Aber zurück ins 18. Jahrhundert: Schon zur Zeit der Zauberflöten-Inszenierung hatte sich Ludwig Aloys noch auf einem ganz anderen Gebiet einen Namen gemacht – und zwar als Oberbefehlshaber des Bartensteinischen Jägerregiments mit dem er auf der Seite der Bourbonen gegen das französische Revolutionsheer zu Felde gezogen ist. So hat er sich zwischen 1792 und 1794 mit seinem aus 900 Hohenlohern bestehenden Regiment in der Armee des Prinzen Condé in sämtliche Schlachten gestürzt und ist nach der Niederlage der Königstreuen erst in holländische, dann in österreichische Dienste gewechselt, wo er weiterhin wacker gegen das revolutionäre Frankreich kämpfte. Inzwischen war er nach dem Tod seines Vaters auch noch regierender Fürst der Linie Hohenlohe-Bartenstein geworden und gab in seinem Residenzstädtchen mehreren hundert französischen Offizieren aus der geschlagenen Armee der Bourbonen Unterschlupf. Zeitweise haben damals mehr Franzosen in Bartenstein gewohnt als Einheimische. Was im Übrigen auch der Grund dafür ist, dass manch heutiger Bartensteiner einen französischen Vorfahren in seinem Stammbaum finden kann.
Was ist denn Böfflamott?
Kein Wunder bei so viel französischer Präsenz, dass es auch die eine oder andere kulinarische Spezialität aus Hohenlohe später bis in die Markthallen von Paris geschafft hat: allen voran das wunderbare Fleisch der Hohenloher Rinder. Womit die Frage geklärt wäre, weshalb seit dem frühen 19. Jahrhundert das "boeuf de Hohenlohe" in den Pariser Feinschmeckertempeln so bekannt und gleichermaßen begehrt gewesen ist. Und weswegen auf den Speisekarten in Hohenlohe und Franken ein Gericht mit dem rätselhaften Namen "Böfflamott" zu finden ist. Dabei handelt es sich schlicht und ergreifend um einen Rinderschmorbraten, auf französisch also "Boeuf a la mode". Aber so einen unaussprechlichen Zungenbrecher konnte (und kann) natürlich kein:e native:r Hohenloher:in aussprechen, weshalb es kurzerhand als Böfflamott in den regionalen Speiseplan aufgenommen worden ist.
Aber zurück zum militärischen Startschussgeber, zu Fürst Ludwig Aloys von Hohenlohe-Bartenstein. Der soll nicht nur ein äußerst tapferer Soldat, sondern auch ein glänzender Stratege gewesen sein – einer der wenigen Offiziere, die sogar dem gewieften Taktiker Napoleon Bonaparte das Wasser reichen konnten. Kein Wunder, dass Napoleon alles darangesetzt hat, den lästigen Gegner in seine Reihen zu ziehen. Er hat sogar versucht, dem Hohenloher einen Seitenwechsel mit dem Versprechen schmackhaft zu machen, im krassen Gegensatz zu seiner ansonsten ja drastisch verlaufenen "Bereinigung der deutschen Landkarte" werde er die Souveränität von Bartenstein nicht antasten. Doch gleich zweimal hat Ludwig Aloys das Angebot Souveränität gegen Frontenwechsel brüsk ausgeschlagen. Er war und blieb ein Königstreuer – der "Usurpator" Napoleon war ihm zutiefst zuwider, so hoch der Preis auch sein würde, den sein kleines Fürstentum deswegen dafür zahlen musste. Und das war er. Denn der Kaiser der Franzosen war wegen der brüsken Ablehnung seiner sensationell großzügigen Offerte auf das heftigste verschnupft und fackelte nun nicht mehr lange, sondern ließ das neu entstandene Königreich Württemberg mit dem dicken König Friedrich an der Spitze sich die schöne Residenz des Bartensteiners im Jahr 1806 ruckzuck einverleiben. Ausgerechnet die Württemberger! Tja … selber schuld.
Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten, mag sich der nunmehrige "Fürst ohne Land" möglicherweise gedacht haben und kämpfte weiterhin in den verschiedensten Armeen wacker gegen Bonaparte – bis zu dessen vollständiger Niederlage.
Nach Napoleons Ende trat Ludwig Aloys auf Bitten des neuen französischen Königs als Generalleutnant endlich doch noch in Frankreichs Dienste, jetzt aber, um die Bourbonen beim Neuaufbau einer Armee zu unterstützen. Ausgerechnet die französische Armee, gegen die er doch so viele Jahre lang gekämpft hatte! Das ist der Grund, weshalb man ihn hinter vorgehaltener Hand auch als den "Landsknecht im Fürstenrang" tituliert hat. Immerhin erhielt Ludwig Aloys vom König als Dank für seine Mitarbeit das Schloss von Lunéville zum Geschenk und dazu die Erlaubnis, sein eigenes Regiment, die "Legion Hohenlohe", aufzustellen. Insgesamt ist dabei die stattliche Zahl von 2.450 Mann zusammengekommen: eine bunt gemischte Truppe, die er aus den Resten der ehemaligen napoleonischen Fremdregimenter zusammengewürfelt hat; Schweizer, Deutsche, Polen und andere, die nicht mehr in ihre Heimatländer zurückkehren konnten oder wollten.
Von der Legion Hohenlohe zur Fremdenlegion
Auch dabei ist er offenbar mit einem solchen Geschick zu Werke gegangen und hat sich im französischen Militärdienst dermaßen hervorgetan, dass ihn der höchst zufriedene König mit weiteren Ehrungen geradezu überhäuft hat. So hat Ludwig Aloys von Hohenlohe-Bartenstein die französische Ehrenbürgerwürde erhalten, er war Pair von Frankreich und außerdem durfte er sich auch noch Graf von Lunéville titulieren. Im Jahr 1827 wurde er überdies zum Marschall von Frankreich ernannt. Gestorben ist er am 21. Mai 1829 im Alter von 64 Jahren und mit höchsten Ehren auf dem Pariser Soldatenfriedhof beigesetzt worden.
Kurz nach seinem Tod ist dann aus der "Legion Hohenlohe" im März 1831 die französische Fremdenlegion hervorgegangen, die bis heute den Fürsten aus Hohenlohe als einen ihrer Gründerväter betrachtet.
Ob dies freilich eine Tatsache ist, auf die man voller Stolz verweisen sollte oder lieber doch nicht, das scheint angesichts der nicht immer rühmlichen Geschichte der Fremdenlegion zwar höchst fraglich, aber dennoch ist es Fakt: Ein Hohenloher hatte entscheidenden Anteil an der Gründung der französischen Fremdenlegion!
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