Studentinnen in Ramallah. Foto: Axsos AG

Ausgabe 314
Überm Kesselrand

Vom Leben vor dem Tod

Von Johanna Henkel-Waidhofer
Datum: 05.04.2017
Es gibt derart viele neue Krisenherde auf der Welt, dass die alten aus dem Blick geraten. Israelis und Palästinenser stehen sich so feindlich gegenüber wie seit Jahrzehnten nicht. Die Lunte brennt lichterloh. Trotzdem kämpfen Optimisten unverdrossen um Ausgleich und Mäßigung. Auch mit baden-württembergischer Hilfe.

Frank Müller ist Chef des IT-Dienstleisters Axsos, der Niederlassungen in Stuttgart, Solingen und in Ramallah unterhält. Ramallah? An die verdutzte Rückfrage ist er längst gewöhnt. Mit fünf Mitarbeitern hat er 2011 in der Westbank begonnen, bis 2030 sollen es zwischen 500 und 1000 sein. Der 48-Jährige glaubt an eine Zukunft trotz Sperranlagen und Repressalien. Israelis üben hier die volle zivile und militärische Kontrolle aus, und ihr Verständnis davon ist oft genug inakzeptabel. "Ich bin pro Frieden", sagt er, "aber gerade wir Deutsche tun gut daran, beide Seiten zu sehen und zu moderieren." Wichtig sei, "dass die junge Generation Palästinas ihr Leben nicht mit Steinewerfen verschwendet". Weil er aber weiß, wie eingeschränkt die Möglichkeiten der arabischen Beschäftigten unter israelischer Besatzung sind, wurden Heimarbeitsplätze eingerichtet, der immer wieder verhängten Ausgangssperren wegen.

Ende März hatten Müller und sein Aufsichtsratschef Rolf Stephan Besuch. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wollte nicht nur in Tel Aviv, sondern auch in der Westbank einen Einblick in die Start-up-Szene bekommen. Auch hier studieren junge Frauen schneller und machen die besseren Abschlüsse. Axsos hat deutsch-arabische Projektteams eingeführt. Kulturelle Vielfalt wird als besonders produktiv gerühmt und befördert. So hängen in den Räumlichkeiten in Ramallah ausschließlich Bilder deutscher Sehenswürdigkeiten an den Wänden, in Stuttgart nur solche aus dem Nahen Osten. In Deutschland seien im IT-Bereich zwischen 30 000 und 50 000 Stellen unbesetzt, weiß Müller, der in den Neunzigern Angestellter beim Evangelischen Jugendwerk Baden-Württemberg und zur Aufbauarbeit in Palästina war. Hier treffe er auf Gastfreundschaft, auf Zugewandtheit, auf die vielen Vorzüge der arabischen Welt. In seinem unternehmerischen Engagement sieht er "einen Beitrag zum Frieden im Heiligen Land". Es würden Brücken gebaut und soziale Marktwirtschaft exportiert, lobt Winfried Kretschmann. Der Blick aus dem Fenster neben ihm ist dennoch ernüchternd trist. Auf dieser Seite der Mauer, die Israel gegen den Terror schützen und im Endausbau rund tausend Kilometer lang sein soll, funktioniert nicht einmal die Müllabfuhr.

"Wir weigern uns zu hassen"

Keine 50 Kilometer weiter südlich funktioniert noch viel weniger. Daoud Nassar streitet seit 1991 um das Land, das sein Großvater vor hundert Jahren und mit Dokumenten lückenlos belegbar gekauft hat. Einen "Außenposten der Hoffnung" nennt er seine 42 Hektar. Dabei darf er, weil es die israelischen Behörden nicht wollen, nicht bauen, es gibt kein Wasser- und keine Stromleitung, dafür Zisternen und die Sonne. Geschlafen, diskutiert, gelebt und gelacht wird in Höhlen und Zelten. "Wir weigern uns zu hassen", steht auf Stein gemalt am Eingang zur Begegnungsstätte, "wir weigern uns, Feinde zu sein." Die Familie, die bisher 180 000 Dollar in die gerichtlichen Auseinandersetzungen gesteckt hat, ist jederzeit auf das Anrücken der Bulldozer gefasst. Einmal wurde, wenige Tage bevor die Aprikosen reif waren, die gesamte Ernte samt den Bäumen zerstört. Direkt gegenüber, jenseits einer schmalen Senke, entsteht gerade eine große Schule für die Kinder jüdischer Siedler. Nassar ist Betriebswirt mit österreichischem Abitur und bestem Deutsch. Er weiß, dass wenn das so weitergeht mit dem Bauen, ihr Besitz irgendwann von Siedlungen eingekreist sein wird und damit vom Umland abgeschnitten.

