Ausgabe 286
Politik

Die zehn Milliarden sind nicht alles

Von Winfried Wolf
Datum: 21.09.2016
Alle haben auf die Zahl zehn Milliarden für Stuttgart 21 gestarrt. Aber der Bundesrechnungshof hat viel mehr zu bieten: drei schallende Ohrfeigen für die Regierung Merkel. Eine fachkundige Analyse des lange unter Verschluss gehaltenen Prüfberichts, der eine heimliche Querfinanzierung aus Bundesmitteln unterstellt.

Das jahrelange Warten auf den neuen Bericht des Bundesrechnungshofs (BRH) zu Stuttgart 21 führte dazu, dass die Öffentlichkeit und insbesondere die Gegnerinnen und Gegner des Tiefbahnhofs sich immer mehr auf eine fixe Zahl konzentrierten: Stehen jetzt die "zehn Milliarden Euro" für die zu erwartenden Baukosten drin oder nicht?

Auch wenn es im Vorfeld immer wieder gute Recherchen gab, die auf die Differenziertheit der BRH-Untersuchungen verwiesen, etwa die Artikel von Thomas Wüpper in der "Stuttgarter Zeitung", so ist dieser Blickwinkel zu eng, wenn auch verständlich. Stuttgart 21 ist nun mal nicht nur das größte und teuerste Infrastrukturprojekt der Bundesrepublik Deutschland, auch die Kostensteigerungen sind rekordverdächtig.

Insofern gab es zunächst etwas Enttäuschung, als im ersten öffentlich gewordenen BRH-Bericht diese Zahl nicht zu finden ist - wegen "schutzbedürftiger Geschäftsdaten". Der BRH hat zu diesem Bereich einen "gesonderten Bericht" erstellt und dem "zuständigen Bundesfinanzgremium" zur Verfügung gestellt. Nachdem jetzt auch dieser zweite (mit "VS - Nur für den Dienstgebrauch" klassifizierte) BRH-Bericht erfreulicherweise öffentlich gemacht wurde, soll hier nicht über die Kosten-Prognose des BRH (siehe Kasten) debattiert werden, sondern über drei schallende Ohrfeigen für die Regierung Merkel.

Sie ist der Adressat, in beiden BRH-Berichten, nicht die Deutsche Bahn. Insofern ist es fast schon wieder lächerlich und dann vor allem bezeichnend, wenn sich der Konzern getroffen fühlte und vor wenigen Tagen Peter Sturm als einer der drei Geschäftsführer der S-21-Projektgesellschaft stellvertretend für die Bundesregierung in die Bütt ging. Sturm konzentrierte sich in einem Interview mit den STZN vor allem auf das Thema Kostensteigerungen. Wobei die zentrale Aussage von Manager Sturm, der BRH habe da nur "alte Unterlagen" aus dem Jahr 2013 vorliegen gehabt, bereits tags darauf vom BRH als unwahr bezeichnet wurde. Tatsächlich geht aus dem Bericht an mehreren Stellen hervor, dass die Top-Beamten nicht nur hartnäckig recherchierten und prinzipienfest argumentieren. Sie waren auch zeitnah unterwegs und haben unter anderem noch am 31. August 2016 Unterlagen der Deutschen Bahn AG eingesehen.

Wenn man eine Systematisierung des ersten BRH-Berichts vornehmen will, dann lässt sich dieser in drei Aspekten bündeln.

Das Bundesfass ohne Boden

Detailliert wird in dem Dokument vorgerechnet, dass der Bund bei der S-21-Finanzierung eben nicht nur mit den hundertfach zitierten 563,8 Millionen Euro beteiligt ist. Dass aus anderen Töpfen, die aus Bundesmitteln gespeist werden (so aus "Regionalisierungsmitteln" des Bundes, mit denen "eigentlich" der Schienennahverkehr in Baden-Württemberg finanziert werden sollte), erhebliche Summen im Stuttgarter Gipskeuper-Untergrund verbuddelt werden. Der BRH verweist zum Beispiel darauf, dass die 700 Millionen Euro, die die Bahn durch den Grundstücksverkauf an die Stadt Stuttgart einnahm, eigentlich dem Bund hätten zufließen müssen; dass es sich hier um einen "haushaltsrelevanten Einnahmeverzicht" handele, der zumindest immer mit – als Teil der Bundesfinanzierung für Stuttgart 21 – zu nennen sei. Insgesamt wird so seitens des BRH (Seite 15) ein "unmittelbares und mittelbares Engagement" des Bundes bei Stuttgart 21 in Höhe von 2,215 Milliarden Euro errechnet. Das entspricht interessanterweise fast exakt dem Betrag, der in der ersten Machbarkeitsstudie für S 21 als Gesamtkosten für das Projekt ausgewiesen wurde. 1995 wurden die S-21-Kosten mit 4,807 Milliarden angegeben – damals noch in Mark.

