Kann jedem passieren: Mietnomaden legen Häuser in Schutt und Asche. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 380
Politik

Die Mär von den Mietnomaden

Von Minh Schredle
Datum: 11.07.2018
Sie nisten sich ein und machen alles kaputt: Mietnomaden. Laut Haus & Grund gibt es Zehntausende von ihnen – belegen lässt sich das nicht. Aber die Behauptung reichte, um das Gesetz zu verschärfen. Auch normale Mieter können seitdem leichter vor die Tür gesetzt werden.

"Erst blenden sie mit guten Manieren und dickem Auto" (FAZ), vor Vertragsabschluss geben sie sich "meist weltgewandt und täuschen einen gehobenen Lebensstil vor" (Spiegel Online). Dann prellt "der Feind im Haus" (Zeit Online) monatelang die Zeche, sie "zerstören oft die Räumlichkeiten" (SWR). In der Bild-Zeitung bereitet eine Stuttgarter Mietnomadin ihren "arglosen Nachbarn" nicht nur Schwierigkeiten, nein, sie "terrorisiert" sie.

Doch wie groß ist die Gefahr zum Opfer von Mietnomaden zu werden? Verblüffend wortgleich betonen Medien: "Zwar ist die Wahrscheinlichkeit gering", doch wen es trifft, den "kümmert die Statistik wenig" (FAZ, 05.08.2015; SWR, 07.09.2017). Aus Perspektive der betroffenen Eigentümer scheint das nachvollziehbar, schließlich können sich die entstandenen Schäden auf fünfstellige Beträge belaufen. Doch zumindest Politik und Medienwelt sollten sich ein wenig um die Statistik kümmern.

Zahlen liefert zum Beispiel der Grundbesitzerverband Haus & Grund. 15 000 Fälle gebe es jedes Jahr in der Bundesrepublik, der Schaden belaufe sich dabei jeweils auf 25 000 bis 30 000 Euro. Diese Schätzungen, zu deren Methodik sich Haus & Grund auf Rückfrage der Redaktion nicht äußern will, verbreitet(e) der Verband, bevor und nachdem die erste seriöse und wissenschaftlich belastbare Untersuchung zu dem Problem durchgeführt worden ist. Diese kommt allerdings zu abweichenden Befunden.

Seit 2010 ist eine Studie der Universität Bielefeld verfügbar, die – man höre und staune – in Zusammenarbeit mit Haus & Grund entstand. In der Mitgliederzeitschrift der Haus- und Wohnungseigentümer seien über Monate hinweg Betroffene aufgerufen worden, an einer Befragung teilzunehmen, berichtet Markus Artz im Gespräch mit Kontext. Unter Leitung des Juristen hat die Forschungsstelle für Immobilienrecht das Phänomen untersucht. Nach der aufwändigen Kampagne wurden der Universität schließlich 1347 Fälle gemeldet. "Bei den meisten stellte sich aber heraus", sagt Artz, "dass es sich gar nicht wirklich um Mietnomaden handelte".

So schrumpfte die Zahl der tatsächlichen Fälle auf 426 zusammen, die sich auf mehrere Jahre verteilen. Die Schadenssumme liege nach Angaben der Vermieter in 45 Prozent aller Fälle unter 5000 Euro und weitere 30 Prozent blieben unter 10 000. Artz betont dabei, dass seriöse Aussagen über die genaue Größenordnung der jährlichen Fälle unmöglich seien, die Studie sei zudem eher qualitativ als quantitativ. Dennoch lasse sich festhalten, dass das Problem offenbar "dramatisch überschätzt" werde und die gefühlte Betroffenheit größer sei als die tatsächliche. Noch deutlicher kommentierte Franz-Georg Rips, der Präsident des Deutschen Mieterbundes: "Es existiert kein nennenswertes Mietnomadenproblem in Deutschland." Anders hingegen die Einschätzung bei Haus & Grund: "Dieses Ergebnis übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen", interpretierte der damalige Präsident Rolf Kornemann die wissenschaftlichen Befunde. Der Mietbetrug habe "mittlerweile offensichtlich Dimensionen angenommen, die der Gesetzgeber nun nicht länger ignorieren" könne.

