Wenn's um die Sicherung ihrer Machtstellung geht, ist AfD-Chefin Alice Weidel extrem geschmeidig. Immer mal wieder poppten in der Partei Probleme auf mit – ja, wie soll man sagen – extremen Rechtsextremisten. Die will die AfD eigentlich nicht so dicht an sich dran haben – beispielsweise die Rechtsaußen-Leute von der Pseudogewerkschaft Zentrum. Die stand mal auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD, doch beim Parteitag vor vier Jahren wurde dieser Beschluss aufgehoben – gegen den Willen von Weidel. Sie sagte anschließend: "Ich bleibe dabei: Ich halte diesen Verein für hochgradig toxisch und werde das auch immer so vertreten."
Vergangenen Freitagnachmittag stand die Partei- und Bundestagsfraktionsvorsitzende nun in Gesellschaft von Zentrumschef Oliver Hilburger und mit einer Handvoll Zentrum-Betriebsräten am Drehkreuz von Mercedes Untertürkheim. Sie sah ihrem Fraktionskollegen Markus Frohnmaier, dem baden-württembergischen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl Anfang März, ein paar Minuten lang dabei zu, wie er AfD-Flugblätter verteilte (sie selbst nahm keines in die Hand) und stand für Selfies bereit. Viel Andrang war nicht, zumal der Schichtwechsel vorbei war.
Dann doch lieber Untertürkheim
Eigentlich wollte Weidel nach Sindelfingen ans Tor 1 von Mercedes kommen. Aber das wurde laut ihrer Partei aus "Sicherheitsgründen" abgesagt. Vielleicht hatte die AfD-Frontfrau Schiss vor dem halben Dutzend Rentner:innen von der MLPD/Courage, das dort Flugblätter verteilte? Man weiß es nicht, nur dass sie und ihr etwa zehnköpfiger Tross dann doch lieber nach Untertürkheim fuhren.
Dort tauchte auch Danial Bamdadi auf. Er arbeitet für den Verein zur Bewahrung der Demokratie, der im Auftrag richtiger Gewerkschaften über Rechtsextremisten aufklärt. Bamdadi fragte Weidel, ob sie ihre Meinung bezüglich Zentrum geändert habe. Weidels Antwort: "Sie können hier die Biege machen." Auch mehrmaliges Nachfragen nützte nichts. Für Social Media erzählt Weidel dann etwas von "DaimlerChrysler" – zu sehen hier.
Auf Frohmaiers Social-Media-Kanälen wurde Teil zwei des Doppelwortes mittlerweile weggeschnitten und ist damit immer noch falsch. Na ja, woher sollte die Frau auch wissen, wo sie gerade war.
Der Auftritt Weidels darf als doppelte Werbeveranstaltung verstanden werden: einmal für Frohnmaiers Wahlkampf und einmal für Zentrum zu den anstehenden Betriebsratswahlen. Der rechte Verein tritt bei Mercedes mit eigenen Listen an, in Sindelfingen unter der Überschrift: "Schluss mit der Vetternwirtschaft". Damit meint die Truppe wahrscheinlich nicht die Vetternwirtschaft in der AfD, die darin besteht, dass Bundes- und Landtagsabgeordnete ihre Brüder, Schwestern, Ehefrauen gerne selbst beschäftigen oder im Tausch die Brüder, Schwestern, Ehefrauen von Parlamentskollegen. Damit das Steuergeld schön in der Familie bleibt.
Vetternwirtschaft auch bei Frohnmaier
Auch Markus Frohnmaiers Ehefrau arbeitet bei einem baden-württembergischen AfD-Bundestagsabgeordneten, bei Johann Martel, berichtet die "Süddeutschen Zeitung" und beschreibt, dass es Frohnmaier offenbar wichtig war, der SZ gegenüber zu betonen, dass er selbst aber nicht die Ehefrau von Martel angestellt habe.
Weder dieses Thema noch sonst etwas Inhaltliches kam in Untertürkheim zur Sprache (außer für einen Social-Media-Clip). Weidel war für Bilder da, und so gab es am Ende noch ein Gruppenfoto mit Fans. Oliver Hilburger, Zentrumschef mit Hardcore-Nazi-Vergangenheit, kam nicht mit aufs Foto, sondern stand abseits und grinste. Kein Wunder – hat er doch nun die Brandmauer zwischen seinem Zentrumsverein und Alice Weidel überwunden.




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