Der BRH-Bericht widmet sich ausführlich den Bundesmitteln für die Schieneninfrastruktur, die in dem Sammeltopf mit der Bezeichnung "Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung" – kurz LuFV – zusammengefasst sind. Dies ist deshalb interessant und weitgehend neu, weil der BRH ausführlich darlegt, dass dieser gewaltige Topf von jährlich rund vier Milliarden Euro fast komplett unter Kontrolle der Deutschen Bahn AG steht und die Ausgaben, die damit im Schienennetz getätigt werden, seitens des Bundes nicht wirksam kontrolliert würden. Der BRH hat dieses Thema bereits mehrfach – auch außerhalb des Themenbereichs S 21 – angesprochen und entsprechend kritisiert. Die LuFV ist hier deshalb wichtig, weil laut BRH "die Bahn aus unternehmerischen Gründen ein starkes Interesse [hat], Mehrausgaben [bei S 21] möglichst nicht mit eigenen Mitteln zu finanzieren". Die "Kontrolldefizite" bei der LuFV würden "Anreize bieten", die "Mehrkosten des Projekts Stuttgart 21 über die pauschalen Bundeszuschüsse der LuFV zu finanzieren".

Faktisch erklärt der BRH damit, es bestehe der begründete Verdacht, dass es eine solche heimliche Kofinanzierung längst gibt. Indem der BRH in seinem Bericht mehrfach dokumentiert, wie das Bundesverkehrsministerium (BMVI) sich hartnäckig weigert, diese "Kontrolldefizite" im Allgemeinen abzuschaffen und die LuFV-Mittel, die S 21 zufließen, im Besonderen transparent zu gestalten, wird dieser Verdacht nochmals fett und rot unterstrichen.

Das ist eine echte Klatsche: Der im Grundgesetz Art. 114 verankerte und unabhängige, also keinem Ministerium unterstellte Bundesrechnungshof unterstellt eine heimliche und bewusst verheimlichte Querfinanzierung von Stuttgart 21 aus Bundesmitteln. Was mit deutlichen Konsequenzen für das gesamte Schienennetz verbunden sei: Denn "damit würden LuFV-Mittel für Ersatzinvestitionen im Bestandsnetz der Schienenwege des Bundes fehlen". Was ja eigentlich den baden-württembergischen Verkehrsminister interessieren sollte. Warum bloß wird der Bau der Südbahn Ulm–Friedrichshafen–Lindau immer noch nicht konkret angegangen?

Von wegen "eigenwirtschaftlich"

Ein zweiter Aspekt im BRH-Bericht betrifft den Charakter von Stuttgart 21. Der BRH setzt sich wiederholt mit der Behauptung auseinander, Stuttgart 21 sei keine Bundesangelegenheit, sei ein "eigenwirtschaftliches Projekt" der Deutschen Bahn AG. Der BRH widerspricht dieser Position insbesondere hinsichtlich der darauf aufbauenden Argumentation, der Bund habe damit keine Kontrollaufgabe bei S 21. Verwiesen wird darauf, dass der Bund "Alleinaktionär" und "alleiniger Eigentümer" der DB AG sei, dass die Bundesmittel, die in S 21 fließen, eben nicht minoritär und nicht zu vernachlässigen seien. Vor allem aber stellt der BRH klar, dass Stuttgart 21, wenn der Kellerbahnhof denn gebaut sein würde, "Teil der Schienenwege des Bundes" sei, was wiederum in der Verfassung (GG Artikel 87e) festgelegt sei. Damit habe die Art und Weise, wie da gebuddelt werde, unmittelbare Auswirkungen auf den Bund selbst.

