Kurzweiliger Aufklärungscomic: In "Ach so ist das" versammelt die Zeichnerin Martina Schradi 22 biografische Comicreportagen über LGBTI-Menschen (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transident- und Transgender-Personen und Intersexuelle) ...

Kurzweiliger Aufklärungscomic: In "Ach so ist das" versammelt die Zeichnerin Martina Schradi 22 biografische Comicreportagen über LGBTI-Menschen (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transident- und Transgender-Personen und Intersexuelle) ...

... und zeigt dabei pointiert, welchen Schwierigkeiten Menschen gegenüberstehen, deren sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität nicht der der Mehrheit der Bevölkerung entspricht.

... und zeigt dabei pointiert, welchen Schwierigkeiten Menschen gegenüberstehen, deren sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität nicht der der Mehrheit der Bevölkerung entspricht.

Düstere Anti-Kriegs-Geschichte: Lukas Kummer erzählt in "Die Verwerfung" den Überlebenskampf zweier Geschwister in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges.

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Metaphysik mal anders: In "Die Zeit und Gott" enthüllt Aike Arndt mit herrlich skurrilem Humor, wie Gott wirklich aussieht, warum er die Zeit erschuf ("damit seine Geranien wuchsen") und womit er so den Tag rumbringt.

Metaphysik mal anders: In "Die Zeit und Gott" enthüllt Aike Arndt mit herrlich skurrilem Humor, wie Gott wirklich aussieht, warum er die Zeit erschuf ("damit seine Geranien wuchsen") und womit er so den Tag rumbringt.

Mittlerweile gibt es von Arndt den Nachfolger "Das Nichts und Gott". Darin erfahren wir unter anderem, wie Gott einmal von einem hackenden Pastor heruntergeladen und in einer Cloud gespeichert wird.

Mittlerweile gibt es von Arndt den Nachfolger "Das Nichts und Gott". Darin erfahren wir unter anderem, wie Gott einmal von einem hackenden Pastor heruntergeladen und in einer Cloud gespeichert wird.

Im Geiste Monty Pythons: Die kanadische Zeichnerin Kate Beaton setzt bekannte historische Gestalten in kurzen Comicstrips in recht gegenwärtig wirkende Kontexte. Das umfasst sowohl reale Figuren wie Queen Elizabeth I. ...

Im Geiste Monty Pythons: Die kanadische Zeichnerin Kate Beaton setzt bekannte historische Gestalten in kurzen Comicstrips in recht gegenwärtig wirkende Kontexte. Das umfasst sowohl reale Figuren wie Queen Elizabeth I. ...

... als auch Personal der Weltliteratur wie Shakespeares "Macbeth".

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Voller Querverweise auf Karatefilme und die Popkultur der 1980er erzählen Bastian Baier und Robert Mühlich in "Mr. Origami" eine verschroben komische Geschichte über einen übergewichtigen Karateschüler und seinen Lehrer.

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Das "längst überfällige Update des Mädchencomics" wollen Olli Ferreira und Calle Claus mit "Dorle" liefern, einer schwarzhumorigen "Bravo-Foto-Hate-Story" über eine Studentin auf Jobfindungs- und Selbstablenkungstrip.

Das "längst überfällige Update des Mädchencomics" wollen Olli Ferreira und Calle Claus mit "Dorle" liefern, einer schwarzhumorigen "Bravo-Foto-Hate-Story" über eine Studentin auf Jobfindungs- und Selbstablenkungstrip.

Auch Mangas gibt's im Verlagsprogramm, etwa "Sterne sehen" von Asja Wiegand: eine feinfühlig erzählte Geschichte über zwei Freundinnen, mit einem Hauch Fantasy, denn eine der beiden behauptet, eine Außerirdische zu sein.

Auch Mangas gibt's im Verlagsprogramm, etwa "Sterne sehen" von Asja Wiegand: eine feinfühlig erzählte Geschichte über zwei Freundinnen, mit einem Hauch Fantasy, denn eine der beiden behauptet, eine Außerirdische zu sein.

Zwerchfells Topseller: die Comicreihe "Die Toten", in der stets wechselnde Zeichner und Autoren die Besonderheiten einer Zombie-Apopkalypse in Deutschland ausloten – wo schon durch die Waffengesetze einiges anders läuft als in den USA.