"Wenn du als Soldat einen Schritt in die besetzten Gebiete machst, dann ist das, als ob du deine Moral in den Reißwolf wirfst – nach einer Minute ist nichts mehr davon übrig", schreibt Jehuda Schaul. Früher diente er in Israels Armee, später hat er die Organisation "Breaking the Silence" (Schweigen brechen) gegründet, auf Hebräisch "Schowrim Schtika". 146 Augenzeugenberichte versammelt das inzwischen auch auf Deutsch erschienene gleichnamige Buch. "Die jungen Männer und Frauen", heißt es im Vorwort von Avi Primor, einst Botschafter in Bonn, "wollen niemand verleumden, sie wiederholen keinen Tratsch und Klatsch, sie verbreiten keine Gerüchte, sondern sie erzählen das, was sie selbst gesehen haben oder sogar was sie selber getan haben". 

Schon der Blick ins Inhaltsverzeichnis offenbart die grausame Wirklichkeit. "Ihre Gliedmaßen waren auf der Mauer verschmiert" heißt ein Kapitel; "Mir war nicht bewusst, dass es Straßen nur für Juden gibt" ein anderes. Soldaten beschreiben ihren Auftrag mit "Stören und belästigen", Krankenwagen aufzuhalten, in einer "Art totaler Willkür" vorzugehen. Ein Palästinenser muss – Luftlinie keine 20 Kilometer von Yad Vashem entfernt – einen Kontrollpunkt nutzen. "Was ist das sonst", fragt ein Fallschirmjäger, "wenn nicht ein Ghetto?"

Eine Zwei-Staaten-Lösung ist schwer vorstellbar

Unter den Gästen aus Baden-Württemberg, die von Jerusalem aus auf erzwungenen Umwegen zu Axsos nach Ramallah fahren, die in der Frühsommerhitze den 30-minütigen Fußweg zum "Tent of Nations" zurücklegen müssen, weil die Straße von den Besatzern mit einem großen Felsblock unpassierbar gemacht wurde, kann sich niemand mehr vorstellen, wie eine Zwei-Staaten-Lösung, ein friedliches Nebeneinander aussehen könnte. Müller und Nassar eint ihre beeindruckende, an Realitätsverweigerung grenzende Zuversicht. Im nächsten Jahr, erinnert der Unternehmer, jähre sich die israelische Besatzung der Westbank zum 70. Mal – mit all den damit verbundenen Einschränkungen. Das habe "in den Köpfen der Menschen ein Opferbewusstsein hinterlassen", das aufgebrochen werden muss. Er wolle den jungen Menschen in Palästina vermitteln: "Ihr habt einen Gestaltungsspielraum, ihr könnt das Land verändern, damit vielleicht irgendwann einmal eine Augenhöhe zwischen Israel und Palästina entsteht."

Im "Tent of Nations" werden Kinderfreizeiten veranstaltet oder Frauentreffen, aus Europa kommen Jugendliche zum Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahr oder für ein paar Monate. Gerade arbeitet eine Studentin aus Dortmund auf dem kargen Land. Freunde haben sie dazu animiert und sie selbst will andere überzeugen, es ihr gleichzutun. Viele junge Palästinenser, sagt Mitri Raheb, ein evangelischer Pfarrer und zugleich Hochschulpräsident in Betlehem, seien sehr religiös, "sie glauben an ein Leben nach dem Tod, nur nicht mehr an ein Leben davor". Die Botschaft brennt sich ein. Winfried Kretschmann, der zweimal 30 000 Euro aus Landesmitteln für die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach mitgebracht hat, bekennt später, diesen Satz werde er nicht mehr vergessen.

Die Region war schon weiter, viel weiter. Vor inzwischen fast 25 Jahren wurde in Washington jener Grundlagenvertrag unterzeichnet, der als Meilenstein auf dem Weg zum Frieden galt. Im November 1995 wurde einer der Väter, Ministerpräsident Yitzak Rabin, von einem rechtsnationalen jüdischen Studenten erschossen. Wenig später kam der rechtskonservative Benjamin Netanjahu an die Macht und wurde, mit Unterbrechungen, bis heute wieder gewählt, zuletzt 2015. Gegenwärtig laufen Ermittlungen gegen den inzwischen 67-Jährigen wegen Vorteilsnahme. Das Land rückt immer weiter nach rechts, die Gruppe der orthodoxen Juden, die ihr ganzes Leben vom Staat alimentiert werden, nicht arbeiten und nicht zum Militär müssen, die aber stramm nationalistisch wählen, wird immer größer. Just als die baden-württembergische Delegation im Land war, genehmigt die Regierung erstmals seit den Friedensverhandlungen der Neunziger Jahre neue Siedlungen im Vornhinein, statt wie bisher illegalen Bauten nachträglich ihren Segen zu geben. Für die Familie Nassar und ihre Nachbarn ändert sich kaum etwas. Sie arbeiten weiter hart, zum Beispiel am und im Kräutergarten gegenüber der neue Schule, mit seinen von Hand geschichteten steinernen Mauern, dem Thymian und dem Rosmarin. Der unbeugsame Palästinenser will möglichst viele Nachbarn dazu bringen, nicht aufzugeben, ihren Grund und Boden weiterhin auch ohne Wasserleitungen urbar zu machen. Denn wenn drei Jahre nichts wächst, so will es das Recht der Stärkeren, fällt das Land unwiederbringlich an Israel.

