Seine Schwester wird vom FBI als eine der zehn meistgesuchten Verbrecher:innen geführt: Ruja Ignatova, in Schramberg im Schwarzwald aufgewachsen, gründete 2013 die angebliche Kryptowährung OneCoin. Ein milliardenschwerer Schwindel im Schneeballsystem, auf den weltweit mindestens 3,5 Millionen Menschen hereinfielen. Konstantin Ignatov war nach dem Untertauchen seiner Schwester im Oktober 2017 das Gesicht von OneCoin. Er reiste um die Welt, nach Uganda, Basilien, Südostasien, und bewarb die angebliche Kryptowährung.
Doch 2017 hatten auch schon in mehreren Staaten Ermittlungen wegen des gigantischen Schwindels begonnen. Nach einem Treffen mit OneCoin-Vermarktern in Las Vegas wurde Ignatov im Februar 2019 am Flughafen von Los Angeles von Beamten der US-Polizeibehörde FBI verhaftet. Kurz darauf saß er im berüchtigten Gefängnis MCC in New York, dem Metropolitan Correctional Center.
In ebendiesen Knast steckten die New Yorker Justizbehörden am 6. Juli 2019 den Immobilien-Millionär und mutmaßlichen Mädchenhändler Jeffrey Epstein. Deshalb taucht Konstantin Ignatov in den drei Millionen bisher veröffentlichten Akten mehrfach auf. In einer Mail an Kontext schreibt er aber, er habe "nie was mit Epstein zu tun" gehabt. Das scheint auch zu stimmen. Und dennoch ist es interessant, in den Epstein-Files nach ihm zu forschen. Man erfährt etwas über den Knastalltag in jenem Sommer 2019 und über das amerikanische Justizsystem. Kontext hat sich mit Ignatov über seine "Verbindung" zu Epstein und den Dokumenten ausgetauscht.
Ignatovs Akten sollen Epsteins Anwälten helfen
In einer Mail vom 11. Juli 2019 schreibt ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin des Bezirksstaatsanwalts des südlichen Distrikts von New York: "P.S. wie von (Name geschwärzt) gewünscht, hat man das Protokoll der Kautionsanhörung von Konstantin Ignatova (sic!) erhalten und dem Epstein-Team zur Verfügung gestellt."
Weshalb interessieren sich Epsteins Anwälte für ein solches Protokoll? Ignatov schreibt dazu, Epstein sei ja kurz zuvor festgenommen worden. Die Epstein-Anwälte hätten sich "einen Haufen Dokumente zukommen lassen, in denen es um Anhörungen für Entlassung auf Kaution ging, bei denen die Staatsanwaltschaft 'Fluchtgefahr' angebracht hat".




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