Die Köpfe hinter der Website: Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine. Fotos: Joachim E. Röttgers (li.), Thomas Rodenbücher/Flickr, CC BY 2.0

Ausgabe 387
Debatte

Surfen auf der Rasierklinge

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 29.08.2018
Bisher ist nur zu ahnen, was die Sammlungsbewegung "Aufstehen" wirklich will. Zwei Dutzend BekennerInnen-Videos im Netz handeln vornehmlich von persönlichen Erwartungen. Aber allen Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.

Karl-Heinz arbeitet als Internet-Ökonom und befürchtet, dass Deutschland in seinem Metier viele Chancen verpasst, weil "in der Digitalisierung die Tools nicht verstanden werden". Er vermisst Visionen, sieht den Mittelstand ausgedünnt und bei so vielen Leuten keine Hoffnung auf positive Veränderungen. Helfen könnte es nach seiner Meinung, sich am fernöstlichen Bhutan ein Beispiel zu nehmen und am dort regelmäßig gemessenen BNG, dem "Bruttonationalglück".

Das BNG, weltweit teils belächelt, teils bestaunt, ist zum Markenzeichen des Königsreichs mit seinen knapp 730 000 EinwohnerInnen geworden. Seit einigen Jahren sind Parteien zugelassen, KennerInnen honorieren den Aufbau demokratischer Strukturen nach britischem Vorbild und die Bemühungen, das Bildungsniveau zu heben, weil mit ihm die Zufriedenheit wächst. Demnach: Kein schlechter Ansatz für Deutschland, einem Land, das seit zehn Jahren daran arbeitet, dem damals von Angela Merkel ausgegebenen Titel "Bildungsrepublik" gerecht zu werden.

Auch andere "Aufstehen"-SympathisantInnen bringen per Testimonial, untermalt von getragenen Klängen, ihre Hoffnung auf Veränderung zum Ausdruck. Lehrer Andi zum Beispiel, der "die Schulen lockern" und "Leistungsdruck von den jungen Leuten nehmen" möchte, damit die "ihren individuellen Platz in der Gesellschaft finden". Die "Verschulisierung" in einem "veralteten System" stößt ihm bitter auf, so dass er davon träumt, "vielleicht mit einem großen Hammer" bürokratische Strukturen in den Kultusministerien aufzubrechen.

Aus ihrem Auslandsjahr im kanadischen Neufundland ist Victoria kürzlich zurückgekehrt, jetzt schwärmt sie von der Schule als Vorbereitung auf Alltagsdinge. Von der App, in die Noten aller Schüler hochgeladen werden – praktisch sei die, weil Eltern die Arbeiten ihrer Kinder nicht mehr unterschreiben müssen und alle Noten auf einen Blick einsehen können. Und sie beklagt den Druck, der in Deutschland für angehende Studierende durch den Numerus Clausus entsteht. Jenny, die Studentin, hegt ebenfalls klare Vorstellungen, die aber nicht allzu viel mit der Realität zu tun haben: Ginge es nach ihr, gäbe der Staat viel mehr Steuergeld aus "für Regionalität und für die Vielfalt in der Wirtschaft", anstatt immer nur "die großen Firmen und Konzerne zu sponsern".

Spätestens bei solchen von gutem Willen und beträchtlicher Ahnungslosigkeit getragenen Einlassungen – in die Mittelstandsförderung steckt dieser Staat alljährlich viele Milliarden – stellt sich die Frage, wie es diese Filmchen ins Netz geschafft haben. "Aufstehen" als Sammelsurium individueller Eindrücke, Wünsche und schöner Ideen? Jedenfalls als Bewegung, die laut Selbstbeschreibung "keine Partei sein will", sondern da sein "für alle, die gemeinsam für unsere Ziele kämpfen wollen". Auch die sind aufgelistet: "Sichere Arbeitsplätze, höhere Löhne, gute Renten und Pflege, ein Sozialstaat, der vor Abstieg schützt und nicht jedes Lebensrisiko dem Einzelnen allein aufbürdet, für Top-Bildung von der Kita bis zur Universität, bezahlbare Mieten, gerechte Steuern statt Politik für Superreiche, Banken und Konzerne, den Erhalt des bedrohten Planeten, den Schutz von Wasser, Luft, Böden, Tieren und Artenvielfalt, für Abrüstung, echte Friedensdiplomatie und Entspannungspolitik, gegen Stellvertreterkriege, Waffenexporte, die Ausplünderung der benachteiligten Länder, die die eigentlichen Fluchtursachen sind."

Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Deutschland eine unechte Demokratie ist und zu weit gehen. Allerdings ist das Land nach den Video-Bekenntnissen der bereits Aufgestandenen eine Hochburg der Verunsicherung. Selbst die Prominenten unter den Normalos, also die mit einiger politischer Erfahrung, sind aus der Spur geraten, wie beispielsweise Susanne Neumann, genannt SusI, die langjährige Gewerkschafterin, die vor gar nicht so langer Zeit erst in die SPD eingetreten ist. 2016 wurde sie eine bundesweite Berühmtheit, als sie dem Genossen Sigmar Gabriel vor laufenden Kameras ordentlich die Leviten las. Später unterstützte sie den Kurzzeit-Hoffnungsträger Martin Schulz "aus vollem Herzen", mittlerweile steht sie fest an Wagenknechts und Lafontaines Seite. In deren Initiative sieht sie den "ehrlichen Versuch, die Kräfte zu bündeln", mit Leuten aus anderen Parteien und ohne die Verpflichtung zum Mitmachen in einem Ortsverband, "ohne dass ich für die Doofköpfe an der Ecke stehe und nicht weiß, was ich erzählen soll".

Womit eines der Hauptdilemmata beschrieben ist: Das Projekt surft auf der Rasierklinge zwischen Parteienverachtung und dem Ziel, mit linken politischen Mehrheiten Veränderungen durchzusetzen. SPD, Grüne und Linke hätten es im vergangenen Jahrzehnt nicht geschafft, heißt es in der Selbstbeschreibung – die die oft berechtigte, oft aber jeden Brückenbau verachtende Wut der Linken auf die SPD wohlweislich beschweigt –, "ein verlässliches Bündnis untereinander zu schmieden und mit einem politischen Gegenkonzept einen Machtwechsel in Deutschland herbeizuführen". Sie hätten sogar Protestwähler an die AfD verloren, dabei hetze "die AfD gegen die Schwachen und will Löhne oder Renten kürzen". Union und FDP machten ohnehin bloß "Politik für Konzerne und Superreiche". Dagegen angegangen werden soll in der Hoffnung, "dass sich überhaupt noch etwas verändern lässt", und die sei "die wichtigste Quelle linker Politik".

Die Erwartungen an den 4. September, wenn die Öffentlichkeit die Gründungsmitglieder und den Text des Gründungsaufrufs kennenlernen soll, werden vorsorglich heruntergeschraubt: "Wir haben kein fertiges Programm, wir wollen zuhören, respektvoll diskutieren und sind offen für unterschiedliche Meinungen." An den Strukturen muss noch gebastelt werden. Denn Bewegungen können in Deutschland nicht zur Wahl antreten. Unvorstellbar erscheint aber derzeit, gerade angesichts der Promis unter den Zuhörenden, den Hoffenden und Diskutierenden, dass aus "Aufstehen" eine Partei wird: Denn die Sozialdemokraten Rudolf Dressler und Marco Bülow sind an Wagenknechts Seite, die Grüne Antje Vollmer oder Sevim Dagdelen von der Linken. Willy Brandts Sohn Peter wünscht sich sogar eine "linke Ökumene" und möchte, dass endlich wieder die Gerechtigkeitsfrage ins Zentrum rückt wie nach der Ernennung von Martin Schulz, bevor dann "die Euphorie zusammengebrochen, in Ratlosigkeit und Pessimismus umgeschlagen ist und der Kandidat sich von seinen Beratern gegen eigenes besseres Empfinden beinahe zu einem politischen Neutrum machen ließ".

