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Nach dem Katastrophensommer 2026

Wie wird die Fischerei hitzefest?

Nach dem Katastrophensommer 2026: Wie wird die Fischerei hitzefest?
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Der Rekordsommer hat die deutsche Fischerei hart getroffen, Fischbestände wurden mancherorts gänzlich zerstört. Jetzt suchen Ökolog:innen und Verbände nach Hitzeschutzmaßnahmen. Hoffnung macht ein Projekt aus dem Breisgau.

Die heftigen Hitzewellen des Sommers 2026 haben Menschen, Tieren und der Natur massiv zugesetzt: 16.300 Hitzetote, auch die Fischerei, die Meere, Seen, Flüsse und Bäche litten unter Hitzestress. Bei mehr als 60 Tagen über 30 Grad im tiefen Südwesten trockneten Flussläufe aus, streckenweise brach die Binnenschifffahrt zusammen. Jetzt sucht das Fischereiwesen nach Schutzmaßnahmen. Es gibt durchaus pfiffige Konzepte, doch die Klimaanpassung ist aufwendig und manchmal auch teuer. Aber: Der nächste Sommer kommt bestimmt.

"Ich habe neue Fische geordert, nächste Woche ist unser Forellenhof wieder geöffnet", sagt Matthias Schnek, Fischwirt aus Döbeln in Sachsen. Schnek verkörpert einen Menschenschlag, den man gemeinhin als Stehaufmännchen bezeichnet. Sein Betrieb hat im brüllend heißen Juni den maximalen Knockout erlitten. Am 29. Juni verlor der Hof bei Außentemperaturen von über 40 Grad seinen gesamten Fischbestand. Der vom Flüsschen Zschopau gespeiste Mühlengraben, in dem Schnek seine Fische hält, wurde zur Todesfalle für 20.000 Regenbogenforellen. Das Wasser der Zschopau hatte historische 28,3 Grad erreicht, berichtet Schnek, zu viel für einen Kaltwasserfisch wie die Forelle, die sich bei 8 bis 18 Grad Wassertemperatur am wohlsten fühlt.

Der materielle Schaden lag bei über 100.000 Euro, für den Familienbetrieb war das existenzbedrohend, aber auch ein mentaler Nackenschlag. Vier Tage lang mussten tote Forellen aus dem Wasser gefischt und zur Tierkörperbeseitigungsanstalt gefahren werden. Das sächsische Landwirtschaftsministerium sprach ungerührt von einem "einzelbetrieblichen Schadensfall" und verweigerte staatliche Nothilfe. Schnek startete daraufhin eine Spendenkampagne ("Fischer in Not") und konnte mehr als 30.000 Euro einsammeln.

Wirtschaftliche Folgen der Rekordhitze

Die Allianz-Versicherung schätzt, dass die Hitzewelle des Sommers Europas Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 113 Milliarden Euro reduziert. Das entspräche knapp einem halben Prozent der erwarteten Wirtschaftsleistung. Zu den berechneten Einbußen zählen demnach Produktionsausfälle und geringere Wertschöpfung – etwa weil Beschäftigte bei hohen Temperaturen weniger produktiv sind, häufiger Pausen benötigen oder ausfallen. Innerhalb Europas dürfte Italien mit geschätzten 28 Milliarden Euro am stärksten betroffen sein. Für Deutschland veranschlagt die Allianz 25 Milliarden Euro, für Frankreich 20 Milliarden Euro. Die Berechnung stützt sich auf Wetter- und Schadendaten sowie eine Modellierung der wirtschaftlichen Folgen.  (mk)

Schnek will weitermachen – aber wie kann er seine Forellen künftig vor den Hitzewellen schützen? Das Anbringen schattenspendender Solarpaneele sei zwar grundsätzlich sinnvoll und würde sich langfristig auch amortisieren, der 53-jährige Fischwirt kann sie aber nicht finanzieren. Jetzt will er seinen Fischbesatz so steuern, dass er den Betrieb im Hochsommer für zwei Monate schließen kann. "Mal sehen, wie ich damit über die Runden komme."

Das Forellensterben in Döbeln gehörte zu den spektakulärsten Fällen dieses Hitzesommers. Doch auch in anderen Regionen Deutschlands sind Millionen Fische, Amphibien und andere Wassertiere der Trockenheit und den hohen Temperaturen zum Opfer gefallen. 

Motorboote als Notbelüftung

Mit 41,8 Grad in Möckern-Drewitz wurde im Juni in Sachsen-Anhalt ein neuer bundesdeutscher Allzeitrekord gemessen. Die über Monate heißeste Region in Deutschland war aber der Südwesten. Ingo Kramer, Biologe und Geschäftsführer des Fischereiverbandes Baden-Württemberg, sah sich mit einer Hitze konfrontiert, "die ich in meinen mehr als 30 Jahren beim Verband noch nie erlebt habe". Aber, fügt Kramer hinzu, "ich fürchte, das werde ich jetzt jedes Jahr sagen!" Viele Fließgewässer im Südwesten waren komplett ausgetrocknet, bei den stehenden Gewässern wurde mit Belüftern oder – auch das gab es – im Kreis herumfahrenden Motorbooten das Wasser aufgesprudelt, um Sauerstoff einzutragen.

