auf Kosten der Wirtschaft der Zukunft." Zulieferer, die sich auf die Politik, die Energiewende, die Antriebswende verlassen hätten, würden jetzt abbauen müssen. Er haben mit vielen Bossen der Autoindustrie gesprochen, auch mit Mercedes-Chef Ola Källenius, und jedes Mal habe er als Antwort bekommen: “Wir brauchen die freie Fahrt für unser Geschäft." Resch ist überzeugt: "Wir müssen den Staat zwingen, internationale Klimagesetze einzuhalten. Ich sehe nur noch die Öffentlichkeit und die Gerichte, die ein Gegengewicht herstellen können."
Zuversichtlicher äußert sich der städtische Klimaschützer Jan Kohlmeyer, er setze auf Physik, sagt er. E-Autos führen beispielsweise sehr viel weiter mit derselben Energiemenge wie Verbrenner. Zudem seien Erneuerbare viel werthaltiger für Aktionäre als fossile Energieträger. "Die Physik wird gewinnen, das gibt mir Ruhe. Dass die Richtung so klar ist. Die Frage ist nur, wann das umgesetzt wird." Schmidt widerspricht. Die Lösung von Kretschmann für Baden-Württemberg als Autoland sei vor allem, mehr Autos zu verkaufen. “Das Problem ist, das die Chinesen unsere E-Autos nicht wollen." Mehr Verbrenner zu bauen sei vielleicht 1970 eine Lösung gewesen, heute aber nicht mehr. Unternehmer heute würden gerne jammern, früher hätte man an Problemen gearbeitet, die Dinge neu gedacht. "Heute ist das nichtmehr so, das brauchen wir aber für die Zukunft." Technologieoffenheit sei ein Schlagwort dafür, jetzt nichts mehr tun zu müssen.
Dann wandert das Mikrofon ins Publikum. Ob es denn Konsequenzen gebe aus den Urteilen, die er erstreite, will einer von Resch wissen. Bessere Luft in 70 Städten in Umweltzonen, Diesel-Fahrverbote, weniger Feinstaub. Und auch mal Lustiges: Ein Richter am Europäischen Gerichtshof habe mal gefordert, die bayerische Regierung abzusetzen, weil sich die CSU nicht an Gesetze halte. Resch lacht. Man lasse sich zu viel gefallen, sagt er. Ein Zuschauer möchte mal was "zu der linksgrünen Runde auf dem Podium sagen": Das würde den Klimaschutz viel zu teuer machen. Was wäre denn mit E-Fuels für die aktuelle Verbrennertechnologie? Klimaschutz müsse billig sein, ist er sich sicher. Kohlmeyer widerspricht: Das Geld sei ja nicht weg, wenn man es in Wärmepumpen investiere, vielmehr seien das "Investitionen in den Werterhalt unserer Stadt". Zudem habe Klimatechnik weltweit wahnsinnige Wachstumsraten. Schmidt ordnet erstmal E-Fuels ein, wichtig für Sparten, die nicht anders können, für den Otto-Normalverbraucher sei diese Treibstoffart "immer teurer als Fossile und zu teuer für Autos."
"Wir müssen uns organisieren", merkt ein Gast an. Jawohl, findet Resch, "mehr Mut, mehr Biss!" Außerdem gelte: "Nicht beklagen, sondern verklagen." Ein hübsches Schlusswort nach zwei Stunden Diskussion. Um die Frage vom Anfang nochmal aufzuwerfen: Wer spricht eigentlich noch über das Klima? Kontext tut es. In Zusammenarbeit mit dem Kulturcafé Merlin, das massiv unter den finanziellen Einsparungen der Stadt leidet. Und deshalb ging der Inhalt des obligatorischen Spendenkorbs, etwa 850 Euro, diesmal auch nicht an die Kontext-Redaktion, sondern ans Merlin.
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