Wolfgang Schorlau ersinnt Krimis und sinniert über die Landtagswahl. Foto: Joachim E. Röttgers

Wolfgang Schorlau fragt sich, ob er den CDU-Spitzenkandidaten nicht verwechselt hat? Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 258
Politik

Richling oder Wolf

Von Josef-Otto Freudenreich (Interview)
Datum: 09.03.2016
Wolfgang Schorlau geht es wie vielen: nochmals grün wählen oder lieber doch nicht? Kretschmann schätzt er, seine nach rechts gedrückte Partei nicht, und den linken Rockenbauch sähe er gerne im Landtag. Ein richtiges Dilemma. Nicht nur für den bürgerbewegten Bestsellerautor.

 

Herr Schorlau, wen würde Ihr Detektiv Dengler wählen?

Ich habe mich gerade mit Dengler unterhalten. Er wohnt ja in der Wagnerstraße, also im Stuttgarter Wahlkreis 1. Er sagte mir, er habe zwei gute Kandidaten: Muhterem Aras von den Grünen, die er das letzte Mal gewählt hat, und Hannes Rockenbauch von der Linken, den er ebenfalls gerne im Landtag sehen würde. Dengler ist unglücklich darüber, dass er nur eine Stimme hat. Seine Entscheidung fällt wahrscheinlich erst in der Wahlkabine.

Und was sagt der Erfinder der Kunstfigur dazu?

Wir sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich.

Scheint ja diesmal verdammt schwierig zu sein. Woher kommt das Schwanken, das Unentschiedene?

Erinnern sie sich noch an das zentrale Plakat der Grünen im Wahlkampf 2011. Da stand: "Politik wechseln." Das war das Versprechen. Geliefert wurde: "Regieren ist eine Stilfrage." So steht es jetzt auf den Plakaten. Nichts gegen guten Stil, aber das finde ich schon etwas ernüchternd. Jetzt verstehen Sie vielleicht Denglers Dilemma. Einerseits möchten er und ich, dass Kretschmann weiterregiert, andererseits brauchen Kretschmann und der Landtag eine Opposition, die den Namen verdient. Deshalb würde ich mich freuen, wenn Hannes Rockenbauch es ins Parlament schafft mit seiner jungen, frischen, frechen und klugen Stimme.

Was hätte Kretschmann Ihrer Meinung nach liefern müssen?

Mit mir haben sich viele einen größeren Schritt in Richtung Bürgergesellschaft gewünscht, mit allem, was dazugehört. Im letzten Wahlkampf habe ich eine Veranstaltung mit Winfried Kretschmann gemacht, auf der er erzählte, dass große Unternehmen breite Autobahnen in die Landesverwaltung hinein hätten, auf denen sie ihren Einfluss transportierten. Die Bürgergesellschaft habe nicht einmal Trampelpfade. Und jetzt? Es sieht so aus, als hätten die Autobahnen eine Spur mehr gekriegt.

Wenn man die Ergebnisse aller bisherigen Umfragen zugrunde legt, scheint das ein Erfolgsrezept zu sein.

Ich kann mir noch immer nicht richtig vorstellen, dass eine so extrem personalisierte Kampagne diese Ergebnisse zeitigt, wie sie das im Augenblick tut, zumindest in den Umfragen. Meine persönliche Beobachtung ist eher, dass Winfried Kretschmann, den ich persönlich schätze, an Ansehen gewinnt bei Personen, die die Grünen nie wählen würden, und an Ansehen verliert bei Leuten, die ihn gewählt haben. Nach meinen rudimentär vorhandenen kaufmännischen Kenntnissen hielte ich das für ein schlechtes Geschäft. Aber: Mangelnde Vorstellungsgabe ist kein Argument, und ich betrachte den Wahlkampf auch eher von außen. Trotzdem: Es ist eine tollkühne Kampagne. Alles auf eine Karte zu setzen, alles auf Kretschmann. Keine erkennbare politische Botschaft, nicht einmal mehr der Hauch des Wunsches nach einer besseren Welt, der die Wahl 2011 stark geprägt hat. Die Personalisierung übertrifft vielleicht sogar den Wahlkampf, den die SPD 1972 für Willy Brandt führte. Man muss schon tief graben, um Ähnliches zu finden; vielleicht noch am ehesten bei den "Auf den Kanzler kommt es an"-Kampagnen der CDU. Dabei gibt es ja andere gute Leute bei den Grünen. Einige Minister haben ja durchaus Erfolge vorzuweisen.

