Während der Autoverkehr in der Stauhauptstadt Stuttgart regelmäßig kollabiert, kommt wenigstens die Stadtbahn voran. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 367
Politik

Freie Fahrt

Von Minh Schredle
Datum: 11.04.2018
Die Stuttgarter Initiative Freifahren kämpft für eine radikale Verkehrswende. Der Nahverkehr soll gebührenfrei werden. Bislang wird vor allem der PKW subventioniert, mit 90 Milliarden Euro pro Jahr. Für klimafreundliche Fortbewegung bleibt nur ein Bruchteil übrig.

Der Ort war gut gewählt, und alle Teilnehmenden bekamen eine Tageskarte spendiert: Freifahrer und die Gemeinderatsfraktion SÖS-Linke-Plus haben vergangene Woche zum gemeinsamen Pressegespräch in die Stadtbahn geladen. Hier, in einem der knallig gelben Wagen der U 14 Richtung Mühlhausen, skizziert die zu Jahresbeginn gegründete Initiative Freifahren Stuttgart zusammen mit dem linken Stadtrat Tom Adler die gemeinsame Vision vom Nahverkehr zum Nulltarif. Sie haben eine verblüffende Botschaft im Gepäck: Mit einer gebührenfreien Beförderung in Bussen und Bahnen würden Gemeinden nicht nur Lebensqualität dazugewinnen, sondern langfristig sogar Geld sparen.

Angesichts der gut 200 Millionen Euro, welche die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) jedes Jahr an Ticketerlösen einnimmt, scheint diese These zunächst gewagt. Schließlich wird gerade beim fahrscheinfreien Fahren immer wieder der angeblich immense Kostenfaktor angeführt. Klar ist für die Stuttgarter Kommunalpolitik jedenfalls: Würden die Einnahmen durch Fahrkartenverkäufe für das städtische Verkehrsunternehmen mit gut 3000 MitarbeiterInnen entfallen, müsste der Verlust durch öffentliche Gelder kompensiert werden. Schon heute arbeitet die SSB nur zu knapp 60 Prozent kostendeckend. Der ÖPNV funktioniert, wenn er für seine NutzerInnen bezahlbar bleiben soll, nur als Zuschussgeschäft.

Das will von den Freifahrern niemand in Abrede stellen. "Aber der Autoverkehr", sagt Andrea Schmidt, Sprecherin der Initiative, "kostet den Staat ein Vielfaches." Neben den Kosten für Straßenbau, -unterhalt und -sanierungen müssten dabei auch die Ausgaben für Gesundheits- und Umweltschäden berücksichtigt werden, die Verbrennungsmotoren durch Schadstoffausstoß und Lärmbelästigung verursachen. Ebenso in die Rechnung gehörten die jährlich 3200 Unfalltoten und 390 000 Verletzten, die der Individualverkehr allein in der Bundesrepublik fordert.

Autoverkehr ist drei Mal so teuer

Die Verkehrsplaner der Universität Kassel haben sich diese Gesamtkosten genauer angeguckt. Ihre noch unveröffentlichte Studie, deren Teilergebnisse der Redaktion vorliegen, kommt zu einem verblüffenden Befund: "Der PKW-Verkehr in einer deutschen Großstadt kostet die öffentliche Hand und die Allgemeinheit etwa das Dreifache wie der ÖPNV." Beide Verkehrsmittel erfordern Investitionen in die Infrastruktur und deren Unterhalt. Doch im Gegensatz zu den Erlösen durch Fahrscheinverkäufe im ÖPNV, heißt es in der Untersuchung, erzielen Gemeinden und Städte bislang keine unmittelbaren Einnahmen durch die PKW-Benutzung ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.

Meinhard Zistel, beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen zuständig für die Finanzierung des Öffentlichen Nahverkehrs, kommentiert diese Ergebnisse: "Der ÖPNV wird bisher vor allem als Kostenfaktor wahrgenommen. Jetzt sehen wir, dass andere Verkehrsträger für die Kommunen viel mehr Kosten verursachen." Und Verkehrswissenschaftler Carsten Sommer, federführend für die Durchführung der Untersuchung, winkt in einer Pressemitteilung mit dem Zaunpfahl: "Wir geben den Entscheidern in der Politik das Instrument an die Hand, sich faktenbasiert zu entscheiden." Es muss sich etwas bewegen.

