KONTEXT Extra:
Gleise frei für den Güterverkehr

Nein, ein konkretes Datum, bis wann Züge zwischen Rastatt und Baden-Baden wieder verkehren können, das gibt es immer noch nicht. Nachdem am Freitag (18.08.) Vertreter der Deutschen Bahn und betroffener Kommunen im Verkehrsministerium zusammenkamen, teilte dieses mit: "Alle Beteiligten haben die Hoffnung, dass bis zum Ende der Sommerferien in Baden-Württemberg die Rheintalstrecke wieder durchgängig befahren werden kann." Das sind ganz andere Töne, als der ursprüngliche Zeitplan der Deutschen Bahn, in dem der 28. August angepeilt wurde. Das kommende Schuljahr beginnt im Südwesten am 11. September. Verbindlich ist das Datum nicht, die Bahn betont weiterhin, derzeit seien keine Prognosen möglich, bis wann die Reparaturmaßnahmen abgeschlossen sind.

Das Verkerhrsministerium teilte außerdem mit, man werde der Bahn in "gewissen Grenzen" entgegenkommen. Das bedeutet eine zwischenzeitliche Einschränkung des Personenverkehrs, Schienenersatzverkehr wird ab Samstag (19.08) auf den betroffenen Strecken eingerichtet. So sollen mehr Kapazitäten für Güterzüge geschaffen werden, die aktuell auf Umleitungen angewiesen sind. Unumwunden heißt es dazu in einer Pressemitteilung: "Bis zur Wiederherstellung der Trasse zwischen Rastatt und Baden-Baden werden auf den genannten Strecken in der Nacht Lärmbeeinträchtigungen für die Anlieger durch ein erhöhtes Güterzugaufkommen die Folge sein." Die Maßnahme sei jedoch zeitlich befristet und solle spätestens zu Beginn des neuen Schuljahres aufgehoben werden. Der Regionalverkehr dürfe zudem, wie es aus dem Ministerium heißt, nicht in den Hauptverkehrszeiten beeinträchtigt werden, daher gebe es zwischen 6 und 9 Uhr sowie 15 Uhr und 19 Uhr keine Zugausfälle.

Weiterhin kritisiert das Verkehrsministerium die Kollegen auf Bundesebene. Die Zurückhaltung bei der Ertüchtigung von Nebenstrecken räche sich nun. Minister Winfried Hermann beklage das bereits seit seinem Amtsantritt.

Betroffene Fahrgäste finden hier detaillierte Informationen zum Ersatzfahrplan. (18.08.2017)


"Runder Tisch" zu Rastatt

Bis zu 200 Güterzüge donnern tagtäglich durchs Rheintal. Im Hochsommer sind es weniger, dennoch stauen sich die Transporte – in der Planung – inzwischen zurück bis Rotterdam. Die grün-schwarze Landesregierung hat zwar keine direkten Zuständigkeiten rund ums Gleisdesaster der Deutschen Bahn in Rastatt. Das Verkehrsministerium bietet der DB aber an, die Folgen abzumildern. Noch in dieser Woche findet ein "Runder Tisch" in Stuttgart statt, um über Ausweichstrecken und Umleitungsverkehre zu reden. Unter anderem werden Kommunalpolitikern in betroffenen Städten und Gemeinden über die möglichen Belastungen rund um die Uhr informiert. Es dürfte nach den bisherigen Planungen "einen 24-Stunden-Güterbetrieb auf ziemlich beschaulichen Strecken“ geben, sagt ein Sprecher. Die Bahn teilte bereits mit, "ihren Kunden 200 Umleitungstrassen mit unterschiedlichen technischen Anforderungen anbieten zu können".  