Thymian pflücken verboten – reine Schikane

Apropos Thymian: Neben dem Stacheldraht, den Checkpoints, den Straßen- oder Ausgangssperren bestimmen große Kleinigkeiten das Leben in der Westbank. Eben erst wurde wilder Thymian auf die Liste jener Pflanzen gesetzt, die am Wegesrand nicht mehr gepflückt werden dürfen. Die Besatzer wollen es so. Warum? Weil sie wissen, dass Thymian Hauptzutat für Zatar ist, die traditionelle Gewürzmischung, die jede palästinensische Familie nach eigenem Rezept fertigt. Frank Müller bloggt und kocht und entwickelt Rezepte. In dem Onlineshop, den Axsos unterhält und dessen Einnahmen vollständig an Einrichtungen zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen fließen, gibt es Zatar-Spätzle aus Dinkelgries zu kaufen. Produziert werden sie von der Nudelmanufaktur Schaut aus Andelfingen am Fuße der Schwäbischen Alb. Nein, er sei kein Sozialromantiker, sagt der Firmenchef. Er kämpft an gegen Widerstände, gegen Ohnmacht und Verzweiflung.

Irgendwann in diesen Stunden wird am Damaskustor in Jerusalem eine junge Frau erschossen, die ein Messer gezückt hatte. Vielleicht redet einer der Polizisten, die an dieser Aktion beteiligt werden, auch einmal. Dann würde er sich heftiger Kritik ausgesetzt sehen, in seinem Freundeskreis, in vielen Medien, sogar Schikanen der Behörden. Wie jene 146 Zeitzeugen, die in "Schowim Schtrika" ihr Schweigen brachen. "Oft werden sie als Vaterlandverräter beschimpft", beklagt Avi Primor und stellt der Mehrheit seiner Landsleute ein unschönes Zeugnis aus: "Die schaut weg und steckt den Kopf in den Sand."

Menschen wie Nassar und Müller wollen sich damit nicht abfinden. Der eine ringt weiter unermüdlich um seine Olivenernte, um den ersten Wein, den Kretschmann überreicht bekommt, um Aprikosen- oder Feigenmarmelade, um den internationalen Austausch, um weitere Besucher und Helfer aus Baden-Württemberg und um sein Recht vor dem Höchstgerichthof. Der andere will eine Niederlassung auf der anderen Seite der Sperranlagen eröffnen, plant jüdische Israelis einzustellen. Und er malt sich aus, wie seine Beschäftigten aus Ramallah 25 Kilometer nach Süden fahren, um zum ersten Mal in ihrem Leben Jerusalem einen Besuch abzustatten. Den Antrag darauf hat die Militärverwaltung abgelehnt. Also wird Müller noch einen stellen. Und noch einen und noch einen ...


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

8 Kommentare verfügbar

  • S. Holem
    am 09.05.2017
    Wenn "Schon der Blick ins Inhaltsverzeichnis (...) die grausame Wirklichkeit (...)" offenbart (s.o.), die auf anonymen Aussagen basiert, sollte ein anderer Teil dieser Wirklichkeit nicht unbeachtet bleiben: Die Soldaten der Einheit, die mit dem derzeitigen Sprecher von "Breaking the Silence" zusammen gedient haben, bezeichnen diesen unter Nennung ihrer vollen Namen öffentlich als "Lügner:"
    Artikel: https://www.algemeiner.com/2017/05/08/youre-a-liar-israeli-soldiers-tell-breaking-the-silence-activist-in-hard-hitting-new-video/
    Youtube-Video dieser Gruppe: https://www.youtube.com/watch?v=V-syYv60Vf4
    Warum bleiben solche Dinge in KONTEXT unbeachtet?
    • Andromeda Müller
      am 03.06.2017
      Weil sie üble Propaganda sind ; wir kennen das aus der deutschen Geschichte und Sie , sehr geehrter Herr "Holem" werden dies bestimmt auch wissen : Der Mythos der sauberen Wehrmacht wurde nach "erst" 40 Jahren durch die "Wehrmachtsausstellung" ad absurdum geführt. Was gab es da für Proteste .

