Liegen in der Medizin nahe beieinander: Licht und Schatten. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 278
Gesellschaft

Fragen Sie Ihren Doktor!

Von Wolfgang Schorlau
Datum: 27.07.2016
Bevor der Bestseller-Autor Wolfgang Schorlau für seinen Krimi "Die letzte Flucht" in den Sumpf des Gesundheitswesens eintauchte, war seine Welt noch irgendwie in Ordnung. Dann kam der Realitätshammer.

Leider sind nicht nur im Kriminalroman die Dinge häufig anders, als sie auf den ersten oder auf den zweiten Blick erscheinen. Als ich mit dem Dengler-Krimi "Die letzte Flucht" einen Blick ins Innere unseres Gesundheitswesens warf, merkte ich nach umfangreicher Recherche und vielen Gesprächen mit Beteiligten, dass auch in einem entscheidenden Bereich unserer Daseinsfürsorge vieles nicht so ist, wie die meisten es annehmen.

Bis dahin glaubte ich, das Gesundheitswesen sei für die Patienten und Versicherten da, es ginge um die Verhütung und die Heilung von Krankheiten. Umso überraschter war ich, als ich herausfand, wie sehr unser Gesundheitssystem von einigen wenigen Firmen dominiert wird, die Arzneien herstellen und vertreiben. Ich staunte über die riesigen Umsatzrenditen von 30 Prozent und mehr, die in dieser Branche erzielt werden. Im Vergleich: Für ein gut geführtes Maschinenbauunternehmen sind sechs Prozent Umsatzrendite ein gutes Ergebnis, der Einzelhandel erwirtschaftet zwischen einem und zwei Prozent. Die Gewinne der Pharmaindustrie lassen sich jedoch nur mit denen des Waffen- oder den Drogenhandels vergleichen. Sicher, jede Firma, die nützliche Produkte herstellt, soll auch Gewinne machen, und Arzneien sind sicherlich nützliche Produkte. Doch die extreme Höhe der Gewinne ist auch deshalb so empörend, weil sie nahezu ausschließlich von Ihnen und mir, weil sie aus den Krankenversicherungsbeiträgen von Wenig- oder Normalverdienern erzielt werden.

Der entscheidende Vorgang für jeden Pharmakonzern ist das Ausstellen des Rezepts durch den Arzt. "Der Vorgang des Verordnens durch den Arzt ist für uns die Ladenkasse", erklärte mir ein Vorstandsmitglied eines großen Pharma-Unternehmens bei einem Recherchegespräch in Berlin. Diesen entscheidenden Moment, diesen Augenblick, in dem ein Arzt das Rezept ausstellt, versucht diese Industrie mit milliardenschweren Marketingprogrammen zu beeinflussen. Es ist erstaunlich, mit welch perverser Fantasie und enormen Geldmengen sich die Pharmaindustrie diesem Ziel widmet.

Eine der Methoden sind direkte Geldzahlungen an Ärzte (die im Pharmajargon stets nur als "Verordner" bezeichnet werden). Es ist der Rechercheplattform correctiv.org zu verdanken, dass nun erstmals eine Übersicht vorgelegt wird, in der jedermann überprüfen kann, welcher Arzt wie viel Geld von den Pharmakonzernen genommen hat. Doch Vorsicht: Sie finden darin nur jene Ärzte, die der Veröffentlichung ihres Namens zugestimmt haben. Die Dunkelziffer ist also beträchtlich größer.

Doch am besten ist, Sie fragen bei dem nächsten Arztbesuch ihren Doktor direkt, ob auch er zu jenen gehört, die Sonderzahlungen angenommen haben. Wenn er es verneint, gratulieren Sie sich zu Ihrer Arztwahl, ansonsten rate ich Ihnen zu einem schnellen Wechsel.

Wolfgang Schorlau (65) hat sich in seinem Kriminalroman "Die letzte Flucht – Denglers sechster Fall" intensiv mit der Pharmaindustrie beschäftigt. Das Buch ist 2015 verfilmt worden.


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4 Kommentare verfügbar

  • Dr. Stefan Kissinger
    am 27.07.2016
    Es ist leider nicht die "böse" Pharmaindustrie, sondern die strukturelle Profitorientierung im deutschen Gesundheitswesen.
    Mit dem Leiden anderer Menschen Geld "einfahren".

    Kennen Sie einen Frauenarzt, der nicht Luxuswagen, Häuser etc. besitzt? Gerade mit der Verhütung und neuerdings mit den Vorsorgeuntersuchungen "verdienen" diese Geier sich "dumm und dämlich"(das geht ja nicht, da sie ja in der Regel schon hochgradig dämlich sind).

