Ende Juli demonstrierten rund 2000 Menschen bei der Free-Palästina-Demo in Stuttgart gegen Israels Angriffe auf den Gazastreifen. Fotos: Martin Storz

Ausgabe 175
Überm Kesselrand

Judenhass und Israelkritik

Von Thomas Rothschild
Datum: 06.08.2014
Je mehr israelische Bomben auf den palästinensischen Gazastreifen fallen, um so lauter werden die Proteste dagegen. Kritik am Gaza-Krieg ist nicht antisemitisch, solange sie zwischen israelischer Staatspolitik und Juden differenziert, analysiert Gastautor Thomas Rothschild.

Die für Juden und hoffentlich auch für Nichtjuden unerfreuliche Nachricht zuerst: Bei Demonstrationen gegen die aktuelle israelische Offensive im Gazastreifen wurden in Deutschland Sprechchöre wie "Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein" skandiert, in Frankreich Synagogen mit Molotowcocktails angegriffen und Läden jüdischer Eigentümer geplündert. Die gute Nachricht danach: Vertreter aller Parteien und auch der Zentralrat der Muslime haben solche antisemitischen Ausschreitungen verurteilt. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek, erklärte ausdrücklich: "Wer Judenhass predigt oder meint, im Zuge des Gaza-Krieges Antisemitismus verbreiten zu müssen, hat in unserer Gemeinde nichts zu suchen."

Warnungen dieser Art deuten freilich darauf hin, was Normalität ist: Juden, wo sie auch leben, wie sie auch denken, was sie auch tun mögen, werden für die Politik Israels mitverantwortlich gemacht. Als die USA gegen Vietnam oder gegen den Irak Krieg führten, kam niemand auf die Idee, einzelne Amerikaner der Kriegshetze zu beschuldigen und anzugreifen, obwohl ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung die Aggressionen ihrer Regierung gebilligt hat. Als ein noch größerer Teil der Deutschen den Krieg Hitlers unterstützt hat und viele noch nach dem verlorenen Krieg Deserteure als Verräter betrachteten, hat man einzelne Deutsche im Ausland mit wenigen Ausnahmen trotzdem nicht unter Generalverdacht gestellt. Die Juden in der Diaspora sind noch nicht einmal israelische Staatsbürger. Viele von ihnen haben den Staat im Nahen Osten niemals besucht. Aber wenn dieser Staat tatsächlich hassenswerte Verbrechen begeht, werden sie in die Pflicht genommen – selbst wenn sie mit der israelischen Opposition, der Friedensbewegung sympathisieren wie die Vietnamkriegs- und Golfkriegsgegner mit der Opposition in den USA oder die Nazigegner mit den Widerstandskämpfern im Dritten Reich.

Diese Reaktion verleiht dem Verdacht des Antisemitismus eine gewisse Plausibilität. Wer vorgibt, Israels Politik zu kritisieren, und die Juden feige Schweine nennt, ist in der Tat, ohne Wenn und Aber, Antisemit. Nein, zum hundertsten Mal: Kritik an Israel ist nicht antisemitisch, und der Protest gegen den Krieg im Gazastreifen ist es erst recht nicht. Aber die Projektion einer staatlichen Politik auf die Juden, die womöglich nicht einmal Bürger dieses Staates sind, ist antisemitisch. Wer sich darum herumfeilschen möchte, ist ein Heuchler.

Die Unterscheidung von Heuchlern und ehrlich Besorgten wird durch die Berichterstattung in den deutschen Medien nicht gerade erleichtert. Über eine proisraelische Demonstration am vergangenen Donnerstag meldete die "Stuttgarter Zeitung": "Unter den Gegendemonstranten waren auch mehrere Teilnehmer, die dem politisch linken Spektrum zuzurechnen sind. Sie pfiffen und protestierten, als das Vorstandsmitglied der DIG, Lothar Galow-Bergemann, auf der Kundgebung sagte: 'In Deutschland tobt ein schockierender Judenhass, den viele nicht mehr für möglich gehalten hätten.'" Woher weiß die Reporterin, welchem politischen Spektrum Demonstranten zuzuordnen sind? Führt die StZ ihre eigene Verbrecherdatei? Oder arbeitet sie gar mit polizeilichen Beobachtern zusammen? Und woran erkennt die Berichterstatterin, wogegen sich die Pfiffe und Proteste richteten? Wären sie als Widerspruch gegen die Ablehnung von Judenhass zu verstehen, dann wären sie in der Tat antisemitisch. Aber können sie nicht ebenso gut der Veranstaltung, also einer Sympathiekundgebung für Israel im gegenwärtigen Konflikt gelten? Dann wären sie legitim, hätten jedenfalls mit Antisemitismus nichts zu tun. So wie es in der Zeitung steht, wird die zur Entlastung der Rechten kolportierte Meinung bestärkt, dass die Linken die eigentlichen Antisemiten seien.

Kritik ist nicht nur berechtigt, sondern notwendig

Die Gleichsetzung von Israelis und Juden, vielmehr: von israelischer Regierung und Juden ist nicht nur antisemitisch – sie erschwert vielmehr, was sie ermöglichen möchte, die gerechte Kritik an Israels Aggressionen. Sie setzt diese Kritik ihrerseits dem Verdikt des Antisemitismus aus. Dabei ist die Kritik an den Aggressionen nicht nur berechtigt, sondern dringend notwendig. Sie exkulpiert ja nicht – um ein weiteres Immunisierungsargument zu entkräften – die Gegenseite. Man musste Saddam Hussein nicht für ein frommes Schäfchen halten, um den Golfkrieg verhindern zu wollen. Man muss faschistische Tendenzen in der Ukraine und das Vordringen der NATO nach Osteuropa nicht begrüßen, um Putins Politik auf der Krim zu verurteilen. Und man muss die Raketen der Hamas nicht verharmlosen, um die Militäroperationen Israels zu missbilligen. Kein vernünftiger Mensch bestreitet das Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels. Aber wo die Opfer auf der einen Seite – und nicht zum ersten Mal – mehr als zwanzig Mal so hoch sind wie auf der anderen Seite, muss selbst der gegenüber Zahlen und Statistiken Skeptischste zu dem Schluss kommen, dass da kein ritterlicher Kampf auf Augenhöhe stattfindet. Zumal, wenn die Opfer Zivilisten sind.

Die Gleichsetzung von Israel und Juden, einer verbrecherischen Staatspolitik mit einer ohnedies schwer zu definierenden Menschengruppe kommt jenen entgegen, die immer schon antisemitisch fühlten und dachten und das nun unverblümt äußern dürfen. Aber leider verleihen viele Juden in der Diaspora, insbesondere in den USA, und die offiziösen Repräsentanten jüdischer Organisationen dieser Gleichsetzung eine scheinbare Glaubwürdigkeit, wenn sie bedingungslos für Israel Partei ergreifen, wie es hirnlose Nationalisten immer schon für "ihren" Staat getan haben. Der Nationalismus hat nicht, wie man nach 1945 hoffte, ab-, sondern global eher zugenommen. Und die Juden, die sich mit Israel identifizieren, machen da keine Ausnahme.