Zwerchfells Topseller: die Comicreihe "Die Toten", in der stets wechselnde Zeichner und Autoren die Besonderheiten einer Zombie-Apopkalypse in Deutschland ausloten – wo schon durch die Waffengesetze einiges anders läuft als in den USA.

Zum Verlagsprogramm gehören auch regionale Gewächse: etwa die Berliner Exilstuttgarterin Naomi Fearn, deren 13 Jahre lang in der "Stuttgarter Zeitung" erschienene "Zuckerfisch"-Strips in sieben Bänden versammelt sind ...

Zum Verlagsprogramm gehören auch regionale Gewächse: etwa die Berliner Exilstuttgarterin Naomi Fearn, deren 13 Jahre lang in der "Stuttgarter Zeitung" erschienene "Zuckerfisch"-Strips in sieben Bänden versammelt sind ...

... oder die Esslinger Zeichnerin Veronika Mischitz, die gemeinsam mit Autor Christopher Bünte in ihrem 2009 erschienen Comic "Kleiner Vogel Rot" eine universelle Geschichte über Freiheit und Unterdrückung erzählt.

... oder die Esslinger Zeichnerin Veronika Mischitz, die gemeinsam mit Autor Christopher Bünte in ihrem 2009 erschienen Comic "Kleiner Vogel Rot" eine universelle Geschichte über Freiheit und Unterdrückung erzählt.

Zu Unrecht ein Ladenhüter geblieben: In der "Krigstein"-Reihe entspann der Tübinger Zeichner Haimo Kinzler von 1999 bis 2008 eine grandios überdrehte Groteske, in der anthropomorphe Tiere durch die Endphase des Zweiten Weltkriegs stolpern.

Zu Unrecht ein Ladenhüter geblieben: In der "Krigstein"-Reihe entspann der Tübinger Zeichner Haimo Kinzler von 1999 bis 2008 eine grandios überdrehte Groteske, in der anthropomorphe Tiere durch die Endphase des Zweiten Weltkriegs stolpern.

Ausgabe 273
Schaubühne

Gott, Zombies und LGBTIs

Von Oliver Stenzel (Text), Zwerchfell-Verlag (Bilder)
Datum: 22.06.2016
Bei der Comic Con Germany auf der Fildermesse dominieren Superhelden, Elfen, Weltraumkrieger das Programm. Nicht so beim kleinen Stuttgarter Comicverlag Zwerchfell. Mit Titeln abseits des Mainstreams ist er eine der interessantesten Adressen für Independent-Comics in Deutschland.

Stefan Dinter ist so etwas wie der Stuttgarter Hansdampf in allen Comicgassen, zum Teil auch aus Notwendigkeit. Er zeichnet selbst, doch weil er wie die meisten anderen Comiczeichner in Deutschland damit seinen Lebensunterhalt nicht alleine verdienen kann, macht er Lettering (Sprechblasentexte) für große Verlage, arbeitet als Grafiker, gibt regelmäßig Comic-Workshops an Schulen, arbeitet als Gastdozent an der Merz-Akademie – und ist Co-Verlagsleiter des Zwerchfell-Verlags, eines der interessantesten Independent-Comicverlage Deutschlands.

Gegründet 1988 in Hamburg von Christian Heesch, wurde Zwerchfell nach dessen Rückzug und der Übernahme der Verlagsleitung durch Dinter und Christopher Tauber im Grunde zu einem Stuttgarter Verlag, zumindest zur Hälfte – Tauber wohnt mittlerweile in Frankfurt. Seit Verlagsgründung sind etwa 130 bis 140 Alben bei Zwerchfell erschienen, wobei nur wenige der verlegten Zeichner aus der Region kommen, darunter Dinter selbst, die Esslingerin Veronika Mischitz ("Kleiner Vogel Rot") und der Tübinger Haimo Kinzler ("Krigstein").