Ein e macht den Unterschied

Der gemeinnützige Wiener Verein "aufstehn" will nicht mit Sahra Wagen­knechts "#aufstehen" verwechselt werden. Die ÖsterreicherInnen verstehen sich als parteipolitisch unabhängige zivilgesellschaftliche Organisation "von unten", wie die Geschäftsführerin Maria Mayrhofer erläutert, die sich "für ein positives Miteinander und soziale, wirtschaftliche und ökologische Fairness einsetzt". Und "#aufstehn" hat mit "#aufstehen" Kontakt aufgenommen, um das "nicht rücksichtsvolle Vorgehen" zu problematisieren. Rechtliche Schritte werden geprüft. (jhw)

Immerhin kann sich die seit Anfang August freigeschaltete Homepage über regen Besuch freuen. Schon nach einer Woche jubelte Oskar Lafontaine über den virtuellen Zulauf von Zehntausenden Interessenten. Dem einstigen SPD-Bundesvorsitzenden ist auch die bisher einzige klare ideologische Kante zu verdanken zwischen Bildungs-Bullerbü, der Sehnsucht nach Stimulierung von Glücksgefühlen oder persönlichen Ängsten vor Abstieg und Altersarmut, auch wenn die noch so berechtigt sind: Der Saarländer macht unmissverständlich klar, dass die erfolgreichste Sammlungsbewegung, nämlich Emmanuel Macrons "République en marche", keinesfalls das Vorbild für die Anhänger von "Aufstehen" sein kann. Denn: "Der französische Präsident steht für Sozialabbau und eine klassische neoliberale Wirtschaftspolitik." Hingegen sollten die deutschen Wählerinnen und Wähler eben gerade "Lohndrückerei, Rentenkürzungen, Sozialabbau, Kriegseinsätze der Bundeswehr und Umweltzerstörungen nicht weiter hinnehmen".

Der Hinweis auf die Wählerschaft lässt aufhorchen. Ist also doch an eine Partei gedacht, die wie die anderen zu Wahlen antreten, genau wie sie um Stimmen werben und nach der Wahl zu Kompromissen und Koalitionen bereit sein soll? Und wenn nicht, taucht unvermeidlich die Frage auf, ob eine solche Bewegung mit ihrem vagabundierenden Idealismus der linken Sache wirklich hilft – oder nicht doch eher spaltet, lähmt und den Ehrgeiz ihrer GründerInnen stillt.


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15 Kommentare verfügbar

  • Andreas Schmidt
    am 15.09.2018
    All denen, die wie hier jetzt von vagabundierendem Idealismus oder gar Parteienfeindlichkeit sprechen sei einmal ganz entspannt unsere verfassungsmäßige Grundordnung und sogar die Rechtsprechung des BVerfG hierzu entgegengehalten. Die nach dem Grundgesetz priviligierte Stellung der Parteien für die Mitwirkung in der polischen Willensbildung bedeutet keinesfalls ein Monopol auf diesem Feld. Wäre auch noch schöner, hier in ein vordemokratisches Denken zu verfallen. Ein Plebiszit, das sich täglich (auch auf der Straße) vollzieht, das darf und könnte wohl nach meinem ersten Eindruck hier entstehen und keine weitere politische Partei (zumindest nach dem eigenen Bekunden) und das freut doch nur im Sinne einer gelebten Demokratie, auch wenn es manchem nicht recht schmecken mag. Was meinen Sie (andere Leser) hierzu? ... Warten wir es doch einmal ab.
  • Kornelia .
    am 05.09.2018
    Als die taz noch ein linkes Blatt war und die Frauenbewegung noch eine Politische SystemKritische Bewegung war, da gab es einen Artikel, wo Redakteurin zum 8.03 zu bedenken gab:
    Frauen wühlen sich im Schlamm und Schmodder, sobald aber Eine versucht, dem zu entkommen, reißen die Anderen sie wieder runten.... Weil es sich im Schmodder so gut jammern und klagen lässt über die Ungerechtigkeit der Welt?