Statt sich mit einem verbrecherischen Staat solidarisch oder auch nur ihm gegenüber loyal zu verhalten, läge es an den Juden in aller Welt, der mörderischen Politik der gegenwärtigen israelischen Regierung Einhalt zu befehlen. Dann nämlich brächten sie den Juden jene Ehre ein, die die Widerstandskämpfer gegen das Unrecht zu allen Zeiten und in allen Ländern, nicht zuletzt in Deutschland, ihren Völkern eingebracht haben. Nach wie vor gilt Bertolt Brechts Mahnung an die Nachgeborenen: "Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd / Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt / Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung." Und auch dies, vom selben Autor: "Wenn die Kämpfer gegen das Unrecht besiegt sind / Hat das Unrecht doch nicht recht!"

Die Juden waren in der unglücklichen Lage, dass sie erst mit großer Verspätung, nach Jahrhunderten der Diaspora, die Gelegenheit bekamen, einen Nationalstaat zu gründen. Dass dies auf einem Territorium geschah, auf dem Araber lebten, die ihrerseits erst im Begriff waren, eine Nation zu werden, musste voraussehbar zu Konflikten führen. Statt sich nun mit den antikolonialistischen Bestrebungen der (ehemaligen) Kolonialvölker zu solidarisieren, verbündeten sich die in Palästina ansässigen und auf der Flucht vor Pogromen und vor der nationalsozialistischen "Endlösung" neu eingewanderten Juden mit den ehemaligen Kolonialherren, führten sie sich selbst mehr und mehr wie Kolonialherren auf, behandelten sie die Palästinenser, sofern sie nicht vertrieben worden waren, als Staatsbürger zweiter Klasse. Sie hatten nun ihren Nationalstaat und schienen entschlossen, all die Fehler und Sünden des Nationalismus zu wiederholen.

Dass ausgerechnet die Juden, die einen vom Nationalismus verursachten Genozid überlebt hatten, ihrerseits zu wütenden Nationalisten werden sollten, gehört zu den tragischsten Kapiteln der Geschichte. Wie sehr wünschte man sich doch, dass sie aus erlittenem Schicksal gelernt hätten und nicht so handelten, wie zu handeln sie den Individuen anderer Völker zu Recht vorwerfen. Wie sehr wünschte man sich, dass jeder Einzelne von ihnen vorlebte, wie redliche Deutsche oder Österreicher sich hätten verhalten sollen, als deren jüdische Nachbarn abgeholt und ins KZ deportiert wurden. Die Verteidiger Israels und seiner Politik fragen rhetorisch, warum Juden bessere Menschen sein sollten als andere. Die verzweifelte Antwort leitet sich aus dem Glauben an die menschliche Lernfähigkeit ab: Nicht, weil sie als bessere Menschen geboren wurden, sondern weil ihnen die kollektive Erfahrung eine Lehre erteilt hat, die sie von sich selbst auf andere übertragen können müssten, sollten Juden gegen Nationalismus und seine Folgen immun sein.

Die tägliche Erfahrung lehrt uns, dass es so nicht ist. Offenbar sind Menschen in ihrer großen Mehrheit überfordert, wenn sie, was sie als Opfer erlebt haben, beherzigen sollen, sobald sie in die Rolle der Täter schlüpfen. Israel ist, leider, ein ganz normaler Staat geworden, und seine Bewohner sind ganz normale Menschen geworden. Das Ergebnis trägt wenig dazu bei, ein freundliches Menschenbild zu entwerfen.

Dem übersteigerten Bedürfnis nach Gruppenidentität und somit auch nach Identifikation mit Israel gegenüber, das mit Solidarität nichts zu tun hat, sollte gelten, was Arthur Schnitzler unübertrefflich formuliert hat: "Ich fühle mich mit niemandem solidarisch, weil er zufällig derselben Nation, derselben Rasse, derselben Familie angehört wie ich. Es ist ausschließlich meine Sache, mit wem ich mich verwandt zu fühlen wünsche; ich anerkenne keine angeborene Verpflichtung in dieser Frage."

Keine Sympathie, kein Respekt

Menschlich ist es durchaus verständlich, dass Individuen, dass Gruppen erst einmal um ihre eigene Sicherheit bangen, dass sie gegen eigene Benachteiligung aufbegehren. Dass Juden, deren Verwandte ermordet wurden, am eigenen Überleben und am Überleben derer, mit denen sie ein spät erworbenes Vaterland teilen, stärker interessiert sind als an einer humanen Welt; dass Frauen, die über Generationen hinweg schlechtere Chancen hatten als Männer, eher Vorteile erlangen wollen wenigstens für die kleine Schicht der bürgerlich-intellektuellen Frauen, der sie angehören, als eine egalitäre Gesellschaft; dass Minderheiten gegen Gesetze demonstrieren, die sie gefährden, statt gegen eine ungerechte Gesetzgebung insgesamt – all dies ist verständlich. Sympathisch, mit Verlaub, ist es nicht. Jedenfalls verdient es keinen besonderen Respekt. Dass sich jemand für seine eigenen Rechte einsetzt, ist sinnvoll, aber es bewegt sich im Rahmen eines Wertesystems, für das der Egoismus verbindlich ist. Der Schwächere spielt seine Interessen gegen den Stärkeren aus. Aber es sind nicht mehr als eben seine Interessen.

In der "Zeit" schreibt Tanja Dückers, Israel-Kritik sei "immer auch zu einem substanziellen Teil purer unreflektierter Antiamerikanismus". Dass dieser Antiamerikanismus, wenn er denn tatsächlich immer(!) Teil der Israel-Kritik sein sollte, unreflektiert sei, ist die "pure" Behauptung einer Autorin, die für sich beansprucht, dass nur ihr Standpunkt reflektiert sei. Aber Antiamerikanismus ist zu einem Synonym für Antisemitismus geworden. Weil es sich doch herumgesprochen hat, dass Israel-Kritik nicht antisemitisch sein muss, stigmatisiert man sie jetzt mit dem Vorwurf des Antiamerikanismus. Dass im Nahen Osten Weltpolitik betrieben wird, kann doch niemand ernsthaft bestreiten. Dass die USA dort ihre Interessen wahrnehmen, auch nicht – was übrigens für Israel zum Problem werden wird, wenn die USA zur Überzeugung gelangen, dass ihnen arabische Staaten nützlicher sind. Es war George W. Bush, der verkündete: "We stand with Israel because it shares our values." Das muss nicht immer so bleiben. Und zum Glück verhält es sich mit den Amerikanern wie mit den Juden: Ein paar gibt es schon, die weder die Werte Israels noch die von George W. Bush teilen. Wie zum Beispiel der amerikanische Jude Noam Chomsky.

Antiamerikanisch ist nicht, wer gegen eine Politik des Irakkriegs, der NSA oder des Wirtschaftsimperialismus protestiert. Antiamerikanisch ist, wer jeden Amerikaner, Noam Chomsky eingeschlossen, dafür verantwortlich macht. Mit dem Antisemitismus verhält es sich ähnlich.

 

Thomas Rothschild, geboren in Glasgow und aufgewachsen in Wien, ist promovierter Literaturwissenschaftler, Autor und Journalist. Seit 2011 ist Rothschild Präsidiumsmitglied des deutschen Schriftstellerverbands P.E.N.


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25 Kommentare verfügbar

  • Chris
    am 13.08.2014
    Ach, und noch etwas: Wer wissen möchte, wess' geistes Kind der "Antisemitismus-Forscher" Gerd Weghorn ist, lese seine verschwurbelten Beiträge, auf die er in seinem Kommentar verlinkt. Und an den Autor des "Gastbeitrags": Das sind wohl die Geister, die Sie riefen...
  • Rotlaub
    am 12.08.2014
    "Statt sich mit einem verbrecherischen Staat solidarisch oder auch nur ihm gegenüber loyal zu verhalten, läge es an den Juden in aller Welt, der mörderischen Politik der gegenwärtigen israelischen Regierung Einhalt zu befehlen. Dann nämlich brächten sie den Juden jene Ehre ein, die die Widerstandskämpfer gegen das Unrecht zu allen Zeiten und in allen Ländern, nicht zuletzt in Deutschland, ihren Völkern eingebracht haben."


