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Dem Bodensee gehen die Fische aus

Felchen aus Kasachstan

Dem Bodensee gehen die Fische aus: Felchen aus Kasachstan
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Noch nie wurden im Bodensee so wenige Fische gefangen wie derzeit. Fürs berühmte Bodenseefelchen herrscht seit Januar 2024 sogar ein dreijähriges Fangverbot. Die Fischer fühlen sich ausgeliefert.

Elke Dilger mag die Hoffnung nicht aufgeben. "Wir fliegen doch auch zum Mars", sagt sie und holt tief Luft, "dann muss es doch für unsere Fischer eine Lösung geben." Die 54-jährige Altenpflegerin ist die Vorsitzende des Berufsfischerverbands am Bodensee. Früher hat sie selbst leidenschaftlich gefischt, eine der ersten Frauen in diesem Beruf. Bis sie, wie Hunderte ihrer Kollegen, aufgeben musste. Nach 26 Jahren im Boot. Der Grund für ihre Entscheidung: Dem größten deutschen See, der vielbesungenen Zauberflut des Voralpenlandes, gehen die Fische aus. Ein ganzes Ursachenbündel ist dafür verantwortlich. Vor allem aber ist der Bodensee, so paradox das klingen mag, viel zu sauber geworden und damit zu nährstoffarm für die Fischbestände. Mit teuren Investitionen, hochgerüsteten Klärwerken und immer effizienteren Reinigungsstufen wurde der dreckige Bodensee zum Saubermann. Wo in den 1970er-Jahren Badeverbote wegen "Seuchengefahr" verhängt wurden, plätschert heute "hochwertiges Rohwasser" für die Wasserwerke. Der Bodensee liefert Trinkwasser für fünf Millionen Menschen, aber kein Futter mehr für die Fische.

Mit einer Fläche von 536 Quadratkilometern und durchschnittlich 101 Metern Tiefe ist der Bodensee der drittgrößte See Europas. Bislang gehörte zu diesem See auch eine der größten Binnenfischereien des Kontinents. In alten Beschreibungen wird neben der "mediterranen Heiterkeit" stets der Fischreichtum gerühmt, der "den Anwohnern Lebensunterhalt und Verdienst gewährt". Doch seit den 1990er-Jahren gehen die Fänge stark zurück.

(…) Inzwischen haben sie den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht: seit 1909, als das Deutsche Reich begonnen hatte, die Fischerträge am Bodensee zu erfassen. Die Zahlen von 2022 bestätigten nicht nur den Trend, sie übertrafen selbst die pessimistischsten Erwartungen. Am Obersee haben die 64 verbliebenen Berufsfischer nur noch 21 Tonnen Felchen gefangen, ein Rückgang von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als 107 Tonnen registriert worden waren. Zählt man die Fänge aller anderen Fische dazu, dann sank der Gesamtertrag der Berufsfischer am Obersee im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent auf 153 Tonnen. Wegen des vehementen Einbruchs verhängte die Internationale Kommission für die Bodenseefischerei (IBKF) ab dem 1. Januar 2024 ein dreijähriges Fangverbot auf Felchen. Das ist ein neuer Tiefpunkt der Fischereikrise am Bodensee und der Beginn einer neuen Ära ohne den bekannten Vorzeigefisch.

Mit den Fischen verschwinden auch die Fischer. 64 sind noch übriggeblieben, die letzten ihrer Art. Es waren mal mehr als 400, aber das ist eine Ewigkeit her. Zwei von ihnen, Wilhelm Böhler aus Hemmenhofen am Untersee und Stefan Riebel von der Insel Reichenau, stehen in Böhlers Fischereiwerkstatt und machen ihrer Wut und Verzweiflung Luft. Hinter ihnen hängen ein Dutzend feingewirkter Netze und – nicht ohne Symbolkraft – auch zwei Rettungsringe. Vor ihnen steht eine gut gelaunte Besuchergruppe im sommerlichen Outfit. Die beiden Fischer versuchen den Touristen die Lage der Dinge am Schwäbischen Meer zu erklären.

"Dia hont nix zom Fressa!"