    Jetzt ist die TAZ ein SystemBlatt und die Frauenbewegung wurde -umgeleitet- in eine Ökonomie-mit-Busen-Bewegung!
    Und jetzt jammern und beklagen alle den "Frauen und Kinder-Feindlichen" Zustand der Welt, sie klagen über die böse Herrscherwelt,
    aber
    Wenn jmd was tut, dann 'runter mit den Wagenknechtschen Designerklamotten, weg mit ihrer politischen Bürgerchance, hinweg mit ihrem Spalter Mann'! Undnd Frauen die gut aussehen und auch noch gebildet sind, igitt wo kommen wir (Männer- und Frauenzicken gleichermaßen) da denn hin!
    Ab! Alles wieder runter in den Schlamm!
    Dann ist die Welt wieder in Ordnung!
  • Kornelia .
    am 05.09.2018
    Es ist wirklich zum Haare-raufen..... Die Aufstehen Ini wird verbal bespuckt, verbal diffamiert, aus Zusammenhänge Gerissenes wird in Zusammenhänge gebastelt, Querfront-Argumentativ dargestellt!
    Warum?

    Warum massiv sogenannte Mitte-Linke?
  • Andromeda Müller
    am 04.09.2018
    Wie weit die negative Wahrnehmung in diesem Artikel zu "Aufstehen" geht , und wie gegensätzlich sie sein kann , dazu ein Beitrag auf der "Neoiliberalismus"- kritischen
    Seite "Maskenfall" , m.E. der "real economics" - Bewegung nahe stehend : https://www.maskenfall.de/?p=12786
    Incl. vieler Grafiken zu wirtschaflichen Parametern. Auch der vorhergehende M-Artikel zum sogenannten "Freihandel" , den es gar nicht gibt , ist empfehlenswert.
  • Gerlind Mauerhöfer
    am 01.09.2018
    Ich greife nur eine Passage des Berichts auf. Was den Auftehen-Untersützern auf den Nägeln brennt, tun Sie mir der Bemerkung ab: "Das würde bedeuten dass Deutschland eine unechte Demokratie sei. Haben wir eine echte? Das Konzept der parlamentarischen Demokratie war noch nie darauf angelegt, echte Volksherrschaft zu ermöglichen. Im Gegenteil ermöglicht es stets, "Volksherrschaft" unmöglich zu machen. Der Demokratierest wurde durch den heutitgen Marktradikalismus abgeschafft. Dieser ist die unantastbare "Religion" unserer Zeit geworden, eine marktkonforme und alternativlose "Nichtdemokratie". Innerhalb der "westlichen Wertegemeinschaft" dient die parlamentarische Demokratie als sichtbares Demokratiespektakel. Marktradikale Parteien und Netzwerker organisieren durch systematische Steuervermeidung und Hinterziehung die Ruinierung des Sozialstaats. Kleptokraten eignen sich mit der sogenannten "Privatisierung" (Post, Wasser, Energie, Krankenhäuser, Altenheime etc.") an. Dies ermöglicht eine ungeheure Reichtumskonzentration in wenigen Händen.
    Lt. Grundgesetz geht alle Macht vom Volk aus. Was sehen die Bürger? Teilnahme an völkerrechtswidrigen Kriegen. Verstoß gegen die Un-Charta und gegen das Grundgesetz.
    Ein Lehrbeispiel ist doch S/21. Hier ist ersichtlich wie der "Geldadel" die Politik beherrscht. (Lobbyarbeit in Hinterzimmern.)
    Ich persönliche finde Aufstehen gut. Hier können die Probleme und deren Lösungsmöglichkeiten offen und transparent angesprochen werden. Dies ist in dem hierarchischen Parteiensystem unmöglich, denn dieses System beinhaltet strukturelle Gewalt. Dies bewirkt eine Anpassung der "Volksvertreter" an die Vorgabe der Parteispitze. Somit sind Neuerungen nur sehr eingeschrenkt durchsetzbar.
  • Schwa be
    am 31.08.2018
    Es macht sicherlich Sinn wenn sich die Kontext-LeserInnen selbst eine Meinung zu den Videos/zur Sammelbewegung bilden - ungefiltert/unkommentiert durch Frau JHW.
    Hier der Link: https://www.aufstehen.de/
    Aufgrund des Artikels von Frau JHW empfehle ich besonders das Video von "Susi" (IG Bau) und als mein persönlicher Tipp bzw. als Entscheidungshilfe noch das Video von Steve (Momentum) - wer nicht alle anschauen/hören möchte.
  • Charlotte Rath
    am 30.08.2018
    Hallo Frau Henkel-Waidhofer, sind Ihnen die Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2016 bekannt, die auf der Seite der Bundesarbeitsministeriums veröffentlicht sind?

