Könnten künftig auch in Ludwigsburg Vorrang haben: SSB-Bahnen. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 385
Politik

Prellböcke auf Kriegsfuß

Von Jürgen Lessat
Datum: 15.08.2018
Stadt- und Straßenbahnen erleben derzeit eine Renaissance in Deutschland. Dennoch wehrt sich die Stadt Ludwigsburg, 30 Kilometer nördlich von Stuttgart, vehement gegen einen Anschluss ans Stuttgarter Stadtbahnnetz. Oberbürgermeister und Landrat streiten um Oberleitungen und Hochbahnsteige.

Rossbollen pflasterten ihren Weg: Am 28. Juli 1868, machte sich die erste Pferdebahn von der Stuttgarter Innenstadt nach Bad Berg am Ufer des Neckars auf. 150 Jahre später absolvieren die Busse und Bahnen des städtischen Verkehrsbetriebs rund 180 Millionen Fahrten, jeden Tag fahren knapp 620 000 Menschen mit der SSB. Tendenz steigend. Rein rechnerisch nutzt jeder Stuttgarter einmal am Tag das Verkehrsangebot – vor allem die "gelben Blitze", wie die mehr als 200 Stadtbahnen vom Typ DT-8 im SSB-Fuhrpark genannt werden.

Aktuell umfasst das Netz 19 Linien, die auf insgesamt 273 Kilometern Gleise fahren. Viele enden nicht an Stuttgarts Stadtgrenzen, sondern binden auch die Nachbarstädte an das Schienennetz der Landeshauptstadt an. Derzeit verlängert die SSB die Hochbahnsteige auf der wichtigen Talquerlinie U 1, und erst vor wenigen Tagen wurde der Baustart für die Verlängerung der Linie U 6 gefeiert: Für 100 Millionen Euro werden über drei Kilometer Gleise vom Stadtteil Fasanenhof bis zum Flughafen und zur Landesmesse verlegt. Ende 2021 sollen die ersten Doppeltriebwagen im Zehn-Minuten-Takt Richtung Airport rollen.

Aber die gelben Triebwagen der SSB sind nicht überall willkommen. Fast wie das kleine gallische Dorf in der französischen Comicserie leistet die Barockstadt Ludwigsburg, rund 20 Kilometer nördlich von Stuttgart gelegen, heftigen Widerstand gegen einen Stadtbahnanschluss.

Schienen? Undenkbar!

Die einstige Residenzstadt der württembergischen Herzöge ist bereits seit 1846 ans Eisenbahnnetz angebunden. Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen erbauten damals die Zentralbahn, deren nördlicher Ast von Stuttgart kommend in Ludwigsburg endete. Heute halten am Bahnhof der 93 000 Einwohner zählenden Kreisstadt täglich über hundert Regionalzüge und S-Bahnen.

Für den parteilosen Oberbürgermeister Werner Spec und seinen Dezernatschef, Baubürgermeister Michael Ilk, ist es undenkbar, dass zusätzliche Schienen für die Stuttgarter Stadtbahnen durch die einstige Garnisonsstadt gelegt werden. Beide haben das Wahrzeichen der Stadt, das zwischen 1704 und 1733 von Herzog Eberhard Ludwig errichteten Residenzschloss mit seiner Parkanlage, und die herrschaftlichen Quartiere drumherum zur stadtbahnfreien Zone erklärt.

Für sie gleicht es einer Horrorvorstellung, würden in den schattigen Alleen 80 Meter lange Stadtbahnzüge an wuchtigen Hochbahnsteigen halten, über die sich Oberleitungen spannen. "Unverträglich mit unserem Stadtbild", nennt OB Spec als Grund, warum man die SSB-"Hochflur"-Bahnen aussperren will. Mit technischen Nachteilen, etwa zu weiten Gleisradien, unterfüttern sie ihre Weigerung, die der Ludwigsburger Gemeinderat fraktionsübergreifend unterstützt.