Und tatsächlich: Die schwarz-gelbe Koalition folgte, der empirischen Evidenz ungeachtet, den Empfehlungen der Grundbesitzer und verschärfte 2012 das Mietrecht, angeblich um besser gegen Mietnomaden vorgehen zu können. Doch auch solche Mieter, die gar nicht mutwillig die Zeche prellen, sondern aus finanziellen Engpässen in zwischenzeitliche Zahlungsrückstände geraten, können seit der Änderung leichter vor die Tür gesetzt werden

"Bitte verwenden Sie die richtigen Zahlen"

Noch heute führt Haus & Grund das Randphänomen der Mietnomaden an, um politische Forderungen zu untermauern – etwa um Leerstand zu rechtfertigen. So will Ulrich Wecker, Geschäftsführer von Haus & Grund Stuttgart und Chefredakteur der baden-württembergischen Mitgliederzeitschrift, "nicht ausschließen, dass ein Vermieter, nachdem er einem Mietnomaden aufgesessen ist, vor lauter Enttäuschung seine Wohnung einmal leerstehen lässt." Jürgen Zeeb, der als Fraktionsvorsitzender für die Freien Wähler im Stuttgarter Gemeinderat sitzt, brachte diese Einschätzung wortgleich in die Generaldebatte Wohnen ein, in deren Rahmen sich die Kommunalpolitik Mitte Juni mit der zunehmenden Wohnungsnot auseinandersetzte.

Aber wie viele Fälle von Mietnomadentum gibt es eigentlich in der Region? Auf Anfrage beim Rathaus Stuttgart erläutert ein Sprecher der Stadt, dass die Verwaltung keine belastbaren Zahlen vorlegen könne, da es sich "bei Mietrückständen um privatrechtliche Auseinandersetzungen handelt". Nach Angaben der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SWSG werden nur bei einem von 200 Mietern in den ersten zwölf Monaten überhaupt Zahlungsrückstände registriert. Meist nicht, weil eine betrügerische Absicht vorliegt, überwiegend seien es "persönliche Gründe, die zu Rückständen führen", etwa verursacht durch Schicksalsschläge. Der Mietnomade ist im Gegensatz dazu per Definition "jemand, der eine Wohnung mit dem Vorsatz mietet, niemals Miete zu zahlen, und erst im Zuge einer Räumungsklage auszieht".

"Eigentlich besteht kaum eine Gefahr", sagt Markus Artz von der Uni Bielefeld, "einem Betrüger aufzusitzen, wenn man Interessenten ordentlich überprüft". Als Vermieter sei es legitim, die Solvenz von Mietinteressenten ermitteln zu wollen. Dazu biete das Gesetz ausreichend Möglichkeiten, etwa durch eine Schufa-Auskunft oder Einkommensnachweise. "Mit dem Mietnomadentum Leerstand rechtfertigen zu wollen, halte ich für vorgeschoben. Das ist Kokolores."

Also noch eine Anfrage bei Haus & Grund, wie groß das Problem in der Landeshauptstadt eingeschätzt wird. "Für Stuttgart gibt es keine konkrete Erhebung", antwortet Lokalchef Ulrich Wecker, das Problem stelle "in den absoluten Zahlen keine große Bedeutung dar". Bundesweit gehe Haus & Grund (Stand 2018) von 15 000 Fällen aus. Wenn es einen Vermieter treffe, "ist es wirklich hart", dann belaufe sich der Schaden "schnell auf 30 000 bis 50 000 Euro". Und schließlich der freundliche Appell, beim Stuttgarter Leerstand-Problem nicht zu übertreiben: "Um einer unzutreffenden Einordnung in Ihrem tendenziösen Blatt aber auch schon vorzubeugen, bitte ich die richtigen Zahlen zu verwenden." Ob der gleiche Anspruch für den eigenen Verein gilt?