Aber selbst unter CDU-Wählern hat Kretschmann seine Fans.

Die CDU verliert städtische Wähler an die Grünen. Nach dem 13. März gibt es möglicherweise eine Situation, in der die CDU die ländlichen Gebiete des Landes repräsentiert und die Grünen die Städte. Für eine urbane, liberale Wählerschaft ist die CDU kaum mehr interessant. Hinzu kommt ein schwacher Spitzenkandidat. Neulich war ich zu Gast bei der Veranstaltung der "Stuttgarter Zeitung" mit den Spitzenkandidaten, und für einen Moment hatte ich die Vision, vorne stehe nicht Guido Wolf, sondern Mathias Richling, der Guido Wolf gibt. Neben Kretschmann hat er es wirklich nicht leicht, zu punkten.

Bei der Protestbewegung gegen Stuttgart 21 dürfte die Neigung, Kretschmann zu wählen, eher spärlich ausfallen. Sie standen einst vorn dran.

Die Haltung von Kretschmann und den Grünen zu Stuttgart 21 ist eine Riesenenttäuschung. Vielleicht kostet es die Grünen das eine oder andere Direktmandat in Stuttgart.

Womöglich profitieren andere davon, die so nicht auf der Rechnung standen. Die AfD zum Beispiel.

Das wäre katastrophal. Zugegeben, die Nachrichten im Fall Egon Hopfenzitz haben mich überrascht. Aber der Protest gegen Stuttgart 21 ist immer von den unterschiedlichsten sozialen und politischen Strömungen getragen worden. Das haben Bürgerbewegungen so an sich. In Stuttgart hat sich der Protest an dem einem gemeinsamen Punkt getroffen: am Bahnhof. Darüber hinaus gab es sehr verschiedene Ansätze und Haltungen. Dass Hopfenzitz jetzt gesagt hat, er werde die AfD nicht wählen, beruhigt mich aber doch.

Eine weitere Ikone des Protests, Walter Sittler, macht Wahlwerbung für Kretschmann.

Ich habe auch Veranstaltungen mit Brigitte Lösch, Winfried Hermann und Theresia Bauer gemacht. Aber ich unterschreibe keinen allgemeinen Wahlaufruf mehr.

Warum diese Enttäuschung?

Enttäuschung ist nicht ganz das richtige Wort. Mir fehlen die konkreten Schritte hin zu einer Bürgergesellschaft. Quoren runter, mehr direkte Demokratie, Ausbau der Trampelpfade zumindest mal in einen Wanderweg. Ich registriere nun, wie die Grünen, getrieben von Kretschmann und Boris Palmer, deutlich nach rechts gedrückt werden. Soziale und bürgerrechtliche Themen scheinen aufgegeben. Bei Boris Palmer, den ich eigentlich gut leiden mag, schmerzt mich das besonders, weil er bei der Schlichtung um Stuttgart 21 Großartiges geleistet hat. Interessant ist, dass die Grünen an ihrer linken Flanke Terrain räumen und damit für die Linken die Tore des Landtags weit öffnen. Erstaunlich wiederum, wie schwer sich diese tun, dann auch durchzugehen.

In der Tat, die bisherigen Prognosen sind nicht berauschend.

Warum sagt die Linke nicht einfach: Baden-Württemberg braucht eine echte Opposition. Und das sind wir. Ganz allein.

Jetzt fehlt uns noch die SPD. Fällt Ihnen dazu etwas ein?