    "Dass ausgerechnet die Juden, die einen vom Nationalismus verursachten Genozid überlebt hatten, ihrerseits zu wütenden Nationalisten werden sollten, gehört zu den tragischsten Kapiteln der Geschichte. Wie sehr wünschte man sich doch, dass sie aus erlittenem Schicksal gelernt hätten und nicht so handelten, wie zu handeln sie den Individuen anderer Völker zu Recht vorwerfen. Wie sehr wünschte man sich, dass jeder Einzelne von ihnen vorlebte, wie redliche Deutsche oder Österreicher sich hätten verhalten sollen, als deren jüdische Nachbarn abgeholt und ins KZ deportiert wurden."

    Oder:
    Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen...

    Geht's noch? Die meisten Kommentare sind einfach nur widerlich. Wie naiv muss man eigentlich sein, um den antijüdischen Vernichtungswillen von Hamas & Konsorten so selbstgerecht und gierig ignorieren zu können? Diese Brühe aus selektiver Empörung, Geschichtsklitterung, Klugscheißerei und Ressentiment ist es, die zum Himmel stinkt. Insofern haben einige Kommentatoren, vorneweg G. Weghorn, den Beitrag von Rothschild bis zur Kenntlichkeit weiterentwickelt. Und wenn jetzt sogar schon Grohmann das Infame für selbstverständlich hält - dann gute Nacht!
  • brnner
    am 11.08.2014
    Unglaublich, wie Deutschsprachler meinen, herumphilosphieren zu können. Das ist die gleiche Retorik von Nazideutschland damals, die Weltmeister der jüdischen Verschwörungstheorien waren. Ein Staat, der beständig durch die islamische Welt als zu vernichtender Feind beschrieben ist, erlebt das selbe Trauma, wie anno Hitler. Auf der einen Seite jammern, wie böse die ISIS ist, aber dann sofort, das dann zu vergessen, weil " Juden" sich solche Terrororganisationen nicht gefallen lassen. Gott, lass Hirn vom Himmel regnen!
  • Peter Grohmann
    am 11.08.2014
    Herzlichen Dnk, Thomas Rothschild. Auch Selbstverständliches muss hin und wieder gesagt werden.
  • Kontext:Redaktion
    am 10.08.2014
    @elisabethHD und someonesdaughter:
    Auch an der stelle halten wir die Argumente für nunmehr ausgetauscht.
    Freundliche Grüße
    Kontext:Redaktion
  • someonesdaughter
    am 10.08.2014
    @ElisabethHD:

    "Hier steckt drin:
    - Der Wunsch, aber auch die FORDERUNG, dass die Juden(?) die Israelis(?) "

    Schon fangen Sie wieder mit Fragezeichen an, wo Sie keine Fragen haben können, wenn Sie den Text lesen.

    Der jüdisch-stämmige Autor spricht von Juden.

    Dinge, die explizit im Text stehen, wollen Sie nicht wahrhaben oder wahrnehmen, Dinge die nicht drinstehen, erfinden Sie dazu.

    Was bezwecken Sie eigentlich damit?

    (Zugegeben: eine rhetorische Frage, denn Sie antworten sowieso nicht)

    „bessere Menschen sein sollten als andere“ .. „weil ihnen die kollektive Erfahrung eine Lehre erteilt hat, die sie von sich selbst auf andere übertragen KÖNNEN MÜSSTEN“. Der Autor setzt also eine ziemlich übermenschlich hohe und ziemlich zynische moralische Messlatte:"

    Bitte was? Sich _nicht_ wie die Nazis zu verhalten, ist eine "übermenschlich hohe und ziemlich zynische moralische Messlatte"? Meinen Sie das wirklich ernst?

    "WEIL den Juden Schrecklicheres geschehen ist als den andren Menschen, sollten sie bessere Menschen sein als die anderen.

    WEIL die Nazis sie als Untermenschen behandelt haben, sollen die Juden jetzt anscheinend Übermenschen werden."

    Nein, dieses 'Übermenschen' erfinden Sie wieder dazu. Einfach ganz normale MENSCHEN, die andere _nicht_ als Untermenschen betrachten.

    Normale Menschen, die nicht so sind, wie die israelische Parlamentsabgeordenete Ayelet Shaket, die zum Völkermord aufruft, wenn sie die "Vernichtung des palästinensischen Volkes" fordert „ein­schließlich seiner Alten und Frauen, seiner Städte und Dör­fer, seines Besitzes und seiner Infrastruktur“.

    Sind Sie allen Ernstes der Überzeugung, man müsse ein "Übermensch" sein um nicht so zu denken?

    Sind Sie sich im Klaren darüber, dass Sie so eine Entlastung der Nazis und ihrer Unterstützer bewirken, nach dem Motto 'Die konnten sich ja nicht menschlich verhalten, weil sie keine Übermenschen waren'?

    "Und auch wenn er diese Messlatte selbst relativiert – sie steht erst einmal im Raum."

    Die Messlatte ist mitfühlendes, menschliches Verhalten - warum Sie das so empört, kann ich nicht nachvollziehen.

    "Tja, und dann kommt die große Enttäuschung: „Israel ist, leider, ein ganz normaler Staat geworden, und seine Bewohner sind ganz normale Menschen geworden.“ Wer ist schuld an dieser Enttäuschung? Nur diejenigen, die „versagt“ haben? Oder auch diejenigen, die völlig überzogene Erwartungen haben?"

    Der Autor fragt nicht nach Schuld, er gibt auch niemandem die Schuld. Schuld ist eine Kategorie, in der der Autor nicht denkt - Sie tun es.

    "- Die Gleichsetzung von Israel mit Nazi-Deutschland:
    Sie werfen mir vor: „Diese Gleichsetzung findet überhaupt nicht statt. Warum erfinden Sie das?“
    Es ist keine Erfindung, das steht hier:
    „Wie sehr wünschte man sich, dass jeder Einzelne von ihnen vorlebte, wie redliche Deutsche oder Österreicher sich hätten verhalten sollen, als deren jüdische Nachbarn abgeholt und ins KZ deportiert wurden.“

    Wo ist da eine Gleichsetzung der Staaten, der Systeme ? Der Autor spricht vom Verhalten der EINZELNEN Menschen:

    "Diese Gleichsetzung ist natürlich absurd."

    Weil sie gar nicht existiert. Der Autor spricht vom Verhalten der EINZELNEN Menschen, Sie unterstellen ihm eine Gleichsetzung der Staaten. Warum? Was bezwecken Sie damit?

    Und wieso sollte man einzelne Menschen nicht gleichsetzen dürfen - wenn man nicht davon ausgeht, dass es Über- und Herren- und Untermenschen gibt?

    "Ein paar Zeilen später wird sie dann auch implizit revidiert, wenn es heißt, „Israel ist, leider, ein ganz normaler Staat geworden.“ Aber auch wenn diese Gleichsetzung zurückgenommen wird – sie steht erst einmal im Raum."

    Nein. Es gibt sie nicht. Sie haben sie erfunden. Der Autor spricht vom Verhalten der EINZELNEN Menschen.