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13 Kommentare verfügbar

  • Mike T
    am 15.07.2018
    Selbstgemachte Wohnungsknappheit
    Nach 2 Mietnomaden in 10 Jahren vermieten wir die Einliegerwohnung nicht mehr. Wir bleiben auf unseren Kosten sitzen. Ein Gerichtsverfahren kostet bei 5000 € schlechtem Geld weitere 1000 € gutes Geld. Der Titel ist nach kurzer Zeit obsolet durch erleichterte Privatinsolvenz.
    Dabei trifft es vor Allem die kleinen privaten Vermieter mit ein, zwei Wohnungen. Ich würde nur noch mit einer Staatsbürgschaft vermieten. Damit sind die Wohnungen vom Markt. Die unbescholtene Mehrheit büßt für die Fehler einzelner.
    • Peter Kurtenacker
      am 15.07.2018
      Leider kenne ich diese Aussage auch von anderen Wohnungseigentümer.
      Und ein verschärftes Recht für Mieter verbessert die Lage keineswegs.
      Man muss leider klar zugeben, es gibt solche und solche Menschen.
      Manche will keiner als Mieter, Nachbarn, Kollegen, Arbeiter, usw. haben.
      Und dieses Problem hat überhaupt nichts mit der Gesellschaftsform oder unterschiedlichen Nationalitäten, Religionen, usw. zu tun.
      Das ist schlicht weg ein menschliches Problem. Die Auswirkungen betreffen aber alle.
      Profis können so etwas mit einer "gewissen Gewalt" schneller lösen.
  • Thomas Schöffel
    am 14.07.2018
    Ich arbeite seit 25 Jahren in der Immobilienbranche und kann Ihnen mitteilen: Wir sind nicht alle gleich. Es gibt kleine und große, dumme und intelligente usw. Und es gibt Eigenschaften, die man einer Gruppe relativ sicher zuordnen kann. So wie man ziemlich sicher der Gruppe von Franzosen zuordnen kann, daß sie einen typisch französischen Lebensstil pflegt, weiß man ebenso, daß eine Gruppe, die oft im südosteuropäischen Raum vorkommt, völlig unfähig ist, auch nur in Ansätzen dem nachzukommen, was wir hierzulande mit Sauberkeit und Ordnung in Verbindung bringen. Müll, Dreck, Vewahrlosung, Frechheit und Gewaltandrohung sind Erfahrungen, die man als Hausverwalter extrem ungern macht. Man hatte sich wieder mal bequatschen lassen. Reißleine ! Diese Gruppe, deren Bezeichnung ich hier wiederzugeben mich tunlichst hüten werde, bekommt nicht nur von mir, sondern auch vielen Kollegen und anderen, die diese Erfahrung gemacht haben, nichts mehr. Niente. Nada. Zero. Null. Ende der Durchsage.
  • Andrea K.
    am 12.07.2018
    Ich stimme der Aussage zu, dass für den Betroffenen die Statistik irrelevant ist. Natürlich versucht man, einen zahlungsfähigen Mieter zu erwischen - aber wer rechtzeitig bei seinem hochbetagten Großvater einzieht, erbt den Mietvertrag und kann nicht gekündigt werden. Natürlich wird die Miete zunächst vom Amt bezahlt, aber eine Handhabe eine Abtretung durchzusetzen hat man nicht. Wenn der Mieter verschwindet endet dann die Mietzahlung irgendwann - in meinem Fall musste sich die Vermieterin rechtfertigen, warum sie das Verschwinden nicht rechtzeitig beim Sozialamt angezeigt hat, denn da müsse man ja jetzt prüfen, ob hier nicht Leistungsbetrug (durch den Vermieter!) vorläge.

    Tja, die Wohnung ist verwüstet, das knappe Budget reichte dann schon für reichlich zurückgelassene und verderbende Lebensmittel. Die Räumung der Wohnung? Auf eigenes Risiko. Erstmal muss man ja 3 Monate Mietrückstand absitzen, bevor man das Mietverhältnis überhaupt beenden kann. Und taucht der Mieter später wieder auf und beansprucht sein Eigentum, kann er auf Schadenersatz klagen, schließlich hat man ja "fremdes Eigentum entsorgt".

    Natürlich war das ein Einzelfall - aber wer als Privatperson einmal dieses Theater erlebt hat, kann nie wieder ohne Bauchschmerzen vermieten. Von den Kosten gar nicht zu reden. Wer noch eines dieser Modelle an der Backe hat, wo sich die Wohnung über die Mieteinkünfte "selbst finanziert" ist da vielleicht schon in der Pfändung. Und wer den finanziellen Schaden verkraftet, verkraftet vielleicht auch einen längeren Mietausfall, wenn er nur seine Ruhe hat.