Mit dieser Prellbock-Haltung stehen Spec und Ilk allerdings auf Kriegsfuß mit derm Ludwigsburger Landrat Rainer Haas, in dessen Zuständigkeit das kreisweiten Nahverkehrsangebot fällt. Haas will mehr Autofahrer zum Umsteigen bewegen, um Fahrverbote wegen zu hoher Stickoxidwerte zu verhindern. Als bestens dafür geeignet sieht er die SSB-Stadtbahnen, weil diese bereits bis nach Remseck im östlichen Kreisgebiet fahren. Von dort könnten sie auf einer verlängerten Trasse über Ludwigsburg weiter in die Nachbargemeinden Möglingen und Markgröningen und bis nach Ditzingen fahren, wo bald ebenfalls eine Linie aus Stuttgart enden soll. Für den Landrat ist dieser Ringschluss "ein zukunftsträchtiges Mobilitätsprojekt": "Aus unserer Sicht ist die Hochflurvariante deshalb am überzeugendsten", betonte er bislang bei jeder Gelegenheit unter dem Applaus von sechs Bürgermeistern aus Nachbargemeinden. "Der Ringschluss ist eine tolle Sache. An der SSB kommt man einfach nicht vorbei", begeistert sich etwa Markgröningens Bürgermeister Rudolf Kürner.

Neueste Idee: "Projekt Doppelstrategie"

Doch weder Argumente noch Appelle verfingen im Ludwigsburger Rathaus. Stattdessen präsentierte OB Spec im Frühjahr das "Projekt Doppelstrategie". Es beinhaltet die Reaktivierung einer stillgelegten Bahnstrecke nach Markgröningen, auf der 2003 der letzte Regionalzug fuhr. Daneben will Spec ein BRT-Netz zwischen Ludwigsburg, Remseck und Kornwestheim spinnen. "BRT steht für ein Schnellbussystem (englisch "Bus Rapid Transit")", erklärt das städtische Projektportal. Nur als "langfristige Option" sieht Spec eine Stadtbahn, allerdings als Niederflurvariante mit ebenerdigem Zustieg. "Mit unserer Doppelstrategie haben wir einen idealen Weg gefunden, den ÖPNV zeitnah, stadtverträglich und kostengünstig zu verbessern", lobt sich Spec selbst. "Eine Niederflurbahn wäre eine Insellösung", kritisierte dagegen Möglingens Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer. Landrat Haas argwöhnt sogar, dass eine Stadtbahn durch Ludwigsburg, sollten die Schnellbusse erst einmal fahren, nur ein Phantom bleibt.

Freuen über Specs Doppelstrategie dürfte sich der Daimler-Konzern. "Mercedes-Benz engagiert sich weltweit für den Ausbau von BRT-Systemen", heißt es auf dessen Internetportal. BRT-Systeme zeichneten sich durch eigene Trassen mit separaten und barrierefreien Haltestellen, eigene Ampelschaltungen sowie spezielle Ticketsystemen aus. Als klassische BRT-Region gilt Südamerika, dessen rasant wachsende Metropolen mit Schnellbussystemen erschlossen werden. Rio de Janeiro etwa besitzt ein BRT-System aus drei Korridoren mit zusammen 150 Kilometern Länge. Auf dem zuerst eröffneten "TransOeste" fahren 90 Gelenkbusse von Mercedes-Benz. 500 Busse mit Stern bedienen auch die Istanbuler Metrobüs-Strecke 34, die in extrem dichter Folge befahren wird und 750 000 Fahrgäste täglich befördert.

Die Vorliebe der Ludwigsburger Politik für Schnellbusse steht in Kontrast zu einer Renaissance, die Stadt- und Straßenbahnen derzeit insbesondere in Deutschland erleben. Neue Straßenbahnnetze entstanden etwa in Oberhausen, Saarbrücken und Heilbronn. Bestehende Netze wurden in Karlsruhe und Freiburg massiv erweitert. Ende Juni erst beschloss der Regensburger Gemeinderat den Neubau einer Stadtbahn. An einer "grenzüberschreitenden" Citybahn planen aktuell die Landeshauptstädte Mainz (Rheinland-Pfalz) und Wiesbaden (Hessen).

