Ausgabe 357
Debatte

Die Lücke der Linken

Von Gastautor Andreas Nölke
Datum: 31.01.2018
Die Debatte um eine neue Volkspartei zeigt, dass die Linke eine Leerstelle hat: im Feld des Linkspopulären. Unser Autor will sie schließen. Er plädiert für getrennt marschieren, vereint schlagen.

Eine linke Sammlungsbewegung, eine neue linke Volkspartei, die die Partei Die Linke sowie Teile der Grünen und der SPD umfassen soll – diese Initiative Sahra Wagenknechts und Oskar Lafontaines sorgt für reichlich Kontroversen. Sie stößt nicht nur auf wenig positiven Widerhall bei SPD und Grünen, sondern auch auf massiven Widerspruch aus anderen Teilen der Linken. Lafontaine und Wagenknecht wird vorgeworfen, damit ihren persönlichen Ambitionen zu frönen und zur Spaltung der Linkspartei beizutragen.

Der Zeitpunkt für die Initiative ist jedenfalls gut gewählt. Die linken Parteien haben bei der Bundestagswahl sehr schlecht abgeschnitten. Das knappe Votum für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen sorgt für viel Unzufriedenheit in der SPD. Der linke Flügel der Grünen kann nicht mehr auf eine gleichberechtigte Repräsentation in der Parteiführung vertrauen. Und in der Linkspartei herrscht sehr schlechte Stimmung, wie jüngst etwa bei den massiven Auseinandersetzungen um Ken Jebsen deutlich wurde.

Es gibt aber einige problematische Aspekte bei diesem Unterfangen. Zunächst ist es recht unrealistisch, dass sich eine größere Anzahl von Parteimitgliedern der Grünen und der SPD – oder gar die ganzen Parteien – dieser Initiative anschließt. Ähnliches gilt für die Zustimmung der gesamten Linkspartei zur Umwandlung in eine überparteiliche Sammlungsbewegung – auch wenn die Partei ja eigentlich schon eine solche Sammlung aus PDS und WASG darstellt. Falls die Initiatoren trotzdem an ihrem Vorschlag festhalten, könnte es tatsächlich zu einer Spaltung der Linkspartei kommen, nicht zu der eigentlich beabsichtigten Erweiterung.

Auch der Begriff einer "Volkspartei" ist durchaus ambivalent. Natürlich wäre es wünschenswert, auf der Linken eine kraftvolle Partei zu haben, die viele gesellschaftliche Gruppen unter einem Dach vereinigt. Allerdings zeigt die jüngere Geschichte der deutschen Volksparteien, einschließlich der SPD, dass diese breiten Bündnisse zuletzt vor allem zugunsten der Mittelschicht agiert haben. Letztere beteiligt sich zuverlässig an Wahlen, im Gegenteil zu den Marginalisierten, die schon lange den Glauben an die Verbesserung der eigenen Lage durch den Wahlakt aufgegeben haben und allenfalls ein Kreuzchen bei einer Protestpartei setzen. Notwendig wäre aus dieser Perspektive eher eine Klientelpartei für die sozioökonomisch am wenigsten Privilegierten und die vom Abstieg bedrohte untere Mittelschicht.

Riskant: Fixierung auf eine Führungsfigur

Schließlich ist auch die personelle Fixierung auf Sahra Wagenknecht zweischneidig. Der kurzfristige Appeal einer Personalisierung ist offensichtlich, man denke nur an Lindner und die FDP, Kurz und die ÖVP sowie natürlich Macron. Auch auf der Linken ist das Rezept nicht ohne Meriten, wie Jean-Luc Mélenchon in Frankreich und Jeremy Corbyn in England bewiesen haben. Zudem strahlt Sahra Wagenknechts Popularität auch deutlich über die Grenzen der Linkspartei hinaus.

Ob eine personenfixierte Sammlungsbewegung langfristig zum Erfolg führen würde, ist aber eine andere Frage. Zunächst steht und fällt eine solche Sammlungsbewegung mit der Popularität der Führungsfigur. Derzeit ist diese im Falle Wagenknechts hoch, aber das muss nicht endlos anhalten – und dann könnte eine solche Bewegung ins Bodenlose stürzen. Neben der Fixierung auf eine Person ist es auch gefährlich, auf Parteistrukturen zu verzichten, denn diese erfüllen wichtige Funktionen im politischen Prozess. Sie können beispielsweise für eine demokratische Entscheidungsfindung im vorparlamentarischen Raum sorgen, sowie für die systematische Rekrutierung und Bewährung des Personals für verantwortungsvolle Positionen.