Die SPD in Baden-Württemberg ist in erster Linie wirtschaftsfreundlich, und wer das will, wählt CDU, FDP oder die Grünen. Jetzt steht überall auf den Plakaten, die SPD sei sozial, aber das klingt erkennbar erfunden. Viel zu sehr Marketing, es schmeckt zu sehr nach links blinken, um hinterher wieder rechts abzubiegen. Solange die SPD sich nicht glaubhaft von Gerhard Schröder und der Agenda 2010 distanziert, ist für sie nicht mehr zu holen. Immerhin wird das abzusehende Debakel der SPD auch etwas Gutes haben: Es könnte eine Chance sein, sich mit zum Teil verändertem Personal neu aufzustellen. Es würde mich freuen, wenn der Abgeordnete Schmiedel dem nächsten Landtag nicht angehören würde. Aber vermutlich wird es so kommen, wie bisher meistens: Die SPD sucht den Fehler überall, nur nicht bei sich selbst.

Denken wir doch einfach mal über den 13. März hinaus.

Sie befragen mich seit einer Stunde zu nicht literarischen Themen, und deshalb ist jetzt eine Warnung nötig: Ich habe viel Erfahrung mit Irrtümern, übrigens speziell bei Wahlprognosen. Doch es liegt etwas in der Luft, eine Erwartung vielleicht, die keine der kandidierenden Parteien erfüllen kann oder will. Möglicherweise so etwas wie Podemos in Spanien, Bernie Sanders in den USA. Wie gesagt, ich irre mich meistens. Doch wer weiß.

 

Wolfgang Schorlau, Jahrgang 1951, ist vor allem durch seine Dengler-Krimis bundesweit bekannt geworden. In Stuttgart gehörte er neben Walter Sittler und Volker Lösch zu den prominentesten Köpfen der Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21.


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14 Kommentare verfügbar

  • Claus Stroheker
    am 15.03.2016
    Hallo GELA,

    danke für den Link.
    Aber eigentlich wollte ich nicht wissen, was die AfD zu anderen politischen Themen und Fragen sagt - mich interessiert an der Partei nur und ausschließlich, warum sie gewählt wurde, um daraus erkennen und ableiten zu können, was die Politik tun sollte, um ihr "den Boden unter den Füßen wegzuziehen".

    Nach allem, was ich nun nach den Landtagswahlen gelesen habe, hat die SPD vor allem in ihrer Regierungszeit 1998 bis 2005 jedoch auch in ihrer Mitregierung 2005 bis 2009 Vieles, vielleicht sogar Alles dafür getan, um nun abzurutschen (siehe Ergebnisse in Ba-Wü und S-A; das Ergebnis in R-P wird nur "überstrahlt" von Malu Dreyer (positiver Effekt) und Julia Klöckner (negativer Effekt).

    Und für die LINKE sieht es im Westen Deutschlands schlecht aus; die für sie abgegebenen Stimmen helfen eher der CDU und Schwächen die GRÜNEN, teilweise auch die SPD.

    Deshalb sollte sie - die LINKE - mit sich in Klausur gehen und dort beraten, ob ihre eher an die DKP der 1970er-Jahre erinnernden Thesen, insbesondere in der Wirtschafts- und Steuerpolitik, jedoch auch in anderen Politikfeldern, tatsächlich noch zeit- und problemgerecht sind.

    Immer nur darauf hinzuweisen, dass angeblich im Sozialen alles besser wäre, wenn heute noch die Steuergesetze aus der Zeit vor der Schröderschen Steuerreform, die zu staatlichen Mindereinnahmen von ungefähr 60 Mrd. EURO geführt haben, gelten würden, trifft zwar zu, hilft jedoch nicht weiter, weil der Ruf verhallt, wenn andere Fraktionen die nötigen Änderungen nicht unterstützen. (Mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, schadet lediglich dem Kopf, der Wand ist es egal, sie spürt keinen Schmerz. Und: Politik sollte zwar sagen was sie will, jedoch muss sie zunächst von dem ausgehen, was jetzt ist.)
  • UBraun
    am 12.03.2016
    Thomas Rothschild denkt "zu rigoros"? Was auch immer das sein soll - er denkt und argumentiert konsistent und schlüssig. Und formuliert damit präzise das selbstverschuldete Dilemma derer, die einfach nicht willens oder in der Lage sind, Person und Sache zumal in der Berufspolitik zu trennen.

