Neue Spezies in der Stadt: Aufständische Bürger. Foto: Traube Sindelfingen

Neue Spezies in der Stadt: Aufständische Bürger. Foto: Traube Sindelfingen

Ausgabe 436
Gesellschaft

Sindelfingen rockt zurück

Von Anna Hunger
Datum: 07.08.2019
Sindelfingen bei Stuttgart ist weltweit bekannt. Allerdings für sein Daimler-Werk und nicht für den zivilen Ungehorsam der Einheimischen. Das hat sich geändert.

Das Highlight ist der Mann mit der Kettensäge im Fahrradkorb. Zwecks Polizeipräsenz unter einer Decke versteckt, hat er das Teil auf den Sindelfinger Marktplatz gefahren. Nur den Motor, ohne Sägeblatt. Aber der ist laut genug. "Können Sie die nochmal anwerfen?", fragt eine Frau, ein junger Mann filmt. Das muss man festhalten, wenn da schon die größte Demo in Sindelfingen steigt seit, ja seit wann eigentlich?

Dann brüllt die Säge los, volle Pulle in den Nachthimmel, dutzende Vuvuzelas tröten, Töpfe werden geschlagen, Rätschen gedreht, einer ist mit der Harley da und gibt ordentlich Gas. Es ist halb elf am Mittwochabend der vergangenen Woche, rund 1000 Demonstrantinnen sind auf den Sindelfinger Marktplatz gekommen. Und es ist LAUT.

Eigentlich sollte dort an diesem Abend das erste Konzert der Reihe "Sindelfingen rockt" steigen. Insgesamt an fünf Mittwochabenden in den Sommerferien spielt jeweils eine Tribute Band den Sindelfingern live ordentlichen Rock auf die Ohren. "Bigger Bang" waren schon zweimal da, die Band hat sich den Rolling Stones verschrieben, 2017 spielte unter anderem "Quotime" (Status Quo) und "Mothership" (Led Zeppelin), im vergangenen Jahr gabs mit den "Cosmic Banditos" ein Pink Floyd-Tribut und die "Big Balls" gaben AC/DC.

Seit 2015 gibt es die Konzertreihe. Damals umsonst und draußen von der Stadt angelegt, um den Daheimgebliebenen in den Sommerferien etwas zu bieten. Im Herzen der Stadt, wohlgemerkt, auf dem Marktplatz. Etwa 5000 Gäste kamen zu jedem Konzert. Das ist viel für eine Stadt mit 65 000 Einwohnern. "Sindelfingen rockt" gehört mittlerweile, sagen die Sindelfinger, zum Stadtleben dazu.

2017 ging der erste Beschwerdebrief bei der Stadt ein. Es sei zu laut, befanden einige wenige Marktplatzanwohner. 2018 ging der Streit in die nächste Runde. Die Stadt arbeitete mit Tontechnikern daran, die Lautstärke so zu dimmen, dass die Besucher auf ihre Kosten kommen, die Anwohner aber geschont werden, und verlegte den Konzertbeginn für diesen Sommer um eine halbe Stunde vor auf 18 Uhr. Abends um halb zehn wäre Zapfenstreich gewesen. Half aber nichts. Auch nicht die Hotelgutscheine, die die Stadt den vermeintlich Lärmgeplagten sponsern wollte, damit sie die fünf besagten Abende andernorts in Stille verbringen können. Im Gegenteil.

Eine Anwohnerin bangt um ihre körperliche Unversehrtheit

Am vergangenen Mittwoch sollten eigentlich die Phil-Collins-Genesis-Interpreten "True Collins" spielen, aber kurz vor knapp sagte die Stadt das Konzert ab. Vier Klagen waren beim Verwaltungsgericht Stuttgart eingegangen, drei Immobilienbesitzer im weiteren Umkreis des Marktplatzes klagten unter anderem, dass sie durch die Konzerte in ihren Eigentumsrechten an umliegenden Immobilien beeinträchtigt seien, eine direkte Anwohnerin, weil sie durch Konzertlärm ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit unterlaufen sieht. In einer Eilentscheidung hatte das Gericht der letzteren Klage Recht gegeben und die Konzertreihe auf dem Marktplatz gekippt. Möbel Hofmeister am Stadtrand bot kurzfristig seinen Parkplatz an und so rockten die Phil Collinse an diesem Abend im Industriegebiet anstatt mitten in der Stadt.