Die Dreisam, Freiburgs Hausfluss, verzeichnete Wassertemperaturen bis zu 32 Grad. Für viele Fischarten, vor allem für die dort heimischen Bachforellen, wäre das eigentlich tödlich. Doch schon 2022 wurden in der Dreisam sogenannte Kaltwasserpools angelegt. Das sind Vertiefungen mit Grundwasserzufluss. Helfer, so berichtet Kramer, sind mit Thermometern den gesamten Fluss abgelaufen, um nach kühlen Stellen zu suchen. An solch kühlen Flussabschnitten tritt zehn bis zwölf Grad kaltes Grundwasser aus. Genau dort, etwa bei der Brauerei Ganter im Freiburger Stadtgebiet, hat man tiefe Löcher ausgebaggert und Pools angelegt, in denen sich das warme Flusswasser ständig mit kaltem Grundwasser mischt. Das schafft einen effektiven Hitzeschutz für die Fische – und leider auch für die Anwohner, die den Pool anfangs als Badewanne nutzten. Inzwischen herrscht Badeverbot. Der Erfolg der Pools, sagt Kramer, sei am Fischreichtum abzulesen: "Die biologische Vielfalt hat sich gewaltig erhöht", vor allem die empfindlichen Bachforellen hätten kräftig zugelegt.

Drohnen suchen kaltes Wasser

Inzwischen kommen Anfragen aus vielen Bundesländern, die sich bei Kramer Know-how abholen wollen. Auch an anderen Flüssen in Baden-Württemberg sind Pools in Planung. Die dafür geeigneten Kaltwasserstellen lassen sich inzwischen mit Drohnen aufspüren, die mit Wärmebildkameras den Fluss überfliegen.

Bei den stehenden Gewässern, vor allem bei größeren Teichen, ist die sogenannte Floating Photovoltaik, das sind schwimmende Solarpaneele, eine immer häufiger diskutierte Schutzmaßnahme. Sie spendet Schatten und erzeugt gleichzeitig Strom, der den Fischwirten Einnahmen bringt. Kramer sieht noch weitere Vorteile: Mit dem im Gewässer gewonnenen Strom könnten elektrisch betriebene Belüftungsaggregate eingesetzt werden, die den Teichen Sauerstoff zuführen. Unter den Solarzellen könne man Totholzbündel und andere Strukturen anbringen, ideale Versteckmöglichkeiten für Fische.

Weiter östlich in Bayern befinden sich besonders viele Teichwirtschaften. Mehr als 40 Prozent der deutschen Aquakulturbetriebe sind im Freistaat zu Hause, vor allem die Karpfenzucht. In der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft koordiniert Martin Oberle die Karpfenteichwirtschaft. Der wärmeliebende Fisch mit einer Wohlfühltemperatur von 28 Grad sei in diesem Hitzesommer noch mit einem blauen Auge davongekommen, bilanziert Oberle. Vereinzelt habe es bei stark ausgetrockneten Teichen Noternten und Fischsterben gegeben. Hitzeopfer waren vor allem die in manchen Karpfenteichen als Beifisch gehaltenen Hechte. Zudem fanden Fischräuber wie Otter, Kormoran und Graureiher einen gut gedeckten Tisch. Vor allem die Reiher, sagt Oberle, hätten sich in den ausgetrockneten Gewässern bedient, weil sie bei niedrigem Wasserspiegel bequem im Teich stehen und leicht Beute machen konnten.

Karpfenrettung per Wasserwerfer

An Oberles Institut für Fischerei wird verstärkt an Strategien gegen die Überhitzung durch den Klimawandel geforscht. Seit drei Jahren laufen Beschattungsversuche an verschiedenen Teichen (siehe Foto). Als Schattenspender werden Styroporplatten genutzt, die allerdings nicht zu großflächig auf dem Wasser schwimmen dürfen, sagt Oberle, denn die Teiche brauchen die Sonneneinstrahlung, damit sich das für den ökologischen Kreislauf so wichtige Plankton bilden kann.

Der Einsatz schwimmender Solarpaneele sei dagegen kompliziert. Sie würden den Fischwirten zwar zusätzliche Einnahmen bringen, aber die rechtliche Lage sei schwierig, Flächennutzungspläne müssten geändert und genehmigt werden.

Unkomplizierter ist eine andere Nothilfe: An bayerischen Teichen wird jetzt ebenfalls gebaggert, um diese zu vertiefen und die Dämme ringsum zu erhöhen. So könne im regenreichen Winter mehr Wasser gespeichert werden, sagt Oberle. Karpfenteiche als natürliche Regenrückhaltebecken? Der Hitzesommer dieses Jahres brachte viel in Bewegung, auch die Feuerwehr in Langwied bei München. Als der dortige Karpfenteich im Glutofen dieses Sommers zur Pfütze geschrumpft war, rückte die Wehr aus, legte eine 200 Meter lange Saugleitung zum Langwieder See und brachte den Teich mit zwei Wasserwerfern wieder auf seinen normalen Pegelstand. Ein kleiner Triumph in hitzigen Zeiten.

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