Laut Heiner Monheim, der als Verkehrswissenschaftler seit Jahrzehnten an Konzepten zu nachhaltiger Mobilität arbeitet, kommen 80 Prozent aller öffentlichen Ausgaben für den Verkehr der Automobilindustrie zugute. Die Initiative Freifahren will etwas an diesen Verhältnissen ändern. Ausgaben der Allgemeinheit sollen vermehrt klima- und gesundheitsverträglichen Verkehrsmitteln zukommen. Beispielsweise über eine Nahverkehrsabgabe, wie sie in Stuttgart immer wieder für Kontroversen sorgt, auf städtischer und auf Landesebene.

Im Gemeinderat der Landeshauptstadt geht es dabei, zumindest gegenwärtig, nicht um einen komplett gebührenfreien Nahverkehr, sondern darum, Busse und Bahnen kostengünstiger zu machen. Insbesondere die Jahreskarte soll nach Vorstellungen von Grünen, SPD und SÖS-Linke-Plus bedeutend günstiger werden. Aktuell kostet diese in der günstigsten Variante, mit der sich eine von sieben Zonen nutzen lässt, pro Jahr 676 Euro und die Karte für den Gesamtverbund 2210 Euro. Derzeit gäbe es im Gemeinderat grundsätzlich eine hauchzarte Mehrheit für ein einheitliches 365-Euro-Jahresticket (Grüne, SPD und SÖS-Linke-Plus kommen auf 31 von 60 Stimmen).

Jahresticket für Autofahrer: Anreiz zum Umstieg

SÖS-Linke-Plus hat diesen Vorschlag bereits Ende 2017 eingebracht. Mitte März dieses Jahres stellten die Grünen ein ähnliches Konzept vor. Neu ist der Finanzierungsvorschlag: Den günstigeren Nahverkehr sollen in der grünen Variante die Autofahrer bezahlen. Wer künftig mit dem Auto ins Stuttgarter Stadtgebiet einfahren will, soll demzufolge ein Nahverkehrsticket unter die Windschutzscheibe klemmen müssen. "Wenn sich ein Autofahrer eine Jahreskarte besorgt", erläutert das die Grünen-Fraktionsvorsitzende Anna Deparnay-Grunenberg im Gespräch mit Kontext, " nehmen sie womöglich eher die Bahn, wenn sie sowieso schon dafür bezahlt haben." Und wer dennoch ausschließlich mit dem Auto fahren wolle, zahle mit diesem Modell einen Beitrag, dass sich andere kostengünstiger und klimafreundlicher fortbewegen können.

Der linke Stadtrat Tom Adler signalisiert Zustimmung seiner Fraktion. Allerdings als Übergangslösung, als "eine Etappe auf dem Weg zum gebührenfreien Nahverkehr". Das Engagement für diesen sei wiederum, wie Deparnay-Grunenberg betont, "keine grüne Position": Denn motorisierte Mobilität verbrauche immer Ressourcen, "das würde ein falsches Modell vermitteln, wenn das völlig umsonst wäre".

Abgesehen von diesen Meinungsverschiedenheiten gibt es ein weitaus größeres Hemmnis: Denn aktuell fehlt die Rechtsgrundlage, um überhaupt eine Verkehrsabgabe zu erheben. Wenn nun der Öffentliche Nahverkehr günstiger werden soll, so argumentieren zahlreiche Kommunen, müsse dafür entweder mehr Geld von Bund und Land rüberwachsen. Oder aber es müsse die Möglichkeit geschaffen werden, eine solche Abgabe einzuführen, wie sie auch der grüne Landesverkehrsminister Winfried Hermann fordert.

Das allerdings blockiert der schwarze Koalitionspartner im Landtag. Thomas Dörfler, der verkehrspolitische Sprecher der Union in Baden-Württemberg, bekräftigt auf Rückfrage der Redaktion: "Die CDU-Landtagsfraktion hat bereits im letzten Jahr, als es um die Fortschreibung des Luftreinhalteplans in Stuttgart ging, deutlich gemacht, dass sie einer Zwangsabgabe – und nichts anderes ist die Nahverkehrsabgabe – nicht zustimmen wird." Eine "Bevormundung der Bevölkerung" sieht der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke in einer solchen Abgabe: "Das hat der Bevölkerung gerade noch gefehlt."