Ebenfalls eingeladen nach Stuttgart sind Vertreter der DB Netz, der DB Region und der Nahverkehrsgesellschaft. Das Verkehrsministerium mit seinen Fachleuten prüft auch, wie und an welchen Strecken der Takt des Regionalverkehrs ausgedünnt werden könnte, um vorübergehend Güter zu transportieren. Das Angebot gilt aber nur bis zum Schulbeginn im September, weil nach den Ferien das Fahrgastaufkommen deutlich steigt. Die DB selber nennt als eine Umleitungsstrecke die Neckar-Alb-Bahn über Horb–Tübingen–Reutlingen–Plochingen. "Wegen der Umleitung der Güterzüge sind Anpassungen im Regionalzugverkehr auf der Neckar-Alb-Bahn notwendig", heißt es in einer Pressemitteilung weichgespült, und dass die DB "für die auftretenden Beeinträchtigungen und die verstärkte Nutzung der Neckar-Alb-Bahn für den Güterverkehr Anwohner und Fahrgäste um Verständnis bittet". Die notwendigen Umleitungsmaßnahmen für den Güterverkehr seien zeitlich befristet, "bis die durchgehende Sperrung der Rheintalbahn wieder aufgehoben werden kann". Ein konkretes Datum dafür wird nicht (mehr) genannt. Experten rechnen mit einer Wiederinbetriebnahme frühestens in der zweiten Septemberhälfte. 

Dazu: https://www.kontextwochenzeitung.de/schaubuehne/333/der-schienen-gau-4546.html


Tunnel-Flop

Es sollte die Weltpremiere werden für die neue Stabilisierungsmethode per Eisring im Tunnelbau. Monatelang war an den Vorkehrungen getüftelt worden. Jetzt ist eine der meist befahrenen Eisenbahnstrecken Europas erst einmal bis mindestens 26. August gesperrt. In Rastatt-Niederbühl, dort, wo die Züge künftig aus dem Tunnel kommen werden, unterquert die Strecke den Bahndamm. Und die darauf liegenden Geleise sackten ab.

Die Konstruktion ist komplex, Stuttgart 21 lässt grüßen: Der Tunnel ist 4,3 Kilometer lang, führt in zwei Röhren von Ötigheim nach Niederbühl, unter der Murg, unter einer tief liegenden Straße, die ihrerseits unter der Rheintalstrecke durchführt, dann zügig wieder nach oben. Eingefroren wurde ein geschlossener Ring. Alle Beteiligen erklärten immer wieder, damit in actu auf einer Baustelle, keine Erfahrungen zu haben. Die Gewissheit, dass das Manöver gelingt, war dennoch groß. Bautechniker untersuchen bereits das Fiasko, möglicherweise ist der Regen der vergangenen Tage verantwortlich.

Das "Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21" ist "wenig überrascht von der Leichtfertigkeit, mit der die Deutsche Bahn offensichtlich Tunnelbauarbeiten unter einer der Hauptstrecke des deutschen Bahnverkehrs betrieben hat". Dass es keinen Plan B gebe, zeige die Selbstüberschätzung der DB und, auch hier, das Versagen des Aufsicht führenden Eisenbahnbundesamts, so Bündnissprecher Norbert Bongartz. Es sei im Vorfeld der Bauarbeiten in Rastatt "mit Händen zu greifen gewesen, dass ein Tunnelbau so knapp unter den bestehenden Bahngleisen und in Sandboden hoch riskant ist". Keinen Pfifferling seien die vollmundigen Beteuerungen der Bahn wert, sie habe die Tunnelbauarbeiten mitten im Stadtgebiet Stuttgarts voll im Griff. Auch wenn da die Überdeckung bei den Tunnelbaustellen zumeist deutlich höher ist: "Angesichts der besonderen geologischen Situation in Stuttgart muss auch hier über die schon bekannten Schäden hinaus mit Bauproblemen ganz anderer Größenordnung gerechnet werden." (14.8.2017)


Malen nach Zahlen

Das ist aber ein gelungener erster Platz! Die CDU habe mit sagenhaften 55 Prozent die Nase vorn beim Frauenanteil auf den Landeslisten für die Bundestagswahl. Das teilte jetzt Landeswahlleiterin Christiane Friedrich mit. Erst nach der Union kommen Grüne und Linkspartei mit je 50 Prozent und die SPD mit gut 46 Prozent. Jedoch, die schönen Zahlen sind Blendwerk.

Denn nahezu alle CDU-Abgeordneten werden auch 2017 wieder direkt in den Bundestag gewählt werden, als SiegerInnen in ihrem Wahlkreis. Davon gibt es 38 im Südwesten. Und in ihnen spiegelt sich die CDU-Wirklichkeit im Jahre 2017: in 35 wurden Kandidaten nominiert und nur in drei Kandidatinnen: Annette Widmann-Mauz, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium und Vorsitzende der Frauenunion, die Stuttgarterin Karin Maag und die bisher jüngste Volksvertreterin Ronja Kemmer.