    Das Mietrecht wurde immer darauf getrimmt, Menschen vor Wohnbaugesellschaften zu schützen, was sicher kein Fehler ist. Doch leider sorgt es in seiner Pauschalität dafür, dass das Risiko der Vermietung für Privatpersonen immer größer wird. Egal welchen Formularvertrag man heute abschließt, er kann übermorgen nichtig sein. Warum also sollten Privatpersonen ihr Geld in Mietshäusern anlegen? Und damit schafft das Mietrecht das, was warhscheinlich nie gewollt war: Es wird irgendwann überhaupt nur noch Wohnbaugesellschaften als Vermieter geben. Und wie man Großkonzerne wie Vonovia kontrollieren soll, ist nicht nur mir sondern auch unserer Politik ein Rätsel.
    • Andromeda Müller
      am 14.07.2018
      Sehr geehrte Frau K. ,
      vielen Dank , das entspricht auch meinem Informationsstand seitens eines Bekannten. Siehe Kommentar zu Herrn Roses Kommentar.
      Die "Politik" hat die Menschen aber von den Wohnungsbaugesellschaften weg den Heuschrecken übergeben. Und die "Politik" will Vonovia & Co. gar nicht kontrollieren. Sie will , da stimme ich ihrer Dystopie zu , vielleicht nur noch Kapitalgesellschaften als Vermieter. Denn ,- und da bin ich jetzt ganz links- ,das Geld der Finanzmärkte muß irgendwo Rendite bringen , und die ist am Sichersten bei Dingen der Lebensfürsorge (Privatisierung der Wasserversorgung, "Privatisierung" des Wohnen, Transport/Privatisierung der DB usw.), bzw. wo subventioniert wird (Kernenergie, Agrar-Industrie-essen muß auch jeder aus verschiedenen Gründen , daher ist Franz Münteferings Zitat :"Wer nicht arbeiten will soll auch nicht essen" falsch),
      und , - da bin ich jetzt mal bürgerlich -, es gibt einfach viel privates Immobilienvermögen , daß zur Renditemaximierung noch Potential bietet. Und das Geld sucht ja diesbezüglich händeringend nach Investitionsmöglichkeiten . Einfach die privaten Vermieter piesacken , die gehen in die Märkte , rumms ein Crash und sie sind alles los. Merci. Der "Markt" wird es schon richten.
      Ist nicht auch der "Mittelstand" schon längst Zielgruppe ?
  • Martin Speiser
    am 12.07.2018
    Zum Artikel noch eine ergänzende Info. Der Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion der Freien Wähler, Jürgen Zeeb, ist laut Website von Haus und Grund dort stellvertretender Vorsitzender im Vereinsvorstand.
  • Mattti Illoinen
    am 12.07.2018
    Mit Sicherheit, gab und gibt es solche Fälle, aber natürlich sind das auf die Gesamtzahl von Mietverträgen, als Einzelfälle zu bezeichnen. Aber das hat noch nie Interessierte Kreise gekümmert. Hier war und ist es ähnlich, wie es um die Zahlen von "Florida Rolf" und Co ging und geht. Noch immer geistern durch das Boulevard, "Horror-Geschichten" durchs Land. In den seltensten Fällen, entpuppt sich das vom Boulevard aufgebauschte Thema, nach genauer Überprüfung auch wirklich zu. Aber das interessiert dann niemand mehr, solange Vorurteile bestätigt werden, gibt es auch Quote.
  • Marcel Rose
    am 12.07.2018
    Mir hat der Text gut gefallen. Sauber ausgearbeitet und auf die Widersprüche hingewiesen in die der Verband sich verstrickt.
    Die Zahlen decken sich mit meiner Erfahrung im Zivilprozess. Nach 10 Jahren ist mir KEINE einzige Akte mit Mietnomadentum usw. untergekommen.
    Richtig ist, dass es häufig Mietrückstände bis zu 5000 € gibt. Da hat aber der Vermieter nicht schnell genug reagiert, sondern die Sache erstmal eine Weile laufen lassen. Sonst würden solche Forderungen in der Höhe nicht auflaufen.
  • Ralf Bennecker
    am 11.07.2018
    Allein die Auswahl ihrer Bilder und die zugehörigen Bildtexte zeigen deutlich, dass Ihre Redaktion an einer sachlichen Berichterstattung ohne ideologische Scheuklappen überhaupt nicht interessiert ist. Wohnungsbesitzer sind für Kontext per se geldgierige Hyänen und Lügner, die Statistiken für ihre Zwecke zurecht biegen. Oder ist der Beitrag einfach nur eine Satire - und ich habe dies nicht bemerkt?