Mehr als 30 Seiten umfasst die Urteilsbegründung der Stuttgarter Verwaltungsrichter. Es geht um Dezibelgrenzen unter diversen Gesichtspunkten und zu unterschiedlichen Tageszeiten, Richtwerte von Freizeitrichtlinien, um Lärmschutzgutachten, um Emissionsregelungen für Freizeitanlagen, um den Mindestversorgungspegel im Publikumsbereich, damit ein Live-Konzert auch ein Event wird.

Letzterer ist vor allem deshalb zu betonen, weil es sich bei "Sindelfingen rockt" – der Name lässt es vermuten – um Rockmusik handelt, die, so schreibt das Gericht, "vom Publikum nur dann als solche gut angenommen wird, wenn sie den für Rockkonzerte typischen Lautstärkepegel erreicht". Zudem erfordere die Dramaturgie eines solchen Konzerts, dass es zum Schluss hin lauter würde, was aber dem abendlichen Ruhebedürfnis der klagenden Anwohnerin entgegenstehe. Die Stadt Sindelfingen habe nicht genügend geprüft, ob es nicht auch eine leisere Musikrichtung täte, die Event-Reihe sei zudem nicht "standortgebunden" und könne an einer weniger "konfliktträchtigen Stelle" als in der Innenstadt stattfinden. Der Anwohnerin sei nicht zuzumuten "mithin bei möglicherweise hochsommerlichen Temperaturen, mittwochabends die Fenster ihrer Wohnung geschlossen zu halten, um von der Lärmbelastung nicht in vollem Umfang getroffen zu werden, noch sich an fünf Abenden im Juli und August an einem anderen Ort aufzuhalten".

Außerdem fänden an besagtem Marktplatz "zahlreiche weitere Veranstaltungen statt": Das Internationale Straßenfest an drei Tagen im Jahr. Drei Tage Schlemmermarkt, zwei Tage Feuerabend, eine lange Einkaufsnacht. Die Anzahl "seltener Veranstaltungen" in Sindelfingen beliefe sich insgesamt auf 13 Tage im Jahr. Zulässig sind 18. Allerdings, so urteilt das Gericht, würde der Platz auch noch "unterschwellig" bespielt: mit dem Krämermarkt, dem Weihnachtsmarkt, dem Weindörfle. "Sindelfingen rockt" sei betreffender Anwohnerin da nicht auch noch zumutbar.

Fassungslos war nicht nur der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer (CDU). Der meldete sich per Facebook zu Wort: "Ich bin maßlos enttäuscht...eine lebendige Stadtmitte ist eine aktive Stadtmitte – und dazu gehören eben auch Veranstaltungen...Ich werde für Sindelfingen rockt kämpfen."

Fassungslos saß auch der "Sindelfingen rockt"-Fan Jörg Mornhinweg mit seinen vier Kumpels beim Bier in der Kneipe. Einer davon sei ein "Alt-68er", erzählt Mornhinweg mit einem Schmunzeln. Pensionierter Lehrer. Der fand: "Da müssen wir uns wehren. Wir müssen eine Demo machen." Nach Mornhinwegs Erinnerung stand daraufhin ein großes Fragezeichen über dem Biertisch: Wie Demo? Denn Sindelfingen ist zwar bekannt für Daimler, aber sicher nicht für Demonstrationen und zivilen Ungehorsam. Und so bot sich der Demo-erfahrene Lehrer an, einen Aufruf zu schreiben: "Wir fordern alle Sindelfingerinnen und Sindelfinger auf, sich – als Zeichen des Protestes – am Mittwoch, 31. Juli, um 22.30 Uhr auf dem Marktplatz zu versammeln. Bringt Instrumente, Töpfe, Musikanlagen . . . und sonstiges mit . . . und feiert mit uns gemeinsam ein Fest. Sifi lebt und lässt sich nicht kleinkriegen?!!!!" Das schickten die Freunde zuerst an alle persönlichen Whats-App-Kontakte, dann über Facebook in die Welt.