Der Kern der wütenden Ablehnung der Initiative in Teilen der Linkspartei liegt allerdings weniger in diesen Aspekten der demokratischen Repräsentation begründet, als vielmehr in inhaltlichen Fragen. Wagenknecht und Lafontaine nehmen politische Positionen ein, die von ihren Gegnern als "linksnationalistisch" bezeichnet werden. Dazu gehört insbesondere eine skeptische Haltung zu umfangreichen Migrationsbewegungen und gegenüber der bestehenden EU. Ihre innerparteilichen Kritiker favorisieren hingegen offene Grenzen und setzen nach wie vor große Hoffnungen auf eine Stärkung der EU, trotz deren ausgeprägt wirtschaftsliberalen Charakters.

Besonders deutlich wird dieser inhaltliche Hintergrund beim Institut Solidarische Moderne (ISM). Eigentlich sollte dieses Institut von der Initiative vollkommen begeistert sein, es hat sich schließlich genau zu dem Zweck gegründet, Vertreter von SPD, Linken und Grünen zusammenzubringen. Stattdessen lehnt es die aktuelle Initiative mit größter Schärfe ab. Es geht in dieser Ablehnung aber weniger um die verletzte Eitelkeit, dass das ISM bei dieser neuen Initiative nicht gefragt wurde, sondern vor allem um eine Migrationspolitik, die an der Vorstellung offener Grenzen festhält und eine restriktive Haltung gegenüber Wanderungsbewegungen aus Afrika und dem Nahen Osten ablehnt.

Parteipolitisch nicht repräsentiert: linke EU-Skeptiker

Bei diesem Dissens geht es um eine Kernfrage für die zukünftige Ausrichtung linker Politik. Es gibt ein deutliches Repräsentationsdefizit im deutschen Parteiensystem für jene Menschen, die eine sozioökonomisch linke Ausrichtung gerne mit einer Position verknüpft sehen würden, die aus Sorge um den Schutz des Sozialstaat eine eher skeptische Haltung gegenüber der liberalisierenden Wirkung der EU und den Folgen ungebremster Migration einnimmt. Derzeit finden diese Menschen auf der politischen Linken allerdings keine Repräsentation, außer bei Wagenknecht und Lafontaine.

Eine politische Position, die diesen Motiven eine Stimme verschafft, wäre kein opportunistisches Fischen nach Wähleremotionen, sondern würde sich an realen Problemen orientieren. Während die akademisch gebildeten Gruppen der Mittel- und Oberschichten von der – insbesondere auch durch die EU geförderten – wirtschaftlichen Globalisierung profitieren, müssen sie gleichzeitig Migranten als Konkurrenten nicht fürchten. Ganz anderes ist das bei den formal weniger qualifizierten Bevölkerungsgruppen, die die Neuankömmlinge als Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt, um bezahlbaren Wohnraum und um Sozialleistungen mit Sorge sehen. Derzeit artikulieren diese Gruppen ihre Befürchtungen – wenn sie nicht gleich auf die Mitwirkung im politischen Prozess verzichten – durch die Wahl der AfD, die diese Unterstützung aber nicht nur für ihre chauvinistischen und oftmals auch rassistischen Zwecke missbraucht, sondern in ihrer Wirtschafts- und Sozialpolitik neoliberale Positionen vertritt, die den Interessen der weniger privilegierten Gruppen diametral widersprechen.

Politische Positionen, die einer supranational-liberalen EU und einer sehr liberalen Migrationspolitik skeptisch gegenüberstehen, werden oftmals als "rechts" wahrgenommen. Das ist aber eine verkürzte Wahrnehmung des politischen Feldes. Wir müssen uns dieses Feld zweidimensional vorstellen, wobei die Links-rechts-Achse von einer zweiten Achse gekreuzt wird, die in der wissenschaftlichen Diskussion häufig als kosmopolitisch-kommunitaristische Achse bezeichnet wird. Auf dieser Achse stehen sich Präferenzen für das Regieren jenseits des Nationalstaats, für verstärkte Migration und für eine vertiefte wirtschaftliche Globalisierung ("kosmopolitisch") solchen Präferenzen gegenüber, die demgegenüber stärker auf den Schutz des demokratischen nationalen Sozialstaats ("kommunitaristisch") setzen.