    „Systematisch verzerrte Entscheidungen? Die Responsivität der deutschen Politik von 1998 bis 2015: Die neue Responsivitätsforschung untersucht, ob politische Entscheidungen mit den Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger übereinstimmen und wenn ja, wessen Meinungen umgesetzt werden. Dabei zeigt sich in den USA eine deutlich selektive Responsivität der Politik zulasten einkommensschwächerer Bevölkerungsteile. In diesem Forschungsvorhaben wird erstmals untersucht, ob in Deutschland ähnliche Muster in der politischen Responsivität wie in den USA festzustellen sind. … Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass das Einkommen politische Meinungen beeinflusst. Einkommensarme Befragte wünschen sich in einer Vielzahl der Fälle andere Entscheidungen der Politik als ihre besser verdienenden Mitbürger_innen, dies gilt insbesondere für die Außen-, aber auch für die Wirtschafts- und Sozialpolitik. Darüber hinaus konnten wir erstmals für Deutschland nachweisen, dass politische Entscheidungen mit höherer Wahrscheinlichkeit mit den Einstellungen höherer Einkommensgruppen übereinstimmen, wohingegen für einkommensarme Gruppen entweder keine systematische Übereinstimmung festzustellen ist oder sogar ein negativer Zusammenhang. Was Bürger_innen mit geringem Einkommen in besonders großer Zahl wollen, hatte in den Jahren von 1998 bis 2013 eine besonders niedrige Wahrscheinlichkeit, umgesetzt zu werden. In Deutschland beteiligen sich Bürger_innen mit unterschiedlichem Einkommen nicht nur in sehr unterschiedlichem Maß an der Politik, sondern es besteht auch eine klare Schieflage in den politischen Entscheidungen zulasten der Armen. Damit droht ein sich verstärkender Teufelskreis aus ungleicher Beteiligung und ungleicher Responsivität, bei dem sozial benachteiligte Gruppen merken, dass ihre Anliegen kein Gehör finden und sich deshalb von der Politik abwenden – die sich in der Folge noch stärker an den Interessen der Bessergestellten orientiert. Das für die USA nachgewiesene Muster von systematisch verzerrten Entscheidungen trifft auch auf Deutschland zu. … Wie wir gezeigt haben, ist das Einkommen ein stärkerer Indikator für Meinungsunterschiede als etwa das Geschlecht oder die Herkunft aus Ost- oder Westdeutschland. …“
    https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/a-305-4-endbericht-systematisch-verzerrte-entscheidungen.html

    Untersucht wurden die Jahre unter Schröder (SPD/Grüne) und Merkel (CDU-CSU/SPD mit etwas FDP).
  • Charlotte Rath
    am 30.08.2018
    Zehn Jahre lang hat die Bundeskanzlerin mit ihren stabilen politischen Mehrheiten und großenteils CDU/CSU--regierten Bundesländern also daran gearbeitet, eine „Bildungsrepublik“ umzusetzen. Hier einige der stolzen Ergebnisse:

    „Zum Schulstart sind mehr als eine Million Kinder auf die Jobcenter angewiesen: 1.006.163 Schulkinder haben im Februar staatliche Leistung für die Anschaffung von Schulbedarf aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erhalten. Das waren gut 5.000 mehr als ein Jahr zuvor und 46.000 mehr als im Februar 2016, geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die der Heimatzeitung vorliegt.“
    In Baden-Württemberg sind 89.000 Schülerinnen und Schüler davon betroffen, wobei die 100 zu beantragenden Euro weit unter dem tatsächlichen Bedarf liegen.
    https://www.pnp.de/nachrichten/politik/3052870_Immer-mehr-Kinder-brauchen-Zuschuss-fuer-Schulbedarf.html

    „Schlimmster Lehrermangel seit 30 Jahren“
    https://www.tagesschau.de/inland/lehrermangel-deutschland-101.html

    „Sechs Wochen Urlaub: Für die meisten Lehrer ist der Sommer entspannend. Doch wer nur befristet beschäftigt ist, weiß oft nicht, ob er nach den Ferien noch einen Job hat.“
    https://www.zeit.de/arbeit/2018-08/lehrerinnen-vertretungslehrer-befristung-vertraege-belastung