Ausführlich geht der Bericht darauf ein, dass der "Kostendruck" beim S-21-Projekt die Bahn dazu "verleiten" könne, die Bauausführung und Dimensionierung der Anlagekapazitäten "zu vereinfachen". Dumm wäre doch, wenn sich am Ende die Kapazität als zu gering "erweisen" würde. Dann müsse am Ende der Bund den "Knoten Stuttgart später kostenintensiv" aufrüsten.

Auch zu diesem Bereich berichtet der BRH, dass das zuständige Bundesverkehrsministerium mehrfach mitteilen ließ, "keinen Bedarf" an solchen "Qualitätskontrollen" zu "erkennen". Der BRH beharrt jedoch darauf, dass solche Kontrollen "dringend geboten" seien. Schließlich würden alle Tunnelanlagen und der Tiefbahnhof selbst am Ende als Schienenwege des Bundes "der verfassungsrechtlichen Gewährleistungs- und Finanzierungsverantwortung des Bundes unterliegen".

Kontrolle durch den Bund ist unverzichtbar

Der BRH-Bericht geht auf die seit mehr als einem Jahrzehnt geführte S-21-Auseinandersetzung im Bundestag ein, die fast immer in der gleichen Sackgasse endet: Die Bundesregierung beziehungsweise das Bundesverkehrsministerium erklären auf entsprechende Anfragen seitens der Partei Die Linke oder der Grünen, nicht zuständig zu sein, oder sie machen schlicht Falschaussagen. Zitiert wird, wie selbst im Bundestagsplenum seitens der Bundesregierung und der Regierungsparteien behauptet wird, dass der Bund sich an dem Projekt allein mit dem Festbetrag von 563,8 Millionen Euro beteilige. Was, siehe oben, der BRH einigermaßen anders bewertet.

Um die organisierte Intransparenz bei Stuttgart 21 zu beenden, um die Kontrollmöglichkeiten für das Großprojekt erst zu schaffen und jeden Missbrauch von Bundesmitteln auszuschließen, schlägt der Bundesrechnungshof etwas höchst Praktisches vor: Alle "mit Stuttgart 21 zusammenhängenden Mittel" sollten "möglichst an einer Stelle [...] übersichtlich und vollständig veranschlagt und transparent erläutert werden". Der BRH empfiehlt dabei dem BMVI, "dem Parlament zu den jährlichen Haushaltsberatungen über den Stand des Projektes Stuttgart 21 gesondert zu berichten". Dies sei politisch sinnvoll angesichts der "zahlreichen parlamentarischen Nachfragen zu den Projektkosten". Dies sei hinsichtlich der Dimension von S 21 mit seinen "seit Jahren deutlich steigenden Projektkosten" sinnvoll.

Und dies sei nicht zuletzt verfassungsrechtlich geboten. Die "Transparenzdefizite" beim Projekt S 21 beeinträchtigten "die Budgetkontrolle des Parlaments nachhaltig". Eine solche Kontrolle sei "unverzichtbar" – unter anderem aufgrund des zitierten Grundcharakters von Stuttgart 21 als Teil der "Schienenwege des Bundes". Würde so nicht verfahren, so könnten "durch die bisherige Verwaltungspraxis" bei dem Projekt "bedeutende Risiken für den Bundeshaushalt entstehen". Es müsse verhindert werden, dass auf diese Weise "Investitionsruinen" entstünden.


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11 Kommentare verfügbar

  • Normalbürger
    am 26.09.2016
    Herr Dobrindt

    hatte übrigens erst vor wenigen Tagen, anlässlich des Berichts des Bundesrechnungshofs, dem heute journal gegenüber vor laufender Kamera (sinngemäß) erklärt, der Bund werde "klipp und klar keinen Euro an die Bahn bezahlen". Ohne rot zu werden. (Nachzuschauen in der ZDF Mediathek).

    Und jetzt schiebt er mal locker 2.4 Milliarden Euro an die Bahn rüber, um S21 zu retten.

    Ich vermute, es ist Personen wie diesen eine gewisse Genugtuung, die Öffentlichkeit derart zu täuschen. Wichtig für ihr Ego. Oder, wie es era weiter unten ganz richtig formuliert hat: Sie fühlen sich so sicher, dass sie tun und lassen können was sie wollen, und dabei auch noch die Bürger verhöhnen können. Protegiert von ganz oben und von ihren Gesinnungsgenossen.