Ungeheuerlich also, für ein Verkehrsmittel zu bezahlen, das man gar nicht benutzt? Zwangsbeglückung? An dieser Stelle scheint ein Blick angebracht, wohin öffentliche Gelder aktuell fließen. Und hier sollten gerade Wirtschaftsliberale hellhörig werden, die den Staat gerne für einen verantwortungslosen Umgang mit Steuergeldern geißeln. Denn solidarisch finanziert wird gegenwärtig vor allem der PKW.

Nach Kalkulationen der Technischen Universität Dresden, die Umweltzerstörung und Gesundheitsschäden mit einberechnen, wird ein einzelner PKW in Deutschland mit 2000 Euro pro Jahr subventioniert. Dadurch ergeben sich für den Staat Gesamtkosten von jährlich knapp 90 Milliarden Euro. Denen stehen Steuereinnahmen von circa 8,5 Milliarden Euro durch die KFZ-Steuer und etwa 37 Milliarden Euro durch die Besteuerung fossiler Kraftstoffe gegenüber. Das ist gerade mal die Hälfte. Heißt im Klartext: Selbst wer ganz aufs Autofahren verzichtet, finanziert individuelles Fahrvergnügung quer. 

Eine aktuelle Untersuchung des Verkehrsclub Österreich, die Mobilität als Soziale Frage betrachtet und sich auch der Situation in Deutschland annimmt, kommt zum Ergebnis: "Ein Personenkilometer im städtischen und regionalen Öffentlichen Verkehr kostet zwischen 7 und 12 Cent. Werden alle Kosten berücksichtigt – also auch Steuern und Versicherung, Nebenkosten und die Abschreibung auf den Kaufpreis – kommt ein gebrauchter Kleinwagen auf 17 Cent pro Personenkilometer, ein Neuwagen der Mittelklasse auf 43 Cent." Zudem wird darauf verwiesen, dass "Personen des untersten Einkommensviertels für Mobilität 1,7 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr" verbrauchen, und "das oberste Einkommensviertel mit 5,4 Tonnen CO2-Äquivalenten dreimal so viel". Auch wenn ihre Teilschuld deutlich kleiner sei, würden einkommensarme Menschen überproportional an den Folgen der Umweltzerstörung leiden.

Klimaschutzziel erfordert 85 Prozent weniger PKWs bis 2050

Selbst optimistischere Zukunftsprognosen, die annehmen, dass es der Weltgemeinschaft gelingt, die globale Erwärmung auf 1,5 bis 2 Grad Celsius zu begrenzen, gehen davon aus, dass Millionen von Menschen durch den Klimawandel ihre Heimat und ihre Lebensgrundlage verlieren werden. Die Bundesregierung hat daher unter konservativer Führung das Ziel benannt, die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 im Vergleich zu den Werten von 1990 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren.

Für den Südwesten, wo beinahe ein Drittel aller klimaschädlichen Emissionen durch den Verkehr verursacht werden, würde das bedeuten, dass der PKW-Bestand in den kommenden 30 Jahren um 85 Prozent verringert werden muss. Zu dieser Einschätzung kommt die Studie "Neue Mobilität", durchgeführt von der Baden-Württemberg-Stiftung. Dabei setzen die ForscherInnen obendrein voraus, dass ab 2030 keine neuen Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden.

Ein Szenario, das die CDU-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg auf Anfrage von Kontext als "in diesem Umfang nicht realistisch" bezeichnet. Zwar sei für "dicht besiedelte Ballungsräume denkbar, dass ein gut ausgebauter ÖPNV den Individualverkehr sukzessive ersetzen kann", kommentiert der Verkehrspolitiker Dörfler. Für den ländlichen Raum werde jedoch "der PKW auf absehbare Zeit das wichtigste Fortbewegungsmittel" bleiben. "Am Ende gilt: Wir wollen den Menschen nicht vorschreiben, wie sie am besten von A nach B kommen."

Tatsächlich scheint die Realität weit entfernt von einer nachhaltigen Verkehrswende. Erst vergangene Woche wurde ein neuer Rekordwert verkündet: Bundesweit kommen auf 1000 BürgerInnen nunmehr 555 PKW, der höchste Motorisierungsgrad in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Anteil des Autoverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen, den zahlreiche Städte um 20 Prozent zurückschrauben wollen, nimmt zudem seit Jahren nicht nennenswert ab. "Wenn sich hieran etwas ändern soll", sagt Andrea Schmidt von der Initiative Freifahren, "braucht es viel mehr öffentlichen Druck."