    "Sie scheinen zu wissen, dass Kinder umgebracht, also ermordet wurden. Ich weiß es nicht. Und bis zum Beweis des Gegenteils halte ich mich an die Unschuldsvermutung."

    Nein, das tun Sie nicht.

    Sorry, aber an der Stelle breche ich die Kommunikation mit Ihnen ab. Wer tatsächlich der Ansicht ist, in Gaza stürben Kinder zu Hunderten einfach so, ohne dass man wisse, warum, der ist rationalem Dialog nicht zugänglich. Ganz abgesehen davon, dass es grotesk wirkt, dass Sie die Kinder zuvor zu Opfern der Hamas erklärten - wenn sie doch angeblich gar nicht wissen, wie die umkommen:

    "Es sind doch inzwischen schon genug palästinensische Kinder umgekommen - sollte die Hamas daraus nicht auch lernen, dass Raketenattacken auf israelische Städte nicht gut sind?" (Sie, am 6.8. 00.19 Uhr)

    Sie widersprechen sich offensichtlich aus taktischen Erwägungen selbst, wenn es Ihnen opportun erscheint. Auf diese Spielchen lasse ich mich nicht weiter ein.
  • ElisabethHD
    am 10.08.2014
    @someonesdaughter

    Also noch einmal: Es geht um diesen Absatz:

    „Dass ausgerechnet die Juden, die einen vom Nationalismus verursachten Genozid überlebt hatten, ihrerseits zu wütenden Nationalisten werden sollten, gehört zu den tragischsten Kapiteln der Geschichte. Wie sehr wünschte man sich doch, dass sie aus erlittenem Schicksal gelernt hätten und nicht so handelten, wie zu handeln sie den Individuen anderer Völker zu Recht vorwerfen. Wie sehr wünschte man sich, dass jeder Einzelne von ihnen vorlebte, wie redliche Deutsche oder Österreicher sich hätten verhalten sollen, als deren jüdische Nachbarn abgeholt und ins KZ deportiert wurden. Die Verteidiger Israels und seiner Politik fragen rhetorisch, warum Juden bessere Menschen sein sollten als andere. Die verzweifelte Antwort leitet sich aus dem Glauben an die menschliche Lernfähigkeit ab: Nicht, weil sie als bessere Menschen geboren wurden, sondern weil ihnen die kollektive Erfahrung eine Lehre erteilt hat, die sie von sich selbst auf andere übertragen können müssten, sollten Juden gegen Nationalismus und seine Folgen immun sein.
    Die tägliche Erfahrung lehrt uns, dass es so nicht ist. Offenbar sind Menschen in ihrer großen Mehrheit überfordert, wenn sie, was sie als Opfer erlebt haben, beherzigen sollen, sobald sie in die Rolle der Täter schlüpfen. Israel ist, leider, ein ganz normaler Staat geworden, und seine Bewohner sind ganz normale Menschen geworden. Das Ergebnis trägt wenig dazu bei, ein freundliches Menschenbild zu entwerfen.“

    Hier steckt drin:
    - Der Wunsch, aber auch die FORDERUNG, dass die Juden(?) die Israelis(?) „bessere Menschen sein sollten als andere“ .. „weil ihnen die kollektive Erfahrung eine Lehre erteilt hat, die sie von sich selbst auf andere übertragen KÖNNEN MÜSSTEN“. Der Autor setzt also eine ziemlich übermenschlich hohe und ziemlich zynische moralische Messlatte: WEIL den Juden Schrecklicheres geschehen ist als den andren Menschen, sollten sie bessere Menschen sein als die anderen.
    WEIL die Nazis sie als Untermenschen behandelt haben, sollen die Juden jetzt anscheinend Übermenschen werden. Und auch wenn er diese Messlatte selbst relativiert – sie steht erst einmal im Raum.
    Tja, und dann kommt die große Enttäuschung: „Israel ist, leider, ein ganz normaler Staat geworden, und seine Bewohner sind ganz normale Menschen geworden.“
    Wer ist schuld an dieser Enttäuschung? Nur diejenigen, die „versagt“ haben? Oder auch diejenigen, die völlig überzogene Erwartungen haben?

    - Die Gleichsetzung von Israel mit Nazi-Deutschland:
    Sie werfen mir vor: „Diese Gleichsetzung findet überhaupt nicht statt. Warum erfinden Sie das?“
    Es ist keine Erfindung, das steht hier:
    „Wie sehr wünschte man sich, dass jeder Einzelne von ihnen vorlebte, wie redliche Deutsche oder Österreicher sich hätten verhalten sollen, als deren jüdische Nachbarn abgeholt und ins KZ deportiert wurden.“
    Diese Gleichsetzung ist natürlich absurd. Ein paar Zeilen später wird sie dann auch implizit revidiert, wenn es heißt, „Israel ist, leider, ein ganz normaler Staat geworden.“ Aber auch wenn diese Gleichsetzung zurückgenommen wird – sie steht erst einmal im Raum.

    Ja, und das ist ganz kurz gefasst der Grund für meinen Unmut: Der Artikel stellt Erwartungen und Vergleiche in den Raum, die völlig überzogen und historisch unhaltbar sind. Sie werden auch nicht richtiger dadurch, dass der Autor nicht Meier oder Schmidt, sondern Rothschild heißt.


    Noch kurz:
    „Israel ist ein ganz normaler Staat“ – die Formulierung stammt aus dem Artikel. Man müsste ergänzen: ein „normaler“ Staat mit einem ungelösten Konflikt, also im Ausnahmezustand. So „normal“ wie Großbritannien mit Nordirland? die Türkei mit den Kurden? Frankreich im Algerienkrieg? ....?

    „Verteidiger“ des „geliebten Israel“ ... Ich kenne Israel nicht und weiß überhaupt nicht, ob ich es mögen würde. Aber jeder, der auf der Anklagebank sitzt, sollte zumindest gegen völlig überzogene Vorwürfe verteidigt werden.

    „Palästinensische Kinder 'sterben' nicht einfach so, sie werden umgebracht. Warum nennen Sie das nicht beim Namen?“
    Sie scheinen zu wissen, dass Kinder umgebracht, also ermordet wurden. Ich weiß es nicht. Und bis zum Beweis des Gegenteils halte ich mich an die Unschuldsvermutung.
  • Andi
    am 10.08.2014
    Gaza ist das größte Gefängnis auf diesem Planeten. Ein Gefängnis, auf das seit Anfang Juli wieder Bomben niederhageln. Die Ereignisse dieser letzten Wochen sind das Produkt von Besetzung, Siedlungsbau und nationalistischer Hetze des israelischen Staates. Vor diesem Hintergrund führt aus meiner Sicht kein Weg daran vorbei Solidarität mit den unterdrückten palästinensischen Massen zu leisten (nicht mit der Hamas in ihrer jetzigen Form und deren Anhängern). Damit wird auch denjenigen AraberInnen und jüdischen Israelis der Rücken gestärkt, die den Mut haben, gegen Benjamin Netanjahu und Co. auf die Straße zu gehen. Opposition zur Netanjahu-Regierung und zur israelischen Elite hat indes nichts mit Antisemitismus oder anderen Formen von Rasismus zu tun.

    Juden waren/sind Opfer des Naziregimes und der israelische Staat ist heute selber Täter an den Palästinensern!