    Mich würde interessieren, wie klein mit Hut diese Leute wären, wenn es in diesem Land nur ansatzweise rechtsstaatlich zugehen würde. Nicht allzu groß, definitiv.
  • Winfried Wolf
    am 24.09.2016
    Ja, und die Sache geht ja weiter. NACHDEM ich das geschrieben habe, gab es ja ZWEI weitere spannende Entwicklungen:

    ERSTENS wurde plötzlich die Bahnteilprivatisierung (über die ich im Artikel zuvor bei KONTEXT schrieb) wieder abgesagt - also werden (angeblich!) keine Heuschrecken auf die Schienen gelassen. Zunächst jedenfalls. Da gab es offensichtlich zuviel Widerstand bzw. die hatten Angst, das könnte in der Öffentlichkeit noch wirken und noch mehr Wählerstimmen kosten.

    ZWEITENS hatte plötzlich der Herr Dobrindt 2,4 Mrd. Euro in der Hosentasche frei verfügbar und reicht sie angeblich jetzt zur Bahn rüber...

    ... ziemlich genau das Geld, was der Bahn 2016/2017 fehlt, wo die Lücke bei S21 bis zur Bundestagsahl geschlossen werden kann.

    [Kleine Bemerkung am Rande: Nur ein FÜNFTEL dieser Summe würde ausreichen, um das Aus der Nachtzüge am 11. Dezember zu verhindern UND um die Nachtzüge nach Art unserer LunaLiner-Komzeption auszubauen!]

    Die Zockerei geht also weiter.

    Und wir sehen uns ja wohl alle am 12. und 13. Ok in Berlin, ja?!

    Beste Grüße
    winfried
  • era
    am 22.09.2016
    Übersetzt in einfaches Deutsch heißt das also:
    Deutschland befindet sich in den Händen einer Clique, die sich gegenseitig protegiert und sich selbst und gegenseitig auf Kosten des Staates und seiner Institutionen bereichert.
    Sie fühlen sich inzwischen so sicher, dass es ihnen genügend erscheint, Kritik einfach mit der Gegenbehauptung zu erwidern.

    Mit einem Wort: der Unterschied zwischen Deutschland und einem Entwicklungsland in den Händen weniger Familien und deren Kumpels wird immer kleiner, wenn er überhaupt noch vorhanden ist.

    Und überall zahlen die die Zeche, die zu ohnmächtig sind oder zu anständig, um bei diesem Leichenfleddern mitzumachen.
  • by-the-way
    am 22.09.2016
    Der Bahnvorstandsvorsitzende, Dr. Rüdiger Grube, erklärt öffentlich, das der Betrag 6,5 Milliarden Euro für den Bau von Stuttgart 21 nicht überschritten werden wird.

    Derselbe Dr. Rüdiger Grube hatte schon im Jahr 2009 öffentlich erklärt, die "Sollbruchstelle" für Stuttgart 21 liegt bei 4,53 Milliarden Euro, weil über diesen Betrag hinaus das Projekt unwirtschaftlich wäre.

    Es ist höchste Zeit, gerichtlich zu überprüfen, in wie weit, die öffentlichen Erklärungen dieses "ehrenwerten Hamburger Kaufmannes" als Untreue justiziabel sind.

    Auch das öffentlich gesprochene Wort ist rechtsverbindlich,
    (für mündliche Beleidigungen kann man auch juristisch belangt werden....).

    Nach eigenen Aussagen lässt also Herr Dr. Rüdiger Grube ein für die Deutsche Bahn AG unwirtschaftliches Projekt bauen.

    Höchste Zeit, ihn dafür vor Gericht zu bringen!

    Und wenn die 6,5 Milliarden Euro für Stuttgart21 nicht reichen sollten. ihn PERSÖNLICH in Regress zu nehmen!
    Vom Bahnchef zum "Hartz-4-Empfänger".
    Wäre für diesen Mann die verdiente Karriere!
  • Schwabe
    am 22.09.2016
    Rede von Prof. Dr. Heiner Monheim, Verkehrswissenschaftler, bei der 339. Montagsdemo am 19.9.2016

    Grundsteinlegung oder Grabsteinlegung?
    Warum es noch lange nicht zu spät ist für einen „Umstieg 21“!

    Die letzte Woche hat uns drei bahnpolitisch bedeutsame Ereignisse beschert, an die man sich noch lange erinnern wird.