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9 Kommentare verfügbar

  • Kornelia E.
    am 13.04.2018
    Leider wurde das Rad in den letzten 50Jahren immer mehr überdreht, um nur einseitig zu diskutieren!
    Nochmal: ab 74 Ölkrise war klar: es braucht Ressourcen schonende Ideen, um den Urenkeln eine Zukunft zu ermöglichen!

    Doch Politik entpolitisierte sich und entschied oft das Gegenteil von dem, was jede "schwäbische Hausfrau" natürlich entscheiden würde!

    Anstatt weniger Autos wurden und wird mehr "Freiheit für Autos" durchgesetzt!
    Anstatt das riesen ÖffiNetz zu stärken, zu sanieren, auszubauen, wurde zurückgebaut! (Mohnheim: Bahnhöfe werden stillgelegt/verkauft, von ca 730 000 auf knapp 400 000 reduziert!)

    Anstatt mehr denn je Wohnen, Leben, Arbeiten, Familie zusammen zu denken und damit zu planen (Politik!) wurde auseinandergerissen und entlebt!
    z.B. einkaufen auf den grünen Wiesen!
    Pendlerpauschalen (Solidaritätsabgaben für die Wirtschaft!), 2.,3.4. Wohnungen steuerlich begünstigt, etc pp
    Eine Automobil, und damit eine Ressourcen verbrauchende Politik wurde aktiv betrieben!
    Das Pendeln wurden zwangssolidarisch erpresst!

    Gleichzeitig wurde gerade das Land "entkernt" d.h. viele müssen zur Schule, zum Arzt, zum behördlichen Leben in die Stadt, Städter müssen zum Luft holen auf Land!

    Unser ganzen System wurde entgegen der Vernunft aufs Pendeln ausgerichtet!
    S.die berühmten Schrimps, die hin und her gekarrt werden!
  • Andrea K.
    am 12.04.2018
    Also für mich müsste der ÖPNV gar nicht in erster Linie kostenlos sein. Aber besser ausgebaut und mit zuverlässigen Verbindungen versehen. Meine tägliche Autofahrt (außerhalb der Innenstadt) dauert 20 bis maximal 40 Minuten. Mit dem ÖPNV planmäßig eine gute Stunde. Doch selbst auf dieses planmäßige ist ja kein Verlass, die Anschlüsse sind oft verpasst. Das ist doch nicht attraktiv. Zudem sind auf diesem Weg sowohl der Bus als auch die S-Bahn so voll, dass von "entspanntem Ankommen" keine Rede sein kann. Da rechnet man dann doch gar nicht, welches Verkehrsmittel billiger ist, da rechnet man, was man an Lebenszeit verliert.

