Die amerikanisch-israelischen Angriffe auf die iranische Atomanlage Natanz und der Gegenschlag auf das Kernforschungsgelände bei Dimona im Süden Israels führen, auch wenn beide ohne gravierende Folgen blieben, die Brisanz des Themas erneut vor Augen: Wie sicher sind nukleare Anlagen? Auch Russland spielt in der Ukraine mit dem Feuer. Vier Kernkraftwerke versorgen das Land mit Strom. Das von Saporischschja hat Russland 2022 besetzt. Das berüchtigste, Tschernobyl, ist seit 2000 abgeschaltet.
Sperrzone von Tschernobyl/Pripyat, 2016. Foto: Volker Kreidler
40 Jahre ist es her, dass passierte, was angeblich gar nicht passieren konnte: Am 26. April 1986 ereignete sich im Block 4 des ukrainischen, damals sowjetischen Atomkraftwerks der Super-GAU, schlimmer als der größte anzunehmende Unfall. Wer Anfang der 1980er-Jahre geboren ist, wird sich vielleicht noch erinnern, dass er oder sie plötzlich nicht mehr im Sandkasten spielen durfte. Die Regierungsmaßnahmen sollten wohl eher der Beruhigung dienen. Denn die Strahlung lässt nicht so schnell nach. Doch wie sieht es vor Ort in Tschernobyl aus? Eine Ausstellung im Stadthaus Ulm nimmt das Gebiet um den havarierten Reaktor in den Blick.
Plattenbauten, umgeben von Bäumen, offenbar unbewohnt: Volker Kreidlers großformatige Schwarzweifotos zeigen eine seltsame, hybride Szenerie. Geisterhaft stehen die Hochhäuser im Wald, wie eine versunkene Welt. In vierzig Jahren sind Bäume gewachsen bis dicht an die Wände heran. Fenster stehen offen, Scheiben sind zu Bruch gegangen. Im Inneren ist der Putz von der Decke gefallen. Ein paar Flaschen stehen noch auf dem Fenstersims herum, so als hätten ein paar Gäste soeben erst den Raum verlassen.




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