    Neuer ICE 4: Erst wurde der ICE 4, die neue und grundlegend veränderte Generation der Fernverkehrszüge vorgestellt, mit bemerkenswerten Veränderungen zu den Vorgängermodellen. Und, wie leider so oft bei der Bahn, viel später als geplant.

    Grundsteinlegung: Dann wurde am Freitag letzter Woche die sog. Grundsteinlegung für den Kellerbahnhof vorgenommen, auch mit viel Presse-Tamtam und hysterischer Erregung darüber, dass Herr Kretschmann, Herr Kuhn und Herr Hermann sich entschuldigen ließen. Manche haben das als Feigheit interpretiert, andere als Mut.

    Rechnungshofgutachten: Und schließlich hat der Bundesrechnungshof dem Parlament seinen kritischen Bericht zur „Realisierung des Großprojekts Stuttgart 21“ vorgelegt, in dem er der Bundesregierung und vor allem dem Verkehrs- und Finanzministerium massive Versäumnisse in der Kostenkontrolle und Unsauberkeiten in der Finanzierung vorwirft. Der parallele Bericht zur Kostenentwicklung liegt leider noch nicht vor, aber er wird wohl die neue Größenordnung von 10 Mrd. € beinhalten, die dann belegt, dass das Projekt vollends aus dem Ruder läuft und nun wirklich ein Fass ohne Boden zu werden droht. Die bisherigen Kostenträger werden sich wie die Kesselflicker streiten, wer die Mehrkosten tragen soll und am Ende wird es wohl zu einem so noch nie dagewesenen Rechtstreit zwischen Stadt, Land, Bund und DB kommen.

    Über die drei aktuellen Ereignisse will ich ihnen ein paar Nachdenklichkeiten präsentieren.

    Ganze Rede:
    https://www.bei-abriss-aufstand.de/wp-content/uploads/Rede_Prof._Heiner_Monheim_2016-09-19.pdf
  • Peter S.
    am 22.09.2016
    Was mich exemplarisch am S21 Projekt erschüttert hat ist der vollkommene Mangel eines ethischen Verhaltens der Strippenzieher aus Politik und dem eigentlich volkseigenen Betrieb der DB.
    Die Aufzählung der S21 Lügen wäre ein dickeres Heft, man erinnere sich nur an die Aussage des aktuellen Vorstandes Grube, daß eine Zahl oberhalb von 4,5 Mrd mit ihm nicht zu machen wäre.
    Mit auch nur einem Funken Ehrgefühl im Ranzen hätte er längst seinen Hut genommen.
    Hat sich irgendeiner der Beteiligten vor der Bevölkerung entschuldigt?
    Da es sich, im Gegensatz zu einem unethischen Dieselgate, bei S21 aber um Steuergelder der Bürger handelt und S21 entgegen aller Vorschriften einen negatives Kosten/Nutzenverhältnis hat, da stellt sich bei der unbeirrbaren Haltung für mich eher die Frage, ob nicht nur am Schwarzen Donnerstag, sondern über dem ganzen Projekt eine Definition steht, welche alle Merkmale von OK hat.
    Und spätestens an dieser Stelle sehe ich heute einen Staat welcher keinerlei Ethik bei seinem Handeln zeigt.
    Bei allen drei, Exekutive, Legislative und Judikative.
  • CharlotteRath
    am 21.09.2016
    Die DB AG hält die Öffentlichkeit für vergesslicher und für dümmer, als sie ist. Schon für das Jahr 2013 war der Prüfbericht des Bundesrechnungshofes angekündigt worden, der nun endlich vorliegt. Der Bericht hatte sich verzögert, weil die DB AG unkooperativ war:
    >>Der Bundesrechnungshof wirft der Deutschen Bahn vor, die Überprüfung des Milliardenprojekts Stuttgart 21 zu erschweren. Mit dem Staatskonzern gebe es „bedauerlicherweise immer wieder schwierige Diskussionen über die Reichweite der Prüfungsbefugnisse“ << ... http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-und-neubaustrecke-bundesrechnungshof-kritisiert-deutsche-bahn.668e27f6-8891-4675-b71e-f89f5ba659a6.html