Böhler ringt um Worte, die Stimme vibriert, seine Botschaften sind kurz und heftig. Es geht – natürlich – vor allem um die Felchen, die berühmtesten Bewohner des Bodensees, die dort ihre größte Population in ganz Europa erreichen. Felchen waren stets die wirtschaftlich wichtigsten Fische, die in ihren Glanzzeiten bis zu 80 Prozent der Fänge ausmachten. Vorbei! Seit Jahren schrumpft der Bestand in rasendem Tempo. Die jetzt zur Jahresmitte gefangenen Fische müssten eigentlich kugelrund sein, doch sie sind mager und ausgezehrt, wiegen nur noch 200 statt 400 Gramm. "Dia hont nix zom Fressa!", platzt es aus Böhler heraus. Die Fische würden hungern, sagt er, der See biete einfach zu wenig Nahrung, vor allem kaum noch Plankton. (…)

Was die Fischer am meisten ärgert, ist das Gefühl des Ausgeliefertseins. (…) Der Altersdurchschnitt der Bodenseefischer liegt inzwischen bei über 60 Jahren – zu alt, um in der digitalen Informationswelt der neuen sozialen Medien Krach zu schlagen. Zu klein sind die rund um den See verteilten Fischereiverbände, um als echte Pressure-Group wahrgenommen zu werden. Zudem ist die Fischerei am Bodensee weder systemrelevant, noch stellt sie eine wichtige Wählergruppe. Hart formuliert: Sie ist ein Auslaufmodell. Ohnmächtig müssen die Fischer zusehen, wie die wunderschöne Seelandschaft ihr wichtigstes Inventar verliert: die Fische. Zumal die Felchen, die Könige der Bodenseefische. Sie gehören zum See wie die weiße Flotte und das milde Klima. (…)

Die Tourismusbranche liebt es, die Fische als Highlight am See ins Rampenlicht zu stellen. Sie sind Kulturgut. Bei der Landesgartenschau am Bodensee hatte der filigran gestaltete Ausstellungspavillon selbstverständlich die Form eines Fisches. Hagnau, ein ehemaliges Fischerdorf bei Meersburg, begrüßt seine Gäste mit der Frage: "Lust auf fangfrischen Fisch? Felchen, Kretzer, Zander, Hecht und viele andere Fischsorten tummeln sich im See. Am besten genießen Sie frischen Fisch in einem der vielen Hagnauer Restaurants", so die Homepage der Gemeinde. Besuchern wird nach wie vor eine heile Welt über und unter Wasser versprochen: die lichtvolle Weite, die sanfte Bewegung der Ufer, die herrlichen Felchen. Feriengäste, die im Sommer an der Seepromenade in der Sonne sitzen, wollen vor allem eines: Bodensee gucken und Fisch essen. Das können sie auch. Doch vier von fünf Bodenseefischen kommen inzwischen aus Finnland und Kasachstan, aus Irland, Island, Kanada oder vom Gardasee. Auch einige Fischer kaufen Forellen und Saiblinge aus fremden Aquakulturen, um die Nachfrage zu befriedigen. Der größte Teil der per Flugzeug und Lkw im großen Stil importierten Fische wird von Händlern an die Gastronomie verkauft. Auftauen, braten, rauf den Teller, fertig ist der Bodenseefisch. Die meisten Restaurants und auch die Behörden lassen die Touristen in dem Glauben, der verspeiste Bissen sei vor Kurzem noch vergnügt im sauberen See geschwommen. (…)

Schuld sind Quaggamuschel, Klimakrise, die Politik

"Früher", sagt Wilhelm Böhler, "haben wir allein am Untersee in guten Jahren 200 Tonnen Felchen gefangen." Jetzt sind es selbst im sehr viel größeren Obersee nur 21 Tonnen. Die beiden Fischer und ihre Besuchergruppe sind inzwischen bei der Ursachenforschung angekommen. Die Geschichte, die sie erzählen, erinnert an die biblischen Plagen. Tatsächlich kann Böhler exakt sieben Plagen aufzählen, die den Fischreichtum am Bodensee dezimieren: das viel zu saubere Wasser, der Kormoran, der Stichling, die Quaggamuschel, die Klimakrise, die Klärwerke und natürlich die Politik. Wobei Wasser, Klärwerke und Politik als ineinandergreifendes gemeinsames Übel gelten.