Selbst in Mannheim, Heilbronn und Böblingen sind ausscheidende CDU-Männer, darunter auch Landeschef Thomas Strobl, durch Männer ersetzt. Dabei hatte der doch zur "politischen Grundmelodie" erklärt, dass "mehr Frauen zum Tragen kommen". Doch auch in Berlin ist die baden-württembergische Landesgruppe derzeit mit nur acht weiblichen Abgeordneten vertreten und am Ende des Bundesvergleichs zu finden.

Der Männeranteil auf allen im Land antretenden Listen ist laut Landeswahlleiterin Friedrich immerhin von 71 Prozent zurückgegangen auf 66 Prozent. Spitzenreiter in der Männerstatistik für die Wahl am 24. September ist die AfD mit 87 Prozent. Gefolgt werden die Rechtspopulisten von den Liberalen, die es 2017 im Land auf nur 19 Prozent Kandidatinnen bringen. Das bedeutet sogar einen Rückschritt im Vergleich zu vor vier Jahren und gut 21 Prozent bedeutet. (9.8.2017)


Kontext-Vorstand ruft zu Flashmob auf

"Man sagt jetzt nicht mehr verarschen, man sagt Software-Update!", sagt unser zweiter Vereinsvorsitzender Jürgen Klose. Und weil er das schier nicht glauben kann, hat er gestern am Nachmittag vor lauter Zorn kurzfristig zu einem Flashmob aufgerufen. Etwa 20 Spontandemonstrierer standen wenig später vor dem Stuttgarter Rathaus – mit Fahrradhupen und Trillerpfeifen! Hier Jürgen Kloses Rede:

"Ich habe zu diesem Protest heute aufgerufen, weil ich zornig bin über die 'Ergebnisse' des Diesel-Gipfels. Ich wollte mein Adrenalin wieder loswerden!

Papst Gregor der Große (6. Jhdt.) soll gesagt haben: 'Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.' Das ist sozusagen mein Leitmotiv. Guckt euch auf YouTube das Video mit Georg Schramm an, dann wisst ihr was ich meine!

Wir sind zornig auf das peinliche Schaulaufen von Politik und Autoindustrie auf dem gestrigen Dieselgipfel!

Wir sind zornig auf die unverantwortliche Bundeskanzlerin. Sie lässt lieber Urlaubsfotos aus Südtirol verbreiten als den Automanagern die Leviten zu lesen!

Wir sind zornig auf die Bundesregierungen gleich welcher Couleur, die sich zum Büttel der Autoindustrie degradieren ließen statt ihrer Aufsichtspflicht für Verbraucher und Umwelt nachzukommen!

Wir sind zornig auf die vom Gipfel ausgesandte Botschaft 'Wir tun was!' - nur besonders wehtun durfte es den Autokonzernen nicht!

Wir sind zornig auf den Versuch, uns mit Placebos abzuspeisen: Man sagt jetzt nicht mehr verarschen, man sagt Software-Update!

Wir sind zornig auf die jahrelange Missachtung von Grenzwerten und auf den offensichtlichen und schon länger bekannten Schwindel mit den Abgastests und der Mogelsoftware! 

Wir sind zornig auf die Täuschung der Verbraucher und den erfüllten Tatbestand des Betrugs (§263 StGB). Täuschungshandlung, Vermögensschaden, Bereicherungsabsicht - alle juristischen Tatbestände sind erfüllt! Strafen? Fehlanzeige!

Wir sind zornig auf die völlige Missachtung des Verursacherprinzips: Wer zahlt den Dieselbesitzern den Wertverlust ihrer Autos. Warum gibt es keinen Schadenersatz?

Wir sind zornig, dass die Autoindustrie anscheinend nach dem Leitmotiv handelt 'Profit vor Gesundheit' und 'Gier vor Umweltschutz'!

Wir sind zornig auf die Autokonzerne, die eine der Kernbranchen dieser Republik schwer beschädigen und damit Zehntausende von Arbeitsplätzen gefährden! Zukunftsvorsorge sieht anders aus!

Wir alle haben ein Recht auf saubere Luft, eine intakte Umwelt und gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen!

Wir alle wollen eine Abkehr vom Autowahn und die Umkehr zu einem anderen, menschen- und umweltfreundlicheren Verständnis von Mobilität!

Wir alle wollen Stuttgart vom Makel der Feinstaub- und Stauhauptstadt befreien!

