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Zwölf Monate Leid

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Ein ganzes Jahr lang tobt der Krieg in der Ukraine bereits, den Russlands Präsident Putin am 24. Februar 2022 mit seinem Einmarsch in das Nachbarland begonnen hat. Ganze Landstriche sind zerbombt, tausende Menschen tot. Zerfetzt, erschlagen, erschossen. Hunderttausende sind traumatisiert und geflohen.

Im Mai des vergangenen Jahres saß der erste russische Soldat vor Gericht in der Ukraine. Noch fast ein Bub, viel zu jung zum Sterben, viel zu jung zum Töten. Einer, der eigentlich mit seiner Freundin oder seinen Kumpels gemütlich in einer Datscha sitzen sollte statt für Kriegsverbrechen im Knast.

"Weltweit liegt etwas Unglückseliges in der Luft", schreibt unser Kolumnist Joe Bauer. Und ihm selbst "platzt die Hutschnur, wenn Leopards in Medien als Leos verniedlicht werden. Der Krieg begegnet uns medial als Pop." Aber Krieg ist kein Pop und keine Insta-Story. Krieg ist immer Leid, und er ist und war niemals heldenhaft. Und weil die Ukraine auch uns sehr beschäftigt, haben wir ihr in dieser Ausgabe, ein Jahr nach dem russischen Angriff, einen Schwerpunkt gewidmet.

Auf der Ostalb, bei der Friedensmatinee der SPD-Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier, war ein 91-Jähriger zu Gast. Er habe die Bombennächte im Zweiten Weltkrieg durchlitten, sagt er. Heute erlebt er diesen "irrsinnigen Krieg" in der Ukraine, der ihm wieder schlaflose Nächte bereite. Dieser "Wahnsinn" müsse beendet werden.

Bloß wie? Kontext-Redakteur Oliver Stenzel hat zusammengefasst, was an Verhandlungsoptionen derzeit diskutiert wird. Sicher ist: Eine einfache Lösung wird es nicht geben, und es wird lange dauern. Einige Probleme von heute werden die Welt wohl Jahrzehnte verfolgen.

Bleibt zu hoffen, dass Joseph schneller eine neue Perspektive findet. Der Nigerianer ist Anfang 2022 mit einem Touristenvisum in die Ukraine gereist, hat sich dort an der Uni eingeschrieben. Dann kam der Krieg und er floh nach Deutschland, landete in Stuttgart, wo ihm unterbesetzte Ämter zu schaffen machen, die schon unterm normalen Alltagsgeschäft zusammenbrechen. Immerhin: im noch jungen Legal Café in Bad Cannstatt findet er Unterstützung.

Unterstützung – ein gutes Stichwort, denn die erfährt ein altes Kulturdenkmal in Karlsruhe derzeit nicht mehr. Die Majolika, die Keramik-Manufaktur in der Fächerstadt, wurde von einer Immobiliengruppe gekauft. Was nun damit passiert? Weiß keiner. Sicher aber ist, das sich die Gruppe eine Immobilie in bester Lage unter den Nagel gerissen hat. Gleich neben dem Karlsruher Schloss. Herzlichen Glückwunsch.

Und dann war da noch was: der Terror in Hanau. Damit der rassistische Angriff nicht in Vergessenheit gerät, gab es am Wochenende überall in Deutschland Mahnwachen und Demos. Auch in Stuttgart, sogar gleich mehrere. Denn: "Gemeinsame Sache machen war nicht möglich", schreibt Kontext-Redakteur Minh Schredle, weil es den einen, den revolutionär orientierten Linken, zu bürgerlich gewesen sei, dass bei den anderen ein Juso auf die Bühne durfte. Streit gab es dann trotzdem. Linke eben. Nur echt mit Spaltung.


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7 Kommentare verfügbar

  • gerhard manthey
    am 22.02.2023
    Antworten
    Brief aus Coppis Küche.Sehr geehrter Herr Ritter, danke für Ihre Meinung. Aber bitte keine nicht belegten Äußerungen zu meiner Person oder Meinung, denn diese kennen Sie nicht. Das, was ich schrieb ist durch die Parlamentsberichterstattung in Kiew belegbar., oder durch die OSZE ..... In meiner…
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