    Ich nehme die Einstellung zu diesem Thema - wie auch vielen anderen - zur Kenntnis. Kontext wird mich aber von der Richtigkeit der in der Redaktion, bzw. in den Köpfen ihrer Autoren, aufgestellten Thesen nicht überzeugen können. Meiner Überzeugung nach hat die Berichterstattung von Kontext überwiegend das Ziel Sozialneid zu erzeugen.

    Was ich dabei nur nicht verstehe ist, dass die Macher der Beiträge oft nach langjährigen Tätigkeiten als Journalisten - jetzt mehr oder weniger als Ruheständler - selbst in wirtschaftlich guter Situation im finanziellen Sattel sitzen.
    • Peter Hermann
      am 11.07.2018
      D'accord Herr Bennecker, schon die Überschrift ist infam, tut sie doch so, als gäbe es garkeine Mietnomaden: das Wort "Mär" bezeichnet gemeinhin etwas erfundenes, ein Märchen eben. Auch mir stößt die ideologische Kampfrhetorik mancher Kontext-Beiträge in letzter Zeit immer saurer auf. Schade um ein eigentlich lobens- und unterstützenswertes Zeitungsprojekt. Wenn es in unserem unmittelbaren (ländlichen) Umfeld schon zwei Fälle von Mietvandalismus gegeben hat (von denen einer über verstopfte Abwasserkanäle sogar in einem Haus drei Häuser weiter für Rückstau und Überflutung sorgte!) dann kann man sich auch mit
      wenig Phantasie vorstellen, wieviel Mietnomaden es erst in den Großstädten geben mag. Die angebliche "Mär" ist also keine, sondern traurige Wirklichkeit.
    • Karl Heinz Siber
      am 11.07.2018
      LIeber Herr Bennecker, Ihre Polemik gegen den Artikel (und generell gegen die Kontext-Wochezeitung) geht ins Leere, denn für das, was Sie den Kontext-Journaliste vorwerfen, führen Sie keinen einzigen triftigen Beleg an. Sie scheiben: "Wohnungsbesitzer sind für Kontext per se geldgierige Hyänen und Lügner, die Statistiken für ihre Zwecke zurecht biegen." An welcher Stelle des Artikels wird ein Urteil über "die Wohnungsbesitzer" gefällt? Die Rede ist nirgendwo von den Wohnungsbesitzern, sondern von deren Interessenverband Haus & Grund. Dass die von Haus & Grund genannten Zahlen zum Mietnomadentum weit überhöht sind und dass Haus & Grund das selbst auch wissen müsste, wird in dem Artikel m.E. schlüssig nachgewiesen und an einigen Stellen mit leicht süffisanter Ironie kommentiert. Der Artikel hat sicherlich erheblich mehr Niveau als Ihr Leserkommentar.
    • Peter Kurtenacker
      am 12.07.2018
      Bin gespannt ob der Text durchkommt. Auch bei Kontext ist schon lange Zensur angesagt. Halt diesmal von links. Man schaue sich bei bestimmten Ausgaben die Briefschreiber an, dann weis man das hier das linke Spektrum die Meinungshoheit hat.
      Es wundert mich wenn andere Ansichten überhaupt noch veröffentlicht werden. Bei den "Rechten und Konservativen" läuft das ganze halt umgekehrt.
      Zum Thema Wohnungsnot: Als Bautechniker habe ich das ganze Thema während meines gesamten Berufsleben mitgemacht. Nicht umsonst lieben Bauleute die Grossprojekte. Man will wie beim Daimler möglichst an einen Ort schaffen und regelmässiges Gehalt von einen Bauherrn haben. Das gibt es halt nur bei Grossprojekten. Richtig verdient habe ich erst in einer Baufirma und nicht im Ingenieurbüro am Anfang. Im Wohnungsbau verdiente man Jahrelang nichts und hatte nur Ärger wegen jedes kleinen Mangel. Bald heisst es, zahle den Mist, sonst kriegt es der nächste. Die Schlange ist lang.
      Und die "Gesellschaft" fördert das in anderen Bereichen, warum soll dann der Wohnungsbau anders laufen? Amanzon lässt grüssen.
      Die "Linken" machen da im Prinzip auch mit, auch sie wollen vor allen Wohnungsbau-Grossprojekte. Da können dann ein paar Intellektuelle Führungsleute wie bei der "Schönen neuen Welt" mit der Austeilung von "Soma" über die Massen herrschen.
      Die Kernproblem des Wohnungsmarktes sind überhöhtes Anspruchsdenken (schon bei Altbauten wird von Bruchbude geredet), immer grössere Verdichtung auf Kernzentren (nicht nur durch Ausländer bedingt) und die fehlende Bereitschaft Geld und Land in solche Bereiche zu geben. Verdichten auf einzelne Gebiete schont eigentlich andere Landesteile.
      Ich brauche mir nur an zu schauen wie viel Geld im Augenblick für Vergnügungen usw. ausgegeben werden. Wer ist schon bereit zu verzichten? Lieber 3x Urlaub, am besten in Airbnb-Wohnungen!
      Wer, wie ich, seine Wohnung über Jahre abgezahlt hat und auf etliches verzichtet hat, kann nur den Kopf über die jetzige Entwicklung schütteln.
      Auch eine Eigentumswohnung ist nicht kostenlos. Und irgendwie hat man das Gefühl die Linken versprechen jetzt Geschenke für alle. Die Probleme sind jedenfalls nicht von heute auf morgen zu lösen, siehe Ex-DDR.
      Ich brauche nicht weit zu gehen um eine mangelnde Bereitschaft zum Lernen und aktiven Gestalten des Lebens mit zu erleben. Die Mieter in unseren Haus sind nicht in der Lage, das auf die Reihe zu kriegen. Aber sie haben eine Meinung über die Softserie im TV. Die wurde in einer Luxuswohnung gedreht.
      Der Leidensdruck wird noch steigen, bevor sich was tut in unseren Land. Ob Links oder Rechts, die einfachen Lösungen funktionieren nicht. Und die Mietnomaden bekommen bald ihre eigene Schufa. Nicht umsonst fragen die Vermieter alles schon vorher ab. Und da traut sich bald keiner mehr zu widersprechen. Warum auch? Die Daten werden eh über Facebook und Co gesammelt.
      Aldus Huxley "Schöne neue Welt" ist immer noch lesenswert, falls jemand wissen will wohin unsere Gesellschaft gerade geht.
  • Marla V.
    am 11.07.2018
    Danke für den Artikel! Da sieht man wieder: wozu braucht es in unserer Statistikeritis Welt verlässliche Zahlen, wenn man auch so mobben kann?