Die Kormoranschwärme sollen inzwischen mehr Fische fressen als die Berufsfischer fangen können. Tausende der gefiederten Fischräuber sind in den vergangenen Jahren abgeschossen worden, doch die Population bleibt hoch. Zuletzt war sie am See auf mehr als 6.000 Exemplare angewachsen. Mit unstillbarem Hunger sitzen die Pulks in angemessen schwarzer Trauerkleidung in den Bäumen, um auf der Jagd nach der Tagesration von 500 Gramm Fisch pro Vogel den See anzufliegen. Der Kormoran ist ein altbekannter Fischräuber. Bei Stichling und Quaggamuschel ist die Situation anders gelagert und fast noch brenzliger. Die Invasion des dreistachligen Stichlings begann 2012. Man vermutet, dass der Fisch in den Jahren zuvor von einem Aquarianer ausgesetzt wurde. Plötzlich tauchte der für den Bodensee gebietsfremde Fisch nicht nur am Ufer, sondern erstmals auch im Freiwasser auf. Seitdem ist der Bestand explodiert. Heute ist der kleine Stichling der mit großem Abstand häufigste Fisch im Bodensee. Neun von zehn Fischen sind Stichlinge. Als Speisefisch kommt der leicht bitter schmeckende Mickerling nicht infrage. Fatal für die Felchen, denn Stichlinge haben einen ähnlichen Speiseplan. Sie sind Nahrungskonkurrenten. Vor allem aber fressen sie die Eier und Larven der Felchen und anderer Fische. Die Stichlingsplage gibt es auch in anderen Seen, sogar an der schwedischen Küste der Ostsee. Dort wird darüber nachgedacht, den Stichling gezielt zu fangen und in Biogas-Anlagen zu verwerten.

Jetzt soll der Stichling auch im Bodensee mit gezielten Fängen massiv reduziert werden. (…) Der beste Monat, um ihn im See zu reduzieren, ist der September. Dann, so heißt es, bilde der kleine Invasor große Schwärme, die mit Hilfe des Echolots wie ein Feuerball sichtbar werden. In Tiefen von neun bis zwölf Metern könne der für seine "Zick-Zack-Tänze" bekannte Stichling fast ohne Beifang anderer Arten in großen Mengen abgefischt werden, empfehlen die Fischbiologen. Dafür braucht es aber spezielle marine Schleppnetze mit kleiner Maschenweite und es müssten mehrere Fischerboote zusammengespannt werden, um das schwere Netz zu ziehen. Zuvor soll "die wirtschaftliche Machbarkeit sorgfältig untersucht werden". Im Klartext heißt das: Es könnte teuer werden. Im Herbst 2024 soll im Rahmen eines Pilotprojekts der Stichlingsfang erprobt werden.

Drei Jahre Fangverbot

Für das im Juni 2023 erlassene Fangverbot auf Felchen hat die Internationale Kommission für die Bodenseefischerei (IBKF) den Begriff "dreijährige Schonzeit" gewählt. Die Situation der Felchen sei besorgniserregend, insbesondere fehlten junge nachwachsende Fische, heißt es als Begründung für die drastische Maßnahme. Als Ursachen für den starken Rückgang der Felchen nennt die IBKF "die Ausbreitung der gebietsfremden Arten Stichling und Quagga-Muschel sowie die Auswirkungen des Klimawandels […] insgesamt leidet der Fischbestand auch unter der zunehmenden Kormoranpopulation". Die Nährstoffarmut des Sees wird nicht erwähnt. An anderer Stelle heißt es lediglich in einem Nebensatz, dass es den Felchen an Nahrung mangele. Als Ausgleich für die fehlenden Felchen werden den Fischern zusätzliche Netztypen zum Fang von Rotaugen, Barschen, Hechten und Welsen erlaubt. Um den Felchenbestand während der Schonzeit zu stärken, sollen Besatzmaßnahmen mit größeren Jungfischen erfolgen, die "im nächsten Frühjahr" im Bodensee ausgesetzt werden. Außerdem werde man stärker gegen Kormorane vorgehen und versuchen, den hohen Stichlingsbestand abzufischen. "Wenn die Felchen im See verhungern, dann bringt auch eine lange Schonzeit nichts", kommentiert Fischer Wilhelm Böhler das Fangverbot.  (kr/li)