Wir bleiben zornig, bis wir am Ziel sind!

Danke für eure Unterstützung!" (4.8.2017)


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Die Journalistin Filiz Koçali. Foto: Joachim E. Röttgers

Die Journalistin Filiz Koçali. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 321
Kolumne

Erdoğans Betrug

Von Filiz Koçali
Datum: 24.05.2017
Unsere Kolumnistin erlebt im Exil, weit fort von Zuhause, einen schmerzlichen Verlust. Ihre Mutter stirbt überraschend. Und die Tochter kann nicht einmal zu ihrer Beerdigung in die Türkei reisen.

Liebe Aslı,

die letzte Zeit war für uns beide schwer. Für mich war sie besonders schwer. Es hat mich tief getroffen, fern der Heimat und völlig unerwartet zu erfahren, dass ich meine Mutter verloren habe. Vor genau einem Monat rief mich mein Sohn an und teilte mir ihren Tod mit. Und ich konnte nicht einmal zu ihrer Beerdigung da sein. Es war sehr, sehr, sehr schmerzhaft für mich.

Als du ins Gefängnis kamst und ich die Türkei verlassen musste, konnte ich mich nicht einmal von ihr verabschieden. Es war unser größter Traum, uns in diesem Sommer zu treffen und fest zu umarmen. Aus diesem Wunsch heraus hat sie gegen ihre Krankheiten angekämpft, aber es sollte nicht sein.

Meine Mutter. Die Frau, die mir beigebracht hat, stark zu sein. Die Frau, die mir sagte: "Du kannst einen Mann lieben, aber mach dich nicht abhängig von ihm." Die mir sagte: "Lerne, dir selbst zu genügen." Ein lieber Mensch, der mich mit meinen Fehlern liebte und stolz auf mich war.

Meine fröhliche, lebenslustige, starke, bunte, großartige Mutter. Es gibt sie nicht mehr. Ich werde nicht mehr davon träumen können, eines Tages in die Türkei zurückzukehren und mit meinen Geschwistern und unseren Kindern an ihrem festlich gedeckten Tisch zu sitzen. Ich konnte auch nicht zu ihrer Beerdigung gehen. Ein weiteres Mal habe ich die politische Situation und die Politiker verflucht, die dafür verantwortlich sind.

Ich weiß, dass auch du sehr schwere Tage erlebt hast.

Du hast den Prinzessin-Margaret-Preis der Europäischen Kulturstiftung erhalten, der international bekannten Künstlern verliehen wird, aber an der Preisverleihung am 9. Mai konntest du nicht teilnehmen, weil dir Auslandsreisen verboten sind. Ich weiß, wie gerne du den Preis persönlich in Empfang genommen hättest. Im November konntest du nicht zur Verleihung des Tucholsky-Preises kommen, weil du im Gefängnis warst. Auch die Theodor-Heuss-Medaille und den Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte konntest du nicht entgegennehmen. Es war dir verboten.

Jede Preisverleihung, an der du nicht teilnehmen konntest, hinterließ einen bleibenden schwarzen Fleck, hast du gesagt. Und du hast erklärt: "Die ganze Welt hat gesehen, wie die Türkei mit ihren Schriftstellerinnen und Schriftstellern umgeht. In diesem Land sind bis heute über einhundertsechzig Dichter und Autoren ins Gefängnis gesteckt worden. Mit einem unbegreiflichen und fortlaufenden Hass schneidet sich die Türkei ihre eigene Zunge heraus. Sie lehnt eine Konfrontation mit der Wahrheit ab und beschädigt damit ihr eigenes Gewissen."

Wie recht du hast! Das politische System in der Türkei schneidet sich selbst die Zunge heraus und beschädigt sein Gewissen, indem es seine Schriftsteller und Journalisten einsperrt oder ins Exil zwingt.

Der Ausnahmezustand wird weitergehen

Vor Kurzem ist eine weitere Journalistin verhaftet worden. Meşale Tolu, geboren und aufgewachsen in Ulm, war seit einiger Zeit in der Türkei als Journalistin tätig. Nach Angaben des Sprechers des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, wurden die deutschen Behörden nicht davon in Kenntnis gesetzt. Auch die Anfragen ihrer in Deutschland lebenden Angehörigen blieben unbeantwortet. 