Während in unserem Parteienspektrum die drei Felder links-kosmopolitisch (Linkspartei, Grüne, SPD), rechts-kosmopolitisch (CDU/CSU, FDP) und rechts-kommunitaristisch (AfD) besetzt sind, fehlt eine solche Vertretung im Bereich links-kommunitaristisch. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, wenn eine solche Position parteipolitisch besetzt würde. Ich bezeichne sie als "linkspopulär". "Populär", um sie von den negativen Begleitumständen des Populismus (etwa Vereinfachung und Polarisierung), aber auch vom in Chauvinismus und Rassismus ausstrahlenden populistischen Kommunitarismus der AfD abzusetzen.

So könnte eine linkspopuläre Migrationspolitik beispielsweise darauf basieren, dass sie auf offene Grenzen verzichtet, aber trotzdem einen solidarischen Umgang mit den Geflüchteten praktiziert. Dazu gehört insbesondere eine viel großzügigere finanzielle Unterstützung für ärmere Staaten und das UN-Flüchtlingswerk bei der Aufnahme von Migrationsströmen besonders in den Heimatregionen, anstatt der vermehrten Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland. Bei jenen geflüchteten Menschen, die schon in Deutschland leben und bei denen eine Rückkehr auf absehbare Zeit unzumutbar ist, muss die Integrationsunterstützung intensiviert werden, was aus linkspopulärer Sicht dann akzeptabel ist, wenn gleichzeitig die Lage der sozioökonomisch schwächsten Gruppen in Deutschland substanziell verbessert wird.

Ohne das linkspopuläre Spektrum keine linken Mehrheiten

Um eine weitere Fragmentierung der Linken zu vermeiden, wäre es am besten, wenn eine der beiden etablierten linken Parteien die Besetzung des linkspopulären Feldes wahrnehmen würde (die Grünen sind besonders kosmopolitisch orientiert – und auch nicht mehr besonders links). Die SPD ist allerdings aktuell auf einem ganz anderen politischen Pfad, ihr Parteivorsitzender Martin Schulz beispielsweise investiert sehr viel politisches Kapital in die weitere Stärkung der supranational-liberalen EU. Aber auch die lautstarken Kritiker der GroKo, insbesondere die Jusos, favorisieren meist keine linkspopuläre Position, sondern eine liberalere Flüchtlingspolitik als in den Sondierungen vereinbart. Zugleich ist es unwahrscheinlich, dass die Linkspartei in diese Lücke stößt, da sie derzeit eine Neuausrichtung auf urbane Akademiker vorzunehmen scheint. Jene sind mit ihrer kosmopolitischen Haltung kaum für linkspopuläre Positionen zu begeistern.

Wenn sich die von Wagenknecht/Lafontaine angestoßene Initiative darauf fokussieren würde, das linkspopuläre Feld abzudecken, wäre hier notfalls auch eine neue politische Kraft willkommen, selbst wenn sie zur weiteren Fragmentierung der linken Parteienlandschaft beitragen würde. Wenn die Linke das linkspopuläre Spektrum nicht abdeckt, wird sie dauerhaft nicht in der Lage sein, politische Mehrheiten zu erringen und ihre Aufgabe, den Schutz der ökonomisch Schwachen, zu erfüllen. Es sollte dann aber besser um die Gründung einer neuen linken Partei gehen, nicht um eine personenfixierte Sammlungsbewegung. Eine solche Partei könnte potenziell auf starke Resonanz aus dem Spektrum der Nichtwähler zählen – und jener AfD-Unterstützer, die ihr Kreuzchen bei dieser rechtspopulistischen Partei als Denkzettel verstehen, nicht als chauvinistisch-rassistisches Statement.

Linke Parteien wären sich dann zwar in Fragen von EU, Migration und Globalisierung nicht einig, hätten aber noch ausreichende Gemeinsamkeiten bei Fragen von Wirtschafts- und Sozialpolitik, dass sie bei einer zukünftigen Mandatsmehrheit potenziell koalieren könnten. Das Motto wäre dann: getrennt marschieren, vereint schlagen.