(…) 2016, vier Jahre nach der Stichlingsinvasion, folgte neues Ungemach: Die eigentlich im Schwarzmeerraum beheimatete Quaggamuschel, deren Streifenmuster an die Zebra-Art "Quagga" erinnert, enterte den Bodensee. Seitdem hat sie sich in gewaltiger Zahl im gesamten See ausgebreitet mit einer kaum vorstellbaren Dichte, so die Bilanz für 2022 in der "Zeitschrift für Fischerei". Die Muscheln filtern die ohnehin wenigen Nährstoffe aus dem Wasser und entziehen damit Fischen und Wasserpflanzen die Nahrung. Sie sind so tief im See angesiedelt, dass Wasservögel sie nicht erbeuten können. Zur Eindämmung gibt es keine guten Ideen.

Das Wasser kühlt nicht mehr ab

Kormoran, Stichling, Quaggamuschel und dazu das veränderte Klima. Die Klimakrise heizt auch dem Bodensee ein mit höheren Wassertemperaturen und niedrigerem Seespiegel. Im Saharasommer 2018 erreichte die Wassertemperatur kuschelige 26 Grad. Inzwischen ist die so wichtige Durchmischung des Wassers massiv gestört. Im Winter muss der See Sauerstoff tanken. Wasser ist bei einer Temperatur von vier Grad am schwersten. Deshalb sinkt gegen Ende der kalten Jahreszeit das abgekühlte Oberflächenwasser in die Tiefe und versorgt so den Seegrund mit lebenswichtigem Sauerstoff. Gleichzeitig gelangen Nährstoffe vom Seegrund nach oben. Auch die Eier der Felchen in der Tiefe des Sees brauchen eine gute Sauerstoffversorgung. Doch die Phasen sinkenden Oberflächenwassers werden immer kürzer, weil es zu warm ist. Die Temperatur des Oberflächenwassers hat sich in den letzten Jahren nach Auskunft der baden-württembergischen Landesregierung um 1,2 Grad erhöht. Einen komplett zugefrorenen See wie zuletzt 1963 wird es wohl für Jahrhunderte nicht mehr geben. Felchen und viele andere der 32 Fischarten im See brauchen kaltes Wasser. Die Erwärmung verschlechtert ihre Lebensverhältnisse, vor allem ihre Fortpflanzung.

Nährstoffgehalt und Wasserqualität haben sich stark verändert. Der Kampf um sauberes Seewasser hatte vor rund 60 Jahren Fahrt aufgenommen. Damals war der Bodensee zwar keine Kloake, aber extrem eutrophiert. Zu viel ungeklärtes Abwasser, zu viel Dünger, zu viele Arzneimittel, zu viel Waschpulver, zu viel Chemie, zu viel Dreck. (…). 1971 mussten die Behörden die Notbremse ziehen und mitten in der sommerlichen Hochsaison wegen akuter Seuchengefahr ein Badeverbot aussprechen. (…)Die Fischer hatten schon viele Jahre zuvor immer wieder Alarm geschlagen. So begann mit dem verschärften Gewässerschutz in den Folgejahren die Offensive für einen sauberen See. Sie war dringend notwendig und sie hat sich gelohnt. Die Wasserqualität wurde dank aufgerüsteter Kläranlagen und strenger Wasserrahmenrichtlinien langsam besser. Auch die Fischer waren lange zufrieden. 1977 erreichten die Fänge den historischen Peak mit gewaltigen 1.900 Tonnen Fisch, davon allein 1.200 Tonnen Felchen. Auch in den 1980er-Jahren waren die Netze noch gut gefüllt, dann sank mit steil abnehmendem Nährstoffgehalt die Produktivität des Sees. Die Fischpopulation brach ein.