Das Teil ging viral. Bereits am späten Mittwoch-Nachmittag marschierten "Die Assis" e.V. auf – "Alternative Skate und Sound Interessenten Sindelfingen" – mit Kumpels aus der örtlichen Anarcho-Kneipe Traube, Bierkästen und Plakaten: "Phil Collins Ultras" stand darauf. Oder: "Stadtleben statt Langeweile".

Eine Ladenbesitzerin am Marktplatz organisierte gemeinsam mit einem CDU-Stadtrat Lautsprecher und beschallte die Umgebung mit "In the Air tonight". Die Band "Diebische Elstern" spielte ein Spontan-Konzert, ab halb zehn liefen die Abend-Demonstranten ein. Gegen halb elf waren es um die 1000, aller Couleur und jeglichen Alters. Mit Trillerpfeifen, Fußballgesängen und viel Gejohle.

Die Lokalpresse steht auch voll auf Rock

Auch Ludwig Schmauder, 20 Jahre alt, und seine Kumpels sind gekommen. Und ihnen fehlt: Musik! Die Stromverteiler am Platz haben tatsächlich Saft, stellen sie fest, und wenige Minuten später steht da ein Boxenturm der jungen Event-Veranstalter und schmettert "The Show must go ohohon!" Mittlerweile ist auch Sindelfingens OB eingelaufen, mit ungläubigem Grinsen. "Wir hatten schon Angst", sagt Schmauder, "dass es nun richtig Stress gibt, weil wir den städtischen Strom angezapft haben." Aber OB Vöhringer lässt sich ein Mikrophon an die Boxen anschließen und ruft den Sindelfingern zu: "Ich bin stolz auf euch!" Kurz darauf steht er dann, das bürgermeisterliche Jackett abwerfend, in der Demo-Menge und legt zu Footloose selber eine flotte Sohle ein. Kurz nach Mitternacht ist Schluss. Und Jörg Mornhinweg ist begeistert: "Das war eine Mega Aktion, damit haben wir nie im Leben gerechnet."

Die örtliche Presse feiert die Spontan-Demo und überschlägt sich schier vor zustimmenden Kommentaren und Berichten: "Wer es in der Stadtmitte nicht erträgt, dass bis 21.30 Uhr eine geordnete Musikveranstaltung über die Bühne geht, hat kein Mitleid verdient, wenn auch die ‚Sindelfingen rockt’-Fans von ihren demokratischen Rechten Gebrauch machen." Oder: "'So was hat Sindelfingen noch nie gesehn' - Riesige Menschenmenge verwandelt den Marktplatz zur Freiluft-Disco und kämpft lautstark dafür, dass das Herz der Stadt weiterrockt".

Wie es mit der Konzert-Reihe weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Stadt Sindelfingen hat beim Verwaltungsgericht Beschwerde gegen das Urteil eingereicht. Die vier Kläger allerdings dürften Lunte gerochen haben. Denn wo einer vor Gericht gewinnt, ist doch sicher mehr rauszuholen. Offenbar, so munkelt man in der Stadtgesellschaft, habe sich das Ganze zu etwas Persönlichem ausgewachsen. Bereits im März, berichtet die Lokalzeitung, fanden sich in den Briefkästen der Immobilienbesitzer rund um den Marktplatz Briefe: "In den vergangenen Jahren nahmen die Veranstaltungen in der Innenstadt und um den Marktplatz immer mehr zu. Lärm, Dreck und Gestank sind für uns Anwohner schon immer unerträglich." Jetzt geht’s quasi ums Prinzip. Jörg Mornhinweg jedenfalls hat für diesen Mittwoch, wieder ab 22:30 Uhr,  schon die nächste Demo angemeldet. Mittlerweile nennt er sie die "'Das-kann-doch-nicht-wahr-sein!'-Protest-Bewegung".


