Feinstaubmessgerät für 30 Euro. Foto: Joachim E. Röttgers

Feinstaubmessgerät für 30 Euro. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 248
Gesellschaft

Feinstaub selber messen

Von Dietrich Heißenbüttel
Datum: 30.12.2015
Kontext hat zuerst darüber berichtet: Eine Gruppe von Soft- und Hardware-Bastlern im OK Lab Stuttgart produziert eigene Feinstaubmessgeräte. Eine Kleinserie von 25 Stück ist inzwischen fertig. Jetzt gilt es, Geld für mehr Geräte aufzutreiben.

Seit fünf Jahren gibt es den Shackspace in Stuttgart-Wangen: einen der größten Hackerspaces in Deutschland. "Ein Hackerspace ist ein Clubhaus für Nerds", heißt es auf der Homepage und: "Seit Februar 2010 steht der shack e.V. für technikzentrische Jugend- und Erwachsenenbildung sowie den künstlerisch-kritischen Umgang mit Technik." Mehr als 200 Mitglieder treffen sich hier zum Experimentieren, Kommunizieren und Basteln, darunter ein Stamm von zehn Teilnehmern des OK Lab.

Ein Sensor aus einer japanischen Klimaanlage, ein fingernagelgroßer Chip, der die Daten verarbeitet, und fertig ist das Feinstaub-Messgerät. Dazu braucht es noch einen WLAN-Anschluss, der sie auf den Server weiterleitet. Während die Messgeräte der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) am Neckartor, in der Hohenheimer Straße und an drei weiteren Standorten schwere und teure Geräte sind, die den Staub eines Tages sammeln und nach Gewicht auswerten, liefern die handlichen Geräte des OK-Lab per Lichtsensor Daten in Echtzeit. Und das nicht nur für die feinen Partikel in der Größenordnung bis zu 10 Mikrometer (PM 10), sondern auch für die besonders gefährlichen, ultrafeinen Stäube unter 2,5 Mikrometer (PM 2.5). Dafür können sie nicht unterscheiden, ob der Feinstaub etwa aus dem Bremsabrieb von Fahrzeugen oder aus der Holzpellet-Heizung stammt.

25 Geräte sind inzwischen fertig. Um auf 300 Geräte zu kommen, die dann an vielen Standorten zum Einsatz kommen können, startet nun die Open Knowledge Foundation Deutschland die Spendensammlung. Gesucht werden Paten, die ein Gerät zum Stückpreis von 30 Euro oder auch mehr finanzieren und dieses, wenn sie wollen auch selbst mitnehmen können. Jeder kann mitmachen und messen wo er oder sie will, ob im eigenen Wohnzimmer oder an viel befahrenen Straßen, im Prinzip deutschlandweit.

Einige Geräte sind bereits installiert, die Daten laufen ein. Von direkt vor der Tür des Shackspace oder auch aus Herrenberg. Ein größerer Server wird noch benötigt, um die Datenmengen zu verarbeiten. Es gibt auch schon Rückmeldungen, sogar aus Köln. Aber für Laien ist das alles noch ziemlich kryptisch. Neben dem Spendensammeln und Geräte-Löten ist daher die nächste große Aufgabe, die Daten so aufzubereiten, dass sie für jedermann nachvollziehbar in Grafiken und Tabellen auf dem Bildschirm erscheinen.


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