    Es ist schwer, mit Leuten zu diskutoeren, die meinen, dass es einen Unterschied macht, ob - nur ein Beispiel - Schlossgartenbäume und Bahnhof mit oder ohne Bauchweh der Verantwortungs- und Entscheidungsträger platt gemacht wird.
  • Joachim Gras
    am 12.03.2016
    Nicht (Grün-)Schwarz sehen und die Herren Wolf, Strobel wieder an die Fleischtöpfe lassen: Rot-Rot-Grün hat eine Mehrheit, wenn Die Linke die 5% schafft. Linkr wählen.
  • Gela
    am 11.03.2016
    Wer, wie @ Claus Stroheker, wissen will, was die AfD zu anderen Themen als der Flüchtlingspolitik zu sagen hat, lese in folgendem link von Campact nach: https://blog.campact.de/2016/03/steuern-bildung-hartz-iv-was-die-afd-wirklich-will/?
  • Rolf Schmid
    am 10.03.2016
    Dass die GRÜNEN einen nur auf die Person des MP bezogenen Wahlkampf machen ist Beweis dafür, dass sie "lernfähig" sind! Denn sie tun genau DAS, was die CDU seit Jahrzehnten so überaus erfolgreich vor macht!
    Denn Wahlprogramme "liest keiner" und daran halten tut sich auch keine Partei!
    Ich hoffe jedenfalls sehr, dass Kretschmann Regierungschef bleibt, denn er ist seit vielen Jahren endlich wieder ein bundesweit wirkendes "Aushängeschild", das ich, ein Badener, bei seinen Vorgängern seit dem Cleverle schmerzlich vermisste!
  • Peterwmeisel
    am 09.03.2016
    Für mich ist das kein Dilemma.
    Der Text ist wahrlich wie ein aktuelles Frage Zeichen. Für mich habe ich die Antwort auch in dieser KONTEXT Ausgabe gleich darüber gefunden: "Das schaffen wir!", ruft Gökay Akbulut und reißt die Faust hoch. "Mit links!".
    Es gibt gibt eben in Stuttgart noch Sympathie Träger zu Gunsten der Menschen.
    Man könnte auch voraus denken und aus Vergangenem lernen. Dazu empfehle ich" Heiner Flassbeck: Kapitalismus am Ende? Konsequenzen der neoliberalen Weltordnung."
    "Jeder einzelne Mensch muss am Erfolg des Systems beteiligt werden!" Der John Maynard Keynes hatte dies bereits 1934 aufgezeigt und der Erfolg nach 1945 hat es bewiesen.
    https://www.youtube.com/watch?v=hVj2lc8Blsc
    Geld ist wertlos! Die Banken spekulieren und vermehren das Geld wie heisse Luft. Die steigt auch nach oben und verpufft. Aber nur wenn die Löhne mindestens 2 Prozent über dem realen Wachstum liegen. Dann und nur dann investieren die Industrien wieder. Denn nur reale Nachfrage garantiert reales Wachstum.
  • invinoveritas
    am 09.03.2016
    lieber wolfgang,
    ein sympathisches interview mit vielen zutreffenden feststellungen. sympathisch auch deswegen, weil es kritik an kretschmann - die hat er sich redlich verdient - verbindet mit wertschätzung. damit lässt du thomas rothschild mit seinem rigorismus - wertschätzung kriegt nur, wer meine ansichten teilt - weit hinter dir. auch willy brandt beispielsweise hat mit seiner person, mit seiner integrität und glaubwürdigkeit als jemand, der es jedenfalls gut meint mit diesem land und seinen menschen, ansehen und stimmen gewonnen bei leuten, die sonst nie spd gewählt hätten. aber für solch schlichte einsichten müsste man eben auch mal aus den schützengräben klettern, die engen nämlich das gesichtsfeld ein ...
  • Pfeifadeggl
    am 09.03.2016
    Auf Dauer immer "taktisch" wählen ( und damit Grün oder SPD) bringt nichts. Auch wenn es nicht sicher ist, daß Die Linke in den Landtag kommt, einen weiteren Versuch ist es allemal wert. Aus 4% können am Wahltag auch schnell mal 5% werden.