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10 Kommentare verfügbar

  • Dr. Diethelm Gscheidle
    am 08.08.2019
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin vollkommen fassungslos! Redliche Anwohner des Marktplatzes haben selbstverständlich ein Recht darauf, nicht mit böser Felsen"musik" zwangsbeschallt zu werden! Es kann doch nicht sein, dass unredliche Krachmacher regelmäßig in Sindelfingen eine Bühne für ihre scheußliche Krachmusik bekommen! Nach den hochredlichen Forschungen des redlichen Herrn Dr. Klaus Miehling macht Felsen"musik" im übrigen aggressiv und führt zu Prügeleien, Kriminalität, dem Gehirnbrand oder sogar zu dieser widerlichen sogenannten "Sechs"-Sache da! Dieser Krach sollte daher generell verboten werden, anstatt - wie im offensichtlich sehr unredlichen Sindelfingen - öffentlich redliche Bürger damit zwangszubeschallen!

    Aber man sieht ja, wie die unredlichen Felsen"musik"-Anhänger dann reagieren - sie organisieren eine diabolische "Demonstration", auf der sie dann selbst Lärm machen (also im Prinzip das gleiche machen, wie die Felsen"musiker", denn Felsen"musik" ist bekanntlich keine Musik, sondern reiner Lärm und Krach) - und das nur, um redliche Anwohner zu ärgern. Dass sie diese bis nach 22 Uhr ausdehnen, wo redliche Bürger sowieso längst im Bett sind, ist der beste Beweis dafür, dass Felsen"musik" zu Kriminalität führt, verstoßen sie mit ihrem Lärm damit ja auch noch gegen die redliche Nachtruhe! Dafür sollte man diese Krachmacher sofort ins Gefängnis stecken, damit endlich Ruhe herrscht!

    Besonders enttäuscht bin ich davon, dass sogar ein Bürgermeister der eigentlich sehr redlichen CDU derart scheußliche Krachmusik in seiner Stadt duldet und sogar fördert, und und dann auch noch bei der Krach-Demonstration mitmacht! Von Anarchisten und Alt-68ern habe ich ja nichts anderes erwartet, da diese bekanntlich jede Gelegenheit wahrnehmen, redliche Bürger zu ärgern, aber als CDU-Bürgermeister hätte er selbstverständlich dafür zu sorgen, dass seine Stadt redliche Musik zu hören bekommt. Er sollte regelmäßig schöne klassische Konzerte oder redliche Auftritte von hervorragenden und redlichen Musikern wie Marianne & Michael, Herrn Hansi Hinterseer oder Herrn Florian Silbereisen veranstalten. Gerne könnte er den Marktplatz dafür Tag und Nacht nutzen, denn derart redliche Musik ist selbstverständlich ein großer Gewinn für die Stadt und ein absoluter Ohrenschmaus für Anwohner und Passanten!

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Diethelm Gscheidle
    (Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)
  • Stefan
    am 07.08.2019
    Am Arbeitsplatz darf man jeden Tag und den ganzen Tag mit 80 dB(A) direkt beschallt werden, ohne körperliche Folgen fürchten zu müssen.
    https://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/laermflyer-2016-web.pdf

    Aber außen im Kerngebiet vor dem Fenster nur 18 mal im Jahr mit maximal 60 dB(A).
    Wohlgemerkt „außen“ vor dem Haus.
    Innen liegen die Grenzwerte bei 35 dB(A).
    https://www.lai-immissionsschutz.de/documents/freizeitlaermrichtline_1503575715.pdf

    Eine Differenz bei direkter Beschallung von satten 45 dB das entspricht dem 7 fachen Schallpegel. In der Arbeit ohne gesundheitlichen Folgen mit 80 dB aber zu Hause unzumutbar.