    Immerhin:
    Von den bald 62 Milliarden Euro, die Frau von der Leyen jährlich für Rüstung ausgeben darf, sind auch ein paar Millionen dafür gedacht, Jugendliche "mit starken Bildern auf emotionaler Ebene anzusprechen", um sie für die Bundeswehr zu rekrutieren:
    http://www.bundeswehr-journal.de/2015/106-millionen-euro-fuer-werbekampagne-der-bundeswehr/
    https://www.deutschlandfunk.de/minderjaehrige-rekruten-bei-der-bundeswehr-vor-zwei-jahren.1773.de.html?dram:article_id=426163
  • Andromeda Müller
    am 30.08.2018
    Liebe Frau JHW,
    ich gebe Herrn Schwabe 100% recht. Ihrem Artikel entnehme ich einen neoliberalen und US-affinen Geist.
    Zitat :"Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Deutschland eine unechte Demokratie ist und zu weit gehen."
    Mein Gott , lesen Sie nicht ihre eigene Zeitung , in der ab und an ein paar gute Artikel kommen ? Diesmal , unerwarteter Weise von Frau Stiefel , zur staatlichen und kriminellen Verfolgung und Bekämpfung von Steuerfahndern bei Banken ! Hatten wir das nicht schon bei Mollath , bei der Steuer-CD-Diskussion und unzähligen Skandalen in unserer Rechtssprechung. Selbstverständlich ist Deutschland eine unechte Demokratie . Ob Seehofer dies direkt bei Pelzig unterhält sich äußert, oder der damalige Sprecher der Kriminalpolizei Deutschlands Dolata bei Pelzig unterhält sich , Steuerfahnder , Staatsanwälte , Prof. Mausfeld , oder zig Sachbücher wie der von Kontext beworbenen "Politische Justiz in unserem Lande", "Stuttgarter NS-Täter", eure NSU-Berichterstattung , eure Mafia im Ländle -Berichterstattung , eure EnBW/EdF -Berichterstattung (die Handlungsanweisungs- SMS von dem Bankerspezi an den "Lehrling" Mappus) , die Erfahrungen vieler Bürger , die private Fildermesse als Allgemeininteresse verkauft , S 21,
    usw. etc.pp.. Man fragt sich , wie Sie inhaltlich obiges Zitat überhaupt begründen möchten. Die kontext recherchen zum Süddeutsche-Besitzer SWMH , Pispers Recherche zu den Pressemedien , Dr.Uwe Krügers Recherchen zu den Verbindungen von deutschen Chefredakteuren und US-Spin-Tanks. Haben sie das alles schon vergessen oder nie wahrgenommen ?
    Und das ist nur ein Zitat aus ihrem Artikel. Praktisch jeder Satz ist unsachlich. Daran wird Kontext eingehen , sowas kann man überall lesen . Wer schreibt die große Mc Cain - Hommage nächste Woche ? Wer untermauert in der nächsten Ausgabe , das eine garantierte Rentenhöhe bis 2040 die Menschen in Deutschland mehr verunsichert als eine Garantie nur bis 2025 ?
    Frei nach dem Text einer Merkel-Karikatur vor Arbeitnehmer -und Arbeitgebervertretern : "Es wird keine allgemeinen Lohnuntergrenzen geben , ..... dafür aber auch keine allgemeinen Lohnobergrenzen."
    Ja , immer weiter so , scheint auch bei Kontext immer mehr das Motto zu werden.
    Meinen Kommentar zu ihrem Medien-Artikel habe ich geschrieben bevor ich diesen Artikel gelesen habe. Er war inhaltlich schon erwartbar. Bashing , bashing , bashing. Und "unsere Demokratie" ist ja so in Gefahr . Eigentlich zum vergessen, wenn`s nicht so ernst wäre.
    • Marla V.
      am 30.08.2018
      Es ist ein Poblem von 'Gebildeten': sie halten an ihren Fassaden fest und immer fester fest!
      Wie kleine Kinder, die an den Weihnachtsmann glauben (wollen). Gebildete haben zwar schon tausend Hinweise erforscht, das es den nicht gibt, bleiben aber beim Fassaden-Weihnachstbild!