    Der Preis interessiert mich eigentlich erst in der Freizeit so ganz vordringlich. Und da wird es dann tatsächlich schnell unverhältnismäßig. Vor allem, weil ich da sehr oft zu zweit unterwegs bin und auch noch ungünstig an einer Zonengrenze wohne. Ja, wenn da das Wetter nicht nach Fahrrad ist, dann ist das Auto schon eine große Versuchung.
  • Ruby Tuesday
    am 12.04.2018
    Alles was fehlt ist eine landesweite Solidarität. Der Verkehrsminister ist auf dem Weg ein Landesticket einzuführen. Warum ist es in Baden-Württemberg so unmöglich eine landesweite Initiative zu gründen. 1 Jahresticket für 365 Euro hat der Verkehrsverbund Vorarlberg erfolgreich realisiert, dazu wirklich vorbildliche Sozialtarife. Auszubildende, Schüler*innen und Studenten fahren praktisch zum Nulltarf. In der Regel fahren Berufspendler im Nahverkehr, das macht das Pendlerticket für 365 Euro so attraktiv. Nur in Baden-Württemberg köcheln alle ihr von regionalen oder Parteiinteressen gewürztes Süppchen. Die Verkehrsverbünde könnte man auflösen. Die Abrechnung mit den Verkehrsbetrieben über Datenverarbeitung erledigen. Aber es scheint alle Politiker*innen sehen sich nur für den eigenen Futterplatz zuständig. Ob im Bodenseekreis, Konstanz, Stuttgart oder sonstwo. Schaut mal bei www.vmobil.at rein.
  • Peter Pan
    am 11.04.2018
    "... einer Zwangsabgabe – und nichts anderes ist die Nahverkehrsabgabe – nicht zustimmen wird." Eine "Bevormundung der Bevölkerung" sieht der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke in einer solchen Abgabe: "Das hat der Bevölkerung gerade noch gefehlt." || - Aha. Und was ist dann bitte die GEZ-Gebühr ? - Ist das keine Zwangsgebühr? - Die zahlt jeder Haushalt, egal ob Medienkonsument oder nicht, damit die Staaträson-mäßig relevante "Informationsmüll-Industrie" auch gut ausgestattet ist um jederzeit die für das Herrschaftsprinzip wichtige Meinungshoheit wahrzunehmen. Immer wieder scheint dieser "Bevormundungskomplex" bei denen auf, die uns doch die meiste Zeit bevormundet haben! (unchristliche Unionsparteien und neoliberale Marktgläubige) - Ist wohl schwer erträglich, wenn andere mit ihren Ideen zu Punkten versuchen. Und dann dieser Dörfler: "Für den ländlichen Raum werde jedoch "der PKW auf absehbare Zeit das wichtigste Fortbewegungsmittel" bleiben. "Am Ende gilt: Wir wollen den Menschen nicht vorschreiben, wie sie am besten von A nach B kommen." || - Aha. Aber den Rückbau der Schiene in der Fläche, wer hat denn den voran getrieben? - Er ist mit ein Grund dafür, dass im ländlichen Raum gar keine andere Entscheidung mehr möglich ist, als den PKW zu nutzen! - Wer so scheinheilig von der Selbstbestimmtheit der Entscheidung (wie komme ich von A nach B) faselt, der ist davon wahrscheinlich einfach nicht betroffen. Oder besoffen.
    Es ist doch so:
    In einer Gesellschaft, in der grundlegende Aufgaben für die Allgemeinheit solidarisch bewegt werden sollen, müssen auch solidarische Finanzierungsmodelle dafür her. Diese ewige (meist von Wohlhabenden formulierte) "ich-will-dafür-aber-nicht-bezahlen-weil-ich-es-nicht-nutze"-Mentalität ist das Beil in dem Spalt der Zwei-(oder mehr)-Klassen-Gesellschaft. Weg mit den alten Reflexen, nachgedacht und informiert, und dann gern mitdiskutiert. Ticketlosen ÖPNV gibt es in etlichen Städten, wo er auch Erfolge feiert. Völlig unterschiedlich finanziert. Klar gab und gibt es auch Bauchlandungen, Rückentwicklungen usw. Aber das gehört doch dazu. Davor müssen wir keine Angst haben.
  • Real Ist
    am 11.04.2018
    Deutsche und insbesondere Stuttgarter Autogegner gehen mal wieder mit gutem Beispiel voran, indem sie die Abschaffung des KFZ-Verkehrs incl. seiner Industrie verlangen, um das Weltklima zu retten und Gutes zu tun.
    Danach müssen wir nur noch so lange warten, bis alle Staaten der Erde sich unserer Welt-Rettungs-These anschließt, bei den Alleingängen AKW-Ausstieg und grenzenlose Masseneinwanderung kulturfremder Einwanderer ist das zwar noch nicht gelungen, aber es ist nur eine Zeitfrage, bis die Welt begreifen wird, dass nicht etwa Deutschland oder gar Stuttgart die Geisterfahrer sind, sondern der Rest der Welt.
    • Daniel S
      am 11.04.2018