    Man darf keinesfalls den Versuch unterlassen, die Linke in den Landtag zu bringen. Denn wer außer der Linken vertritt denn noch die Interessen der kleinen Leute und wer ist sonst konsequent gegen Kriegseinsätze der Bundeswehr und gegen Waffenexporte?
  • Luigi Pantisano
    am 09.03.2016
    Wolfgang Schorlau macht relativ deutlich, dass DIE LINKE in den Landtag gehört. Warum? Wegen deren Inhalten und damit es eine Opposition im Landtag gibt. Wir sollten alle bei der Wahlentscheidung weniger auf Umfragen und Stilfragen schielen sondern nach Inhalten wählen, dann kommt DIE LINKE ganz bestimmt in den Landtag. Die 5% sind diesmal sehr wohl drin.
  • Claus Stroheker
    am 09.03.2016
    Ja, das sehe ich - leider ! - auch so: Wolfgang Schorlau's Beschreibungen und Charakterisierungen treffen zu:
    - die GRÜNEN machen einen unpolitischen personenbezogenen Wahlkampf für Kretschmann,
    - die LINKE wird nicht in den Landtag kommen, aber die für sie abgegebenen Stimmen werden der CDU nutzen,
    - die SPD ist mit Schröder's Agenda unwählbar geworden, sieht das jedoch nicht und wird alle, ausser sich selbst, verantwortlich machen für den weiteren Sturz in der WählerInnen-Gunst,
    - der CDU-Spitzenkandidat ist nicht mal 'ne Lachplatte und dient nur dazu, den Kabarettisten Vorlagen zu liefern.

    Und die AfD bündelt meiner Meinung nach zwar ein grosses Unbehagen vieler Menschen an unterschiedlichen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen, hat dies jedoch, bewusst oder unbewusst, auf das eine Thema "Flüchtlinge" reduziert und produziert dazu lediglich "braunen Müll". (Damit kein Missverständnis entsteht: ich bin überzeugt davon, dass die AfD auch zu anderen Themen nichts Anständiges - von Sinnvollem oder gar Problemlösendem ganz zu schweigen - vorschlagen und diskutieren würde, ich meine nur, dass bei Vielen, die sich von PEGIDA und AfD zu Demonstrationen und Ähnlichem mobilisieren lassen, mehr als nur das Thema "Flüchtlinge" eine Rolle spielen wird.)

