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Kontext-Podcast "Siller fragt"

Ärger und Wünsche

Kontext-Podcast "Siller fragt": Ärger und Wünsche
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Der langjährige SWR-Leute-Redakteur blickt zurück auf ein aufregendes Interview-Jahr bei Kontext, das auch für einen altgedienten Journalisten noch Überraschungen parat hatte.

Man lernt auch als Journalist mit jahrzehntelanger Berufserfahrung immer noch dazu, und das ist natürlich gut so. Manchmal allerdings ist es auch schmerzlich und nur schwer nachvollziehbar. Zunächst hat es mich gewundert, dass der ehemalige Justiziar des SWR nicht nur gegen ein Presseorgan (Kontext), sondern auch gegen den Fragesteller in einem Interview (mich) und sogar gegen einen Rundfunkrat seines Arbeitgebers (den dienstältesten) juristisch vorgeht. Wir sollten bestimmte Aussagen unterlassen. Nicht alle, aber ein paar Passagen wurden uns untersagt. Deshalb ist der Podcast "Siller fragt Karl Geibel" nicht mehr abrufbar, und ich kann nur verklausuliert schildern, was mich insbesondere überrascht hat.

Ich hatte die Motivation für ein bestimmtes Vorgehen von Ex-Justiziar Hermann Eicher wegen der Folgen seiner Handlung hinterfragt und einen anderen Grund für möglich gehalten – vorsichtshalber aber hinzugefügt, ich wisse es nicht und könne es deshalb auch nicht sagen. Aber schon das ist ein unzulässiger Verdacht. Sagt das Hamburger Landgericht. Dass die Gegenseite vor dieses Gericht gezogen ist, obwohl weder der Antragsteller noch die Gegner dort ansässig sind, hatte ich zunächst nicht verstanden – Kenner von Presserechtsverhandlungen schon. Jetzt weiß ich, warum. Dürfte ich zukünftig Herrn Schäuble nicht mehr fragen, ob er sich wirklich nicht an eine Parteispende erinnern kann?

Ausgabe 526, 28.4.2021

Warum Leibing die CDU nicht mehr mag

Von Stefan Siller

Er hat kürzlich für Aufsehen gesorgt: Eberhard Leibing. Nach 57 Jahren in der CDU hat er seiner Partei den Rücken gekehrt. Seine Abrechnung ist verheerend.

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In mehreren Podcasts spielte auch das große Thema Pandemie eine Rolle, wenn auch auf unterschiedliche Art. Beate Hiller erklärte, wie sie ihr Geschäft "Buch im Süden" durch den Lockdown geführt hat. Wolfgang Schorlau hatte als einer der ersten Schriftsteller Corona spontan als zusätzlichen Strang in seinen neuen Dengler-Krimi eingebaut. Was Teile der Waldorf-Szene nicht lustig finden. Boris Palmer berichtete über das Tübinger Modell. Schwerpunkt dieses Gespräch war jedoch das aktuell angestrengte Parteiausschlussverfahren wegen seines Aogo-Posts, und Palmer eröffnete bei Kontext erstmals, dass er bei der Alternativen Liste um Unterstützung für eine neue Kandidatur als OB nachgefragt habe. Und Spaß gemacht hat das Streitgespräch mit Mathias Richling über Solidarität und individuelle Freiheitsrechte.

Die Musikerin Olga aus Belarus kämpft in Stuttgart mit Aufklärung und Kundgebungen mutig für die Freilassung der Oppositionspolitikerin Maryja Kalesnikawa. Die Bürgerbeauftragte Baden-Württembergs, Beate Böhlen, zeigte im Gespräch, dass sie sich mit Sachkenntnis und Empathie um alle Beschwerden gegen Landesbehörden und -beamte kümmert.

Besonders beeindruckt hat mich auch die Haltung von Eberhard Leibing. Er war Staatssekretär, Landtagsdirektor und Mitglied der CDU. Nach 57 Jahren ist er zusammen mit seiner Frau aus seiner Partei ausgetreten. Er kritisierte in unserem Gespräch Lobbyismus- und Maskenskandale, sieht Fehler in Verkehrs-, Agrar- und Klimapolitik und eine ausgeprägte Reformunfähigkeit im Kampf gegen soziale Ungleichheit. Respekt!

Und weil Weihnachten kaum vorbei ist und das neue Jahr nah, hoffe ich für 2022 auf folgende Gesprächspartner – und die passenden Antworten:

Bundesverkehrsminister Volker Wissing: "Ich bin vorgegangen wie mein werter Vorgänger Andy Scheuer, bin nur zu einem anderen Schluss gekommen. Ich habe auch den Menschenverstand bemüht und muss deshalb ein generelles Tempolimit von 130, besser noch 120 Stundenkilometern einführen. Unter demselben Gesichtspunkt werde ich mit meinem baden-württembergischen Kollegen Winfried Hermann noch einmal über den Stuttgarter Bahnhof sprechen. Schließlich ist die im Projektnamen genannte Jahreszahl ja auch schon Geschichte."

IOC-Präsident Dr. Thomas Bach: "Nach aufwendigen Recherchen und gründlichen Überlegungen bin ich nun zu der überraschenden Erkenntnis gekommen, dass die politische Situation in China, insbesondere die Missachtung der Menschenrechte, der olympischen Charta widerspricht. Deshalb erkläre ich hiermit die 24. Olympischen Winterspiele in Peking für abgesagt!"

Bundeskanzler Olaf Scholz: "Ich habe mich mal mit diesen Straßenkindern unterhalten. Die wollen ja freitags nicht nur die Schule schwänzen, sondern auch die Welt retten. Das ist toll! Deswegen werde ich mit meiner Richtlinienkompetenz dafür sorgen, dass die Bundesminister Gesetzesentwürfe einbringen, um eine Kerosinsteuer sowie eine Solarpflicht für Neu- und Bestandbauten einzuführen, Automobile mit Verbrennungsmotor ab 2025 nicht mehr zuzulassen, die Nutztierhaltung zu halbieren und nur nach ökologischen Standards zu genehmigen und Strom bis 2030 nur noch aus erneuerbaren Energien zu erzeugen."

Mark Elliot Zuckerberg: "Gerade habe ich erfahren, dass unsere Plattform 'Facebook' missbraucht wird, für Missbrauch, angeblich sogar Menschenhandel! Das geht nicht. Dagegen gehe ich vor. Deswegen sage ich ganz entschieden: Menschenhändler – lasst das!"

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper: "Für dieses Interview bin ich gern zu Ihnen in die Redaktion gekommen, weil ich sonst nicht erfahre, was Sie mich fragen wollen."


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