      Schauen Sie doch ganz aktuell die israelische Dokumentation "Censored Voices"!
      Mit dem z.Zt. berühmtesten israelischen Schriftsteller Amos Oz als einer der soldatischen Zeitzeugen des 6-Tage-Krieges , unter mehreren, an.
      Lesen Sie das v.a.auf in den 80ern veröffentlichte Dokumente der israelischen Armee basierende Buch "Die ethnische Säuberung Palästinas" des israelischen Historikers Ilan Pappe. Das ist der Stand der israelischen Geschichtsforschung , auch bei seinen israelischen Kollegen !
      Lesen Sie "Krieg ohne Fronten" von Bernd Greiner (Vietnamkrieg) oder "Soldaten"
      von Sönke Neitzel und Harald Welzer (Deutsche Soldaten im 2.WK).

      Soldaten verüben immer Verbrechen aus Gründen der Indoktrination , der Gruppendynamik , eines Bedrohungsszenarios jedweder Art , real oder "antizipiert".
      Sind israelische Soldaten denn "Übermenschen" und können sich dem entziehen ("Palestine in Israeli School Books - Ideology and Propaganda in Education" von Nurit Peled-Elhanan/Co-Preisträgerin des Sacharow-Menschenrechtspreis 2001 des europäischen Parlaments) ?
      Und sind etwa extra ausgesuchte, 100% ige Zionisten glaubwürdigere Zeugen , wenn es um Vergehen/Verbrechen israelischer Soldaten geht ?
      Erinnert das nicht an den Mythos der Sauberen"Wehrmacht" , der von wem aufrecht gehalten wurde ?

      Soldaten wie dem Mörder Elor Azaria , der einen Bewußtlosen durch Kopfschuß en passant killt und dann von der "freiheitlichen" israelischen Gesellschaft als Held gefeiert wird ? Im Übrigen gefilmt von einer von B´tselem zur Verfügung gestellten Kamera ; B´tselem wird ja genauso wie Breaking the Silence und alle anderen Menschenrechtsorganisationen , angegriffen und diffamiert . Der Filmende wird in Folge ebenso mit Mord bedroht , wie auch der israelische Autor Flo Osrainik nebst seinen zionistischen Eltern/Großeltern.

      Nun kommen Sie mit dieser Propaganda-Quelle , die "Breaking the Silence" diskreditieren soll.
      Wenn es die einzige Organisation wäre von "selbsthassenden Juden" (eine zionistische Erklärung), wie Sie vielleicht annehmen werden . Aber nein : unter NGO-Monitor , einer dumpf- nationalistisch pro-zionistischen , von Israel indirekt finanzierter Homepage können Sie massenweise internationale , palästinensische und vor allem israelischen Menschenrechtsorganisationen finden ( die dort kategorisiert und diffamiert werden) , deren Zeugenberichte exakt die gleiche Sprache sprechen .
      Was bezwecken Sie mit ihrem Kommentar ? Sollen Blutvergießen und Unterdrückung unbemerkt "whitewashed" weitergehen ? Soll so ein rein jüdisches Groß-Israel entstehen ? Das entspricht in keinster Weise geschätzter jüdischer Ethik und damit machen Sie Israel auch keinen Gefallen.
  • andromeda
    am 17.04.2017
    @jtf

    sehr geehrte/r Mitmensch/in ,

    ich bitte Sie von solchen ideologischen Kpommentaren
    abzusehen und stattdessen Menschenrechte , internationales Recht und den kategorischen Imperativ in ihrem Denken voranzustellen.

    Wären die Verhältnisse in Israel/Palästina gerade umgekehrt würde ich mich selbstverständlich für die Israelis einsetzen .
    Ich habe aber glücklicherweise noch nie einen palästinensischen Checkpoint für Israelis gesehen , an denen diese wie Vogelfreie behandelt werden , jedoch :

    https://machsomwatch.org/en/content/home-page

    eine israelische Frauen-Menschenrechtsorganisation , die unzählige (jüdisch-israelische!) Zeugenberichte von Checkpoints
    dokumentiert , bzw. die Checkpoints für Palästinenser durch ihre Anwesenheit erträglicher zu machen sucht ,.... Fingernagel
    Problematiken werden hier nicht thematisiert .

    oder den israelischen Dokumentarfilm "Checkpoint"
    https://www.youtube.com/watch?v=3GSMosXlL2E
    ab 1:10:07 ein "nettes Interview mit einem Grenzsoldaten
    Zitat ab 1:10:21 "Wir sind Menschen , sie Tiere.Sie sind keine Menschen - wir schon."..."Soll er filmen , mir egal was die Leute denken"

    Es gibt de facto keinerlei palästinensische Checkpoints für Israelis.