Während es in Mainz bereits fünf Straßenbahnlinien gibt, betreten die Wiesbadener Schienenneuland. Dort regt sich auch Widerstand gegen die Citybahn. Während CDU, SPD und Grüne das Projekt befürworten, sagt die FDP nein. Eine Bürgerinitiative läuft regelrecht Sturm dagegen. "Die Citybahn ist unnötiger Luxus, sie wird nicht gebraucht", sagt deren Sprecher Stefan Wolter. Der Nutzen stünde in keinem Verhältnis zu den Kosten und den Unwägbarkeiten der Zukunft. Schienen müssten erst für viel Geld verlegt werden, Fahrspuren für Autos würden entfallen. Ob die Leute die Bahn annähmen, stehe in den Sternen. Stattdessen favorisiert die BI Elektrobusse. Zudem gehöre die Zukunft ohnehin ganz neuen Verkehrssystemen, nennt Wolter das Stichwort "Autonomes Fahren". Ein unflexibles Schienenverkehrssystem sei deshalb längst überholt.

In den USA war die Auto-Lobby am Werk

Die Einwände der Wiesbadener BI ähneln den Slogans der amerikanischen Lobbyorganisation "Americans for Prosperity" (AfP), die derzeit in den USA gegen Nahverkehrsprojekte zu Felde zieht. Im Frühjahr endete eine Abstimmung über die Zukunft des Nahverkehrs in Nashville/Tennessee in ihrem Sinne: Die Wähler votierten mit Zweidrittelmehrheit gegen das Projekt "Lets move Nashville", das fünf Stadtbahn-Korridore und Trassen für Schnellbusse vorsah, um dem Verkehrschaos in der Metropole Herr zu werden. 

AfP-Aktivisten hatten an 6000 Türen geklopft und 40 000 Telefonate geführt, um die Wähler zu einem Nein zu bewegen. "Das Projekt war von Anfang an eine gigantische Geldverschwendung und hätte dauerhaft Fahrspuren vernichtet", jubelte die Organisation auf ihrer Homepage nach der "überwältigenden Ablehnung".

Was weder Homepage noch Aktivisten offenbarten: Hinter den "Amerikanern für Wohlstand" stehen die Milliardäre David und Charles Koch, Eigentümer von Koch Industries. Zu den größten Unternehmen des Koch-Konglomerats gehören Firmen, die Benzin und Asphalt, Sicherheitsgurte, Reifen und andere Automobilteile produzieren, wie die "New York Times" in einem Bericht über das Nashville-Votum schildert.

Zurück ins Schwabenland. Dort lud das Verkehrsministerium die Streithähne Mitte Juli sogar zu einem Versöhnungsgespräch. Vergangene Woche dann unterbreitete Landrat Haas überraschend ein Kompromissangebot an seinen Kontrahenten: Kreis und Nachbarkommunen würden eine Planung für eine Niederflurbahn unterstützen, wenn die Stadt Ludwigsburg sich im Gegenzug rechtlich verbindlich für diese Planung ausspricht. "Eine unverbindliche Absichtserklärung reicht uns nicht", betonte Haas. Der Verzicht auf Stuttgarts Hochflurbahnen kam gut an. "Das begrüßen wir sehr", erklärte OB Spec via Pressemitteilung – und entschwand in den Sommerurlaub. Sollte sich Spec danach nicht verbindlicher äußern, dann "müssen wir andere Wege finden, um ohne die Zustimmung der Stadt eine Stadtbahn zu planen", drohte Landrat Haas vorsorglich. Der Streit um Oberleitungen und Hochbahnsteige könnte nach der Sommerpause weitergehen.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

