"Gangster", "Verbrecher" – solche Ausdrücke sind immer wieder zu hören und auf Plakaten zu lesen beim Demozug, der am Montagvormittag zum Werk von Bosch Power Solutions in Waiblingen zieht. Im Fokus der Wut steht Stefan Hartung, der seit 2022 Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH ist und noch einige andere Posten bei Bosch hat, wie Gastautor Manfred G. Lieb in dieser Ausgabe aufzeigt. Dass er an diesem regnerischen Vormittag Zielscheibe vieler Demonstrant:innen ist, hat mit einer vor gut zwei Monaten bekannt gewordenen Entscheidung zu tun.
In Waiblingen produzieren 560 Frauen und Männer Kunststoff- und Verbindungstechnik, hauptsächlich Stecker für Verbrenner- und Elektromotoren. Seit 70 Jahren gibt es das Werk, doch das Boschmanagement will es 2028 schließen. Verkündet hat es dieses Ziel der Belegschaft im September. Begründung: Kosteneinsparung. "Wir kamen aus dem Urlaub, saßen da und waren komplett geschockt", sagt Theodora Zapron. Die 55-Jährige hat mit 19 hier im Werk angefangen zu arbeiten. In den 36 Jahren hat sie drei Kinder großgezogen, freut sich heute über vier Enkel. Bosch war ihre Sicherheit, dass das alles klappt: Familie gründen, sich mal was leisten können. "Wenn die hier dicht machen – was mache ich denn dann?"
Zapron ist mit ihrer Freundin Elisavet Douka gekommen. "Ich bin nicht beim Bosch, aber meine Oma hat hier jahrzehntelang gearbeitet", erzählt sie. "Und ganz viele aus meiner Familie und aus meinem Freundeskreis schaffen hier." Die beiden Frauen haben sich Schilder gebastelt, auf denen ein großes Foto des Boschmanagements zu sehen ist, vorne dran Stefan Hartung. Der Slogan dazu: "Jobkiller Bosch".
Die Frühschicht kommt geschlossen dazu
Das trifft die Stimmung der etwa 2.000 Demonstrat:innen ganz gut. Sie sind wütend, wollen sich wehren gegen die Schließung des Werkes. Boschler:innen aus anderen Standorten wie Gerlingen-Schillerhöhe, Leonberg, Hildesheim in Niedersachsen, Bamberg in Bayern oder Homburg im Saarland sind da, dazu Kolleg:innen von Mercedes und Siemens. Vor vier Wochen hatten der Waiblinger Betriebsrat, Vertrauensleute und die IG Metall beschlossen, den Unmut über das Vorgehen von Bosch auf die Straße zu bringen. 13.000 Arbeitsplätze will der Konzern in den nächsten Jahren in Deutschland vernichten, bereits beschlossen und mit Sozialplan ausgehandelt sind die Schließungen der Bosch Power Tools Werke in Leinfelden und in Sebnitz (Kontext berichtete hier und hier). Protestaktionen dort waren überschaubar, und so war die Spannung groß, wie viele wohl nach Waiblingen kommen würden.




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Kann es nicht einfach sein, dass Bosch in den letzten Jahren deutlich zu viel Speck angesetzt hat und künftig mit ein paar Powerpoint -Gesprächsgruppen weniger auskommen muss?
Kommentare anzeigenMichael
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