    Gut, dass es tatsächlich noch unabhängige, der Verfassung und dem Gemeinwohl verpflichtete Beamte gibt!
  • umsteiger
    am 21.09.2016
    die art und weise, wie trotz aller finanzierungslücken und -lügen, der unsinnigkeit des verkehrsvorhabens und der fast gleichen städtbaulichen entwicklungsmöglichkeiten mit beibehaltung des kopsbahnhofes dem projekt stuttgart 21 von seiten der medien, politik, justiz und wirtschaft die stange gehalten wurde und wird, lässt wenig hoffnung auf ein schnelles ende von s21 aufkommen. im gegenteil, alle beteiligten werden mit list und schliche neue wege der finanziellen und politischen durchsetzung suchen und finden.
    es ist an uns bürgern entschiedener gegen derart gemeinwohlschädigendes verhalten der projektbefürworter aufzutreten. s21 hat stets transparente kommunikation gegenüber der öffentlichkeit propagiert. in akten der notwehr und des zivilen ungehorsams muss die zivilgesellschaft im sinne des gemeinwohlschutzes verantwortung übernehmen und die offenlegung des wahren projektzustandes einfordern.
    die adressaten unserer seit jahren berechtigten zweifel, fragen und erkenntnisse entziehen sich allerdings konsequent der öffentlichen auseinandersetzung wie z.B. aktuell beim umstiegskonzept zu beobachten. das stören der s21-betriebsabläufe und damit abwenden weiterer schadensanhäufungen ist mittlerweile die viel zitierte pflicht zum widerstand.
  • Schwabe
    am 21.09.2016
    Die Mauscheleien und Ungereimtheiten bei S 21 - insbesondere durch die verantwortlichen bürgerlichen Politikerinnen und Parteien sind ungeheuerlich. Sie zeigen deutlich in welcher Parallelwelt sich unser abgehobener Politik Apparat bewegt. Diese abgehobene Politik gereicht eher einer Diktatur (des Kapitals) zur Ehre als einer (parlamentarischen) Demokratie, da die Bedürfnisse sprich das Gemeinwohl der Bevölkerung keine Rolle mehr spielen (guter öffentlicher Personen Nah- u. Fernverkehr).

    Ich frage mich, wie lange lassen sich die Wähler das noch von bürgerlichen Politikern gefallen bzw. was muss denn noch alles passieren damit bewusster gewählt wird (z.B. nächstes Jahr bei der Bundestagswahl)?

    Vielen Dank (wieder einmal) an Winfried Wolf für diesen hervorragenden und informativen Artikel bzw. für seine Ausdauer und Hartnäckigkeit.
  • Mike Morris
    am 21.09.2016
    Kurz zusammengefasst:
    Unsere gesamten Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung haben seit Jahren in den Betriebsmodus
    "organisierte Verantwortungslosigkeit" geschaltet.
    Das ist auch kein Wunder, wenn jeder die Verantwortung immer auf den Nächsten abschiebt und die Verwaltung vie Neoloberalismus bis auf die Minderleister kaputt gespart wird.
    Im Grunde weiß das jeder (professionelle) Personaler: Wird gekürzt und die Arbeitsbedingungen verschlechtert, gehen die Besten zuerst. Zurück bleiben die, die keine Ahnung haben oder eben Minderleister sind. Siehe Öttinger, Mappus und Co.
  • Ernst-Friedrich Harmsen
    am 21.09.2016
    Es ist wirklich wunderbar, einen Bundesrechnungshof zu haben, der wohl objektiv, sachlich und grundlegend argumentiert, und es ist eine Schande, in der Bundesregierung einen Verkehrsminister zu haben, der keinerlei Verantwortung gegenüber seinen Kontroll- Pflichten übernimmt und Kontrollen - sei es gegenüber dem Bundesverkehrswegeplan, dem bundeseigenen Schienennetz oder gar der Dieselmotoren - nicht konsequent durchzieht. Und dieser Bundesverkehrsminister ist ja nicht der erste in dieser Riege.
    Würde der Bundesverkehrsminister seinen Kontroll-Pflichten rechtzeitig nachgekommen sein, wären z.B. VW und die anderen Diesel-Produzenten nicht immer tiefer in die Katastrophe gefahren, die Bahn und das Schienennetz ganz anders in Schuss, die ewigen Verspätungen Historie. Die Schweizer mit ihrem hervorragenden Schiene-Straße-Konzept lassen grüßen!

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