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Das Wettern der Woche

"O tempora, o mores!"

Das Wettern der Woche: "O tempora, o mores!"
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Jesus – Sie erinnern sich? – wurde primär Wegen politischem Aufruhr zum Tode verurteilt, ein Ziel, das die Ostermärsche durchaus teilen. Gewaltfrei, versteht sich. Die Osterbotschaft aus Rom (auch sie gilt ja eine ganze Weile) stößt dieses Jahr vielen Kriegsverbrechern bitter auf, ja, stößt sie vor den Kopf, auch den kleineren wie uns.

Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog! Nicht mit dem Willen, den anderen zu beherrschen, sondern ihm zu begegnen. Wir sind gerade dabei, uns an die Gewalt zu gewöhnen, wir finden uns damit ab und werden gleichgültig. Gleichgültig gegenüber dem Tod Tausender Menschen. Gleichgültig gegenüber den Folgen von Hass und Spaltung, die die Konflikte nach sich ziehen. Gleichgültig gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die sie verursachen und die wir alle spüren. Es gibt eine immer ausgeprägtere "Globalisierung der Gleichgültigkeit". Wir alle fürchten uns vor dem Tod. Aus Angst wenden wir uns ab; wir ziehen es vor, nicht hinzuschauen. Wir dürfen nicht länger gleichgültig bleiben! Lassen wir alle Streitlust, jeden Wunsch nach Dominanz und Macht hinter uns – so hab' ich meinen Leo verstanden. 

Nach den Osterbotschaften kommen die Andachten am 1. Mai. Freiheit, Gleichheit, Solidarität und so. Dazu gehört auch der weitverbreitete Irrglaube, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. "Da lachen ja die Hühner", ruft meine Omi Glimbzsch aus Zittau – und alle lachen mit. Ganz abgesehen davon, dass der gemeine Mensch zu viel Gleichheit gar nicht aushält.

Statt hurtig ins Wortgefecht zu gehen mit Freund oder Feind, zieht es der Verzagte vor, das Wochenende in seinem Garten zu verbringen, dort die Gräser zu zupfen und mit den Bäumen zu sprechen. Aber hört er da das Jammern von Mensch und Natur? "Wohlan, mein Volk, gehe in deine Kammern hinein und schließe deine Türen hinter dir zu! Verbirg dich einen kurzen Augenblick, bis das Zorngericht vorübergegangen ist." Jesaja 26, 20.
 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator beim Bürgerprojekt Die AnStifter. Alle Wettern-Videos gibt's hier zum Nachgucken.


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