Ausgabe 347
Medien

"Es geht um Rufmord"

Von Wolfgang Schorlau
Datum: 22.11.2017
Der Tod der NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos werde vom ZDF als große Verschwörungstheorie inszeniert, befinden Zeitungen von der "Bild" bis zur "Süddeutschen". Zu Lasten des Rechtstaats, zu Gunsten der rechten Szene. Autor Wolfgang Schorlau hat für Kontext eine Replik verfasst.

Als ich von mehr als zehn Jahren "Die blaue Liste" veröffentlicht hatte, schickte ein "Freundeskreis Roter Stern" meinem Verleger und mir per Mail eine Morddrohung. Der Roman würde das Ansehen des in Bad Kleinen zu Tode gekommenen RAF-Mitglieds Wolfgang Grams in den Schmutz ziehen, hieß es dort. Ich konnte diesen Blick damals nicht nachvollziehen – und kann es heute noch nicht. Aber ich habe mich nicht dazu geäußert. Seither gab es von verschiedenen Seiten neben Lob immer wieder auch Kritik an meinen Büchern, manchmal sachlich, manchmal nicht. Das gehört dazu, wenn man Geschichten publiziert, insbesondere dann, wenn sich diese eng auf reale Ereignisse beziehen.

Meine Bücher lösen Diskussionen aus, und das ist gut. Die Kritik, die in den vergangenen Wochen an der Verfilmung meines Romans "Die schützende Hand" geübt wurde, kann ich allerdings so nicht stehen lassen. Es geht dabei zwar nicht um eine Morddrohung, aber um Rufmord, und das auch unter Verwendung falscher Verweise und Zitate: Die "Bild"-Zeitung und zwei andere Blätter haben versucht, mich und das Dengler-Filmteam in die politisch rechte Ecke zu stellen. Das ist infam und falsch. Es trifft auf niemand in dem Team zu, egal ob vor oder hinter der Kamera.

Man wird fragen dürfen, wie tief Geheimdienste verstrickt sind

"Dengler – Die schützende Hand" beschäftigt sich sowohl als Roman als auch als Film mit der Frage, wie tief Geheimdienste in den Aufbau rechtsradikaler Strukturen verwickelt sind. Der Roman geht dieser Frage an Hand einiger Beispiele nach: dem Nagelbombenattentat in der Kölner Keupstraße, der Ermordung von Halit Yozgat in Kassel und vor allem dem Ableben der beiden Neonazis Böhnhardt und Mundlos in Eisenach-Stregda, wozu wir das meiste Material zur Verfügung hatten. Dazu habe ich mit Ekkehard Sieker, der mich bei der Arbeit maßgeblich unterstützte, zwei Jahre intensiv recherchierte und die herausgefundenen Tatsachen nach bestem Wissen und Gewissen aufgeschrieben hat. Trotzdem: Roman und Film sind fiktive Werke. Die Figuren und ihre Handlungen sind erfunden. Doch, und dies ist die Besonderheit der Dengler-Reihe, agieren Georg Dengler, Olga, Markus Brauer und all die anderen Charaktere auf der Grundlage dieser sorgfältig ermittelten Tatsachen.


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4 Kommentare verfügbar

  • Clemens Molter
    am 27.11.2017
    Das man so viele??? Mit Schriftsteller Freiheit darstellen muss ist verständlich
    Es sind nicht umsonst so viele Untersuchungen angestellt worden
    Danke und Hochachtung für Wolfgang
  • Hartmut Hendrich
    am 22.11.2017
    Dem Autor möchte ich eine sprachliche Ungenauigkeit in diesen Text vorwerfen: Es wird sehr schön geschildert, wie „Bild“ ihre eigene Wahrheit konstruiert, um daraus beliebige Totschlagargumente zu schöpfen. Dann wurde auf eine seriöse Zeitung verwiesen. Da war ich gespannt. Es war die „Süddeutsche Zeitung“. Sehr Vieles, mit dem dort in den letzten Jahren versucht wurde Meinung zu machen, rechtfertigt es bestenfalls, von einer seriöseren Zeitung zu sprechen.
    • Karl Heinz Siber
      am 23.11.2017
      Wenn die Süddeutsche keine "seriöse" Zeitung ist, welche andere deutsche Tageszeitung wird dann diesem Anspruch gerecht? Eine 100prozentige Seriositätsquote hat sicherlich keine Zeitung der Welt, schon weil nicht alle Journalisten gleich gut und gleich gewissenhaft arbeiten. Ich habe vor Jahren aufgehört, die ZEIT zu lesen, nachdem dort der unselige und undurchsichtige US-Propagandist Josef Joffe als Mitherausgeber eingestiegen war. Ich schließe aber nicht aus, dass die ZEIT nach wie vor sehr gut recherchierte und lesenswerte Beiträge bietet und dass dort viele gute und integere Journalisten arbeiten. Jede Zeitung ist ja irgendwie doch ein Gemischtwarenladen.
  • Karl Heinz Siber
    am 22.11.2017
    Jemanden in die "rechte Ecke" zu stellen, der staatlichen Behörden ein falsches Spiel zutraut und ihnen durch penible Recherchen auf den Zahn fühlt, ist von vornherein irrelevant. Hier geht es doch einzig darum, die Wahrheit zu ergründen oder ihr so nahe wie möglich zu kommen. Wenn ein Autor oder Journalist gründlich recherchiert und zwingend argumentiert, ist mir erst einmal egal, welcher politischen Couleur er zuzurechnen ist. (Auch wenn ich persönlich der Ansicht zuneige, dass Leute aus dem rechten Lager das logisch stringente Argumentieren normalerweise nicht sonderlich gut beherrschen.)

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