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Das Wettern der Woche

Feigheit vor dem Feind

Das Wettern der Woche: Feigheit vor dem Feind
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Das ist ein militärischer Straftatbestand – heute, wo Kriegstüchtigkeit und Mut gefordert werden, sind Flucht, Gehorsamsverweigerung oder das freiwillige Überlassen der eigenen Ausrüstung aus Angst vor persönlicher Gefahr fatal. Im zivilen Alltag geht das deutlich eleganter. Man überlässt dem Gegner nicht sein Gewehr, sondern die Demokratie. Schon der Omi Glimbzsch in Zittau wurde allzeit geraten, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, vor allem bei politischen Angelegenheiten (Hunger in Kuba, Terror im Libanon, Opposition in Israel, Allah in Teheran, Olympia in Hamburg). Auch vorlaute Kinder bekommen schnell eins auf den Hut, wenn sie Nagelsmann spielen wollen. 

Dieser Tage wiederholt man bis zum Erbrechen, dass "sie" unter Druck steht und geschützt werden muss – die Demokratie, noch dazu weltweit. Als ob wir zu Hause nicht genug zu tun hätten! Wenn's dann hart auf hart kommt, hat es freilich die Meinungsbildung schwerer als die Meinungsmache – O, lympia! Früher bei uns, heute anderswo gilt oft: Schnauze halten, Knast oder auch Rübe runter. 

Wir sind ja nicht allein, wenn autoritäre Bewegungen – die Augen geradeaus – munter und landauf, landab in die Parlamente marschieren. Die rechten Wellenreiter nutzen meisterlich die Empörung über den vermeintlich oder real versagenden Staat, überforderte und zerfledderte Parteien, die Abschaffung des Bargelds und die Schließung des letzten Ladens im Viertel. Gestern wurde die einzige Buslinie eingestellt und der letzte gelbe Briefkasten abmontiert: Post mortal. In solchen Zeiten kommt die Demokratie nicht mehr mit einem blauen Auge davon.

Arne Semsrott beschreibt in seinem neuen Buch "Gegenmacht" treffsicher, wie Demokratien schleichend autoritär werden können – nicht nur durch die Stärke ihrer Gegner, sondern durch die Ignoranz und politische Dummheit ihrer Verteidiger: Feigheit vor dem Feind. Demokratie und Rechtsstaat leben nicht von Sonntagsreden auf Parteitagen, sondern von streitbaren Leuten, die auf der Straße sind und sich nicht einschüchtern lassen, von AnStiftern, Initiativen und NGOs, die aktiv werden und wach bleiben. 


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator beim Bürgerprojekt Die AnStifter. Dieses Mal wettert er ausnahmsweise ohne Video, nächstes Mal wieder mit. Alle Wettern-Videos gibt's hier zum Nachgucken.

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