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Me Too beim SWR

"Führungsversagen des SWR"

Me Too beim SWR: "Führungsversagen des SWR"
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Es ist eine Geschichte mit langem Vorlauf. Nun ist der Vorwurf – sexuelle Belästigung beim SWR – vor Gericht verhandelt worden. Dabei hätte der Sender schon vor Jahren gegen die "körperliche und geistige Versklavung" der Betroffenen vorgehen müssen. Meint Karl "Charlie" Geibel, dienstältestes Rundfunkrat-Mitglied weit und breit im Podcast mit Stefan Siller.

Der SWR ist schwer in die Kritik geraten wegen des Umgangs mit zwei Mitarbeitenden, die nun vor dem Arbeitsgericht Stuttgart gegen den Sender klagen. Es geht um nicht eingehaltene Verträge und Zusagen, im Kern um den Vorwurf der sexuellen Belästigung der SWR-Mitarbeiterin Sandra Maria ­Dujmovic durch ein Mitglied der Geschäftsleitung und darauf folgende Degradierungen (Kontext berichtete). Joachim Lang, ihr damaliger Partner, wollte das als Zeuge untermauern. Der Beschuldigte bestreitet alles, es steht Aussage gegen Aussage und mittlerweile hat der Fall Eingang in diverse Medien gefunden, zuletzt hatte der "Spiegel" berichtet.

Karl "Charlie" Geibel, geboren 1941 in Kaiserslautern, ist gelernter Journalist und seit 1998 Mitglied im Rundfunkrat des SWR. Er ist Dozent, Autor, er sitzt im ARD-Programmbeirat und ist Ehrenmitglied des DJV.

"Vielleicht hilft es zur Aufklärung, mal zu erzählen, was danach alles passierte", sagt Stefan Siller. Joachim Lang beispielsweise, Leiter der Abteilung Sonderprojekte beim SWR, wurden offenbar in diesem Zusammenhang und nach diversen erfolgreichen Produktionen für den Sender, mehrere neue Projekte abgesagt, die sich bereits in der Pipeline befanden. Unter anderem geht es um eine Goebbels-Doku und ein Projekt über das KZ Theresienstadt, das eigentlich "alle Hürden genommen hatte", sagt Stefan Siller. "Warum wird das nicht produziert?" Geibel kennt die Inhalte, aber "Nationalsozialismus und Drittes-Reich-Probleme", habe es von Seiten des Senders geheißen, "seien nicht mehr aktuell. Was natürlich eine haarsträubende Aussage war!", ärgert sich Geibel. "Dann wurde es hinausgezogen. Aber immer gab es das Schwert: das ist nicht mehr aktuell." Geibel sagt, so eine Begründung sei "der Höhepunkt der politischen, zeitgeschichtlichen, philosophischen, politischen Ignoranz."

Die Degradierung von Dujmovic soll nach den MeToo-Vorwürfen begonnen haben. Sie verlor ihre Position als stellvertretende Redaktionsleiterin des Tigerentenclubs, nachdem der Beschuldigte ihr gedroht haben soll, ihre Karriere zu zerstören. Mehrere Personen aus der SWR-Führungsebene, auch der Intendant, wurden eingeschaltet, im Sender machte die Geschichte die Runde, auch Geibel kennt den Fall schon lange, mitsamt Details. Der Vorgang sei ein "gravierender", sagt er. "Sexuelle Belästigung geht an die Würde des Menschen, das ist die Demütigung von Frauen. Wegen der Abhängigkeit vom Vorgesetzten nenne ich es körperliche und geistige Versklavung." Betriebs- und arbeitsrechtlich, sagt er weiter, "hätte man sofort etwas tun können, zum Beispiel das Arbeitsverhältnis sofort zu trennen. Und da kommt das erste Führungsversagen des SWR."

Im Gespräch mit Stefan Siller geht es vor allem um Unwahrheiten, die diesen Fall begleitet haben.

Mehr im Podcast. (Aus rechtlichen Gründen derzeit offline)


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2 Kommentare verfügbar

  • Die Stimme des Volkes
    am 08.07.2021
    Antworten
    "Der Sozi ist nicht grundsätzlich dumm, er hat nur sehr viel Pech beim Nachdenken."
    Zitat Alfred Tetzlaff
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