    Laut (jüdisch-israelischem) Zeugnis ist es Israelis jedoch bei Strafe/Bußgeld verboten in die A-Zonen Palästinas/des Westjordanlandzu fahren .
    (In die B-und C-Zonen auf rein "jüdischen"Straßen ist dies erlaubt).
    Sie würden von israelischen Militärposten gehindert , z.B. nach Ramallah , hineinzufahren .
    Nein , die Ordnungskräfte der "Autonomie-Verwaltung"hindern keinen Israeli daran zu kommen .
    Und , nein , es ist auch nicht gefährlich dies zu tun . Dies lt.hier in D lebenden Israelis.

    Und : Fingernägel werden überall lackiert , auch im Iran und Saudi-Arabien . Inwiefern dies öffentlich möglich ist , ist je nach Situation unterschiedlich.
    Das eine Frau dann sofort mindestens ausgepeitscht wird ist je nach Situation gut möglich , hier jedoch wohl eher Ablenkungs-Propaganda in Ermangelung vernünftiger Argumente und totalitären Denkens .

    Eine Idee zur Herkunft dieses Denkens gibt das Buch der israelischen Autorin und Dozentin an der pädagogischen Fakultät der Hebrew University Jerusalem Nurit Peled-Elhanan :"Palestine in israeli School Books - Ideology and Propaganda in Education".

    Sie ist übrigens 2002 vom Europäischen Parlament u.anderen mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte bedacht worden.
    Ihr Bruder ist der bekannte und couragierte Israelkritiker Miko Peled ("The General`s Son"-Vorträge auch auf youtube zu finden).

    Auch das Buch des israelischen Historikers Shlomo Sand
    (Prof. der Geschichte an der Universität Tel Aviv): "Eine israelische Perspektive - Warum ich aufhöre Jude zu sein"

    klärt auf über die totalitäre , nationalistische und unbarmherzige Ideologie des "Nation-Building" für ein Groß-Israel.

    Leider , so muß man eingestehen , ist der Mensch nicht lernfähig.
    Traurig wegen all die Opfer , aufbringend wegen all dem gezielten "Whitewashing", v.a. auch in Deutschland.

    Gerade auch bei uns in Deutschland werden deutsche , amerikanische und israelische Juden , die nicht Anhänger des nationalistisch-totalitären Zionismus sind , vor öffentlichen Auftritten diffamiert und beleidigt und ihre Veranstaltungen im Sinne eines unseligen Nationalismus bekämpft und auch abgesagt.

    Siehe die israelische Künstlerin und Deutsche Nirit Sommerfeld oder die Israelin und Deutsche Judith Bernstein

    http://niritsommerfeld.com/

    www.bib-jetzt.de
    unter Beirat nach Gründungsmitglieder eine eindrucksvolle Vta nach der anderen
  • andromeda
    am 16.04.2017
    @jtf
    kein Kommentar zum Beitrag aber zu lackierten Fingernägeln
    als Beweis wie toll Israel für die 3 Frauen sei ?

    Weltfremdheit oder chauvinistisch-nationalistische Ideologie ?

    1. werden in Israel die palästinensischen Israelis mit an die 50 Gesetzen diskriminiert ; z.B. wird ihnen der Erwerb von Grund und Boden unmöglich gemacht bzw.
    sie können keinen Partner aus den besetzten Gebieten oder aus dem Ausland heiraten und zuziehen lassen :

    https://www.adalah.org/en/law/index (eine paläst.Quelle)

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Ein-Rechtsstaat-der-Menschenrechte-missachtet/story/23035748
    (eine jüdisch-israelische Soziologin , gleicher Befund)

    Erinnert sich der Leser an den Palästinenser , der monatelang gegen diese Praxis in Berlin im Freien mit Hungerstreik protestiert hat ?

    Wie würden Sie eine solche radikale staatliche Praxis in Deutschland bezeichnen?
    z.B. wenn ein deutscher Staatsbürger und Jude keinen nicht-deutschen Juden heiraten und zuziehen lassen darf , dieser nicht einmal zu Besuch in das Land gelassen würde ?

    https://gfbvberlin.wordpress.com/2010/08/19/hungerstreik-vor-israelischer-botschaft-in-berlin/

    http://www.tagesspiegel.de/palaestinenser-kaempft-fuer-seine-tochter-hungerstreik-im-villenviertel/1911346.html

    Hochzeitsfeier unter Polizeischutz vor rechtsradikalen Israelis :
    http://www.taz.de/!5035252/

    Auch hier geht es um mehr als die Freiheit die Farbe seiner Fingernägel selbst wählen zu können :

    http://www.berliner-zeitung.de/sport/palaestinenser-demonstrieren-mit-einem-marathon-durch-bethlehem-23817106

    Im Übrigen lohnt die Lektüre von Charlotte Wiedemann : "Ihr wisst nichts über uns " , z. B. daß 60 % aller Studierenden in Saudi-Arabien weiblich sind uvm.