    Ich bin für eine Beendigung der Abriegelung des Gaza-Streifens, für den Schulterschluss der vielen willigen und freundlichen jüdischen und arabischen Menschen. Ich bin gegen nationalistische Spaltung durch die Mächtigen in Israel und deren Verbündete, gegen Krieg und Sozialkahlschlag, für die Schaffung einer politischen Interessenvertretung in Israel und Palestina die für eine menschlichere Veränderung der Gesellschaft eintritt! Mit der jetzigen israelischen Regierung wird dies nicht gelingen! Zu dem vermeintlichen Argument "...und was ist mit den Palästinensern!" kann ich nur sagen - einer muß beginnen! Und wenn es der militärisch Stärkere ist - um so besser!!
  • someonesdaughter
    am 09.08.2014
    @ElisabethHD:

    Warum sind Sie eigentlich so aggressiv? Das ist eine ernst gemeint Frage.

    "Ja, natürlich waren meine Fragen "Unmutsbekundungen".

    Was ist daran "natürlich", Empörung als Frage zu verkleiden? Das ist nicht "natürlich", sondern unaufrichtig. Sie haben keine Fragen, Sie wollen keinen Erkenntnisgewinn, Sie missbrauchen Fragen als Vehikel der Unterstellung.

    "Ich verstehe nicht, wie jemand, der es eigentlich besser wissen müsste, Israel mit Nazi-Deutschland und die Palästinenser mit den wehr- und schuldlosen jüdischen Opfern gleichsetzen kann."

    Diese Gleichsetzung findet überhaupt nicht statt. Warum erfinden Sie das? Warum unterstellen Sie dem Autor, der selbst jüdischer Herkunft ist das? Es werden Leute für weniger als 'Antisemiten' gebrandmarkt … auch davon handelt der Artikel.

    Lesen Sie den Artikel bitte!

    "Hätte der Autor das, was BEKANNT ist [dass die gut bewaffnete Hamas dem Staat Israel das Existenzrecht abstreitet] auch BENANNT, dann wäre ihm die üble Gleichsetzung wohl nicht so leicht aus der Tastatur geflossen."

    Und hätten Sie das, was BEKANNT ist, nämlich dass das waffenstarrende expansive Israel einem Palästinenserstaat das Existenzrecht verweigert, auch BENANNT, hätte Ihre aus der Tastatur geflossene Zurschaustellung von Empörung keinen so "üblen" Beigeschmack.

    "Was ist so schlimm daran, wenn „Israel ein ganz normaler Staat geworden ist, und seine Bewohner ganz normale Menschen“?"

    Ein ganz normaler Staat?

    Nun ja, ist das Ihre Vorstellung von Normalität: ein bis an die Zähne bewaffneter expansiver Staat, der fremdes Territorium besetzt hält (Westjordanland, Golan-Höhen, Ost-Jerusalem) oder stranguliert (Gaza), der dort zum Teil Siedlungen baut und bewaffnete 'Siedler' dort installiert, dort Straßen baut, die von den Einheimischen nicht benutzt werden dürfen; ein Staat, der mit unverhältnismäßiger Gewalt auf Angriffe reagiert und keinen Unterschied zwischen Angreifern und unbeteiligten Zivilisten macht? Ein Staat, in dem in jeder Redaktion ein Zensor des Militärs sitzt? Ein Staat, der einem Volk genau diese Staatlichkeit verweigert - ist das Ihre Vorstellung von einem 'normalen Staat'?

    "Und warum wird nur von den Israelis gefordert, dass sie aus ihrer Opferrolle lernen?"

    Die Forderung (!) kommt in dem Artikel gar nicht vor. Warum behaupten Sie das? Der Autor gibt einer vergeblichen Hoffnung (!) Ausdruck und hätten Sie den Artikel gelesen, wüssten Sie die Antwort auf Ihre 'Frage': Der Autor erwähnt nämlich explizit Leute wie Sie - Leute, die genau diese rhetorische Frage stellen und er gibt ihnen - und Ihnen - selbst eine Antwort darauf:

    "Die Verteidiger Israels und seiner Politik fragen rhetorisch, warum Juden bessere Menschen sein sollten als andere. Die verzweifelte Antwort leitet sich aus dem Glauben an die menschliche Lernfähigkeit ab: Nicht, weil sie als bessere Menschen geboren wurden, sondern weil ihnen die kollektive Erfahrung eine Lehre erteilt hat, die sie von sich selbst auf andere übertragen können müssten, sollten Juden gegen Nationalismus und seine Folgen immun sein."

    Lesen Sie bitte den Artikel!

    "Müssten die Palästinenser nicht auch langsam "bessere Menschen" werden aufgrund ihrer kollektiven schlimmen Erfahrung?"

    Finden Sie es nicht seltsam, eine Hoffnung, die Sie dem Autoren vehement negativ ankreiden, jetzt plötzlich spiegeln?

    "Es sind doch inzwischen schon genug palästinensische Kinder umgekommen - sollte die Hamas daraus nicht auch lernen, dass Raketenattacken auf israelische Städte nicht gut sind?"

    Palästinensische Kinder sterben auch im Westjordanland, von dem keine Raketen abgeschossen werden. Und sie 'sterben' nicht einfach so, sie werden umgebracht. Warum nennen Sie das nicht beim Namen?

    Ich finde es immer sehr bezeichnend, wenn von Verteidigern Israels an Terrortruppen wie die Hamas die selben Maßstäbe gesetzt werden wie an ihr geliebtes Israel. Irgendwie verräterisch, nicht? Sagt eine Menge aus, über die 'Normalität' dieses Staates ...
  • ElisabethHD
    am 09.08.2014
    @Außenstehender, 09.08.2014 09:30
    Ich verstehe Ihren Kommentar nicht. Möglicherweise liegt es daran, dass wir nicht das Gleiche unter "heftige Reaktion" und "einer objektiven/differenzierten Betrachtungsweise" verstehen.
  • Außenstehender
    am 09.08.2014
    @ElisabethHD
    someonesdaugther hat aus meiner Sicht sachlich und neutral auf Ihren Kommentar reagiert. Ich sehe weder in der Antwort von smeonesdaugther noch in anderen Kommentaren und auch nicht im Artikel selbst eine derart bewußte/gezielte Verurteilung (welcher Art auch immer) die Ihre heftige Reaktion rechtfertigt.
    Aufgrund Ihrer erneuten Reaktion (9.8.14, 00:19 Uhr) habe ich das Gefühl das Sie an einer objektiven/differenzierten Betrachtungsweise offensichtlich nicht interessiert sind! Schade, denn das würde auch Ihnen helfen.
  • ElisabethHD
    am 09.08.2014
    @someonesdaughter
    Ja, natürlich waren meine Fragen "Unmutsbekundungen".

    Ich verstehe nicht, wie jemand, der es eigentlich besser wissen müsste, Israel mit Nazi-Deutschland und die Palästinenser mit den wehr- und schuldlosen jüdischen Opfern gleichsetzen kann. Hätte der Autor das, was BEKANNT ist [dass die gut bewaffnete Hamas dem Staat Israel das Existenzrecht abstreitet] auch BENANNT, dann wäre ihm die üble Gleichsetzung wohl nicht so leicht aus der Tastatur geflossen.

    Ich verstehe nicht, wieso man von den Israelis? oder den Juden insgesamt? erwartet, dass sie "bessere Menschen" sind, und zwar WEIL sie unschuldige Opfer waren. Was ist so schlimm daran, wenn „Israel ein ganz normaler Staat geworden ist, und seine Bewohner ganz normale Menschen“? Wieso sollen die Überlebenden eines Völkermordes und ihre Nachkommen bessere Menschen sein müssen als diejenigen, denen nichts Schreckliches geschehen ist?
    Man kann das wünschen und hoffen, aber man darf es nicht erwarten und fordern.
    Das deutet Thomas Rothschild mit seiner „verzweifelten Antwort“ ja auch an.