    Das soll DIE gerichtliche Grundlage sein???
    • Leo
      am 07.08.2019
      Selten so einen Quatsch gelesen, die 80 Dezibel belaufen sich auf einen festen Zeitrahmen (8 Stunden Arbeitstag) und MIT GEHÖRSCHUTZ. Wenn sie zuhause auch mit Micky Mäusern (aka Gehörschutz) rumlaufen möchten, nur zu - anderen Menschen das zu raten, wäre unverschämt. SIe wohnen sicher ruhig.
    • Stefan
      am 08.08.2019
      Nee, so steht das da nicht.
      Laut BG ist bis 79,9 dB OHNE Gehörschutz und JEDEN Arbeitstag 8 h lang vollkommen ok.
  • Antje
    am 07.08.2019
    Naja, wenn ich mitten in einer Stadt lebe, weiß ich, dass es dort nicht leise zugeht. Wenn ich abends meine Ruhe will, ziehe ich in die Abgeschiedenheit eines kleinen Dorfes. Und wenn das Konzert um 22 Uhr beendet wird, weiß ich nicht, was es daran auszusetzen gibt. Schließlich muss ich auch eine private Party oder Bauarbeiten in meiner Nachbarschaft bis 22 Uhr ertragen.

    Wenn die besagten wenigen Anwohner sogar Hotelgutscheine ablehnen - also ein Angebot für ihre persönliche Ruhe an diesem Abend bekommen - was soll man dann denken? Es geht diesen Menschen offensichtlich ums Prinzip und man kann sich zu Recht fragen, wer die wirlichen Unruhestifter sind.

    Wer das fröhliche Feiern auf dem Marktplatz und die wunderschönen Begegnungen dort in den letzten Jahren immer wieder erlebt und genossen hat, der empfindet nur noch Mitleid für Menschen, die offenbar nicht mehr in der Lage sind, sich am Leben zu erfreuen. Deren Ziel es sogar ist, die Fröhlichkeit und das Miteinander der anderen zu zerstören, weil man selbst nicht mehr in der Lage ist, diese zu genießen. Wir dürfen
    "Mitleid" mit diesen Menschen haben, andererseits müssen wir froh sein, dass es noch genügend Menschen gibt, die selbst trotz eines gewissen Alters auf den Marktplatz gehen, Musik hören, tanzen, singen und miteinander fröhlich sind. Diese Menschen gilt es zu unterstützen. Für uns, für die Stadt und für unsere Gesellschaft.
    • Leo
      am 07.08.2019
      Es geht den Menschen vielleicht aber auch einfach um die vielen Event-Termine, die sie im Laufe des Jahres ertragen müssen. Man möchte zuhause seine Ruhe und gewohnte Umgebung haben, nicht in einem fremden Bett schlafen müssen.

      Und die Sache mit dem aufs Land ziehen. Neue Wohnungen zu finden ist sehr schwer und sehr teuer.

