Das Treffen wirkt konspirativ. Es ist Ende Mai, 8.30 Uhr auf dem Parkplatz eines Gasthofs im Kreis Esslingen, wenige Kilometer südwestlich von der Landeshauptstadt Stuttgart. Hier haben sich drei Männer und vier Frauen verabredet, um noch kurz den Plan für den Tag zu besprechen: Andreas Harnack, Chef der Gewerkschaft IG BAU (Bauen, Agrar, Umwelt) im Südwesten, und seine Kollegin Dorota Kempter; Alexandra Cojocaru und Alexandru Urea von der Fairen Arbeit Baden-Württemberg; Justyna Oblacewicz und Bojana Spalevic von der bundesweit tätigen Faire Mobilität; Matthias Schneider von der katholischen Betriebsseelsorge.
Extra aus Frankfurt angereist: Justyna Oblacewicz von der Fairen Mobilität.
Faire Arbeit und Faire Mobilität beraten und informieren Arbeiter:innen aus dem Ausland, etwa Lkw-Fahrer oder Paketlieferantinnen. Diesen Donnerstag suchen sie den Kontakt zu Saisonarbeiter:innen, die derzeit auf dem Feld stehen und Erdbeeren, Spargel oder Salatköpfe ernten. Zwischen 200.000 und 300.000 kommen jedes Jahr nach Deutschland. Justyna Oblacewicz reist an diesem Morgen extra aus Frankfurt am Main an, vorab hat ihr Team bereits ein paar Erdbeerfelder herausgesucht, bei denen sie vorbeischauen wollen.
Dort wollen sie herausfinden, woher die Feldarbeiter:innen kommen, ihnen Fragen zu den Arbeitsbedingungen stellen und Flyer mitgeben. Wie lang arbeiten sie? Wie hoch ist der Lohn? Wie lange machen sie Pause? Wo sind sie untergebracht und wie viel zahlen sie dafür? Das will die Gruppe herausfinden – nicht zuletzt wegen der Sprachbarriere eine Herausforderung. Hier können die Berater:innen von Faire Arbeit und Faire Mobilität Abhilfe leisten. Ihr sprachliches Repertoire umfasst Rumänisch, Bosnisch, Serbisch, Polnisch und Kroatisch – neben Deutsch und Englisch, versteht sich. Am Gasthof machen sich alle miteinander bekannt, besprechen, wer in welchem der drei Autos mitfährt, dann geht es los zum ersten Feld.




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