    Und warum wird nur von den Israelis gefordert, dass sie aus ihrer Opferrolle lernen? Müssten die Palästinenser nicht auch langsam "bessere Menschen" werden aufgrund ihrer kollektiven schlimmen Erfahrung? Es sind doch inzwischen schon genug palästinensische Kinder umgekommen - sollte die Hamas daraus nicht auch lernen, dass Raketenattacken auf israelische Städte nicht gut sind?
  • someonesdaughter
    am 08.08.2014
    @ElisabethHD:

    "Und der Autor wirft den Überlebenden und ihren Nachkommen vor, dass sie ihre Lektion immer noch nicht gelernt hätten?"

    Leider sind Ihre 'Fragen' (eigentlich sind es ja keine, sondern empörte Unmutsbekundungen) typisch für eine bestimmte Art der Diskussionsführung. Ich antworte dennoch:

    Ja, genau das tut er. Der Autor, der das tut, ist übrigens Sohn des 1938 (!) aus Österreich emigrierten Wirtschaftswissenschaftlers Kurt Rothschild. Sie sehen: Er ist also selbst einer dieser Nachkommen, allerdings einer, der etwas gelernt hat.

    Und angesichts seiner eigenen Familiengeschichte und Herkunft müssen Sie dem Autor auch nicht erklären, was er zu meinen hat.

    "Er wirft ihnen vor, dass sie sich wehren gegen die Raketenangriffe der Hamas,"

    Nein, das wirft er ihnen nicht vor. Lesen Sie nach, was er wirklich schrieb.

    "die bekanntlich, aber von dem Autor leider unterschlagen, dem Staat Israel das Existenzrecht abstreitet?"

    Wenn es BEKANNT ist, kann es der Autor auch nicht "unterschlagen" haben. Es ist eben BEKANNT. Genauso BEKANNT - und man könnte jetzt polemisch erwidern: von Ihnen leider "unterschlagen" - ist, dass Israel einem Palästinenserstaat das Existenzrecht verweigert. Dieses empörte Fingerzeigen in nur eine Richtung hilft hier - wie meistens - kein Stück weiter.

    Und noch etwas:

    "Werden in Israel etwa Araber von einer geheimen Staatspolizei in Konzentrationslager deportiert?"

    Öhm, nun ja. In Israel machen das der Shin Beth, der Geheimdienst, und andere 'Sicherheitsbehörden' und es nennt sich 'Administrativhaft': Es gibt keine konkreten Vorwürfe, keinen Haftbefehl, keine Anklage, kein Verfahren, aber Haft auf unbestimmte Zeit mit massiv eingeschränkten Rechten. Vorbilder für diese Maßnahmen sind die Kolonialmacht Großbritannien, die zu diesem Zweck im Burenkrieg Konzentrationslager einrichtete, dies aber auch in Nordirland noch praktizierte und das Apartheidsregime Südafrika.
  • CharlotteRath
    am 07.08.2014
    Danke für den Artikel und die vorgenommenen Differenzierungen.
    Denn es ist ja noch komplizierter: Es gibt Menschen christlichen, armenischen und moslemischen Glaubens mit israelischer Staatsangehörigkeit, und genau wie mitten unter uns auch solche, die sich zu keiner Religion bekennen, aber dennoch Israelis sind. Es gibt bekennende Juden, die den Zionismus kritisch sehen, sowohl in allen möglichen Ländern der Erde, als auch in Israel selbst. Lebenswirklichkeit lässt sich in keine Schemata pressen, erlaubt keine Gleichsetzungen.
    Dieser Streifen Land zwischen Mittelmeer und Arabischer Wüste, der Europa mit Afrika verbindet, ist seit Jahrhunderten ein umkämpfter Zankapfel (nur während der osmanischen Herrschaft einige Zeit befriedet, die eben kein strenges Regime von oben herab war, sondern viel "Subsidiarität" zuließ), ist seit Jahrmillionen ein "Durchgangsland" - ehrlicherweise kann ihn doch niemand für sich reklamieren.
    Warum ist es so mühsam - auch für uns Hiesige - eine schlichte Lehre zu verstehen, die allen monotheistischen Religionen zugänglich ist, zudem für unser soziales Miteinander wie für den Umgang mit den natürlichen Ressourcen gleichermaßen hilfreich): Wir alle sind Gast auf dieser Erde. Sie gehört uns nicht.
    Darum möchte ich ein anderes Deutungsmuster anbieten, weg von der ideologischen Aufladung: Versuchen wir mal das, was sich im und um den Gaza-Streifen abspielt, unter den verschiedenen Aspekten von Terrorismus zu sehen, Bandenterrorismus, Staatsterrorimus. Wem nützt es, wer muss darunter leiden? Wer baut Feindbilder auf? ... und dann schält sich ein ganz anderes Muster heraus. Gewinner ist dann jedes Mal, wer auf Konfrontation, auf Gewalteskalation setzt.
    Lesenswert dazu ist z. B. Erhard Eppler: Vom Gewaltmonopol zum Gewaltmarkt?: Die Privatisierung und Kommerzialisierung der Gewalt
  • Karin
    am 07.08.2014
    Schade, dass Herr Rothschild so selten für Ihre Zeitung schreibt! Mich hat bisher jeder Beitrag von ihm sehr (positiv) überzeugt.
  • Gerd Weghorn
    am 06.08.2014
    Mit den meisten Erkenntnissen, die Thomas Rothschild hier vorgebracht hat, stimme ich überein - und mit der Kritik der beiden, bei denen das nicht der Fall ist, hoffe ich, zumindest Denkanstöße vermitteln zu können.

    Der Autor schreibt: "Dass ausgerechnet die Juden, die einen vom Nationalismus verursachten Genozid überlebt hatten, ihrerseits zu wütenden Nationalisten werden sollten, gehört zu den tragischsten Kapiteln der Geschichte."

    Wer so etwas schreibt, kennt nicht die wichtigsten Grundlagen des Judentums, ist doch im jüdischen Selbstverständnis jeder Jude qua Geburt Mitglied des jüdischen Volkes, gleichgültig, wo er geboren ist bzw. wo er lebt. Jeder Jude ist nach zionistischer Auffassung auch dann ein Bürger Israels, wenn er "in der Diaspora" lebt.

    Die allseits bekannte Metapher vom "Volk Israel" ist aufgrund dieser biologistischen Abstammungsdefinition von "Jude" auch "völkisch" oder eben "national" zu verstehen, und es war der Begründer des "Judenstaats" Theodor Herzl, die für das "Volk ohne Land" Palästina beanspruchte, welches er als "Land ohne Volk" phantasierte. Mehr: http://wp.me/pxqev-1f3

    Dass in Deutschland oder Frankreich lebende Juden von einigen Demonstranten als Adressaten ihrer Verzweiflung über die Verbrechen des zionistischen Regimes in Israel mit Schimpf und Schande bedacht werden, ist mindestens so normal, wie es die Hassdemonstrationen gegen "Araber" in Israel selbst sind: beides sind legale Grund- und Menschenrechte, und legitim darüber hinaus, wenn der Hass sich von den Unterdrückten auf die Unterdrücker richtet, was bei den antizionistischen Demonstrationen der Fall gewesen ist.