 

Andreas Nölke ist seit 2007 Professor für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, nach Tätigkeiten in der Entwicklungszusammenarbeit und an den Universitäten von Konstanz, Leipzig, Amsterdam und Utrecht. Am 1. Februar erscheint im Westend Verlag sein Buch "Linkspopulär".


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8 Kommentare verfügbar

  • Philippe Ressing
    am 04.02.2018
    Die gesamte Debatte muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Da ventilieren sich selbst zu politischen Führern Berufenen darüber, wie man den Wähler in die eigenen Scheuer treiben kann. Spannend wird dieses taktische Rumgehuber erst, wenn die Anklündigung mit Inhalten gefüllt werden muss. Zu welcher politischen Katastrophe eine Fixierung auf 'Führungspersonen' führt, kann man derzeit in Griechenland beobachten. Tsipras startete als maulradikaler Chef eine linken Sammlungsbewegung - mittlerweile geriert er sich als unantastbarer Leithengst des EU-Diktats. Wie in Griechenland so liegt auch bei uns - aus unterschiedlichen Gründen - die Bewegungsdemokratie am Boden. Alles fixiert sich auf's Parlament, Debatten über Parteigründungen und ähnlichen Unsinn. Es gilt festzuhalten: Es gibt eine Linke außerhalb der Partei Die Linke - und erst recht der SPD. Die Grünen waren nie eine klassische linke Partei, das machte sich in der Gründungszeit linksorthodoxer Parteien sympatisch. Heute sind die Grünen zur CDU-light degeneriert. Fazit: So lange es nicht gelingt, linke Bewegungen zu initiieren, ist die Diskussion über Parteigründungen nur leeres Geschwätz. Ach und die Zeiten großer Führungsgestalten sind - glücklicherweise - vorbei. Selber Denken ist angesagt, ein Weg aus der linken Agonie gelingt nur von unten.
  • Marcus Hammerschmitt
    am 02.02.2018
    Wir haben hier folgendes:

    1) Absurde, komplett von der historischen Erfahrung abgekoppelte Illusionen über die Ergebnisse nationaler Mobilisierungen in Deutschland

    2) Die per se rassistische Idee, der Sozialstaat müsse nicht gegen seine Konkursverwalter verteidigt werden, sondern gegen die Migranten

    3) Pseudointellektuellen Anti-Intellektualismus und Gerüchtemacherei gegen die "Kosmopoliten"

    4) Eine komplette Verkennung der rassistischen, chauvinistischen Motive von AfD-Wählern

    5) Die bizarre Vorstellung, diese leckere Giftsuppe würde nicht der AfD nützen, sondern einem imaginären "linkspopulären" Projekt