14 Kommentare verfügbar

  • Evlin Titz
    am 21.08.2018
    Ein wenig mehr Aufgeschlossenheit für das schienenlose BRT-System täte gut. Es hat tatsächlich eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber einer Niederflurbahn und der Hochflur-SSB-Bahn sowieso. Der Vergleich Ludwigsburgs mit dem kleinen gallischen Dorf wiederum ist so schlecht nicht. Wohnen dort doch die Guten und die Cleveren und die, die am Ende eine großes Fest feiern.
    • Marlies Heinzler
      am 22.08.2018
      Ein Bus ist ein Bus - und rappelt über die schlechten Strassen. Ein BRT-Bus fährt auch nicht komfortabler. Wer steigt da schon freiwillig um? Es gibt Städte, die haben ihr BRT-Bussystem eingestellt und sind auf Niederflur (Tram) umgestiegen.
  • Thomas Albrecht
    am 21.08.2018
    Ich finde alle Schienenfahrzeuge unglaublich viel komfortabler als Busse. Wer Busse bevorzugt, nutzt den ÖPNV vermutlich nie oder nur am Eröffnungstag. Und das mit der Spurbreite ist einfach ums Eck. Will wirklich jemand die breiten Gleise zurückbauen oder ein Doppelschienensystem haben?
    • Thomas Erben
      am 21.08.2018
      Es ging glaub ich bei diesem Thema SSB Stadtbahn in LB nie um Spurbreite, sondern um Niederflurzüge gegen Hochbahnsteige. Grüße T.Erben wohne in S, arbeite in LB.
  • Wolfgang Zursiedel
    am 17.08.2018
    Leider wurde in Stuttgart im Rahmen des damaligen Größenwahns eine Entscheidung zugunsten einer U-Bahn getroffen. Diese globigen sog. hochflurigen Stadtbahnen mit ihren 20-Meter Kästen benötigen wesentlich größere Radien und die stadtzerstörenden Hochbahnsteige. Es ist gut, dass Strassenbahnen wieder im Kommen sind. Ein Blick nach Frankreich zeigt wie elegant die mehrgliedrigen Niederflur-Strassenbahnen durch die Städte gleiten und in Bordeaux und Reims sogar in der Innenstadt ohne Oberleitung unterwegs sind. Deshalb habe ich für die Stadt Ludwigsburg volles Verständnis, dass sie diese Stuttgarter Ungetüme ablehen. Auch bei der Strassenbahn-WM war Stuttgart die einzige Stadt mit diesen Hochbahnen. Wenn Sie mit einem Rollstuhl unterwegs sind, merken Sie schnell wieviel Umwege zu unternehmen sind, um auf die Hochbahnsteige zu kommen.
    • Waldemar Grytz
      am 18.08.2018
      Wie wahr! Wie bei vielen anderen Fehlplanungen, vermutlich nicht mehr zu ändern und Ludwigsburg hat den Ruf des "kleinen gallischen Dorfes" weg. Wobei die Ungetüme mit den das Stadtbild störenden Haltestellen vermutlich damals auch durch irgendeinen Lobbyverband angepriesen und durchgesetzt wurden. Platz für Autos, Jobs für Tunnelbauer, usw. usf.
  • Roland Beck
    am 17.08.2018
    Es wäre mal interessant, im Details zu erfahren, welche Trassenführung der Stadtbahn geplant ist. Natürlich kann man eine solche Haltestelle nicht direkt vor das Schloss stellen, aber Ludwigsburg hat auch einige "verkehrsgünstige" Ecken, an denen eine Stadtbahnhaltestelle problemlos möglich wäre. Natürlich sind die Hochbahnsteige nicht optimal, aber ein Blick auf die Haltestelle Mittnachtstraße lohnt sich: dort wurden die Gleise leicht abgesenkt und der Gehweg leicht erhöht und schon passt das mit der Haltestelle.
    Als Vorteil der Stuttgarter Stadtbahnen sehe ich die hohe Geschwindigkeit. Ich habe leider keine Zahlen, aber gefühlt würde ich sagen, dass die Züge deutlich flotter unterwegs sind also Niederflurbahnen anderer Städte. Hat jemand dazu Vergleichszahlen?
    Und zum Thema Bus muss ich als Berufspendler sagen, dass ich ein schienengebundenes Fahrzeug jederzeit einem Bus vorziehen würde - man kann die Zeit in der Bahn einfach produktiv nutzen, während es im Bus eher holprig zugeht.