      Sie wohnen sicher auch sehr ruhig.
    • Ahso
      am 07.08.2019
      is ja toll... wer in der Stadt lebt, muß also quasi "natürlicherweise" - wie Frau Antje meint - mit Lärm leben und darf beschallt werden? Alles andere ab aufs Land? Ich dachte immer, es gibt eine gesetzliche Nachtruhe ab 22 Uhr und die gilt für alle, wie das bei gesetzlichen Regelungen regelmäßig der Fall ist. Anscheinend ist man, wenns einem selbst nach Belustigung ist, gerne bereit, anderen Rechte abzusprechen, die man für sich selbst ganz selbstverständlich beansprucht. Ersteres zu Unrecht und zweiteres zu Recht,
    • Ruby Tuesday
      am 08.08.2019
      So wie ich das gelesen habe sollen die Lärmattacken um 22.30 Uhr beginnen unter CDU-Führung. Christdemokraten außer Rand und Band. Über Gehörschäden durch Vuvuzelas und Kettensägen sollte später niemand klagen der dabei war. Da will also jemand wie Jörn Mornhirnweg, die CDU und ein spätpubertierender Lehrer es nochmal so richtig krachen lassen und die Lokalpresse nutzt das Geschehen, um nochmal schnell die Auflage zu erhöhen. High sein, Frei sein, Terror muß dabei sein, so hieß es schon 1967 zu einer Zeit als man von den Folgen des Lärms: Hörschäden, Folgen für Blutkreislauf, Magentätigkeit, peripheren Gefäßverengungen schon wußte. Alle lärmenden Geräusche wirken auf uns bewußt oder unberwußt als Schreckreize und bewirken Abwehrreaktionen, auf die das Nervensystem mit einem Zustand der Anspannung reagiert, der meist nicht abgebaut werden kann. Geistig arbeitenden Menschen macht der wechselhafte, unberechenbare Lärm am meisten zu schaffen. Was durch Lärm möglich ist wußten wohl auch schon die alten Chinesen, als sie Verbrecher zum Musiktod verurteilten. Und der Begriff "Weiße Folter" sollte Menschenrechtlern bekannt sein. Solange sich der Partylärm mit den üblichen Tagesgeräuschen vereinbaren läßt, kann der städtische Lärmpegel auch höher liegen - nur Nachts eben sollte man Modeworte wie Achtsamkeit in die Tat umsetzen. Das meist nur Eigentümer klagen hat sicher vorwiegend wirtschaftliche Gründe, welche Arbeitnehmer*innen können sich anwaltliche Erstberatungen für 250 Euro leisten und dann weitere Kosten auf sich nehmen. "Unsere" Rockveranstaltungen begannen meist früh und endeten mit Akustikgitarre (nicht elektronisch verstärkt) in den frühen Abendstunden, fanden "vor der Stadt" in Clubs oder (Fabrik) Hallen statt. Ging prima, sogar mit anarchistischen Hausinstandbesetzern, die durch Solidarität und gute Nachbarschaft viele Häuser wieder aufbauen konnten.
  • Ruby Tuesday
    am 07.08.2019
    Muss man Lärmterror in Innenstädten auch noch mit Gewalt durchsetzen? Wozu werden überhaupt noch Tempo-30-Zonen (ab 22.00 bis 6:00 Uhr früh) eingerichtet? Auch über Nebenschäden wäre zu sprechen. Tinnitus, zerbrochenes Glas, Wildpinkler, die für ein anhaltendes Dufterlebnis in Hauseingängen sorgen. Brunftschreie bis die Sonne aufgeht. Wieso den Anwohnern Leid zufügen, nur weil man sich kein Hörgerät anschaffen will, das würde ich jenen Alt-68er zu empfehlen. Es gibt doch auswärtige Orte oder geeignete Hallen für Rockkonzerte, die allein aus akustischen Gründen besser geeignet sind. Aus welchem Grund leitet man neuerdings ein Recht auf Lärmterror ab, nachdem man lange Zeit für Umweltrechte gekämpft hat und gleichzeitig gegen Fluglärm ins Feld zieht. Übrigens auch "auf dem Land" bleibt man von solchen Erscheinungen nicht verschont. Der Unterschied liegt oft nur in der Zahl der Zuschauer, die statt tausende oft nur hundert sind, wobei der Lärmpegel nicht wesentlich geringer ist. Der größte Unsinn ist, dass so eine Veranstaltung nicht viel früher beginnen kann und um 20:00 oder 22:00 Uhr endet. Wenn das so weitergeht muss Daimler wohl bald die Frühschichten ausfallen lassen, wie auch Polizei, Feuerwehr, Handel und Handwerk, weil alle berufstätigen Menschen, nach so einer qualvollen Nacht erstmal ausschlafen wollen.
  • Helga Stöhr-Strauch
    am 07.08.2019
    Dass die biederen Schwaben demogeil sind, dürfte inzwischen bundesweit bekannt sein. Ursprünglich war es ja nicht so einfach, als es 2009 mit den sicher wichtigen und sinnvollen Protesten gegen S 21 losging. Dass jetzt aber Hinz und Kunz wegen Dieselfahrzeugen oder wegen prinzipieller Anliegen ("Demo für alle" mit Rechtsdrall) oder sogar für das Recht auf Lärm in der Innenstadt Krawall machen, hat schon was Pathologisches.
    Vielleicht hilft es, sich mal in die Situation derer zu versetzen, die dort leben und abzuwägen, ob der Anlass zum Demonstrieren wirklich wichtig ist. Es ist kein Zuckerschlecken, in einer von Autos und Lärm verpesteten Stadt zu wohnen. Und Krach um des Krachs willens finde ich schlichtweg rücksichtslos und asozial.
    Grüße vom Land!

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