    Es wäre doch mal Zeit, einen Journalistenkongress anzuregen! (Seit RTL und Focus Gründung erwartete ich dieses und spätestens ab 2010 wäre es in Stuttgart dringends geboten gewesen :(
    Welche Verantwortung haben Medien/Journalisten, wenn sie hysterisch, oft in bewusst-loser Unkenntnis der Realitäten (fakenews, echokammern), pegida-artig ganze Menschengruppen an den Pranger stellen?
    Journalisten als unverantwortliche und verantwortungslose Schreibtischtäter!

    Dieses System 'Kacke in den Ventilator zu kippen' und dann anschließend mit großen Augen moralisierend über braune Flecken erregt und hysterisch debattieren geht mir seit Jahrzehnten auf den Senkel! LGPRR ist ein stimmiger Begriff!
    Tucholsky:"der Nachrichtendienst ist das kompliziertes Lügengewebe, das je erfunden wurde"
    Damit könnte ich ja noch leben, aber das Journalisten niemals für die Folgen ihrer vertexteten und gesprochene Gewalt gerade stehen müssen, nicht!

    Ging nicht der 'Mietnomaden' hype mit einem Großen Ganzen einher? System21?
    Die Abkehr von allen sozial-demokratisch-humanistischen Errungenschaften.

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