Mainstream sucht man bei Zwerchfell vergebens, statt auf Massenware setzen die Macher auf Unkonventionelles und junge Talente. Da sind dann so herrlich skurrile Sachen dabei wie die beiden "Gott"-Comics des Berliner Illustrators und Animationsfilmers Aike Arndt, die ein neues, für Strenggläubige wohl schwer erträgliches Licht auf den Allmächtigen werfen. Dann wieder sehr mit der Realität verknüpfte Werke wie "Ach so ist das", in der die Zeichnerin Martina Schradi 22 biografische Comicreportagen über LGBTI-Menschen (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transident- und Transgender-Personen und Intersexuelle) zusammengestellt hat und mit pointiertem Strich wie Text zeigt, welchen Schwierigkeiten Menschen gegenüberstehen, deren sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität nicht der der Mehrheit der Bevölkerung entspricht.

Ein Aufklärungsbuch im besten Sinne, das man sich auch im Schulunterricht vorstellen könnte. Und dann gibt es auch so düstere Stoffe wie den Historiencomic "Die Verwerfung" von Lukas Kummer, der in apokalyptischen Bildern die Geschichte zweier Brüder in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges erzählt, umgeben vom allgegenwärtigen Tod, der durch Soldaten, Hunger oder Krankheiten kommen kann.

Allmählich steht die schwarze Null

Gewinn lässt sich mit so einem Programm immer noch nur schwer machen. Doch mittlerweile komme man so langsam "in den Bereich der schwarzen Null", wie Dinter lachend erklärt. Die Zeiten, als schon Auflagen von 500 Stück als hoch galten, sind vorbei, mittlerweile liegen die Anfangsauflagen bei mindestens 1000 Stück. Seit einigen Jahren gehe es aufwärts, so Dinter, was mit gewachsenem Know-how, besserer Pressearbeit, besserem Vertrieb zu tun hat – und mit "Die Toten". 

Unter diesem Titel startete der Verlag 2009 eine Zombie-Comicreihe, das Konzept auch hier nicht ganz konventionell: In jeder Ausgabe steuern drei Autoren abgeschlossene Geschichten bei, die stilistisch extrem unterschiedlich sein können, aber alle während einer Zombie-Epidemie spielen – in Deutschland. "Wir hielten das für interessanter als in den USA", sagt Dinter, "denn bei uns gibt's nicht so viele Schusswaffen. Man muss in einen Baumarkt gehen und sich eine Sense holen oder eine Axt." "Die Toten" schlugen ein, vier Bände sind bereits erschienen, die Verkäufe gehen in die Tausende.

So groß war der Erfolg, dass er im Grunde zu groß für den kleinen Verlag wurde. "Zu schnell verkaufte Kleinauflagen spülen uns nicht gerade das Budget rein, um sofort und ausschließlich einen Titel bedienen zu können", so Dinter, "wir wollen ja weiter in unserem Programm auch abwegigeren, alternativen Titeln eine Chance geben." So entschloss man sich bei Zwerchfell zu einer Kooperation mit dem großen Panini-Verlag für den Vertrieb, ohne dabei aber die Redaktion für die Reihe aufzugeben.

Bei der Comic Con Germany auf der Fildermesse ist der Verlag nicht mit einem eigenen Stand vertreten, nur Dinter selbst mit einem Künstlerstand. Das hat mehrere Gründe. "Die Convention ist einerseits überlaufen", sagt Dinter, "andererseits haben wir lange gebraucht, um uns zu entscheiden, weil sie nur vier Wochen nach dem Comic-Salon Erlangen stattfindet" – was immer noch die wichtigste Comic-Veranstaltung in Deutschland ist. Dazu kommt, dass die erwarteten Besucher nicht gerade der Zwerchfell-Zielgruppe entsprechen. "Wobei wir mit den Zombies sicher ganz gut ankommen werden", sagt Dinter, die seien auch bei der sehr ähnlich strukturierten German Comic Con im vergangenen Jahr in Dortmund gut gelaufen – aber sonst keine Verlagstitel. Bei der hiesigen Comic Con hofft Dinter auf etwas mehr Streueffekte, etwa auf die wenigen Manga-Titel des Verlags wie Asja Wiegands "Sterne sehen". "Wenn sich nur ein Prozent der Besucher auch für unser übriges Programm interessiert, wäre das schon toll", sagt Dinter. Die Lust am Schrägen und Unkonventionellen werden er und seine Kompagnons aber so oder so nicht verlieren.


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