    Und wie sieht es in den besetzten Gebieten aus , d. h. unter Militärdiktatur seit 50 Jahren ?
    Warum nicht einmal eine palästinensische Quelle, schließlich sind wir doch nicht rassistisch , - und all das wird von Amnesty International bis medico International , von eappi bis UNO , von Breaking the Silence bis B´tselem , von machsomwatch bis zochrot.org ,und hundert Organisationen mehr in ihren Berichten mit Quellen/Zeugen (isr.Soldaten z.B.)
    ob israelischen oder palästinensischen oder internationalen
    bestätigt:

    http://palaestina.org/index.php?id=160&tx_ttnews%5Btt_news%5D=660&cHash=d0ff1fb419f7861dd524e2a4e5f8b33c

    Aber die Fingernägel , die sind noch immer sehr wichtig , bitte nicht vergessen !

    2. Im Übrigen wird die Flucht in die Religion nicht trotz der Liebe - , sondern wegen der Unterdrückung durch Israel , sowie der Ignoranz der westlichen "freiheitlichen" Welt hinsichtlich der Freiheit anderer , befördert.

    3. Wer etwas über die Lebenssituation dort erfahren will , anstatt über lackierte Fingernägel :

    Arte-Dokumentation mit Clemens Messerschmied ab 22:00
    "Milliarden für den Stillstand":
    https://www.youtube.com/watch?v=3Q7piBiWENk

    Und sein Vortrag im Herbst 2016 in Bonn. Aber Achtung ,
    schlimmer geht immer , einschließlich deutscher Entwicklungshilfe !
    https://www.youtube.com/watch?v=HQPRLRL_1Qc

    Tut mir leid , aber danach kann man die "Fingernägel" politisch nur als fakenews einordnen und bei denen einem übel wird wenn man dies zum Abschluß einmal anschaut :

    https://www.youtube.com/watch?v=PXdd2fGzxZY
  • jtf
    am 12.04.2017
    Kein Kommentar zum Beitrag - stattdessen zum begleitenden Foto:

    Die junge Frau rechts auf dem Bild würde im Iran (schiitisch) oder in Saudi Arabien (sunnitisch) aufgrund ihrer "zur Schau getragenen" rot lackierten Fingernägel mindestens ausgepeitscht werden.

    In Israel dagegen könnte sie dagegen ihr Kopftuch abnehmen, ihr Haar zeigen und als selbstbewusste junge Frau unbehelligt auf der Strasse gehen.

    Ich weiß nicht, was sich diese junge Frau wünscht...
  • andromeda
    am 09.04.2017
    @Johanna Henkel-Waidhofer (und Herrn Frank Müller sowie Herrn Rolf Stephan)
    Vielen herzlichen Dank für ihren Mut dieses Tabu-Thema in Deutschland aufzugreifen !

    Dies ist überhaupt nicht selbstverständlich , denn egal ob ehemalige deutsche Kibbuzniks oder Pazifisten , ob jüdisch- deutsche , jüdisch –israelische oder jüdisch-amerikanische Kritiker , ob Holocaust – Überlebende,
    all diesen Kritikern der national-kolonialistischen Apartheid in Israel und Palästina , wird in unserer „Demokratie“ ihre Meinungsfreiheit von israelischen Nationalisten , zionistischen amerikanischen Neocons , Antideutschen , Antifa , Deutsch-Israelischer Gesellschaft (u.a.Volker Beck) uvm. aktiv bekämpft und beschnitten .

    Wodurch ?

    Durch einen totalitären und diffamierenden Shitstorm via Zeitungsartikeln, Anrufen und Schreiben , adressiert an opportunistische Entscheider in Verwaltungen von Städten, Universitäten und politischen Ämtern ,

    durch Hassmails und Drohungen/Bedrohungen bzgl.der beruflichen Existenz von Vermietern , Organisatoren und Referenten.

    Nur 3 Beispiele .