  • Marlies Heinzler
    am 17.08.2018
    Da hätte ich Jürgen Lessat aber doch mehr Recherche zugetraut. Er wäre auf die Ludwigsburger Niederflur-Initiative gestoßen: interessierte Bürger mit viel Sachverstand in Sachen Niederflur (Tram) und einer informativen Homepage.
    www.stadtbahn-ludwigsburg.de
    Entstanden ist die Initiative, weil OB Spec nicht bereit war, das Niederflur-System gleichwertig und objektiv wie BRT und Hochflur zu präsentieren. Hier will man also auch den Bürgern der Stadt LB und den Kreisgemeinden die modernste, komfortabelste, stadtverträglichste Variante vorenthalten, die mittleweile in vielen Städten existiert.
    Die Insellösung hat inzwischen Stuttgart mit der SSB (ein Hersteller, keine Konkurrenz, teuer, nicht Innenstadtverträglich). Und auf der bestehenden und noch gewidmeten Bahntrasse LB - Markgröningen kann keine Hochflur fahren....
  • Horst Ruch
    am 15.08.2018
    ... wie üblich , Jürgen Lessat bevozugt den allgemeinen Mainstream nach dem Motto:
    CO2 raus, Elektro rein. Ich vermisse jedesmal die Sinnhaftigkeit der Aussage.
    Wäre die SSB ein Vorbild für Beförderungsfreundlichen Dienst an den Kunden, nämlich ebenerdige Ein/Ausstiege mit passablen wendigen Bahnen - statt grober U-Bahn Klötze mit den Hochbahnsteigen, ja dann hätte auch Spec &Co nichts auszusetzen..
    Lieber Herr Lessat ich empfehle Ihnen eine Reise nach Bordeaux, keine Oberleitungen stören das Stadtbild und ebenerdiger Zutritt läßt schnellen Fahrgastwechsel zu. Obwohl die Höchstgeschwindigkeit nicht an die der Stuttgarter heranreicht.
    Sicher ein Nachteil, der Strom kommt in Frankreich nicht aus der Steckdose (wie bei uns) sondern aus Atomkraftwerken, auf die wir bei Elektromangel problemlos zurückgreifen dürfen bzw. müssen. Eben, die gute Nachbarschaft im Stromhandel macht’s möglich.
  • Peter Fendrich
    am 15.08.2018
    Doppelstrategie hat mehr zu bieten!
    So sehr ich die Artikel von Jürgen Lessat schätze, missfällt mir diesmal, dass er den einseitigen Blickwinkel der Lokalpresse weitgehend übernimmt. Egal, welche Kapriolen der Landrat schlägt, wird allzu gern auf den vermeintlich bösen Buben Spec eingedroschen. Dabei wird übersehen, dass die Stadt Ludwigsburg schnell umsetzbare Lösungen braucht, dass sie deshalb weit mehr verkehrsplanerische Kompetenz aufgebaut hat als der Landkreis und längst dabei ist, das vereinbarte Stufenkonzept der Doppelstrategie umzusetzen. Deren erste Stufe wird häufig auf den BRT als offensichtliches Verhinderungskonzept einer Stadtbahn reduziert. Dabei hat sie mit der Reaktivierung der Bahnstrecke Ludwigsburg-Markgröningen und deren Durchbindung über einen neuen W&W-Halt nach Kornwestheim weit mehr zu bieten. Nur die wichtigsten Vorteile der Reaktivierung seien hier genannt:
    1. Schnellere Realisierung binnen drei statt in über zehn Jahren.
    2. Kürzere Fahrzeiten als mit einer Stadtbahn.
    3. Kürzere Umsteigezeiten und damit bessere Anbindung ans VVS- und DB-Netz.
    4. 100 % Kompatibilität mit dem bestehenden und hoffentlich künftigen Güterverkehr.
    5. Vergleichsweise marginale Bau- und Betriebskosten.
    6. Dementsprechend überragende Wirtschaftlichkeit: 5 mal höher als bei der Stadtbahn.
    7. Attraktive Durchbindungsoptionen auf dem DB-Netz über Kornwestheim hinaus.
    8. Im Gegensatz zur Hochflurbahn der SSB kann die in Stufe 2 vorgesehene Niederflurstadtbahn ohne Oberleitung dieselben Gleise benutzen wie die Eisenbahn.