      Also weitermachen wie bisher? Es gibt - schon heute! - ein internationales Klimaschutzabkommen, die vielleicht dringlichste Herausforderung in der Menschheitsgeschichte. Schon heute schwimmt eine Plastikinsel im Ozean, die viermal größer als Deutschland ist. 15000 Wissenschaftler warnen, dass der Umweltzerstörung dringend einhalt geboten werden muss. 30000 seriöse Untersuhcungen belegen den menschengemachten Klimawandel. Aber bestimmt ist all das linksgrünversifft-ökostalinistisches-Gutmenschengedöns!!! Nein, Recht haben wahrscheinlich Auto- und Erdöllobby, die ganz ohne ökonomisches Eigeninteresse, diese Panikmache entlarven. Und wenn dann der Planet zerstört ist, können sich Schlaumeier wie sie einen abwedeln, weil unsere KFZ-Industrie so geil gedeiht
    • Bernd Oehler
      am 11.04.2018
      Können wir denn hinsichtlich kulturfremder Einheimischer, die mit dem Asylrecht und der Genfer Konvention auf Kriegsfuß (sic!) zu stehen scheinen, auf eine grenzenlose Massenauswanderung hoffen? Die Achse Seehofer-Orban eröffnet da vielleicht Möglichkeiten – oder nehmen die nur reinrassige Magyaren?
      Bitte ersatzweise um das Rechenexempel, wann (Geburtenrate? Zeitraum?) die vier Millionen Muslime und die eine Million Flüchtlinge die 75 Millionen Authochthonen zahlenmäßig überflügelt haben werden.
    • Jerg Ratgeb
      am 11.04.2018
      Wenn sich der redliche Herr Dr. Gscheidle nicht ein weiteres Alter Ego zugelegt hat, muss man Ihre Einlassungen wohl oder übel ernst nehmen. „Real Ist“ dabei allerdings nur die Parallelwelt, in der Sie offenkundig leben:
      1. „…indem sie die Abschaffung des KFZ-Verkehrs incl. seiner Industrie verlangen, um das Weltklima zu retten und Gutes zu tun.“ Komisch, in dem Artikel, den Sie kommentieren, finde ich ein solches Verlangen nicht. Stattdessen wissenschaftlich fundierte Zahlen und Fakten zu den Folgen des motorisierten Individualverkehrs.
      2. „Welt-Rettungs-These“? Nö, es geht bloß darum, dass die Verantwortlichen in einer Stadt wie Stuttgart sich nun nicht länger davor drücken können, eine Verkehrswende herbeizuführen, weil es sonst richtig teuer wird. Weil hier nämlich seit Jahren, egal ob unter schwarzen oder grünen Häuptlingen, gegen geltendes Recht verstoßen wird – nein, nicht Stuttgarter oder deutsches Recht, sondern europäisches.
      3. „Autogegner“? Ich fahre für mein Leben gern Auto, aber doch nicht in der Stadt! Zur Arbeit bringt mich schneller und nervenschonender das Fahrrad oder, wenn’s heftig regnet oder schneit – da bin ich ganz Weichei –, die Bahn (die aber, und darum geht es hier, definitiv zu teuer ist).
      4. „Geisterfahrer“ sind immer diejenigen, die zu spät begreifen, dass die Welt sich wandelt. Dass die „autogerechte Stadt“ ein völlig überholtes Leitbild aus den 1960er und 1970er Jahren ist, weiß die Stadtplanung und inzwischen auch der Großteil der Politik längst. Nur bei der Umsetzung hapert es hierzulande noch, in Dänemark ist man da z.B. schon viel weiter.
      5. „…grenzenlose Masseneinwanderung kulturfremder Einwanderer“ (was kommt als nächstes: „Umvolkung“?). Zu dieser Phantasmagorie aus dem Pegida-Universum erübrigt sich eigentlich jeder Kommentar, mit Ausnahme dieses einen: Es ist noch gar nicht so lange her, da sprachen Leute wie Sie statt von „Kultur“ von „Rasse“…
    • Real ist
      am 12.04.2018
      Nicht das Auto, sondern der fehlerhafte Mensch ist das Problem, es wird dauernd auf die boshaften Autos gewettert, aber das Auto wurde vom Mensch gebaut und ist unschuldig, das Kern-Problem heißt Bevölkerungswachstum, der Mensch bewegt sich fort, verbraucht Güter und erzeugt Unmengen von Abfall, entweder stoppt der Mensch sein unvernünftiges Verhalten selbst, was eher unwarscheinlich ist, oder wird früher oder später vom eigenen Egoismus ausgelöscht, das Auto und insbesondere der Dieselantrieb spielt dabei nur eine unbedeutende Nebenrolle, Stickoxyde sind ein harmloses Gas, das politisch aufgebauscht wird, um von tatsächlichen Problemen wie Plastik im Meer, Schwermetalle in Gewässern, Atomabfällen, aktueller Weltkriegsgefahr, Abholzung von Regenwäldern, landwirtschaftlichem Raubbau uvm. abzulenken.
      Einen massiver Preinachlass für den ÖPNV wäre dennoch ein Schritt in die richtige Richtung, aber bitte nicht ganz so radikal.

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