Tayyip Erdoğan, der "einzige Chef" der politischen Macht, die mich von meiner Mutter getrennt hat, dir die Preisverleihung versagt hat und Journalisten verhaften lässt, ist – befugt durch das letzte Referendum – wieder zum Generalvorsitzenden seiner Partei geworden.

Damit ist in der Türkei nunmehr auch gesetzlich die Zeit unabhängiger Staatspräsidenten vorbei. Jetzt gibt es einen parteiischen Staatspräsidenten. Und er steht nicht an unserer Seite, nicht für Demokratie, Meinungsfreiheit, Kunst und Literatur. Er steht auch nicht an der Seite von Gewissen und Gerechtigkeit. Wie Mussolini oder Saddam wird er als ein Diktator in die Geschichte eingehen.

Auf dem Kongress, bei dem er sich wieder zum Parteivorsitzenden wählen ließ, kündigte er die Fortsetzung des Ausnahmezustands an. Er nannte sogar Frankreich als Beispiel: "Auch dort herrscht der Ausnahmezustand ..." In Frankreich sind allerdings aufgrund des Ausnahmezustands nicht über hunderttausend öffentlich Beschäftigte entlassen worden. Es wurden keine hundertsechzig Medienorgane in einer einzigen Nacht geschlossen. Akademiker wurden nicht von den Universitäten vertrieben, Journalisten nicht verhaftet, Pässe von Schriftstellern nicht eingezogen. Wie immer setzt er seine Demagogie fort.

Erdoğan wird es schwerer haben als früher

Auf demselben Kongress erklärte er: "Wir müssen das scheinheilige Verhalten der EU, mit dem die Ehre unseres Landes missachtet wird, nicht länger tolerieren. Entweder hält die EU ihre Versprechen, oder jeder macht, was er für richtig hält. Wir ziehen es trotz allem vor, unseren Weg mit der EU fortzusetzen. Die Entscheidung liegt bei der EU."

Erdoğan, der in der Außenwelt zunehmend an Ansehen verliert, spricht mit seiner nationalistischen Argumentation inzwischen nur noch die landesinnere Öffentlichkeit an. Bei seinem zwanzigminütigen Gespräch mit Trump bekam er nicht, was er wollte. Die ihm nahestehenden Medien brachten trotzdem riesige Fotos, auf denen sich die beiden die Hände reichen, mit der Überschrift: "Er wurde stehend empfangen."

Erdoğan und seine Medien werden weiterhin versuchen, die Öffentlichkeit zu betrügen. In einem Land, in dem ihm die Kurden, die Aleviten, die jungen Menschen, die Großstadtbewohner und die Gebildeten ihre Stimme nicht geben, wird er es jedoch nicht mehr so leicht wie früher haben.

Aus dem Türkischen übersetzt von Agnes von Alvensleben.

Die Adressatin: Schriftstellerin Aslı Erdoğan. Foto: Frank Röth
Die Adressatin: Schriftstellerin Aslı Erdoğan. Foto: Frank Röth

Sevgili Aslı,

son zamanlarda ikimiz de çok zor günler geçirdik. Benimki çok daha zordu. Memleketimden uzakta, hiç beklemediğim bir zamanda annemi kaybettiğimi öğrenmek bana çok ağır geldi. Tam bir ay önceydi, oğlum aradı ve annemin yaşamını yitirdiğini söyledi. Çok, çok, çok acı oldu benim için...

Sen cezaevine girdiğin, ben de mecburen Türkiye'den çıkmak zorunda kaldığım zaman, ona veda bile edememiştim. En büyük hayalimiz bu yaz buluşup birbirimize sıkı sıkı sarılmaktı. Bu hayalle bütün hastalıklarınla baş etmeye çalıştı ama olmadı. 

Annem. Bana güçlü olmayı öğreten kadın. "Bir erkeği sev, ama ona bağımlı olma" diyen, "her zaman kendi kendine yetmeyi öğren" diyen kadın. Beni hatalarımla da seven, benimle gurur duyan sevgili insan.

Neşeli, hayat dolu, güçlü, renkli, şahane annem. Şimdi yok artık. Bir gün Türkiye'ye döndüğümde onun şen, lezzetli yemekleriyle dolu sofrasında kardeşlerimle ve çocuklarımızla buluşma hayalini kuramayacağım artık.

Onu uğurlamaya da gidemedim. 

