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Existenz am Minimum

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Aus der Bahn geraten, ausgegrenzt, vereinsamt: Extreme Armut ist auch in den reichen Regionen der Republik keine Randerscheinung. Die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland steigt beständig. Die Ausstellung "Kunst trotz(t) Armut" zeigt nicht nur die Betroffenen – sondern deren eigene Perspektiven.

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Zusammengekauert schläft ein Mann auf der Straße, direkt unter dem Plakat eines Modelabels, das "Wohnkomfort im neuen Stil" bewirbt und stolz "stimmungsvolle Fensterbeispiele der neuen Herbstkollektion" präsentiert. Was wirkt wie ein Kampagnenbild, ist die schonungslose Dokumentation einer obszönen Ungleichheit zwischen arm und reich in einem der wohlhabendsten Länder der Welt. Fotografiert von Karin Powser, die selbst mehr als ein Jahrzehnt auf der Straße lebte und heute, neben ihrer Fotografie, ehrenamtlich wohnungslose Menschen berät und betreut.

Es ist diese Perspektive der Betroffenen, die einen anderen, ungewohnten Blickwinkel offenbart auf ein Problemfeld, bei dem gerne weggeschaut wird: das prekäre Leben am Existenzminimum. Mehr als 330 000 Menschen in Deutschland sind wohnungslos. Selbst in einer reichen Stadt wie Stuttgart ist jeder Zehnte überschuldet. Bundesweit besitzen 40 Millionen Menschen, die Hälfte der Bevölkerung, kein nennenswertes Vermögen. Sie leben von der Hand in den Mund, sind, wie der linke Soziologe Christoph Butterwegge es formuliert, "nur eine Kündigung oder schwere Krankheit von der Armut entfernt".

Obwohl aber ein schwerer Schicksalsschlag jeden treffen kann, wird persönliches Scheitern oft durch eigenverantwortliches Versagen erklärt. "Wir setzen nicht mehr an den Schwächen und Defiziten unserer Klientel an, sondern sehen ihre Stärken und Fähigkeiten", sagt Andreas Pitz. Der Sozialpädagoge ist Projektleiter der Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Armut". Diese umfasst rund 140 Werke, nicht nur von renommierten Künstlern, sondern auch von den Betroffenen selbst. Seit dem Start im Herbst 2007 in Berlin waren die Fotografien, Gemälde und Skulpturen, Plastiken und Installationen in über 30 Städten zu sehen. Aktuell in Stuttgart. In unserer Schaubühne zeigen wir eine Auswahl.

 

Info:

Die Ausstellung "Kunst trotz(t) Armut" ist auf zwei Standorte aufgeteilt. In der Leonhardskirche wird sie von Dienstag bis Freitag jeweils von 11 bis 18 Uhr gezeigt. Im Kunstbezirk (Gustav-Siegle-Haus) an den gleichen Tagen zwischen 15 und 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. "Damit Armut nicht nur Thema ist, sondern die davon betroffenen Menschen hier auch tatsächlich Teilhabemöglichkeiten haben", heißt es dazu im Programm.


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