    Kritikwürdig ist dementsprechend auch die vom Autor und einigen Foristen vorgenommene Gleichsetzung von Hassentäußerungen auf "den Juden" an sich (und nur darum geht es auf Demonstrationen!) als Antisemitismus, weil der Antisemitismusbegriff weltweit mit Völkermord konnotiert ist.

    Dass es keine Bedrohung der Existenz Israels (in den Grenzen von 1967) gibt, kann niemand bestreiten, ohne sich lächerlich zu machen, ist doch die "Existenzsicherung" Israels nicht nur durch den Atomwaffenstaat Israel selbst garantiert, sondern auch durch 28 Natostaaten, die selbige zur Staatsräson erhoben haben. Der Aufstand der Hamas war deshalb nichts anderes als eine Widerstands- und Verzweiflungstat gegenüber der erklärten Politik des zionistischen Regimes,

    a) einen palästinensischen Staat zu verhindern und

    b) die Hamas zu zerschlagen, ein Vorhaben, das im Übrigen gescheitert ist; meine Prognose: die israelische Regierung wird zukünftig mit der Hamas verhandeln!

    Wer den Zionismus kennt, der weiß, dass es keinen palästinensischen Staat geben wird, weil es den zionistischen Masterplan gibt, Groß-Israel vom Mittelmeer bis zum Jordanfluss zu errichten; mit diesem Vertragsbruch der Zionisten hatte sich die Fatah arrangiert und gegen ihn hat die Hamas rebelliert.

    Das alles sind knallharte und unwiderleglich Fakten; wer die zionistische "Lösung der Palästinafrage" (und damit an die politische Zukunft der Palästinenser) nicht wahrhaben will, wer also journalistisch, statt strategisch argumentiert, der kommt auf Gedanken von Schuld und Sühne, wo es in Wirklichkeit um Gewinn und Verlust geht.

    Absolut falsch ist dieser Satz: "Juden, wo sie auch leben, wie sie auch denken, was sie auch tun mögen, werden für die Politik Israels mitverantwortlich gemacht", weiß doch jeder Demonstrant die hervorragenden Analysen von Frau Hecht-Galinski, Noam Chomsky, Omri Beoehm zu schätzen.

    Am kritikwürdigsten aber ist die Anwendung des Antisemitismus-Vorwurfs: "Wer vorgibt, Israels Politik zu kritisieren, und die Juden feige Schweine nennt, ist in der Tat, ohne Wenn und Aber, Antisemit."

    Wenn ich "die Amerikaner", die vom sicheren Port in Ramstein aus eine pakistanische Hochzeitsgesellschaft in die Luft jagen, "feige Schweine" nenne, welchen Oberbegriff würden Sie dann dafür finden, Herr Rothschild?!

    Natürlich keinen. Was mir an den Zionisten missfällt, das ist ihre Masche, den berechtigten Volkszorn, der aufkommt, wenn die waffenstarrendste Armee der Welt vom sicheren Port aus ganze Ortschaften in Schutt und Asche legt, als Ausdruck völkermörderischer Absicht zu dämonisieren, zu delegitimieren und zu diskreditieren! Mehr: www.blueprinttheorie.de
  • ElisabethHD
    am 06.08.2014
    Und was soll das eigentlich?
    "Wie sehr wünschte man sich, dass jeder Einzelne von ihnen vorlebte, wie redliche Deutsche oder Österreicher sich hätten verhalten sollen, als deren jüdische Nachbarn abgeholt und ins KZ deportiert wurden."
    Werden in Israel etwa Araber von einer geheimen Staatspolizei in Konzentrationslager deportiert?
    Es muss ja niemand Sympathie für Israel haben oder Respekt vor der israelischen Regierung - aber ein Dr. phil. sollte doch die Grundsätze wissenschaftlicher Arbeit respektieren und bei den Fakten bleiben. Die unterschwellige Gleichsetzung von Israel mit Nazi-Deutschland geht gar nicht!
  • ElisabethHD
    am 06.08.2014
    "... weil ihnen die kollektive Erfahrung eine Lehre erteilt hat, die sie von sich selbst auf andere übertragen können müssten, sollten Juden gegen Nationalismus und seine Folgen immun sein. "
    Wie bitte? - Was der Autor als "kollektive Erfahrung" umschreibt, ist die Ermordung von sechs Millionen Juden, denen von den Nazis das Existenzrecht abgesprochen wurde.
    Und damit sei den Juden "eine Lehre erteilt" worden? Massenmord als eine Art pädagogische Maßnahme? Und der Autor wirft den Überlebenden und ihren Nachkommen vor, dass sie ihre Lektion immer noch nicht gelernt hätten? Er wirft ihnen vor, dass sie sich wehren gegen die Raketenangriffe der Hamas, die bekanntlich, aber von dem Autor leider unterschlagen, dem Staat Israel das Existenzrecht abstreitet?
  • FernDerHeimat
    am 06.08.2014
    Es sagt schon einiges aus, dass diese Selbstverständlichkeit auch noch ausdrücklich erläutert werden muss.
  • Floh
    am 06.08.2014
    Ein sehr, sehr, sehr guter Artikel - vielen Dank dafür! Ebenso die bisherigen Kommentare von Gorli und tillupp.
    Für mich am wichtigsten ist die Veranschaulichung einer konsequent und kritisch "differenzierten" Betrachtungsweise des beschriebenen Konflikts/Themas. Denn eine solch kritisch differenzierte Betrachtungsweise trägt zur persönlichen Meinungsbildung bei, indem unterschiedliche/andere Blickwinkel eingenommen werden!
    Genau diese - in meinen Augen selbstverständliche - differenzierte Betrachtungsweise bzw. Information zur Meinungsfindung des Einzelnen findet heute in Deutschland bei vielen Themen von wirtschaftspolitischer Bedeutung aus bewußt taktischen, von Kapitalinteressen geleiteten Gründen nicht mehr statt.
    Gute Beispiele hierfür sind das geplante Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen den USA und der EU. Weder von der Merkel noch vom medialen Mainstream (einschließlich der TAGESSCHAU) ist nichts kritisches/differenziertes hierüber zu hören und auch nicht zu erwarten - was eigentlich deren Aufgabe wäre! Alles was von dort kommt ist einseitig Interessengeleitet (sinngemäß), "TTIP ist wichtig für UNS, für DEUTSCHLAND".
    Gleiches gilt z.B. für "Fracking", "Stuttgart 21" oder das "hetzen gegen Russland/Putin" im Ukraine Konflikt. Auch jeweils hierfür werden die Mächtigen Profiteure, gemeinsam mit willfähriger Politik/Medien einseitige und für uninformierte logisch klingende und scheinbar unwiderlegbare Argumente dafür finden!
  • ChriS
    am 06.08.2014
    "Dass ausgerechnet die Juden, die einen vom Nationalismus verursachten Genozid überlebt hatten, ihrerseits zu wütenden Nationalisten werden sollten, gehört zu den tragischsten Kapiteln der Geschichte."

    Wie jetzt? Da setzen sie ja plötzlich auch "die Juden" und Israel gleich. Das ist dann aber doch etwas widersprüchlich.