    Beispiel 1 :
    Die im Artikel erwähnte israelische Menschenrechtsorganisation „Breaking the Silence“ 2015 in Köln, http://www.breakingthesilence.org.il/
    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-06/breaking-the-silence-ausstellung-koeln-israel

    Oder Hedy Epstein 02/2016 in Wien , ein besonders abstoßender Fall , Beispiel 2 : Wer ist Hedy Epstein ?

    http://www.hedyepstein.com/
    http://www.silviacattori.net/article382.html
    http://www.rnhz.de/flyer/beitrag.php?id=22629
    http:////derstandard.at/2000032075539/Mehr-Nachdruck-gegen-Daemonisierung-Israels

    Ronnie Barkan 2015 in Oldenburg , Abraham Melzer 2016 in München , Nirit Sommerfeld 2016 in München als Rednerin vor einem Benefizkonzert
    http://niritsommerfeld.com/solidaritaet-gefordert-ich-werde-diffamiert/
    http://www.bib-jetzt.de
    Mitbegründer u.a. Rupert Neudeck (Cap Anamur/Grünhelme usw.),Bib-Blog Thema 14 Brief aus Gaza!

    Beispiel 4 ein mißlungener Versuch :
    Professor Rolf Verleger , ehemaliges Mitglied des Zentralrats der Juden Deutschlands , sollte nicht an der Uni Freiburg sprechen dürfen .
    Im Link ein Link zum Flugblatt dieser in Wirklichkeit Rechtsradikalen, die zur Verhinderung seines Vortrags aufrufen und in Replik Verlegers öffentlicher Brief/Antwort an das „Antisemitismusreferat“ der Uni Freiburg.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=35963 Sehr lesenswert .

    und viele Beispiele mehr (Oldenurg/Giessen/Heidelberg/München mehrfach/aktuell Frankfurt Kopi-Veranstaltung 50 Jahre israelische Besatzung mit u.a. den jüdischen Professoren Moshe Zuckermann , Illan Pappe sowie der Psychoanalytikerin Iris Hefets , usw.).

    Es geht nie um Antisemitismus , sondern um die Durchsetzung einer rechtsnationalen unbarmherzigen Ideologie , einem rein jüdischen Apartheidstaates mit allen physischen Mitteln (siehe Berichte von Amnesty International über HRW , B`tselem , machsomwatch , UN/ochaopt.org , eappi.org, icahd.org , breaking the silence , jews for justice/http://jfjfp.com/ , IPPNW , Pax Christi bis zochrot.org und Dutzende mehr bis in 3 stelliger Anzahl)
    dort ,

    und der Bekämpfung jeder anderen jüdischen Denkströmung (Prof. Shlomo Sand/Historiker Tel Aviv) und jedweder Kritik , die diesem totalitären Zionismus entgegensteht.

    Und dies mit allen Mitteln, wie z.B. dem Eingehen der unmöglichsten "Allianzen".
    (Siehe Artikel von Rene Wildangel in der Le Monde Diplomatique zu den Golan-Höhen und dem -cui bono ?- „Grenzverkehr“).

    Das , was Kretschmann , Müller und Stephan uvm. (Noam Chomsky , Stephen Hawking, Albert Einstein , Hannah Arendt , Stephane Hessel, Alfred Grosser, Hajo Mayer , Helmut Schmidt , Judith Butler , Naomi Klein ,Slavoij Zizek , Richard Seth , Norman Birnbaum , Daniel Barenboim , Amos Oz , Uri Avnery , Gideon Levy , Reuven Moskovitz , Fritz Stern , Richard Falk , Jimmy Carter , Norbert Blüm , Jürgen Todenhöfer , Michael Lüders, Udo Steinbach , Rupert Neudeck , Papst Franziskus , Ken Loach , Lilian Rosengarten , Norman Finkelstein ,Richard Kaufmann ,Edward Said , Henning Mankell , Felicitas Langer , Ignatz Bubis ,Heinz Galinski ,Miko Peled, Jeff Halper ,Avi Primor, uvm.) vorfinden und vorgefunden haben darf nicht weiter publik gemacht werden . Das ist totalitäres Denken.

    Danke nochmals , daß Sie den Mut zu diesem sachlichen und kritischen Artikel hatten , - auch Sie werden bereits Haßmails erhalten haben-, aber Sie finden sich von Chomsky bis Primor in bester aufgeklärter und humaner Gesellschaft .
  • Peterwmeisel
    am 08.04.2017
    Wenn es nicht so schrecklich dumm wäre, würde ich schweigen:
    29. November 1947: Die UN-Vollversammlung beschließt die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat sowie die Internationalisierung Jerusalems.

