Feinstaub-Messgeräte der Marke Eigenbau: Das Zusammenbasteln geht kinderleicht und zum kleinen Preis. Zur Fotostrecke geht's per Klick aufs Bild. Fotos: Joachim E. Röttgers

Feinstaub-Messgeräte der Marke Eigenbau: Das Zusammenbasteln geht kinderleicht und zum kleinen Preis. Zur Fotostrecke geht's per Klick aufs Bild. Fotos: Joachim E. Röttgers

Jeden zweiten Dienstag im Monat folgen rund 30 Personen der Einladung des OK Lab.

Jeden zweiten Dienstag im Monat folgen rund 30 Personen der Einladung des OK Lab.

Mit dabei war im Dezember auch Sibylle Wais, Bürochefin bei Kontext.

Mit dabei war im Dezember auch Sibylle Wais, Bürochefin bei Kontext.

Die Hardware-Teile sind vorkonfiguriert und müssen nur noch zusammengesteckt werden.

Die Hardware-Teile sind vorkonfiguriert und müssen nur noch zusammengesteckt werden.

Das sieht kompliziert aus, geht aber leicht von der Hand – zumindest mit Anleitung.

Das sieht kompliziert aus, geht aber leicht von der Hand – zumindest mit Anleitung.

Witzle zwischendurch: Ob man Feinstaub auch hören kann?

Witzle zwischendurch: Ob man Feinstaub auch hören kann?

Jeder Sensor bekommt eine ID-Nummer, über die er identifiziert werden kann.

Jeder Sensor bekommt eine ID-Nummer, über die er identifiziert werden kann.

Angeschlossen ist es schon. Ab nächster Woche geht das Kontext-Messgerät online.

Angeschlossen ist es schon. Ab nächster Woche geht das Kontext-Messgerät online.

Ausgabe 301
Schaubühne

Feinstaub für zu Hause

Von Minh Schredle
Fotos: Joachim E. Röttgers
Datum: 04.01.2017
Ein Feinstaub-Messgerät der Marke Eigenbau zum Vorzugspreis von 30 Euro – das ist keine Spinnerei, sondern geht ganz einfach: Im Stuttgarter OK Lab werden die Geräte einmal pro Monat unter Anleitung gebastelt. Kontext hat mitgemacht.

Für gewöhnlich kommen deutlich mehr Gäste als sich angemeldet haben – und es wird eng im Stuttgarter Shackspace. Dort sitzen dann Interessierte, vorwiegend aus der Landeshauptstadt und ihrem Umland, zusammen mit den Mitgliedern des OK Labs, einer Gruppe von Programmierern, Designern und Journalisten – und basteln Feinstaub-Messgeräte. Jan Lutz, Webdesigner und Mit-Initiator des Projekts sagt, den großen Andrang seien er und seine neun Kollegen inzwischen gewöhnt: "Wir haben pro Monat zwölf Bausätze und rund 30 Teilnehmende."

Dafür war viel Vorarbeit nötig: Zwei Jahre lang haben die OK-Lab-Mitglieder an Prototypen getüftelt, nach kostengünstigen Komponenten gesucht und das Preis-Leistungs-Verhältnis optimiert. Mit Erfolg: Die Materialprüfanstalt der Uni Stuttgart bescheinigt dem OK Lab, dass die Messkurven ihrer Eigenbauten nahezu identisch mit denen teurer Profigeräte sind. Einen "Ritterschlag" nennt Lutz das sichtlich stolz, schließlich kosten die Geräte im Eigenbau nur rund 30 Euro und nicht mehrere tausend. Ein bisschen Glück sei auch dabei gewesen, gesteht er: "Plötzlich sind die Preise gepurzelt und wir konnten mit dem gleichen Budget feinere Sensoren verbauen." Diese können auch Feinstpartikel mit einem Durchmesser ab 2,5 statt, wie vorher, zehn Mikrometern erfassen.

Ziel ist es nun, 300 der Geräte in Betrieb zu nehmen. Gut 150 sind schon fertig gebaut, etwa 80 bereits am Netz - allerdings bundesweit. "Es ist zwar nirgends so schlimm wie in Stuttgart", sagt Lutz: "Aber Interesse gibt es grundsätzlich überall in Deutschland." Auf einer Online-Karte ist für jedermann einsehbar, wo die Messstationen welche Werte ausspucken - im Stuttgarter Kessel gibt es gut 50 Geräte. Tendenz steigend: Die Bastelkurse sind beliebt und durchgehend ausgebucht.

Regelmäßig ausgebuchte Bastelkurse

Dort müssen die vorbereiteten Komponenten nur noch verkabelt und zusammengesteckt werden. Buchstäblich kinderleicht, sagt Lutz: "Ich habe das auch schon mit meinem neunjährigen Sohn gemacht." Ganz problemlos geht der Eigenbau allerdings nicht allen Teilnehmenden von der Hand, schließlich weiß nicht jeder aus dem Stand, wie Sensoren und Drahtlos-Module korrekt miteinander verkabelt werden. "Mit Anleitung", sagt Lutz, "haben es bis jetzt trotzdem alle geschafft". Auch bei der Inbetriebnahme der Geräte kommt es gelegentlich zu Schwierigkeiten. Lutz betont, für Rückfragen stehe man immer bereit: "Bis jetzt haben wir noch jedes Problem behoben".

Bislang gibt es bei den offiziellen Feinstaub-Daten jedoch immer noch etliche blinde Flecken. So erfährt man zwar regelmäßig von Grenzwert-Überschreitungen am Neckartor – etwa zum Jahresauftakt um mehr als das Dreifache des Zulässigen. Wie übel es allerdings im Rest der Region aussieht, dazu gibt es kaum belastbare Informationen.

Für Lutz ist es wichtig, auch hier konkrete Messwerte in der Hand zu haben. Die Eigenbauten seien ein erster Schritt. Noch wichtiger wäre es allerdings, endlich Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung zu ergreifen. 2016 wurde in der Landeshauptstadt 59 mal Feinstaubalarm ausgerufen – maximal zulässig wären nach EU-Richtlinien 35 Überschreitungstage. Der justiziable Grenzwert liegt dabei bei 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter. Lutz bemerkt: "Gesundheitsschädigend wird es aber schon ab 20 Mikrogramm." Für ihn ist klar: Die Regularien sind zu lasch und Regelbrüche werden zu mild geahndet. "Die Gesetzgebung darf hier nicht weiter vor der Autolobby kuschen", fordert er: "Gesundheit muss an oberster Stelle stehen."


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!
botMessage_toctoc_comments_9210
KONTEXT per E-Mail:  

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochs um 9 Uhr unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail. Datenschutz-Hinweis

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!