    Vielleicht liegt darin der tiefere Grund dafür, dass die GRÜNEN einen Wahlkampf ohne inhaltliche Themen machen: Mit wem sollten sie denn inhaltlich diskutieren, wenn die Konkurrenz eigentlich keine, zumindest keine gut aufgestellte ist?
  • Thomas Rothschild
    am 09.03.2016
    Mehr als die Feststellung, dass Schorlau Kretschmann persönlich schätzt, erführe ich doch gerne. Wofür schätzt er ihn, wenn er doch allen voran für all das verantwortlich ist, was Schorlau an den Grünen missfällt? Es kann doch wohl nicht seine Krawatte sein oder dass er beim Bier so nett plaudern kann. Hier geht es doch um Politik. Warum sollte man also jemanden schätzen, der "an Ansehen gewinnt bei Personen, die die Grünen nie wählen würden, und an Ansehen verliert bei Leuten, die ihn gewählt haben", wenn man nicht zur ersten Gruppe gehört? Ein grüner Ministerpräsident, der eine Politik macht, mit der er an Ansehen gewinnt bei Personen, die die Grünen nie wählen würden, verschleiert nur, wessen Politik er betreibt, und verhindert die Opposition dagegen - jedenfalls seitens der Grünen. Soll man das schätzen? Und sei es auch nur persönlich. Wer hätte früher einmal geahnt, dass sich genau dies in der gegebenen Situation für Angela Merkel variieren lässt: dass man sie persönlich schätzt, weil sie "an Ansehen gewinnt bei Personen, die die CDU nie wählen würden, und an Ansehen verliert bei Leuten, die sie gewählt haben."
  • Dr. Uwe+Prutscher
    am 09.03.2016
    Auch ich empfände helle Freude, Herrn Schmiedel nicht mehr im Landtag und am besten überhaupt nicht mehr sehen zu müssen.
    Schröder, von einer dienstbaren Presse seinerzeit als Genosse der Bosse geadelt, hat mit der ihm eingeflüsterten Agenda 2010 die SPD unheilbar zerlegt: den Geruch des zynischen Sozialverrats wird sie seitdem nicht mehr los - da mag Frau Nahles einen Reparaturversuch nach dem anderen starten.
    Was den Genossen der Bosse in der Sache anlangt, hat Kretschmann Schröders lupenreine Nachfolge angetreten. Der Große Verrat an Stuttgart 21 mit Hilfe einer schrägen Volksabstimmung mit noch schrägeren Fragen spielt der Grundstücksspekulation im Umfeld der Bahnhofbeerdigung in die Hände: um die Deutsche Bahn oder gar deren Kunden geht es bei diesem Staatstheater ganz gewiss nicht - ist es, wenn wir auf die "Schlichtung" im November 2010 zurückschauen, auch nie gegangen.
    Wie in Berlin sind die Grünen auch in Stuttgart zu einer passgenauen Systempartei geworden. Die Zahlen machen traurig, aber es stimmt: Außer der Linken ist weit und breit keine demokratische Opposition in Sicht. Leider wird sie diesmal ohne eigenes Verschulden viele potentielle Wähler an die AfD verlieren. Gleichwohl: so viele Fehler kann die Linke gar nicht machen, dass sie nicht gewählt werden dürfte.
  • invinoveritas
    am 09.03.2016
    die linke im landtag, mit guten leuten - eigentlich wäre das gut.

    das problem, ob man es wahrhaben will oder nicht: nach lage der demoskopischen dinge kann jede stimme für die linke dazu beitragen, dass es für grün-rot nicht mehr reicht. und wir dann entweder eine fragile dreierkoalition aus cdu, spd und fdp erleben - ein ziemlich schauerlicher gedanke; oder dass sich ein solcher öffentlicher druck ergibt, dass am ende doch grüne und cdu zusammengehen (müssen). auch das kann die linke reichshälfte nicht wollen.

    im übrigen hat uns der geschätzte hannes rockenbauch vor einigen wochen auf einer montagsdemo erklärt, es sei doch völlig egal, wer in baden-württemberg regiert. das roch so massiv nach fundamentalopposition, dass sich die frage stellt, warum jemand mit derart herablassenden vorstellungen von anderen überhaupt für den landtag kandidiert.
  • Barolo
    am 09.03.2016
    Schorlau bringt alles sehr gut auf den Punkt. Seine Äusserung zu Riechling-Wolf :-) oder zu Schmiedel ist Klasse.
    Und ja, diesmal haben die Grünen absolut kein Wahlprogramm sondern nur einen MP.
    Aber da die anderen noch weniger haben, wird das schon reichen.

    Seinen letzten Punkt würde ich noch mit Syriza ergänzen, das wäre hier die die Linke und Rechte in Kombination als Ablöse der Mainstream Parteien.
    Aber soweit sind wir noch nicht in Deutschland.
    Das Tempo des Temperaturanstiegs im Froschteich ist noch nicht groß genug.

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