    Man muss die israelischen Angriffe nicht gut finden. Man muss überhaupt Krieg nicht gut finden. Ich persönlich ziehe es vor, mich bei dem Thema der Stimme zu enthalten. Ich kann versuchen zu verstehen. Ich verstehe die Wut und Trauer der Palästinenser, die Menschen verloren haben. Ich verstehe die Existenzangst der Israelis, das Gefühl der zunehmenden Bedrohung durch Raketen und Tunnels. Ich kann auch im Ansatz verstehen, dass das Militär diese und ihre Macher beseitigen will. Nicht verstehen könnte ich, wenn absichtlich Zivilisten getötet würden. Aber eins verstehe ich ganz und gar nicht: wenn Raketen auf zivile Ziele geschossen werden, Bomben in Bussen gezündet werden, kurzum: Sinnlos Terror verbreitet wird.

    Ich hoffe die Palästinenser und Israelis können sich irgendwann zu einer friedlichen Lösung durchringen.
  • Gorli
    am 06.08.2014
    upps. habe gerade gesehen, dass tillup eine ähnliche Deutung des israelischen Nationalismus vorgenommen hat.
    Interessant. Tatsächlich ubnabhängig voneinander.
  • Gorli
    am 06.08.2014
    Ich finde den Artikel sehr gut. Klare Worte und differenzierte Darstellung. So muss das sein. Auf dem verminten Terrain "Israel" ist das garnicht so einfach. Klasse! Danke.

    "Aber die Projektion einer staatlichen Politik auf die Juden, die womöglich nicht einmal Bürger dieses Staates sind, ist antisemitisch."
    So ist es. Da gibt es nix. Man muss jedoch bedenken, dass teils von jüdischer Seite, insbesondere allerdings von Israel und der Regierung, aus diese Gleichsetzung von Israel und Judentum stattfindet. Eine Differenzierung hierhin gehend findet von israelischer Seite ja nicht statt und das ist offenbar auch so gewollt. Somit kann man da jegliche Israelkritik zugleich als Antisemitismus brandmarken.
    Und ist es nicht auch Kanzlerin Merkel die diese Gleichsetzung befördert, wenn sie vom "jüdischen Staat" Israel spricht?
    Rolf Verleger, Psychologieprofessor und ehemaliges Direktoriums-Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland, er baute die Jüdische Gemeinde Lübeck und den Landesverband Schleswig-Holstein mit auf, sieht das ähnlich:
    "Wenn unsere Politiker alle sagen, ja, das ist völlig richtig, was Israel macht, wenn unsere Medien sagen, ja, das ist völlig richtig, was Israel macht, wenn die Repräsentanten des Judentums nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich zum Beispiel sagen, ja, das ist doch ganz klar, wer gegen Israels Maßnahmen ist, der ist gegen Juden, dann fordert man ja solche antisemitischen Parolen geradezu heraus."
    http://www.deutschlandfunk.de/anti-israelische-proteste-wer-hat-uns-das-denn-eingebrockt.694.de.print?dram:article_id=292408

    Es gibt neben Verleger und Chomsky noch viele andere Juden, die Israels Politik kritisieren, bzw. deren Werte nicht teilen.
    Z.B. Ira Chernus:
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20570
    Oder die jüdische Stimme:
    http://www.juedische-stimme.de/?p=1506

    Es gibt aber auch ÄUßERST harte Kritik an Israel von jüdischer Seite, wie z.B. von Evelyn Hecht-Galinski, der Tochter des Auschwitz Überlebenden und ersten Zentralratspräsidenten Heinz Galinski
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20590
    oder von Abi Melzer. Er war Herausgeber der Zeitschrift SEMIT – und Verleger vieler wichtiger Schriften zum Nahost-Konflikt.
    Den Vorwurf der Lüge gegen Graumann hat er allerdings zurückgezogen!
    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/140801_Zum_Antisemitismus_in_Deutschland.pdf

    Zum israelischen Nationalismus noch die wirklich erschreckenden Beiträge:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/gaza-konflikt-die-angst-der-intellektuellen/10273178.html

    Oder vom in Tel Aviv lehrenden Prof. Zuckermann:
    http://www.jungewelt.de/2014/08-02/050.php

    Ein persönlicher Gedanke noch, zu dieser Feststellung:
    "Dass ausgerechnet die Juden, die einen vom Nationalismus verursachten Genozid überlebt hatten, ihrerseits zu wütenden Nationalisten werden sollten, gehört zu den tragischsten Kapiteln der Geschichte. Wie sehr wünschte man sich doch, dass sie aus erlittenem Schicksal gelernt hätten und nicht so handelten, wie zu handeln sie den Individuen anderer Völker zu Recht vorwerfen."

    Ich denke, dass es gut möglich ähnliche Mechanismen sind die in Israel wirken, wie die, die z.B. einen Jungen, der massive Gewalterfahrung in seiner Kindheit erlitten hat, selbst zum "prügelnden Vater" werden lassen. Oder die Mutter, die selbst als Kind sexuell mißbraucht wurde - und deren Mutter "weggesehen", es geduldet hat etc., sich ihrerseits einen Partner sucht der wieder das gemeinsame Kind sexuell mißbraucht, während sie - genau wie ihre Mutter damals - wegschaut, duldet....
    Im Kontext von Individualpsychologie, Trauma und Therapie wundert sich über solche generationsübergreifenden Wiederholungen keiner mehr.

    Naja. Man könnte solche Deutungsmuster ja mal untersuchen, inwiefern diese auf Kollektivebene, bzw. sozialpsychologische Ebene übertragbar sind.

    Aber insgesamt extrem schwieriges Terrain.

    Grüße!
  • tillupp
    am 06.08.2014
    @Dass ausgerechnet die Juden, [...], ihrerseits zu wütenden Nationalisten werden sollten, [...].

    Es ist im Kleinen wie im Großen. Misshandelte Kinder werden oft selbst zu Misshandlern sobald sie stark genug sind... und so wie die Juden wurden verfolgt wurden, gibt Israel es den schwächeren Palästinensern weiter. In der Thora fehlt es offensichtlich an Nachsicht. Auge um Auge statt Vergebung. ... wobei das Gleichgewicht der Taten (3 ermordete israelische Kinder vs hunderte palästinensische) auch alttestamentarisch nicht stimmt. Da braucht es ein korrektiv von außen. Es gelten keine mildernde Umstände mehr, nur weil der Staat Israel eine schwere Kindheit hatte. Ohne Sanktionen (z.B. Boykott von Waren) wird Israel sich nicht ändern.
  • tillupp
    am 06.08.2014
    @Sprechchöre wie "..."
    Es ist wieder typisch. Unter dem Deckmantel vermeidlicher Information und Pressefreiheit werden rassistische Sprüche "zitiert" bzw. publiziert die sonst der Strafverfolgung (Volksverhetzung) unterliegen würden. HALLO AUFWACHEN! Ich kannte diesen Spruch noch nicht, und möchte ihn am liebsten gleich wieder vergessen, was aber gar nicht so einfach ist. Auch so wird rassistisches Gedankengut verbreitet. Stoppt das endlich, für den Artikel wäre der konkrete rassistische Spruch auch unerheblich gewesen. Auf gut schwäbisch: Ooneetich-wi-an-Gropf
    P.S.: ich war auf einer Demo in Mannheim, und da wurden solche Sprüche nicht skandiert (zumindest nicht auf deutsch). Und "Kindermörder Israel", geht eindeutig nicht gegen Juden, sondern gegen die israelische Armee, und ist genauso legitim und durch Meinungsfreiheit abgesichert wie der Spruch "Soldaten sind Mörder". https://de.wikipedia.org/wiki/Soldaten_sind_M%F6rder

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