Sauberes Wasser um jeden Preis

(…) Für die Trinkwassernutzung, das räumen auch die Wasserexperten ein, wäre eine höhere Phosphatkonzentration mit entsprechend größerem Nährstoffangebot unbedenklich, auch wenn das Algenwachstum und der Sauerstoffverbrauch dann zunehmen würden. Doch ein Ende des Reinigungsdrangs ist nicht in Sicht. "Die Kläranlagen werden erneut aufgerüstet", heißt es auf der Homepage der Bodensee-Wasserversorgung. Rückstände aus der Industrie und aus Arzneimitteln sollen noch effizienter entfernt werden, aber auch der Phosphatgehalt könnte weiter schwinden. "Die hören einfach nicht auf, es geht immer so weiter", sagt der Berufsfischer Böhler und blickt hilfesuchend zur Decke. Warum kann der Bodensee nicht auf zehn Mikrogramm Phosphat eingestellt werden? So steht es in einem Positionspapier der Fischer. Zehn Mikrogramm würden für die Fische reichen und der See wäre trotzdem sauber. Inzwischen ist der Phosphatgehalt, je nach Gebiet, auf fünf bis sieben Mikrogramm gesunken. Der See, klagen die Fischer, sei damit fast klinisch rein. "(…) "Die Menschheit muss es immer übertreiben, zuerst mit der Verschmutzung, jetzt mit der Reinigung", sagt Böhler. Das beinahe sterile Wasser bringe keine Vorteile mehr, gesunder Menschenverstand sei jetzt gefragt.

Böhler formuliert es drastisch: "Mit einem Riesenaufwand wird immer mehr Phosphat aus dem Bodensee ausgefällt, das wird dann teuer entsorgt, um gleichzeitig mit Flugzeugen aus immer größeren Entfernungen Fische einzufliegen, die dann als Bodenseefisch verkauft werden." Das sei nicht nur Betrug. Das sei auch für Umwelt und Klima der blanke Irrsinn.

(…) Es ist spät geworden. Der beliebteste See der Deutschen schimmert silbern im ruhigen Abendlicht. Die Besuchergruppe ist zum Seeufer gelaufen, die Sonne ist rausgekommen. Der Schilfgürtel am Ufer biegt sich im Sommerwind, zwei Enten stecken den Kopf ins Wasser. Am Ufer im feinen Sand liegt das Boot von Fischer Böhler. "Das ist kein Boot, das ist eine Gondel", spottet der Kollege von der Reichenau. Es ist ein kleines Boot, aber ausreichend für den ohnehin schrumpfenden Fang. Böhler fängt seine Fische nach alttestamentarischem Vorbild. Er fährt raus, wirft seine Kiemennetze ins Wasser und holt sie Stunden später wieder ein. Das einzige technische Hilfsmittel ist der Außenborder. Böhler besitzt weder Handy noch Unterwasserdrohne noch anderes Gerät zum Orten der Fische. Er besitzt Erfahrung und Leidenschaft für seinen Beruf, man könnte mit etwas Pathos von Liebe reden. Heute Abend wird er raustuckern und sein Netz auswerfen. Morgen früh um 4.30 Uhr will er es einholen. In aller Stille. Ganz archaisch. Nur der Fischer in seinem Boot, das Netz und die zappelnde Beute. Die letzten Tage hatte Böhler sogar Glück mit seinem Fang. Ob es so bleibt? Ein bisschen Hoffnung fährt immer noch mit in der Gondel.
 

Dieser Text ist ein gekürztes Kapitel über den Bodensee aus Manfred Kriener und Stefan Linzmaier: Fisch in Seenot. Über den sorgsamen Umgang mit einer gefährdeten Ressource. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2024, 231 Seiten, 22 Euro. Das Buch widmet sich darüber hinaus den Weltmeeren sowie Ostsee und Nordsee und ihren Fischbeständen.

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4 Kommentare verfügbar

  • Horst Tremp (Limnoterra)
    vor 2 Wochen
    Antworten
    Aber hallo!
    Der Bodensee ist ein internationaler See (Schweiz, Österreich). Das geht ganz ohne Wikipedia.
    Der größte deutsche See ist die Müritz.

    Nur so nebenbei.....
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