Die Erlöse aus dem Bierverkauf will die NPD "zu großen Teilen in die politische Arbeit" investieren. Foto: Joachim E. Röttgers

Die Erlöse aus dem Bierverkauf will die NPD "zu großen Teilen in die politische Arbeit" investieren. Foto: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 447
Wirtschaft

Bier für Braune

Von Anton Maegerle
Datum: 23.10.2019
Wenn nichts mehr geht, hilft Alkohol. Mit dem Verkauf von Bier der Marke "Polsterbräu" will der baden-württembergische NPD-Landesvorsitzende Janus Marian Nowak auch die politische Arbeit finanzieren.

"Traditionelles Bier aus Oberfranken, wie es seit 1858 gebraut wurde", verspricht die Reklame für die Biermarke "Polsterbräu" aus Waischenfeld (Landkreis Bayreuth). "Alte Rezepturen, handwerkliche Brauweise, ursprünglicher Biergeschmack. Das zeichnet unser Bier aus", so wirbt "Polsterbräu" auf ihrer Homepage. Vertrieben wird der Stoff im Onlineshop "Frankenbier". Hinter "Polsterbräu" steckt der baden-württembergische NPD-Landesvorsitzende Janus Marian Nowak in Nufringen (Landkreis Böblingen) bei Herrenberg. Der 1978 in Polen geborene Rechte ist unter anderem rechtskräftig wegen Volksverhetzung und Wahlfälschung in Tateinheit mit Urkundenfälschung verurteilt.

Mit der Wiederbelebung der oberfränkischen Biermarke "Polsterbräu" gelang Nowak ein "Husarenstück", so das NPD-Parteisprachrohr "Deutsche Stimme" im September 2018. Wenige Monate zuvor hatte Nowak, Eigenangaben zufolge Internetunternehmer, das Braurecht und die Biermarke "Polsterbräu" von dem Vorbesitzer erworben. Der Kaufpreis lag bei 155 000 Euro, inklusive aller Kosten, auch denen für die Rezepturen, so der "Nordbayerische Kurier".

Den zur Biermarke gehörenden leerstehenden Brauereigasthof samt Inventar kaufte zum Jahresbeginn 2018 die örtliche bayerische Gemeinde Waischenfeld. Sie zahlte 135 000 Euro, nachdem bekannt geworden war, dass Nowak neben dem Braurecht auch das Objekt erwerben wolle. Die Stadtvorderen befürchteten, dass er die Gaststätte zu einem politischen Schulungsort umfunktionieren könnte. Man blicke dazu auch auf die Zollernalb. Ob er tatsächlich in der Lage gewesen wäre, die Kaufsumme für das Traditionslokal aufzubringen, erscheint jedoch zweifelhaft. Das Lokal ist bis heute geschlossen.

Passender Stoff für Parteifeste

Der Erlös vom Verkauf der "oberfränkischen Bierspezialitäten" fließt Angaben von Nowak zufolge "zu großen Teilen in die politische Arbeit". Stolz gab er im Herbst 2018 in der "Deutschen Stimme" kund, dass er sein Bier "bereits auf diversen Sommerfesten der Partei" verkauft hat. Ausgeschenkt wurde "Polsterbräu" beim Sommerfest 2018 der Berliner NPD, das in der Köpenicker Parteizentrale gefeiert wurde. Ebenso bei der traditionellen Sommersonnwendfeier 2018 der NPD Baden-Württemberg, die im Rhein-Neckar-Raum stattfand. Das kulturelle Rahmenprogramm der braunen Feierlichkeiten wurde von der ehemaligen "Wiking-Jugend" (WJ)-Aktivistin Edda Schmidt aus Bisingen (Zollernalbkreis) gestaltet, welche Lieder und Feuersprüche auswählte.

So präsentiert sich Nowak auf Instagram.

Ein weiteres Standbein des Verkaufs von "Polsterbräu" soll der Verkauf im "polnisch verwalteten Schlesien" bilden, um so "wieder einen Fuß auf den Boden unserer Heimat im Osten zu bekommen", so Nowak in der "Deutschen Stimme".

Nowak führt die NPD in Baden-Württemberg seit dem 51. ordentlichen Landesparteitag im Juni 2016. Nach seiner Wahl betonte der neue Chef, der damals zugleich Kreisrat seiner Partei in Böblingen war: "Lasst uns allen Widrigkeiten und Wahltrends zum Trotz eine sympathische, zielorientierte Nationalpartei sein und allen Deutschen in Baden-Württemberg, die ihre Kinder nicht einer gleichgültigen multikulturellen Gesellschaft überlassen wollen, eine authentische politische Heimat geben."

