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Prozess gegen Kryptoqueen-Ehemann

Der Vorwurf lautet Geldwäsche

Prozess gegen Kryptoqueen-Ehemann: Der Vorwurf lautet Geldwäsche
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Der Ehemann der Kryptoqueen Ruja Ignatova muss sich vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Björn S. wird Geldwäsche und Betrug vorgeworfen. Es geht unter anderem um eine Villa in Bad Homburg.

Der Prozess startet am 22. September, wie der Sprecher des Landgerichts Darmstadt auf Nachfrage bestätigt. Björn S. soll 2017 mit Geldern aus dem OneCoin-Betrug eine vornehme Villa in Bad Homburg für mehr als sieben Millionen Euro gekauft haben. Die Summe soll eine Firma aus dem OneCoin-Umfeld in Hongkong überwiesen haben. Wie berichtet, hatte einer der Quandt-Söhne aus der BMW-Eigentümerfamilie die Villa einst bauen lassen. Björn S. soll dort einige Zeit zusammen mit der Tochter von ihm und Ignatova gewohnt haben (Kontext berichtete).

Rujas Bruder macht sich wichtig

Konstantin Ignatov, der jüngere Bruder der Kryptoqueen, saß 2019 in New York im Gefängnis Metropolitan Correctional Center MCC. Zur selben Zeit wie der berühmt-berüchtigte Jeffrey Epstein. Wie Kontext berichtete, findet sich deshalb auch Ignatovs Name mehrmals in den Epstein-Files. Kontext gegenüber hatte Ignatov erklärt, er habe "nie was mit Epstein zu tun" gehabt und er wolle "in keinster Weise mit diesem unglaublich widerwärtigen Fall in Verbindung gebracht werden". Nun hat er es sich anders überlegt und auf seinem YouTube-Kanal "Konstantin Ignatov kontra" ein Video veröffentlicht: "Warum ich in den Epstein-Files vorkomme: Fünf schockierende Geschichten aus dem Gefängnis." Laut übersetztem Transskript erzählt Ignatov in dem in bulgarisch veröffentlichten Video, im Sommer 2019 sei im Fernsehen eine Sondersendung über Epsteins Verhaftung gelaufen. "Ich hatte bis dahin noch nie von ihm gehört, aber man sprach von ihm als Finanzier. Dann begannen auch die Anschuldigungen: Handel mit Minderjährigen, Ausbeutung, ein Netzwerk, das bis in die höchsten Kreise der Welt reicht", erzählt Ignatov. Für ihn sei Epstein damals ein weiterer hochrangiger Häftling gewesen. Einige Tage später aber sei er zu seinem Anwalt gebracht worden und sah in dem Besprechungsraum Epstein: "Er saß mit seinen Anwälten da (…). Selten habe ich jemanden im Gefängnis gesehen, der so selbstzufrieden aussah." In den nächsten Wochen sei er ihm mehrmals begegnet. Ignatovs Fazit: "Er bewegte sich wie jemand, der glaubt, unantastbar zu sein." Das war Epstein nicht. Er wurde am 10. August 2019 leblos in seiner Zelle gefunden.  (him)

Björn S. hat Ignatova vermutlich während des Studiums an der Universität Konstanz kennengelernt. Ende 2010 heirateten die beiden, S. wurde Rechtsanwalt und konnte so seine Frau bei den Kaufverträgen für eine insolvente Gießerei in Waltenhofen im Allgäu beraten. Er hat die Verträge auch mitunterzeichnet. Ignatova war im Frühjahr 2016 im Zusammenhang mit dem Niedergang der Gießerei wegen Betrug und Insolvenzverschleppung zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten und 18.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

Bereits 2014 hatte sie mit ihrem Geschäftspartner Sebastian Greenwood OneCoin ins Leben gerufen. Mit der angeblichen Kryptowährung zogen sie und ihre Helfer Menschen sehr viel Geld aus der Tasche. Als der milliardenschwere Betrug aufzufliegen drohte, verschwand Ignatova. Seit dem 25. Oktober 2017 fehlt jede Spur von ihr, etliche Strafverfolgungsbehörden suchen sie. Seit 2022 steht sie auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher des FBI. Mit einer Belohnung von fünf Millionen Dollar lockt das FBI bislang vergebens, um Hinweise auf den Verbleib der Kryptoqueen zu bekommen.

Björn S. begleitete seine Frau Ruja Ignatova trotz ihrer Affären bei zahlreichen festlichen Gelegenheiten und auch Werbeveranstaltungen für OneCoin. Er saß mit am Tisch, als Ignatova 2014 in Sofia zur "Business-Woman of the Year" gekürt wurde und er war bei einem großen OneCoin-Werbe-Event im Macau 2016 dabei. Auch feierte er Ignatovas Geburtstage mit.

Kein kurzer Prozess: 21 Verhandlungstage angesetzt

Beim Prozess in Darmstadt ab kommenden September wird sich herausstellen, wie S. Beziehung zu Ignatova war und ob die beiden noch verheiratet sind. Spannend dürfte zudem werden, wie viel er über die OneCoin-Geschäfte wusste und wann er zuletzt Kontakt zu Ignatova hatte.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt begann erst Mitte 2021 gegen Björn S. zu ermitteln. Nach Hausdurchsuchungen am 26. Januar 2022 in Wohn- und Geschäftshäusern verlor S. seine Anstellung in einer renommierten internationalen Rechtsanwaltskanzlei in Frankfurt. Damals hatte die Staatsanwaltschaft auch Wertgegenstände im Wert von 60.000 Euro und eine Menge Datenspeicher sichergestellt. Auf die Villa hat sie "eine Sicherungshypothek zu Gunsten des Landes Hessen in das Grundbuch eintragen lassen", wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Damit kann Björn S. das Haus nicht verkaufen.

Nach langem Hin und Her auch um die Zuständigkeit hat das Landgericht Darmstadt schließlich die Anklage gegen Björn S. zugelassen und nun auch die Verhandlungstermine mitgeteilt. Die neunte große Strafkammer des Landgerichts habe 21 Verhandlungstage bis zum 23. Februar 2027 angesetzt, so der Sprecher des Gerichts. Die Kammer wird mit drei Berufs- und zwei Laienrichtern besetzt sein.

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