    Schlimmer geht immer, aber das ist schon wirklich schlimm.
    • Wolfgang Teckenburg
      am 02.02.2018
      Wie,wäre es,wenn Du aus Deinen Anwürfen - durch Belege -, einen Gespächsanlass machen würdest? So ist,es nur miese Polemik.
  • Elf Schlecht
    am 02.02.2018
    Natürlich gibt es eine Lücke für eine Bewegung! Die SPD ist komplett gesichtslos, die Linke fordert zwar wenigstens eine klarere Haltung zum Staatsterroristen Erdoğan, ist aber für viele Wähler nach wie vor die weirde Nachfolgerin der SED. Und sie überlässt wie alle linken Parteien wichtige Punkte wie das Wechselmodell als Regellösung der FDP und Datensicherheit den Piraten. Da bewegt sich nichts, Null Innovation, aber das Potential und die Nachfrage sind da. Schon lange. Dumm nur, daß das nicht mit der mehr oder weniger etablierten linken Politelite wie Wagenknecht und dem Rumpelstilzchen Lafontaine auf die Beine zu stellen sein wird.
  • marcus neuert
    am 02.02.2018
    interessante einlassungen. als bekennender wagenknechtianer fällt es mir allerdings schwer, bei ihr tatsächlich einen ausgeprägten skeptizismus gegen einwanderung zu konstatieren. vielmehr versucht sie dankenswerterweise reihenfolgen in der priorität richtigzustellen: erst wenn lebensgrundlagen vor ort verbessert werden, sinkt der migrationsdruck, wird einwanderungswille zu einer freien entscheidung. es kann ja weder um die abschöpfung der gebildeten eliten noch um die forcierung des lohndrucks durch ungelernte arbeitskräfte gehen. ersteres würde die herkunftsländer fundamental in ihrer entwicklung behindern, zweiteres in deutschland einen ungesunden wettbewerb mit dem "indigenen" prekariat erzeugen (löhne, aber auch mieten etc.).
    auch viele ziele der emanzipatorischen linken sind ja durchaus richtig und wichtig. aber in zeiten, in denen auch die meisten cdu-abgeordneten für die ehe für alle gestimmt haben, sollte der markenkern linker politik deutlich in den bereichen soziales, wirtschafts- und finanzordnung erkennbar sein, und zwar vorrangig für ihre potenziellen wähler und erst in zweiter linie für geflüchtete - die haben nämlich politisch keine stimme zu vergeben. das hat wagenknecht erkannt.
  • Markus Schüßler
    am 02.02.2018
    Eine neue Sammlungsbewegung wäre nicht nur zum jetzigen Zeitpunkt eher eine Spaltungsbewegung. Das war ja schon immer das Problem der linken Parteien, dass es ihrer zu viele gibt, mit unterschiedlichen Strömungen. Warten wir mal ab ob es zur GROKO kommt. Falls ja, schätze ich, dass DIE LINKE eh zum Sammelbecken vieler enttäuschter SPD-Wähler wird. Ich verstehe ehrlich gesagt gar nicht, was man sich von einer Sammlungsbewegung verspricht. Durch eine solche Bewegung werden alle Parteien des linken Lagers geschwächt. Ob dann DIE LINKEN oder die GRÜNEN bei der nächsten Bundestagswahl noch über die 5 % kämen kann man bezweifeln. Eine solche Bewegung hätte sicher eine größere mediale Beachtung zur Folge, dass diese sich jedoch positiv auswirken würde, kann sich glaube ich jeder selbst ausmalen, der die deutsche Medienlandschaft kennt. Eine linke Sammlungsbewegung wird nie den Beifall hervorrufen wie eine konservativ-liberale und nie die Einigkeit wie eine rechte. Statt einer linken Sammlungsbewegung sollte man eine Demokratisierungsbewegung innerhalb der linken Parteien anstreben, nach dem Motto: "Mehr innerparteiische Demokratie wagen".
    Das würde den linken Parteien mehr helfen als jede Sammlungsbewegung.
  • Jo Struppi
    am 31.01.2018
    Als Wähler der Partei beobachte ich diese Diskussion mit grosser Sorge. Es sind völlig unnötige Diskussionen die jedes Umlenken der aktuellen Politikrichtung verhindern. Es werden kleinste Unstimmigkeiten gesucht und aufgebauscht um sich von der anderen Seite zu distanzieren und erreicht damit letztlich eine grosse Fragementierung von linken Positionen und damit einhergehend einer immer kleineren einfluss.

    Auch ihr werden wieder These aufgestellt, die mit keiner Positionsbeschreibung oder Äußerung belegt werden könnten, um eine Spaltung zu unterstreichen. eine "restriktive Haltung gegenüber Wanderungsbewegungen" gibt es auch von Lafontaine/Wagenknecht nicht. Das sind Unterstellungen.

    Wer nicht über die Ursachen der "Wanderungsbewegungen" reden will und dabei völlig ausser Acht läßt, dass diese nicht freiwillig sind - so wie es aus den Kreisen um Kipping immer wieder klingt - macht den Eindruck man wünsche sich, dass die Menschen fliehen müssen. Heißt also - um in der Logik zu bleben - das ISM hat eine restriktive Haltung gegenüber Nichtflüchtlingen.

    Mein Eindruck ist eher, dass die Wirtschaft massiv Einwanderung forciert (s. z.b. Bertelsmann "Zuwanderungsbedarf aus Drittstaaten in Deutschland bis 2050" (2015)) und durch größzügige Forschungsaufwendungen diese im öffentlichen Meinungsbild als positives Lebensgefühl darstellen läßt. Das diese Propaganda erfolgreich sind, erkennt man daran das heute schon KLEINSTE Abweichungen von dieser Haltung verurteilt werden. Und wenn man sich anschaut, wo überall die NATO Konflikte schürt und damit diese "Wanderungsbewegungen" erst auslöst, ist die Verschwörung perfekt.