    Ärzte wollen "Geld haben", da sie aber zu feige sind um illegale Geschäfte durch zu führen , und das Abzocken im offiziellen Gesundheitswesen viel einfacher ist, manipulieren sie das Gesundheitswesen und abgesehen von bekannten unrichtigen Abrechnungen ( Computersystem sagt bitte keine Bronchialerkrankungen mehr diagnostizieren, sondern Lungenentzündungen, da die so genannte "Deckelgrenze für das Quartal" erreicht ist). Die Krankenhäuser sollen ihnen Kunden schicken, natürlich sind da "amigo-Konstellationen" vorhanden, wie der Puff Taxifahrer für das Abliefern von Kunden bezahlt. Und die noch korrekten Ärzte sind wenigen weißen Schafen in der Herde von lauter "schwarzen Schafen".

    Deshalb sind Krankenhäuser für Notfälle (die sie definieren, was ein Notfall ist) da, die dann sofort die Patienten als "mögliche Stammkunden" an die Privatärzte überwiesen werden und von dort an deren "amigos" Spezialärzte.

    Die Krankenhäuser müssen ebenfalls "Profit machen", deshalb ist bei Brustschmerzen sofort ein Herzkatheder notwendig und bei der kleinsten Verengung ein medikamentenbeschichteter Stent anstatt eines Metalstent oder bei Problemen im Bewegungsapparat eine Operation mit Stahlersatz notwenig.

    Gleichzeitig wird an der Hygiene so gespart, dass es allmählich besser und gesünder ist kein deutsches Krankenhaus mehr aufzusuchen, da die Gefahr besteht dort infiziert zu werden und sogar so lebensgefährlich zu erkranken.

    Fertig ist der bei Ärzten geliebte Wunschpatient =der "Stammkunde". Ziel der Ärzte ist es Stammkunden zu haben, die termingerecht handeln.
    Bei dem Aufsuchen eines Arztes ohne Termin ( siehe Einsatz von so genannten Terminsystemen) muss der "Akut"-Patient eben gegenüber den Stammkunden 2-3 Stunden warten.

    Ärzte optimieren ihr "Geschäft" mit dem echten oder eingebildeten Leiden der Mitmenschen Geld zu scheffeln. Sie haben aber nur noch wenig medizinische Kenntnisse - außer in dem Verschreiben der Mogelpackungen der Pharma-Industrie.

    Durch die Ermordung eines Arztes am 26.07 in der Charite Benjamin Franklin ist das passiert, auf das ich schon gewartet habe. Es ist anzunehmen, dass jetzt noch mehr zur Selbstjustiz greifen werden. Wahrscheinlich werden auch wichtige Personen der Pharma-Industrie nicht ungeschoren davon kommen. Aber wie gesagt das war und ist vorher sehbar.
  • zara
    am 27.07.2016
    Ich verstehe den Sinn des Beitrages nicht. Das Buch ist 5 Jahre alt. Werbung von Wolfgang Schorlau für die Bücher von Wolfgang Schorlau ?:)
  • Blender
    am 27.07.2016
    @BePo 9:33
    Ihr Kommentar ist etwas wirr. Der erste Satz ist der einzige der was taugt, dann folgt im 2.Satz der Rundumschlag zu zerstörten Menschenleben, im 3. der Wunsch nach einem Polizeistaat, im 4. geht's dann plötzlich um Geschwindikeitsüberschreitungen. Das nächste Mal erst denken, dann strukturieren, dann unnützes wieder löschen und als letztes erst veröffentlichen. Dann weiß der interssierte Leser vielleicht auch was Ihnen wichtig ist. Danke.
  • PeBo
    am 27.07.2016
    Ich finde es hervorragend, wie Wolfgang Schorlau in seinen Krimis Missstände in unserer Gesellschaft aufdeckt.
    Doch leider scheinen sich nur wenige über diese Missstände, die vielfach auch Menschenleben zerstören, aufzuregen oder gar etwas daran ändern zu wollen.
    Der Ruf nach mehr Polizeistaat und politischen Maßnahmen wird immer nur laut, wenn Flüchtlinge sich an Menschen vergreifen. Aber im letzteren Fall sind die Medien auch wesentlich stärker präsent als in den Fällen, die Wolfgang Schorlau anhand von Tatsachen darstellt.
    Wo erscheinen z.B. Medienaufschreie, wenn Raser den Tod unschuldiger Menschen billigend in Kauf nehmen?

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