Schärfere Worte hatte Nowak auf dem NPD-Landesparteitag im August 2010 gefunden. In seiner Rede machte der Rechtsextremist deutlich, dass er die Integration von Menschen ethnisch und kulturell fremder Herkunft für ein Verbrechen am deutschen Volk hält: "Wir fördern keine Integrationsmaßnahme. Die einzige Integrationsmaßnahme, die wir fördern, ist der Kauf einer Fahrkarte und hoffentlich wird Stuttgart 21 bald fertig, damit der Orientexpress, der durch Stuttgart fährt, auch zügig wieder abfahren kann".

Und weiter: "Was bringt es uns aber, wenn dann diese 90 Prozent sogenannter Migrantenkinder alle in einem rudimentären Deutsch auf dem Schulhof sprechen. Sie bleiben trotzdem Fremdkörper. Sie bleiben trotzdem Ausländer, egal ob sie jetzt einen deutschen Pass haben oder nicht, egal ob sie jetzt ein Kopftuch tragen, ob sie Döner essen oder nicht. Das ist völlig wurscht, sie bleiben trotzdem Fremdkörper. Die sogenannte Ausländerintegration, das ist der größte Schwachsinn, den es geben kann." Die hetzerische Rede von Nowak diente dem Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht 2010 als ein Beleg für "Rassismus/Fremdenfeindlichkeit" der NPD.

Rechtsextremist mit bewegter Vergangenheit

Nowak kam 1987 im Alter von neun Jahren mit seinen Eltern aus dem oberschlesischen Strzelce Opolskie, einer Kreisstadt in der Woiwodschaft Opole, nach Sigmaringen. Nach seiner Ausbildung zum Stahlbetonbauer schloss er sich 1994 als 16-Jähriger der NPD an und war ab 1998 als Sachbearbeiter in der NPD-Geschäftsstelle in Stuttgart tätig. Im April 2000 übernahm er die Stelle des NPD-Landesgeschäftsführers. Diesen Job gab er im Dezember 2001 auf. Grund: Kurzzeitig war er bei der NPD unten durch, weil er Mitgliedsbeiträge verspätet weitergeleitet hatte. Das parteiinterne Gericht verhängte ein Jahr Ämtersperre.

Nicht geschadet hat Nowak die Tatsache, dass während seiner Geschäftsführung bei der NPD Unterschriften gefälscht wurden, um zur Wahl zugelassen zu werden. Dafür wurde Nowak 2004 vom Landgericht Hechingen zwar mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr zur Bewährung belegt. Ende 2004, mit der Gründung des NPD-Regionalverbandes Böblingen-Stuttgart-Ludwigsburg, war der rechtskräftig Verurteilte aber wieder für seine Partei da. 2009 schaffte er in Böblingen den Einzug in den Kreistag.

Nowak ist namentlich im NPD-Verbotsantrag des Bundesrates 2013 aufgeführt; er habe demnach jüdischen Insassen eines Konzentrationslagers den Status von "Kriegsgefangenen" zugewiesen und damit ein gerechtfertigtes Vorgehen des NS-Regimes gegen diese Opfergruppe insinuiert. Dafür wurde Nowak vom Böblinger Amtsgericht wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Das Geschäftsmodell Alkohol ist bei der NPD nicht neu

Die Idee, mittels Verkauf von Alkohol an trinkfreudige Kameraden sowohl die eigene Tasche zu füllen als auch Geld in die braune Bewegung zu stecken, ist nicht neu. 2009 konnten durstige Kameraden beim "W & B Versand" (Witwe Bolte Versand) des NPD-Bundesvorstandsmitglieds und Neonazis Thorsten Heise im thüringischen Fretterode Wein zur Sanierung von NS-Gedenkstätten erwerben. "Der Leibstandarte edelster Tropfen" soll gegenüber der Loreley gediehen sein. Mit dem Weinkauf, so der mehrfach vorbestrafte und knasterfahrene Neonazi Heise, unterstütze man "die Pflege und den Erhalt des Denkmals, des 1. SS-Panzer-Korps und anderer militärischer Gedenkstätten, welche in dieser bittersten Zeit der Erniedrigung unseres deutschen Vaterlandes, sonst dem Verfall anheimfielen".

Das 1971 in der rheinland-pfälzischen Taunusgemeinde Marienfels von ehemaligen Waffen-SS-Kameraden errichtete Denkmal, das an 20 000 Gefallene und Vermisste der 1. und 12. Panzerdivision der Waffen-SS erinnert, wurde 2004 durch Unbekannte attackiert und 2006 auf dem Privatgelände von Heise in Fretterode wieder neu aufgebaut. Der NS-Gedenkstätten-Wein in der Preisklasse zwischen 15 und 33 Euro konnte in Holzweinkisten bei Heise bestellt werden. Insidern zufolge hatte er 13 000 Flaschen Billigwein auf 26 Paletten zu einem Spottpreis gekauft. Mit dem Fusel, von ihm kurzerhand mit braunem Firlefanz zum NS-Gedenkstätten-Wein "veredelt", wollte sich Heise ein Zubrot verdienen.


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