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Vorsicht vor kurzen Hosen

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Da trägt ein ordentlich angemeldeter Pressefotograf kurze Hosen und wird prompt von der Polizei drangsaliert, durchsucht und mit noch drei Kollegen (Beinkleidung vermutlich ebenfalls wadenfrei) in der Gefangenensammelstelle gesammelt. Wegen nichts. Das ist schon ein starkes Stück. So geschehen – neben diversen anderen Unverschämtheiten – am vergangenen Wochenende bei der IAA. Dabei hat die Automesse in der Vergangenheit noch nie derart penetrant versucht, sich so superduper-ökofair zu präsentieren wie dieses Jahr. Mit einer Menge höchstfeiner Fahrradmodelle beispielsweise, die garantiert nur von langbehosten Radlern beradelt werden. Okay, oder in diesen hauchdünnen, enganliegenden Funktionsshorts mit dem fluffigen Kissen am Po. "Mentalverschiebung gegen Zentralverriegelung" kann man da nur sagen. Kluge Worte einer Partei, deren entfernt assoziierte Echsenmenschen gegen Stuttgarts Schwurbler vorgehen und die dieses Jahr erstmalig zur Wahl von sich selbst aufruft. Leider ist das – aus Gründen – schwierig.

Noch nicht ganz so vergeblich, aber Corona-Schwurbler-bedingt auch eher ungut sieht's zur Bundestagswahl – dem Kampf um den Thron von Germany's next Kanzlerin – dankenswerterweise bei der AfD aus. Sogar die Brandmauer der Konservativen gegen die Rechtsextremen steht, bisher jedenfalls, und trotz Totalausfällen wie Hans-Georg Maaßen, für dessen Wahlerfolg sich gerade ein Neonazi ins Zeug legt. Der war, nur damit es auch echt keiner vergisst, bis vor ein paar Jahren ernsthaft Chef des Bundesverfassungsschutzes.

Da hilft eigentlich nur, gedanklich nochmal bei den Echsenmenschen und deren Assoziierten vorbeizukommen und ein dreifaches "fick dein Großprojekt" hinauszurufen, schallend und kräftig! Und so passend, wo zu Stuttgart 21 vor ein paar Tagen einmal mehr die Idee ventiliert wurde, die Gäubahn doch nicht an den Stuttgarter Flughafen anzuschließen, sondern noch ein paar mehr Tunnel zu bohren. Wo man ja eh schon dabei ist. Über die Idee haben wir schon mehrfach berichtet, beispielsweise hier und hier.

Länger als alle Tunnel für Stuttgart 21 zusammen, gar nicht sinnlos und fast ganz umsonst ist dafür die "Rettungskette für Menschenrechte", die am kommenden Samstag auch durch hiesige Gefilde führen wird. Die VeranstalterInnen aus Deutschland, Österreich und Italien wollen einmal mehr ein Zeichen setzen: "für mehr Menschlichkeit und gegen das Sterben im Mittelmeer". Ein Sterben mit Ansage, das schon so viele Jahre andauert, dass man es kaum glauben mag. Die Kette startet in Hamburg an der Max-Brauer-Schule, wird von den Omas gegen rechts in Winse weitergeführt, führt über Lüneburg, in Richtung Caritasverband in Langenfeld, in einem Bogen zur Seebrücke Karlsruhe, über Stuttgart, Esslingen, Ulm, Kempten und Innsbruck bis nach Bozen und Graz. Hier kann man sich anmelden und mitmachen.

Was bleibt? Vielleicht ein olé VfB. Da ist alles eitel Sonnenschein.


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