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Oh, wie schön ist Biberach

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 Fotos: Stadt Biberach 

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Der Endloswitz geht in die x-te Runde: Schwaben gegen BerlinerInnen. Oder war es anders rum? Man weiß es nicht. Die ursprüngliche und nachvollziehbare Aufregung über die reichen Schwaben, die die Ärmeren aus dem Kiez drängen, ist in Berlin seit Jahren einem Running-Schwaben-Gag gewichen. Und jetzt kommt Biberach.

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Der "Spätzlestreit" hat einen Bart bis zum Boden. Fällt einer Berliner Werbeagentur nix Besseres ein, macht man halt "was mit Schwaben" – das geht immer. So fahren seit geraumer Zeit Busse der Berliner Verkehrs-Gesellschaft (BVG) durch die crazy City, auf der freche Sprüchen gegen Schwaben stehen. "Liebe Schwaben, wir bringen euch gerne zum Flughafen..." zum Beispiel. Kicherkicher. Die klassische Reaktion darauf folgt natürlich prompt: Gegenschlag der Stuttgarter zwischen Kicherkicher und Zwergenkomplex. "Welchen Flughafen meinen die eigentlich" mault Sven Matis vom Stuttgarter Rathaus. "Der Spruch ist eine ziemliche Unverschämtheit. Er provoziert unnötig gegen eine Bevölkerungsgruppe und ist auch nicht witzig", koffert auch der gebürtige Stuttgarter und CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann laut "Bild" zurück. Alles schon hundert Mal durchgekaut. Dann trat Biberach auf den Plan.

Die oberschwäbische Stadt mit dem goldenen, gekrönten Biber im Wappen hat eine Kampagne gestartet, um die Berliner Spätzle wieder zu schwäbischen Schätzle zu machen. Die Ausgewanderten sollen dazu animiert werden, wieder zurück zu kommen. Denn in Biberach gibt's Arbeitsplätze und da herrscht Fachkräftemangel, erklärt Inge Voss vom Stadtmarketing Kontext gegenüber. "Wenn Berlin se net will, nemmet mir se widder zrück".

Helfen soll dabei der Tatort-Schauspieler und Kabarettist Bernd Gnann straight outta Aulendorf. Mit Youtube-Videos, in denen er sein Alter Ego Rainer Holzrück breit auflabern lässt: Eine Witzfigur, die sich in Mundart in Berlin herumtreibt und auf der Suche nach Schwaben für die Rückführung nach Biberach auf Currywurst-Dampf und Berliner-Schnauzen-Krampf stößt. In einem der Videos auf Facebook ist auch der Oberbürgermeister der Stadt, Norbert Zeidler, zu sehen, wie er Brillenbiber Holzrück ("Hol' se zurück, höhö") seinen Segen gibt und mit ansässigen Firmen Werbung für die Biberstadt macht. Ob sich durch die Aktion "Geh doch nach Biberach" wirklich Weggezogene überzeugen lassen, bleibt zu bezweifeln. In erster Linie soll's witzig sein – zumindest, wenn man Fremdscham als erheiterndes Gefühl empfindet.

Dabei hat es die schöne Stadt an der Riß gar nicht nötig, den "Spätzleskrieg", der mittlerweile eher ein kalter Gaisburger Marsch ist, wieder aufzuwärmen. Ein Doppeldecker-Bus mit Biberach-Bildern, der durch Berlin fährt, würde reichen. Dann müsste sich sogar auch der eine oder andere Schwaben-Hater heimlich eingestehen, dass der Süden Deutschlands oifach subb'r isch. Fachwerkstadt of love – in unserer Schaubühne zeigen wir, ganz ohne Seitenhieb, den BerlinerInnen, wie schön Biberach ist. Einfach so. Weil wir's können.


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4 Kommentare verfügbar

  • Hartmut Hendrich
    am 15.01.2017
    Antworten
    @Fritz: Danke, der Schlag sitzt und schmerzt in der Magengrube. Dass mir die Nachsilbe „er“ doppelt in ein Wort geraten war und mir nicht beim Kontrollieren vorm Absenden, aber sofort nach der Veröffentlichung auffiel, war schon ärgerlich. Dass ich aber den Begriff „gender“, oft gelesen, aber…
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