Bize bunları yaşatan siyasi duruma ve siyasetçilere de bin kere lanet okudum. 

Benim kadar olmasa da sen de zor günler yaşadın, biliyorum.

Avrupa Kültür Vakfı'nın uluslararası alanda tanınmış sanatçılara verdiği Prenses Margeret ödülünü kazandın, ama 9 Mayıs'taki ödül törenine katılamadın. Çünkü yurt dışına çıkışın yasak. Oysa biliyorum ki, bu ödülü kendi ellerinle almayı ne kadar isterdin.

Kasım ayında Karl Tucholsky ödülünü cezaevinde olduğun için almaya gidememiştin. Geçtiğimiz aylarda da Theodor Heuss Madalyası ve Bruno Kreiss İnsan Hakları Ödülünü almaya gidemedin. Çünkü yasaklıydın.

Katılamadığın her ödül töreninin, uzun bir süre silinmeyecek kara bir iz bıraktığını söylemişsin.

Sonra, "Türkiye'nin yazarlarına layık gördüğü muameleyi tüm dünya gördü. Bu ülke bugüne dek yüz altmıştan fazla şairini ve yazarını hapse atmış, anlaşılmaz bir hınçla mütemadiyen aslında kendi dilini kesmiş, hakikatle yüzleşmeyi reddederek kendi vicdanını deşmiştir" demişsin. 

Ne kadar doğru! Türkiye'deki siyasi sistem, yazarlarını, gazetecilerini hapsederek, sürgüne mecbur ederek kendi dilini kesiyor, kendi vicdanını deşiyor.

Son günlerde bir gazeteci daha tutuklandı. Almanya'da Ulm'da doğup büyüyen Meşale Tolu bir süredir Türkiye'de gazetecilik yapıyordu. Dışişleri sözcüsü Martin Schaefer, tutuklama hakkında kendilerine bilgi verilmediğini açıkladı. Almanya'daki ailesi de başvuru yaptığı halde bilgi alamadı.

Beni annemden ayıran, senin ödüllerini almayı engelleyen, gazetecileri tutuklayan siyasi iktidarın "tek şef"i Tayyip Erdoğan, son referandumdan aldığı yetkiyle şimdi partisinin genel başkanı oldu.

Böylece Türkiye'de tarafsız cumhurbaşkanı dönemi yasal olarak da bitti. Artık taraflı bir cumhurbaşkanı var. Ve o bizim, demokrasinin, düşünce özgürlüğünün, sanatın, edebiyatın tarafında değil. Dahası vicdanların ve adaletin de tarafında da değil. 

Mussolini, Saddam gibi tarihe bir diktatör olarak geçti artık.

Yeniden parti başkanı seçildiği kongrede, olağanüstü hal'in süreceğini söylemiş. Hem de Fransa'yı örnek verip "onlarda da var" diyerek...

Oysa, Fransa'da olağanüstü hal uygulamasına ve ona özgü yasalara dayanarak yüz binin üzerinde kamu çalışanı işten atılmadı. 160 yayın kuruluşu bir gecede kapatılmadı. Akademisyenler üniversitelerden uzaklaştırılmadı, gazeteciler tutuklanmadı, yazarların pasaportlarına el konulmadı.

Ama o her zamanki gibi demagoji yapıyor.

Aynı kongrede "AB'nin artık ülkemizin onurunu hiçe sayan iki yüzlü tavrına daha fazla tahammül etmek zorunda değiliz. AB ya bize verdiği sözleri tutar ya da herkes kendi bildiğini yapar. Bizim tercihimiz her şeye rağmen yolumuza AB ile devam etmektir. Burada kararı verecek olan AB'dir" diye konuştu.

Erdoğan, dış dünyada itibar kaybettikçe artık sadece iç kamuoyuna ve en milliyetçi argümanlarla sesleniyor. 

Trump'la yaptığı 20 dakikalık görüşmede aradığını bulamadı ama ona bağlı gazeteler tokalaşma fotoğraflarına kocaman yer vererek "ayakta karşıladı" diye haber yaptılar.

Erdoğan ve onun basını kamuoyunu bir süre daha aldatmaya çalışacaklar ama Kürtlerin, Alevilerin, gençlerin, büyük şehirlerde yaşayanların, eğitimlilerin ona oy vermediği bir ülkede işi eskisi kadar kolay olmayacak.


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