      Das Grundgesetz 'unser Mantra' ist schon löchrig wie ein schweizer Käse! Demokratie, weil wir die Guten sind, besitzen wir auch Demokratie! Punkt! Basta!

      Deswegen sind 'unsere' Bomben ja auch gute demokratische Bomben, unsere Kriege human oder Kampf um Frauenrechte, unsere Freiheitseinschränkungen nur zu unserem Besten!
      Und da wir die Guten sind und auch unser Tun und Lassen, unsere Meinungen und Sichtweisen.... ist ja logisch, dass die Anderen dann doof und böse sind, oder?

      Ich habe ja so langsam den Verdacht, dass viele Linken-Darsteller deswegen so massiv gegen Wagenknecht vorgehen, weil sie a) eine gut aussehende Frau ist und b) 'bei Gott' auch noch hoch intelligent.... c) weil ihnen in den letzten 50 Jahren nicht bewusst war, dass sie angekommen sind im Establishment, oftmals knochentrocken konservativ und Obrigkeitsgläubig geworden sind! Sie haben sich in ihren Echokammern eingerichtet, ihre gated community Lebensformen durch 3-4 Fernreisen und ab und an einen WeTripp in die Toskana incl Einkaufen beim Türken überspielt! Sie sind die besten Mitspieler der Neos geworden, sehen sich aber noch kampfmonturgestärkt 'wer zweimal mit derselben pennt, gehört zum Establishment'!
      Sie nennen sich urbane und kosmopolitische Linke... sind aber die Bildungs-Biedermeier von heute!
      "Wir sind Demokratie" ... wer das in Frage stellt ist Feind!
  • Monika Kremmer
    am 29.08.2018
    Leider ein unsachlicher gehässiger Artikel. Ihrer interessanten Online-Zeitung nicht würdig. Ich schließe mich dem Kommentar von Schwa be an.
  • Schwa be
    am 29.08.2018
    Surfen auf der Rasierklinge? Könnte der Leser meinen wenn er die negative Stimmungsmache/Grundhaltung von Frau JHW gegenüber der Sammlungsbewegung ernst nimmt die in Ihrem Artikel mehr als deutlich zum Ausdruck kommt. Offen und kritisch hinterfragen geht anders.
    Aber nun der Reihe. Frau JHW bringt zum Ausdruck:
    Man kann nur erahnen was die Sammlungsbewegung will. Kein Wort darüber, das es ein zentrales Anliegen der Sammlungsbewegung ist, der großen Unzufriedenheit der Bevölkerung in vielen verschiedenen Bereichen/Politikfeldern Ausdruck zu verschaffen und mehrheitliche Meinungen ins Parlament zu tragen. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass ca. 80 % der Bevölkerung in Deutschland keine Erhöhung der Militärausgaben wünscht.
    Sie kommentiert die Videos der Menschen und wundert sich wie es so viel Ahnungslosigkeit und Inkompetenz ins Netz geschafft hat (verächtlicher gehts kaum)
    Sie folgert weiter, es kann nicht allen Menschen "recht getan" werden. Das die Bewegung das ja auch gar nicht möchte scheint für Frau JHW nebensächlich.
    Sie bringt - ganz nebenbei - m.E. jedoch bewusst das Wort "national" ins Spiel (Bruttonationalglück) - ein Schelm der böses dabei denkt.
    Sie bringt Frau Merkel positiv ins Spiel die natürlich längst all unsere Probleme (hier am Beispiel der Bildung) erkannt hat und sich seit Jahren redlich aber vergebens müht - warum wohl vergebens? Die Botschaft: Es braucht keine Sammlungsbewegung insbesondere dann nicht wenn Frau Merkel bereits - schlau und gerecht wie sie ist - die Missstände erkannt hat und wenn es Frau Merkel nicht schafft, wer dann?
    Frau JHW schließt aus den unterschiedlichsten und ihrer Meinung nach unrealistischen Zielen/Wünschen der (ahnungslosen) Menschen in ihren Videos, wollte man sie denn umsetzen, dass dann eine "unechte" Demokratie entstehen würde, was natürlich "zu weit" gehen würde. Achtung Sarkasmus: Ich finde auch das es zu weit geht die wahren Fluchtursachen genauer unter die Lupe zu nehmen (insbesondere Stellvertreterkriege, Waffenexporte, Ausplünderung anderer Länder).
    Die Sammlungsbewegung sei eine Hochburg der Verunsicherung, was sie am Beispiel der "Susi" (Susanne Neumann) zu belegen weiß - weiß diese von ihrer Instrumentalisierung?.
    Den Artikel halte ich für Grenzwertig und einmal mehr für einen Offenbarungseid von Frau JHW und ihre m.E. vermeintlich sozialdemokratische Einstellung.
  • Philippe Ressing
    am 29.08.2018
    Ach das erinnert doch an die guten alten ML-Zeiten. Da wurden 'Volksfronten' gegründet, Moskautreue verteilten billige Kartoffeln aus Volkseigenen Betrieben und der KBW propagierte den Kampf der Volksmassen. Gut die meisten Protagonisten sind entweder im politischen Ruhestand oder wurden grünkonservativer Regierungschef. Und nun kommt die neue Bewegung - gegründet von Polit-Kadern, nach denen heute kein Hahn oder Henne mehr kräht oder gackert. Mit wirklicher Bewegung von Unten (Anti-AKW -Umwelt) hat das herzlich wenig zu tun. Da wird zentral gesteuert, aber wo sind denn lokale Treffen, wo wird denn Diskutiert? Leute die noch vor ein paar Jahren stramm orthodoxe KommunistInnen oder karrierefixierte Sozialdmokraten waren, planen ein Revival - mehr nicht. Dem Widerstand gegen das Erstarken von Rechts dient das jedenfalls nicht - eher droht das Einschleichen von 'Querfrontlern' und 'Identitären'....
    • Marla V.
      am 30.08.2018
      Mit wirklicher Bewegung von unten..... Ja, ja das scheint mittlerweile auch ein wichtiges SpalterArgument zu sein..... Und lustig wie oft da Leute ihren Balken im Auge nicht wahrnehmen!
      'Von unten' scheint für Manche ein Qualitätsmerkmal und Abgrenzungskriterium zu sein! Grottian, der gut versorgte Prof aus Berlin, der gern zum Aufmüpfen nach Stgt kommt, spricht auch von sich als 'von unten'. Weingarten, aktuell Prof an der Uni, mag sich auch als Untie sehen.... Grohmann, eine wichtige politische Kraft in Stuttgart, von unten? Gerade mit der Regierungsfähigkeit der Grünen haben sich doch oben und unten ganz schön vermischt, oder?
      Hätte man gedacht dass taz mal ein Regierungsnahes Blatt wird? Oder Kontext?