    Damit lässt sich ein doppelter Ringschluss mit der Strohgäubahn realisieren: über die Salzwegkurve mit Porsche-Halt nach Korntal und von Markgröningen über einen Metropolexpress-Halt bei Bosch zum Schwieberdinger Bahnhof. Die Synergieeffekte dieser Ringschluss-Variante bzw. die Nutzung weitgehend bestehender Gleise erscheint im Gegensatz zur Ringschluss-Schimäre des Landrats wirtschaftlich darstellbar.
    Hintergründe zur allzu lange verschleppten Bahnreaktivierung und Pläne zum BUND-Konzept, das der Doppelstrategie zugrunde liegt, sind unter folgenden Links zu finden:
    https://www.agd-markgroeningen.de/?page_id=44 bzw.
    https://www.agd-markgroeningen.de/?page_id=10785
    • Karl Heinz Siber
      am 16.08.2018
      Können Sie mir erklären, wieso die "Reaktivierung der Bahnstrecke Ludwigsburg-Markgröningen und deren Durchbindung über einen neuen W&W-Halt nach Kornwestheim" nur im Rahmen des BRT-Konzept der Stadt LB realisierbar sein soll?
  • Nina Picasso
    am 15.08.2018
    Man sollte als Bürgermeister einfach mal bedenken. In Stadtbahnen passen mehr Kinderwägen, mehr Rollatoren, mehr Fahrräder etc. rein. Gerade für die "barocke" Touristenstadt einfach nur von Vorteil. Zudem. Stadtbahnen stinken nicht. Leider hinkt gerade Daimler mit innovativen Bussen deutlich hinterher.
  • Karl Heinz Siber
    am 15.08.2018
    Es gibt kaum etwas Lächerlicheres als die Selbstwahrnehmung Ludwigsburgs als "Barockstadt". Tatsächlich ist Ludwigsburg eine ehemalige Garnisonsstadt mit einem Barockschloss am Rand, und die einzig wirklich beeindruckenden Gebäude neben dem Schloss sind die Kasernenareale. Geht man durch die Ludwigsburger Innenstadt und passiert den schönen Marktplatz, sucht man vergeblich nach Baudenkmälern, die das Attribut "Barockstadt" rechtfertigen würden. Die Bebauung um den Marktplatz herum und entlang der Wilhelmstraße ist stilistisch heterogen und allenfalls in Teilen ansehnlich. Es gibt allein in Süddeutschland Dutzende Städte, die mehr Anlass und Berechtigung als Ludwigsburg hätten, sich "Barockstadt" zu nennen. Die Ablehnung einer Stadtbahn ausgerechnet mit einer Beeinträchtigung des "barocken" Stadtbildes zu begründen, ist voll daneben. Dass die Gemeinderäte auf diese Scharade des OB und seines Baubürgermeisters hereinfallen, mag verstehen, wer will.
    • Thomas Erben
      am 15.08.2018
      Die Hochbahnsteige sind das Problem!!!!! Nur weil Stuttgart diese Fußgängerbehindertungslösung eingeführt hat, müssen dies nicht andere auch tun. Bußschnellverkehrstrassen kontra Autoindividualverkehr ist nicht falsch. Ausserdem kann dann z.B. "Daimler" gute "Autos" (Busse) bauen. Elektrisch- vielleicht mit Oberleitung (siehe Esslingen)- Strom oder Akku.
      Als Fußgänger-ÖPNV Fahrer- bedeuten Hochbahnsteige immer Umwege zur Stadt(Straßen-)bahn! Grüße Thomas Erben,Stuttgart (40Jahre ÖPNV Erfahrung)

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!