    Trotzdem glaube ich nicht an die alleinigen "wir müssen Menschen retten" und "Wanderungsbewegungen" Thesen. Ansonsten gäbe es viel größere Debatten darüber, wie wir den Menschen, die nicht geflohen sind helfen könnten. Tatsächlich hat die Kanzlerin aber in Afrika vor allem Zäune und Grenzschutz verkauft. Und die EU Handelsabkommen tun einiges, dass die Wirtschaft der Länder nicht wirklich auf die Füße kommen. Und das wir gemeinsam mit den Russen und Chinesen die Meere vor der Westküste leer fischen dürfte gerade für die, eigentlich fortschrittliche, Region ein grosses Wanderungsdruckpotential sein.

    Das alles ist gesteuert und gewollt von den grossen Internationalen Organsationen, die angeblich unsere Freiheit vertreten.

    Nein, ich glaube nicht an den Globalismus als eine ethisch positive Kraft. Traurig das es Politker der Linken tun, vor allem wenn sie damit auch noch die letzten kleinen Widerstandsoptionen zerstören die geblieben sind.
  • Peter Kurtenacker
    am 31.01.2018
    Alles Illusionen mit einer neuen Linken. Siehe auch die Debatte um S21.
    Was geschieht? Man schießt sich wieder auf die Grünen ein, weil da ein paar oben Realoansichten vertreten. Wobei das mit Realo schon fragwürdige Einteilung der Welt ist. Aber Linke sind überzeugt das man damit das einfache Mitglied mundtot machen kann und das die Seiten wechselt. Die reden lediglich, wie SPD und CDU, nicht mehr mit den Linken. Aber sie sind sind die immer noch da und suchen längst andere Machtoptionen.
    Nicht nur S21 ist Mist, der Braunkohleabbau ist schlimmer. Da haben Linke im Osten auf einmal andere Ansichten, um einmal eine Wunde zu benennen. Es geht um Arbeitsplätze im Osten und NRW, fragwürdige Sichtweise.
    Bei der SPD schweigen dann alle und freuen sich heimlich sogar, das die unter 20% sind. Allein was hier für Möglichkeiten im Bereich der Gewerkschaften verloren gehen ist unvorstellbar. Wir hatten einmal in Gewerkschaften die Debatte das die Gefahr besteht das bei Daimler die Gefahr besteht, das die IG Metall unter 50% sinkt. Das ist die Wahrheit. Sind auch schon vor den jetzigen Streik glücklicherweise gestiegen, nach meiner Kenntnis.
    Ich merke an mir selber, die CDU sehe ich als neue linke Volkspartei hochkommen und die AfD entwickelt sich zur rechtspopulistischen Opposition.
    Wer jetzt sagt: Was hat der für ein schräges Weltbild? Ich erschrecke selber davor!
    Ich weiß aber das dies die neuen Realitäten in meiner "einfacher gestrickten Umgebung" ist.
    Meine Restkontakte mit der sogenannten Linken werden mir immer unheimlicher.
    Die sind allein vom sprachlichen völlig vom Volke meilenweit entfernt. Habe längst keine Lust mehr die vielen Soziobegriffe nach zu schauen. Und mir fehlt da eine gewisse Bildung. Ich bin naturwissenschaftlich ausgebildeter Bautechniker, kein Soziologe.
    Wagenknecht ist nicht mein Vorbild. Aber sie sieht richtig, das mit der Linken geht so schief. Die Arbeiter und einfachen Leute laufen längst, ohne sich laut zu melden, in andere Richtungen. Die linken Schreihälse werden da höchstens noch entsprechend kommentiert.
    Fragt man dann einzelne: Spinnst du? Kommt: Ja das sind zwar Nazis, aber die sollen den anderen endlich einmal eins auswichen. Das ist die wirkliche Stimmung im Volke.
    Hoffentlich müssen wir zu meinen Lebenzeiten nicht die Geschichte wiederholen. Wir werden wieder verlieren, das kann ich schon sagen. Dann dürfen Linke und Rechte wieder Backsteine zur Wiederverwendung sauber machen, wenn sie Glück haben.

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