      Oft sind Bewegungen schon längst da, die Aussenpräsentation wird dann eher von 'Gesichtern' übernommen! Oder Bewegungen werden von VIPs angestossen und dann von der Masse getragen.
      Und der Gier der Gesichter-Medien trägt man oft Rechnung!
      K21: Sittler, das Gesicht des Widerstands!

      Und zum 'ich weiß nicht was die Zwei wollen: ich kann ziemlich nachtragend sein: die ehrlichen Worte Lafontaines: 'die Vereinigung wird viel Geld kosten' vergesse ich nicht! Und nur weil der Osten lieber den Säuselworten Kohls hören wollte, muss ich als Westlerin ihm nicht in den Rücken springen!
    • Marla V.
      am 30.08.2018
      @Philippe: diese neoliberale Ungeduld: alles muss schon fertig, vorgefertigt sein!
      'der Weg ist das Ziel' nur als buddhistische Weisheit an der Pinnwand? Weil wir Leere nicht mehr ertragen können? Wege finden? Gemeinsamkeiten ausloten?

      Mohssen Massarrat schreibt sinngemäss, er finde das 'leere Papier' gut, denn er fühle sich dazu aufgefordert, das Papier mit Gedanken zu füllen!

      PS: eine Sammelbewegung zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine große Bandbreite hat und 'auch fremde götter neben sich stehen lässt"! ..... Parteien sind hierachisch und nahezu gleichgeschaltet, Obrigkeitshörig und Abnickend!
      Der Eindruck, die Def Sammelbewegung zu diskretieren, lässt auch vermuten: man will auf keine Fall GedankenVielfalt!

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