    Israel kann nur durch diese Teilung Palästinas entstehen!
    Wenn Israelis nicht einmal an ihren Mose (AT) glauben, dann glauben sie nicht einmal sich selbst. Es handelt sich schließlich um ihre Gesetzes Religion?
    Wir erleben mit Syrien, Libanon und jetzt wieder Palästina, dass Menschen-Rechte systemimmanent verletzt werden. Eine "präemptive Selbstverteidigung" auch wenn sie "Säule der Verteidigung" genannt wird, führt zu biblischer Rache. Das betrifft auch alle Nachfolger Abraham's Sohn Sem, die Semiten. Das sind alle, die in Palästina leben, Juden, Araber, Christen, etc. und eine semitische Sprache sprechen?
    Juden haben nach der zweiten Zerstörung des Tempels durch die Römer, 70 nach Christus, das SICARICON Gesetz festgeschrieben: Das verbietet die gewaltsame Annektion von fremden Grundstücken. Gilt das heute nicht mehr? Die UN verbietet so etwas immer noch!
    Unwahrhaftigkeit, Ungerechtigkeit und Gier führen zu Kriegen. Das steht in allen antiken Offenbarungen. Die ethnische Säuberung Palästinas seit 1948 sehe ich gemäß dem SICARICON Gesetz noch nicht gelöst. Dies wäre m.E. durch ein menschliches Miteinander und Verzeihung lösbar? Auge um Auge, Zahn um Zahn seit tausenden von Jahren, führt definitionsgemäss zu einer blinden und zahnlosen Weltgemeinschaft? Keines Falls hilft der Versuch mit Rache und Krieg!
    Günter Grass hat Alles gesagt, was gesagt werden muss. Ein Gedicht zum Fehlverhalten aller Beteiligten.
  • andromeda
    am 07.04.2017
    vielen herzlichen Dank an Frau Johanna Henkel-Waidhofer .

    Der Artikel beschreibt die Wirklichkeit , die nun schon für viele
    Palästinenser seit 50 , für andere bald 70 Jahre Realität ist.

    Ein Vortrag von Daoud Nazar geht unter die Haut . Es ist unvorstellbar mit welchem unerschütterlichem Lebensmut
    er und seine Großfamilie weitermachen , trotz Jahrzehnte voller
    Psychoterror , permanent drohender physischer Gewalt und repetetiver Zerstörung von Besitz .

    tentofnations.org
    http://www.tentofnations.org/about/dahers-vineyard-land-history/

    Das er keinerlei Baugenehmigungen für was auch immer erhält , -kein Anschluß an das Strom - und Wasser-/Enrwässerungsnetz-,
    dies ist ein Mittel zum Zweck der Vertreibung , hat er eine Solaranlage installiert für die ebenfalls ein Abrißbefehl erteilt wurde.

    Die einzige Möglichkeit die internationalen Helfer , - die einen gewissen Schutz vor gewalttätigen Übergriffen darstellen - , zu beherbegen ist der Ausbau von bestehenden Höhlen (!).

    Die einzige Zufahrtsstraße wird seit Jahren von großen Felsblöcken blockiert , so daß nichts unmittelbar an- und abgefahren werden kann.
    Der angesprochene Thora-Schulbau kennt solche Probleme selbstverständlich nicht.Hier werden radikale Religiöse zu Nachbarn , die alles Land als ihr genuines betrachten.

    Der Leser mache sich bewußt , daß Nazars Weinberg eine absolute Ausnahme darstellt , da er internationale Hilfe erhält , die es der Familie ermöglicht die horrenden Rechtskosten und Investitionen ,

    jetzt erneut juristisch angeordnete Vermessung des Besitzes, trotz ununterbrochener Besitztitel seit dem osmanischen Reich(!) incl.isr. Militärverwaltung von 1967 ,

    aufzubringen.

    Da traditionell normal keinerlei Besitztitel und "Grundbücher" , wie in den meisten indigenen Kulturen , existieren , erschliesst sich jedem wie es anderen Palästinensern ergeht/erging.

    Dazu die israelische Menschenrechtsorganisation: zochrot.org

    Und bezüglich des nahezu absoluten Bauverbots für Palästinenser in ihrem Land , im Gegensatz zu den selbstverständlich erteilten Baugenehmigungen für illegale Siedlungen, ist ein Besuch der
    Homepage der israelischen Menschenrechtsorganisation
    International Committee against Housedemolitions empfehlenswert : http://icahd.org/

    Mitbegründer Prof. Jeff Halper ist im Herbst auf Vortragstournee in Deutschland.

    Wer noch mehr über das Tabu-Thema totalitärer Zionismus wissen will siehe Leserbrief zu :
    https://www.kontextwochenzeitung.de/zeitgeschehen/311/sie-haben-uebrigens-verwandte-in-israel-4248.html

    Herrn Frank Müller zolle ich größten Respekt . Die Politik , gerade auch die deutsche , befördert diese Zustände bewußt.

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!